Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 29 (1905)
- Issue
- No. 20. (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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einen Satz vorher לועקת סדום und war es doch möglich, daß im nächsten Satz der Grieche mxä auvsaiv übersetzt hat. Da Gen. 19 אלמלןלם אחד vom Griechen mit st; aovaju)7•|־jv Iva übersetzt wird, vermutet Kittel ,לאל מק1ד da aber 110 ,ולמקור המים mit auax%axa uSaxcuv wiedergegeben wird (ebenso in den dem Aeschylus zugeschriebenen Versen des Aristobulus), so ist oben doch מקים festzuhalten, wie es z. B. Symmachos wiederherstellt. Zu בהבראם Gen. 2 3 ist 2 5 ביו□ הבראם wohl zu beachten, auch hinter der ״ תולדותFormel. 529 wird Noahs Name mit זה ינחמנו כן בן begründet, was nach dem Griechen (otavaxauast %«;) in יניחנו verwandelt wird; so wird auch der Bezug auf לנח wie man denken sollte, besser hergestellt. Doch sollte man nicht vergessen, daß in diesen Abschnitten נוח und □נח• wie mit bezug auf Noah, der Helden des Ganzen, öfter Vorkommen. Sagt Gott 67 כי נחמתי כי עשיתי□ und heißt es 66 80 לוינחם kann Lemech demselben Wort bei Geburt seines Sohnes den Begriff des Trostes und durch die Aehnlichkeit der beiden ersten Warzelbuchstaben zugleich der Ruhe verbinden. Solche feinen Züge soll man sehr vorsichtig behandeln. So auch weiter: Gen. 87 sendet Noah zuerst den Raben, dann die Taube aus; bei letzterer steht erst an zweiter Stelle ״zu sehen, ob das Wasser abgenommen“; da setzt Kittel denselben Satz auch als an erster Stelle beim Raben ein. So tat es der Grieche. Nach meinem Gefühl wird von dem ersten Raben nicht viel Wesens gemacht. Er kommt nicht zurück. Nun sendet Noah die Taube; sie ״soll einmal sehen, ob das Wasser abgenommen“; sie wird es auch berichten. Ich glaube, daß meine Empfindung mich darin nicht trügt. Hat doch der babylonische Sintfiutbericht bei jedem der ausgesandten Vögel den Vermerk ״er fand keinen Ruheplatz“, was die Thora nur bei der ersten Taube vermerkt hat. So wird das לראות auch nur bei dieser gesagt sein. Haben wir hier die Babylonier berührt, so kommt uns der אמרפל Gen. 14! ff. in den Sinn. Da bemerkt Kittel: אמרפי Hammurabi? Hier wäre der Grieche zu befragen, der AppcpaX überträgt; vergl. den Midrasch אמד פול לתיך כבשן• Das Fragezeichen Kittels ist also berechtigt. Das Gefühl für feinere Züge wird Gen. 1835 statt des samaritanischen ויוכיח (Kittel will ויוכח)» das weniger straff fortschreitende לוה וכיח dem vornehmen und ruhigen Wesen Abrahams gemäß, vorziehen lassen und M T Recht geben. Die Endung beim Sam. bezeugt übrigens das ursprüngliche והוכיח• Dagegen hat Kittel mit Recht das 2122 ואחוות מרעהו als Zusatz des Griechen aus 2626 nicht empfohlen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich folgende Erklärung einer Septuagintastelle mitteilen: Num. 2130 heißt der rätselhafte Schluß בם! לונשים עד נפח אשר עד מידבא Griechischen xat at 7uvaTx£<; Ixi 7cao<;sxaoaav %op sic! Mtoaß, wobei der Grieche gelesen haben muß: ״ ונשים עוד נפחו אש עד מואבumi die Frauen fachten das Feuer an über Moab“. Die Deutung dieses Satzes konnten wir aus den Anmerkungen nicht ersehen und erlauben uns, diese anzuführen. Ich habe dies Buch, seit ich es habe, noch nicht aus der Hand gelegt und verdanke ihm reiche Anregung und Belehrung. In vorstehenden Bemerkungen wollte ich dartun, •daß ich es wirklich gelesen habe — ein heute nicht überflüssiger Nachweis. Dem Talmudforscher ist ein solches Werk ebenso unentbehrlich, wie demjenigen, der die textlichen Fragen sich klarmachen will. Beides tut uns not, wenn Bibel und Talmud bei uns zu neuem Leben erwachen sollen. Wir müssen den Beweis führen, daß die Kenntnis der rabbinischen Bibeldeutung über Septuagintafragen erst rechtes Licht verbreitet und umgekehrt. Was Frankel begonnen, sollte in großen Zügen fortgesetzt werden. Wir danken dem Herausgeber und seinen Genossen für die gediegene Arbeit, die so recht die Erörterung in Fluß zu bringen geeignet ist; auch das sollten unsere obigen Bemerkungen an einigen Beispielen zeigen. Möge nur recht bald die zweite Hälfte herauskommen! Da werden schwierigere Fragen zu bewältigen sein, da die alten Uebersetzungen zu den Propheten mit größter Vorsicht zu benutzen sind und doch nicht umgangen werden können. Vor allem wünschen wir diesem verdienstvollen Werk weiteste Verbreitung. Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal. I. ספר האורה Ha—Orah. Ritualwerk Rabbi Salomo ben Isak (Raschi) zugeschrieben. Herausgegeben nach vier Handschriften, mit Anmerkungen nebst einer ausführlichen Einleitung versehen von Salomon Buber, Lemberg 1905. Selbstverlag des Verfassers. Besprochen von Dr. Landau, Antwerpen. Zu den Leuchten ersten Ranges, welche am Himmel unserer Geschichte glänzen und mit jedem neuen Jahrhundert von neuem zu erhabenem Glanze emporsteigen, gehört unzweifelhaft unser Held Salomon ben Isak, bekannt unter dem Namen ״Raschi“, dessen unvergängliche Leistungen das vorige Jahr der Weltaera, das Jahr 5665, uns in besonders dankbare Erinnerung bringt. Am 29. Tamus dieses Jahres waren es, wie den Lesern dieses Blattes wohl bekannt ist, achthundert Jahre, daß Raschi in die Ewigkeit ein gegangen ist. Zu dieser Gelegenheit bemühen sich alle Raschi-Freunde, die erhabene Lichrgestalt des ״Parschandatha“, eines der größten Männer, die das Judentum der Diaspora hervorgebracht hat, zu verherrlichen. Bald hört man Vorträge von großen Rednern, die die Bedeutung Raschis hervorheben, bald lesen wir in den verschiedenen Zeitschriften gelehrte Abhandlungen über das Leben und Wirken dieses großen Meisters, ״des im Himmel Geliebten und auf Erden Wohlgelittenen, der da beherrscht die Königsschätze, um tief in das Verborgenste einzudringen“. Aber all die Reden und Schriften, so verdienstvoll und anerkennenswert sie auch sind, werden von der Leistung des großen Gelehrten Buber bei weitem übertroffen.*) Salomon Buber hatte die ausgezeichnete Idee, zum achthundertjährigen Todestag Raschis, zu welcher Gelegenheit Buber die Initiative zur Gründung einer Raschi-Stiftung ergriffen hat, dem größten Bibel- und Talmud-Erklärer durch die Herausgabe eines bis jetzt nur in Handschriften vorhanden gewesenen Ritualwerkes ein echt jüdisches Denkmal zu setzen- Dieses Ritualwerk besteht aus zwei Teilen. Dem ersten Teil, der nach einer Hs. des Rabbi Chajim Joseph David Asulai mit Vergleichung der Lesearten und Zusätze anderer drei Ms., im Besitze der Alliance Israelite zu Paris und der Bodlejana in Oxford (cod. 563 und 564), sowie der Excerpte, die der Editor des Sepher ha-Pardes aus einer Handschrift hinzufügte, herausgegeben ist, geht eine ausführliche 167 Seiten umfassende Einleitung voraus. In dieser unterrichtet uns der gelehrte Herausgeber zunächst über die Beschaffenheit der genannten Manuskripte, über alle halachischen Leistungen Raschis, sowohl die bereits gedruckten als auch über die noch in Handschriften vorhandenen. Zu letzteren gehören ״Issur we-Hetter“, ״Siddur“, ״Sepher ha-Seddrim“ und diverse Responsen; dann zählt er uns auf die in diesem Werke angeführten Gelehrten und Schriften, sowie die Autoren und Schriften, welche Raschis Entscheidungen bringen. Nun folgen auf 162 Seiten 125 Kapitel des eigentlichen Ritualwerkes, die mit wenigen Ausnahmen die Vorschriften des ersten Teils des Schulchau Aruch, den Orach Chajim, behandeln und von Buber mit einem ausführlichen Kommentar, enthaltend Quellennachweis und zahlreiche kritische Bemerkungen, versehen sind, wofür ihm die höchste Anerkennung gebührt. Auch der zweite Teil, der, herausgegeben nach der obenerwähnten Handschrift der Bodlejana (No. 563), auf 76 Seiten 159 Nummern in das Gebiet des ganzen vierteiligen Schulchan Aruch einschlagend enthält, ist mit demselben Bienenfleiß ediert. Wir möchten nur auf manche Punkte hin weisen. Buber weist mit Recht die Weiß’sche Hypothese zurück, wonach Nathan ben Machir der Redakteur unseres Werkes gewesen sei (M. H. Weiß, Biographie Raschis, p. 49), ohne jedoch dieser Frage näherzutreten Es ist natürlich nicht leicht, eine definitive Entscheidung hierüber zu geben. Wir betrachten es jedoch als wahrscheinlich, daß R. Joseph ben Jsak, Schüler des Jakob Meir (Rabenn Tarn) der Sammler *) Doch erinnere ich an Berliners Raschiausgabe, die demnächst hier besprochen wird. (Red.)