Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-10-27 · 43 (27.10.1905) · p. Seite 606

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
43 (27.10.1905)
Date
1905-10-27
Page
Seite 606 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/5369809-9607691-9606364-9606986--9654-9607000
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions (1 not found in this text)

Seite 606. Israelitische Wochenschrift. Nr. 43. (Händler), Rabbiner in Budapest; Jakob Boschan, Präsident der Chewra Kadischa in Budapest; E. Karlin, Diamantenhändler, Amsterdam; Dr Heinrich Loewe, Redakteur, Berlin; Lippmann Bloch, Gutsbesitzer, Breslau; Dr. Schwartzschild, Frankfurt a. M; Dr. David Leimdörfer, Rabbiner, Hamburg; Dr Salomon Goldschmidt, Rabbiner. Königshütte; Prof. D Simonsen, Kopenhagen; Mendel Feigenbaum, Lemberg; Ascher Leon F.nci, Rabbiner, Sarajevo; Prof. Boris Schatz, Bildhauer, Sophia; Julius Weil, Kaufmann, Stuttgart; Dr. Werner, Redakteur, Wien re. Mit der technischen Durchführung des groß angelegten Reiseplanes, der in einem uns zugegangenen illustrierten Prospekt sehr interessant beschrieben ist, wurde neuerlich das Fahrkarten-Bureau der König!, ungarischen Staatsbahnen (Budapest, Vigado-ter 1) betraut, wo der in Rede stehende Prospekt für jedermann frei aufliegt. Die Reisegesellschaft wird ein eigens für diese interessante Exkursion adaptierter Dampfer des Oesterreichischen Lloyd befördern. Tilsit. Das hiesige Schutzkomitee hat durch den am 22 Oktober erfolgten Tod seines Mitgliedes, des Herrn K. L. Kallenbach, einen schweren, kaum zu ersetzenden Verlust erlitten. Schon vor Errichtung des Komitees hat Herr Kallenbach durch Sammlungen und aus eigenen mit Rat und durch die Tat der Rot und dem Elend der jüdischen Auswanderer mit Erfolg abgeholfen, nachdem das Komitee errichtet und unsere Auswandererherberge geschaffen war, bildete er den Mittelpunkt unserer Tätigkeit. Sein praktischer Blick und sein gutes Herz lieben ihn auch in den schwierigsten Fällen einen gangbaren Weg finden. Seine letzten Lebensjahre hat er nur unserer guten Sache gedient. Wir werden den edlen Mann nicht vergessen, sein Wirken wird uns stets vorbildlich sein. Worms. Auf dem Speicher der hiesigen Synagoge wttrden, wie Lehrer S. Rothschild mitteilt, von dem im vorigen Jahre verstorbenen Vorstandsmitgliede der hiesigen israelitischen Gemeinde, Julius Goldschmidt, bedeutende Funde von geschichtlicher Bedeutung gemacht. Außer alten Gebetbüchern und bedeutenden Schriftstücken fand sich bei dieser Gelegenheit auch eine Menge alter Wimpel vor, daß sind Streifen von Leinwand, die neben dem Namen und der G'.burtszeit des neugeborenen Knaben auch den Namen des Vaters enthalten mit frommen Segenswünschen für das Wohl des neugeborenen Knaben. Diese Wimpeln bieten jetzt reiches Material für die Geschichte einzelner Familien, sowie auch für diejenige der hiesigen israelitischen Gemeinde. Jweibrttcken. Die geschlossene Synagoge. Als gestern Morgen die hiesigen Israeliten sich in die Synagoge begeben wollten, war der Zutritt unmöglich gemacht, weil der Gemeindevorstand die Synagoge verschlossen hatte und die Schlüssel nicht herausgeben wollte Die draußen Harrenden sahen sich schließlich genötigt, in einem Privathause Gottesdienst abzuhalten. Wie die „Zweibr. Vztg.", der wir diese Episode entnehmen, hierzu bemerkt, dürfte die Ursache in einem zwischen dem Rabbiner und einzelnen Gemeindemitgliedern schwebenden Streit zu suchen sein. — Religionslehrer, Vorbeter und Schochet baldigst in Groß Wartenberg i. Schl es. Gehalt luOO M. bei freier Wohnung und mindestens 300 M. Nebeneinkommen. Meldungen an den Synagogen-Vorsteher, Herrn N. Birnbaum. Land-, Provinzial- und Gemeinderabbiner in Cassel Ausführliche Offerten bis zum 15. November dem Vorsteheramt der Israeliten einsenden. Vorbeter, Lehrer und Schächter in Riesenburg W.