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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1905-01-01 · No. 20. (1905) · p. Seite 78

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
29 (1905)
Issue
No. 20. (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 78 (sequence 2)
Language
German
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nur im Jahre nach dem Verkaufe ausgelöst werden können und dann dem Käufer verfallen (Lev. 2529, Erakhin 95 ff); wogegen bei der Zufluchtsstätte (Num. 359 und öfter, Makkoth 2) und bei der Frage, ob man zum Genüsse des zweiten Zehnt sich in Jerusalem befindet, man sich nach dem Wipfel richtet. Hier haben ־vvir sicher einen Schluß vor uns; wozu sonst dieser Hinweis nach verschiedenen, unserem Traktat fremden Gebieten, wovon das letzte der zweite Zehnt, der Gegenstand des auf Maaßeroth folgenden Traktats ist? Vergleiche ähnliche, mehrere Gebiete streifende Mischnas Ende MS, Challah und Orlah. Auf M S muß aber diese Reihe von den zu Maaßeroth verpflichtenden Oertlichkeiten hinweisen. R. Jannai (Jer.)*) leitet den Umstand, daß Haus und Hof אכילת עראי unmöglieh macht, von dem Satze Deut. 263 her בערתי הקדש מןהבית; so sagt man in der (Ende M S behandelten) Maaßerformel• R. Jochanan aus 2613 יאכלו בשעריך ושבעו• Diese Stellen sind aber die Ausführung von Deut. 14 28, 29, wo sich והנחת בשעריך bezüglich des Armenzehnts und dann ואכלו ושבעו bezüglich der Empfänger desselben findet. Es ist die Anschauung der Schrift, wonach der Zehnt dem Thore (also dem Hofe) und dem Hause angehört, diesen Halachot zugründe gelegt. Armenzehnt und zweiter Zehnt schließen einander aus, letzterer fällt im dritten und sechsten Jahre nach dem Schernittah fort. Deut. 14 sind M S und Armenzehnt zusammen behandelt. Der Ausgangspunkt für unseren Traktat ist nicht die Stelle Num. 18 21 ff, sondern Deut. 14 22, wo wesentlich vom zweiten Zehnt gesprochen wird; auch aus diesem Grunde stehen Maaßeroth und M S neben einander. Wir können sogar vermuten, daß mit Ende 3 der alte Traktat Maaßeroth schloß; die ältere Mischna, deren Spuren wir hier entdecken, erklärte, wie uns Midrasch und Amoräer zeigen**), den ersten Satz von עשר תעשר in Maaßeroth, den übrigen Abschnitt in M S. Die Satzungen vom Hofe 36 etc. sind die Voraus- Setzungen für 21—35, wie der erste Abschnitt es ist für den ganzen Traktat. Wir erklären 1 und 35 etc. für den Urtraktat; alles andere ist jüngere Ausgestaltung. Die Verwandtschaft dieser drei Teile zeigen die einleitenden Fragen: מאימתי חפירות חייבות במעשרות ־1 איזהו גרנן למעשרות «1 איזוהי חצר שהיא חייבת במעשרות *3 die gerade vor den bezeichneten drei Stellen stehen, während sonst sich keine ähnlichen Fragen im Traktat finden. (Ueber das Alter von מאימתי siehe unser ״die Mischna; Aufbau und Quellenscheidung“ S. 11, 3 ff). Ja, es ist möglich, daß Maaßeroth und M S einst einen einzigen Traktat gebildet haben, wie Schwarz bei der Traktatenzählung in der Einleitung zur Tosifta Seraim auch angibt, und daß als Fortsetzung hinter Ende Maaßeroth 3 sofort die M S-Satzungen folgten. Sollte man das als unberechtigte Bergeversetzung ansehen? Sollte man verlangen, daß ich zum Beweise für solche Vermutungen in M S wenigstens die Fortsetzung dieser Satzungen aufweisen möchte? Wie nun, wenn diese Fortsetzung nicht zu finden wäre? Wäre meine Vermutung dann hinfällig? Das Schlußwort von Maaßeroth 3 ובירושלים הכל הולך אחר הנוף macht ja weitere Halakhot dieser Art in M S entbehrlich. Und nun sollte wirklich in M S von mir ein Baum entdeckt werden, der, wie Maaßeroth 310, mit dem Wipfel nach einer anderen Stelle neigt, als die ist, wo der Stamm sich befindet? Dann erst würde man mir Glauben schenken? Doch siehe da! Der Baum ist wirklich da! MS 37 heißt es tatsächlich אילן שהוא עומד בפנים ונוטה לחוץ אן עומר בחוץ ונוטה לפנים בו'• Auf diese steile weist also Maaßeroth 310 hin, als wenn der Ordner sagen wollte: Fort- *) Vgl. Babli B M 88 a! **) Siehe den Anfang dieser Abhandlung. Setzung siehe Maaßer scheni! Was hier einst vereint gewesen und nun getrennt worden ist, suche dort!