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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-11-03 · 44 (3.11.1905) · p. Seite 619

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
44 (3.11.1905)
Date
1905-11-03
Page
Seite 619 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 44. Israelitische Wochenschrift. Seite 619. mich überzeugen", Chulin 56b, 57b. Beispiele von Ovariotomie bei Tieren finden sich Chulin 48 a, 55b, besonders bei Kuh und Schwein, Bechoroth 28b, Synhedrin 33 a*). Schon lange gehe ich der Krebsfrage nach und habe vor zwei Jahren dem Komitee für Krebsforschung in Berlin j freundlich aufgenommene Anträge vorgelegt. Sehr anregend! wirkten daher auf mich die Darbietungen Dr. Kellings,! welcher der bekannten heteroplastischen Erklärungsweise durch J die Annahme der parasitären Eiweißzellen aus ordnungsfremden Tierleibern eme neue Richtung und dadurch eine unabsehbare Ausdehnungsfähigkeit gegeben.**) Der nächste Schluß, der sich für mich daraus ergibt, lautet: Wenn keimfähige Partikelchen aus einem Vogelkörper imstande sind, durch ihre schmarotzende Weiterentwicklung solche entsetzliche Verheerungen im Menschenleibe anzurichten, so kann ihnen auch die Fähigkeit innewohnen, als Substanzen mit irgend einer Heilwirkung in einen kranken menschlichen Leib übertragen zu werden, sei es auch nur nach einem Durchgänge durch Säugetiere. An eine Virulenz von Ptomainen ist dabei vorderhand nicht zu denken. Doppelt überrascht haben mich als Ornithologen vom Fach und als dilettierenden Mitforscher nach den Krebs- Problemen und mit etwas wie froher Genugtuung.erfüllt die Untersuchungen von Frau Dr. Rabinowitsch, die Tuberkulose bei verschiedenen Vogelarten betreffend, mit der Vorahnung therapeutischer Anwendung auf die verwandten me..schlichen Krankheitsformen. Hat keiner an einen möglichen Zusammenhang beider Forschungsergebnisse und Hypothesen gedacht? Gegen die Allgemeingültigkeit der Kellingschen Theorie ließe sich doch unter anderem einwenden: Es ist längst bekannt, daß beispielsweise in Bayern das häufige krebsige Erkranken von Magen, Darm und Speiseröhre auf die landesübliche Ernährungsweise zurückzuführen sei. Die große Menge heißgenossener Mehlspeisen und der übermäßige Biergenuß wirken abschwächend und auflockernd auf die Gewebe und Phagozyten der in Betracht kommenden Organe und machen sie zu einem aufnahmefähigen Boden für die Wucherungen fremdartiger Gewebsteile. Auch auf Korsika, wo ein Hauptbestandteil der Nahrung in Kastanien besteht, werden für das häufige Auftreten des Magenkrebses die Härchen der inneren Kastanienschale angeführt. Der Mensch ist nicht nur das, was er ißt, er wird auch spezifisch krank von dem, was er ißt. Und wie es Berufskrankheiten gibt, so gibt es auch durch Nahrungswahl bestimmte Krankheiten. Wie über so vieles zum Schutze der Gesundheit, so geben die biblisch-talmudischen Speise-Gesetze gerade über das vorliegende Thema beachtenswerte Andeutungen: *) Nachstehende später erfolgte Ergänzung blieb unerwähnt, nämlich die gewiß sehr merkwürdige Talmudstelle Baba Mezia 83 b, wo von einer Narkose zum Zwecke einer Operation, wie von einem gebräuchlichen Vorgänge berichtet wird: „Dem R. Elasar, Sohn des Simeon, gab man ein Schlafmittel und brachte ihn in ein Marmorhaus, wo man ihm den Bauch aufschlitzte und daraus eine große Menge Fett^.mit roten Wucherungen