-Pr. Gehalt 1200 M. und ca. 600 M. Nebenverdienst. Meldungen an den Vorsteher, Herrn N. Hirschfeld. Kantor, Religionslehrer und Schächter per gleich in Schwegenheim (Rheinpfalz). Gehalt 600 M. nebst freier Wohnung und Heizung nnd ca. 150 M. Nebeneinkünften. Meldungen lediger Bewerber an Vorsteher Herrn Samuel Löb erbeten. Sem. geb. Religtonslehrer, Kantor und Schochet in Ober- Ramstadt bei Darmstadt. Einkommen ca. 120.j M. bei freier Wohnung. Offerten an den Vorsteher, Herrn Simon Bendorf. Sem geb. Religionslehrer, Kantor und Schächter per gleich in Johannisburg O.-Pr. Gehalt 1200 M., freie Wohnung und Nebeneinnahmen. Meldungen stimmbegabter Bewerber an den Vorsteher Herrn I. Scheinmann. Kantor und Schächter, welcher befähigt ist, auch hebräischen Unterricht zu erteilen, in Schönlanke. Einkommen 2100 bis 2400 M. bei freier Wohnung. Meldungen an den Vorsteher Herrn M. Badt._ Feuilleton. Die IHacbt der Liebe. Von Babette Fried. (Schluß) „Nein, lieber Großvater, ich fühle mich nicht würdig dazu, ein so verantwortungsvolles Amt zu bekleiden. Meine Erziehung war zu schwankend. Den größten Teil des Jahres verlebte ich fast ohne religiöse Uebung bei meiner Kostfrau in Budweis, die großen Ferien in dem unjüdischen Haushalte meiner Ellern. Nur eine kurze Zeit ist mir alljährlich gestattet gewesen, hier bei dir und der frommen Großmutter echt jüdischen Geist in mich aufzunehmen. Das genügt nicht. Meine Gedanken und Ansichten sind zu verworren." Wenn der junge Mann die lautere Wahrheit gesprochen hätte, dann hätte er sagen müssen: „Wie kann ich Rabbiner werden, wie kann ich in Schule und Tempel für das reine, unverfälschte Judentum sprechen, wie gegen die Indifferenten, gegen die Abtrünnigen auftreten, wenn meine eigenen Eltern vom Glauben der Väter abgefallen sind? Müßte ich nicht jeden Augenblick den Zuruf erwarten: Wer gibt dir das Recht, uns zu moralisieren, wenn du selber von Abtrünnigen abstammst? Was aber den Ausschlag gab, war der Umstand, daß Paul alsdann den Verkehr mit seinen so innig geliebten Eltern abbrechen müßte, und niemals bei ihnen wohnen, niemals an ihrem Tisch speisen konnte. Dieses alles durfte Paul seinem Großvater nicht sagen, es hätte seine Erbitterung gesteigert, und er wollte ja die Gegensätze ausgleichen, wollte versöhnen. Darum sagte er weiter: „Auch als Arzt kann ich für unser Volk Gutes und Ersprießliches leisten, wenn ich durch selbstloses Wirken für Arme und Kranke ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität die Vorurteile, die man g"gen uns hegt, zerstreuen helfe, wenn ich sozusagen nicht nur ein Arzt des Körpers, sondern auch der Seele werde. O, laß mich auch der Arzt deiner Seele werden, teuerer Großvater! Laß mich die starre Hülle der Unduldsamkeit zerreißen, in die du deinen weichen Sinn gehüllt hast, und in der ich dich gar nicht mehr erkenne. Bist denn du das wirklich, der mir seit meiner frühesten Jugend das Ideal alles Guten und Edlen gewesen ist? Nein, du bist es nicht. Unnatürlicher Haß hat deine reinen Züge verunstaltet, daß selbst ich dich nicht erkenne. Teurer Großvater! Denkst du daran, wie ich als blutjunger Gymnasiast einmal ganz verstört nachhause kam? Ich weilte gerade während der Osterferien bei dir. Da hänselten mich meine hiesigen Kameraden damit, daß wir Christenblut zu den Osterbroden brauchten. Ich hatte einen der Verleumder mit dieser meiner Faust niedergeschlagen und erzählte dir mein Abenteuer, worauf du mir mit sanfter Stimme sagtest: „Das war ein Unrecht von dir, Paul! Mit Faustschlägen, und wären sie noch so wuchtig, schlägt man keine falschen Ansichten nieder. Du hättest ihn ausklären, hättest ihm die Stellen unserer heiligen Thora anführen sollen, wo uns allgemeine Menschenliebe, ja sogar Liebe zu unseren Feinden geboten wird. Du hättest zu dem Spottenden sagen müssen: „Als alle Völker der Erde noch in krasser Unwissenheit, oder im finstern Aberglauben lebten, da war es allein unsere Nation, die der göttlichen Lehre gewürdigt worden, einer Lehre, die unser Herz

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.