*) (Fortsetzung folgt.) Litteraturbericht. Recensionen. Professor Dr. Rudolph Kittel. Biblia hebraica. Pars 1, X und 552 S. 4 Mk., gebunden 5,20 Mk. Leipzig, Hinrichs. Ein lange und sehnlich erwartetes Buch! Im Jahre 1902 trat Kittel mit seiner Schrift ״Ueber die Notwendigkeit und Möglichkeit einer neuen Ausgabe der hebräischen Bibel“ auf, und er blieb nicht beim Vorschläge stehen. Es gelang ihm, Beer, Buhl, Dalmann, Driver, Löhr, Nowack, Rothstein und Ryssel dafür zu gewinnen, und hier liegt der stattliche I. Teil, Thora und erste Propheten enthaltend, vor uns. Ein Umstand macht das vorliegende Werk zum wissenschaftlichen Gebrauch ganz hesonders geeignet: Wir brauchen keine Texcbibel mit dem M T daneben. Wer mit Ausgaben zu tun gehabt hat, die einen veränderten Text bieten, wo also die Aenderungen, die der Herausgeber für gut hält, nicht unter den Strich kommen, sondern vielmehr oben sich als Hauptsache bieten, während M T oder andere Lesarteu^nach unten verwiesen werden, der weiß, wie schwer dieselben zu benutzen sind. Vorliegende Ausgabe legt M T zugrunde, und zwar den Codex von Jacob ben Chajjim, bei Bömberg 1524/25 erschienen. Selbst in diesem trefflichen Kodex findet sich, wie Kittels Vorrede besagt, Ungleiches und Streitiges nebeneinander. Mit dieser Ausgabe die Ginsbergsche verbesserte Bombergiana zu vergleichen, das war J. J. Kahans Sache. Augenscheinliche Fehler wurden einfach verbessert. Wenn nun auch eine Gewißheit bezüglich mancher Feinheiten bis zum Aeußersten nicht zu erzielen ist, so haben wir hier doch einen möglichst sicheren M T vor uns. Nun hat der Forscher eine sehr klare Aufgabe vor sich: Oben den M T und die Gewißheit, in den Anmerkungen die wichtigsten Lesarten der griechischen, lateinischen, orientalischen Bibelübersetzungen, der Targumim, auch der jemensischen, nebst den Vorschlägen zur Gestaltung des Textes vor sich zu haben. Kurze, durch Sigla bezeichnete Bemerkungen scheiden das den Herausgebern Sichere von dem bloß Wahrscheinlichen oder Vermutlichen. Die Genesis ist von Kittel, Exodus und Numeri von Kittel und Ryssel, Levitikus von Ryssel, Deuteronomium und Josua von Driver, Judikum und Samuel, von Kittel. Im allgemeinen hat sich die Entscheidung nach der Anzahl der Texteszeugen gerichtet. Septuaginta und der Samaritaner gelten als zwei, die Vulgata und Peschitto zählen auch jede besonders. An die Möglichkeit, daß die Samaritaner ihren Text nach dem Alexandrinischen im Gegensatz zu dem Palästinensischen nachgebessert haben mögen (der Gegensatz zu den palästinensischen Juden läßt eine solche Annahme nicht als zu fernliegend erscheinen), an die Abhängigkeit der Vetus Latina und Vulgata von dem Griechen (soweit die lateinische Uebersetzung nicht zum M T zurückgekehrt und dann weit besser ist, als die griechische) wird heute gar nicht gedacht. Das Verfahren, das in vorliegender Ausgabe beobachtet wird, ist übrigens, wie jeder bald herausfinden wird, ein maßvolles; es hat sich während der ganzen Arbeit belohnt, daß M T unverändert nach oben gekommen ist. Gen. 929 ויהיו ימי נח statt ויהי und Aehnl. können wir kaum als Nichtberücksichtigung des M T ansehen, da schon die alten Maßorethen solche Lesarten als Streitpunkte angeben; dagegen ist 5 23, 31 ויהי beibehalten und ויחיו als Nebenlesart unten angeführt, nach der Mehrzahl der Maßorethen. Mit Ausnahme solcher Feststellungen ist der Text unverändert geblieben. Selbst an Stellen, wie Gen. 18 21, wo der Grieche statt הכצעקתה las הכצעקתם. ist letztere LA nur als vorhanden angegeben, doch nicht empfohlen; heißt es doch *) Nochmals stelle ich diese letzteren Ergebnisse zur ErörteruDg, da gerade sie bisher die streitigsten sind. Allerdings darf ich sie gerade darum für weiterhin als mein Eigentum betrachten.

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