entfernte." Sollte unter dem „Marmorhause" ein aseptisch hergerichtetes Operationslokal verstanden werden? (PI.) **) Dr. K. will nämlich Carcinome der Speiseröhre usw. auf den Genuß von rohen Eiern zurückführen. (PL) Nach der rabbinischen Auslegung des Bibelverses I. B. M. 9, 4, ist es allen Menschen strenge untersagt, ein Stück aus einem lebendigen Tierleibe zu reißen und zu genießen. Es kam dies in alter Zeit öfter vor, sei es aus ungezügelter Gier oder aus superstitiösen Gründen — eine Perversität, der man noch jetzt bei wildem Völkern begegnet. Es ist darin, wenn überhaupt, nicht so sehr das ethische Motiv der Tierschonung zu erkennen, da ja auch das Rupfen lebendigen Geflügels verboten ist (s. Eben Haeser 5), vielmehr das Diätetische des Genusses zu erblicken, worauf auch die Blutscheu bei den Nahrungsmitteln zurückzuführen ist. Selbst ein Ei, worin ein Blutstropfen gefunden wird, gehört zu den verbotenen Dingen. Wie wäre es, wenn Sie die Güte hätten, unter Hinweis auf obige Darlegung Frau Dr. Rabinowitsch zu bestimmen, Vögel auch auf karzinomatische Disposition oder Immunität zu prüfen? Die Untersuchungsergebnisse können von größter Bedeutung für die Menschen-Krebs-Forschung alle Etappen hindurch — Aetiologie, Pathogenie, Symptomatologie, Prophylaxe, Therapie, Diätetik — zumal für erblich Belastete oder bei erworbener allgemeiner und lokaler Disposition — und Volks-Hygiene — werden. Darauf hinzielende Aufschlüsse aus eigenen Untersuchungen und Anschauungen bin ich auf Wunsch zu erteilen gerne bereit. Dr. B. Placzek. Gkdimkkn und Aussprüche limilinitn Mittler ülier Jude» und Judentum. Ich bin auf einer deutschen Universität sehr viel mit Juden umgegangen und habe dabei beobachtet, daß die jüdischen Studenten die christlichen in jeder Beziehung am Talent, Geist und auch an Innerlichkeit übertrafen. Während die christlichen Studenten ihre Zeit mit Saufen usw. hinbrachten, pflegten ihre jüdischen Kameraden die Musik, Poesie und Philosophie und habe ich in diesen Kreisen mich stets aufs Geistreichste unterhalten können, während mir die christlichen Kreise so wenig boten, daß ich sie schließlich gar nicht mehr aufsuchte. Unangenehme Seiten des jüdischen Charakters habe ich keine kennen gelernt, und jedenfalls haben mich die Charakterfehler der Christen mehr abgestoßen als die der Juden. Die moderne Judenhetzerei halte ich für eine Ausgeburt jenes deutschen Geistes, der^'noch immer in den Banden des Mittelalters schmachtet und den der dreißigjährige Krieg noch auf Jahrhunderte hinaus verdummt und verroht hat. Dies meine unmaßgebliche Meinung von der Sache. Wilhelm Walloth. * * * Ich habe, wie der Dulder Odysseus, vieler Menschen Schicksale erfahren: die Geschichte eines Stiefkindes im Stiefvaterlande, das nach Liebe sich sehnt, nach freundlicher Hegung, und vom Staatsgesetze und den Staatsgenossen zurückgestoßen, dennoch die Liebe nicht verliert. ' Als mir Ofsenheimer die Kränkungen, die er in den Schulen erfahren, und die Herbheiten und schroffen Ablehnungen seines späteren Lebens erzählte, da war mir's, als müßte ich ihn um Verzeihung bitten für all das Elend und all die Lieblosigkeit, die wir an ihm und unsere Vorfahren an den Seinen uns zu Schulden kommen ließen. Diejenigen, die sich Bekenner der Religion der Liebe nannten, wurden weit überragt von

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