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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-10-20 · 42 (20.10.1905) · p. Seite 590

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
42 (20.10.1905)
Date
1905-10-20
Page
Seite 590 (sequence 10)
Language
German
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Seite 590. Israelitische Wochenschrift. Nr. 42. Es scheint hervorzugehen aus einer Stelle des I. Buches Moses, daß die nächsten Verwandten dem Gestorbenen die Augen schlossen. Unmittelbar nach dem Tode wurde der Körper gewaschen und in das Oberzimmer gebracht, wo die andern Vorbereitungen getroffen werden sollten; die Hände und Füße waren durch Binden zusammengebunden; der Kopf war mit einem Leichentuch bedeckt und der ganze Körper in aromatisch duftendes Linnen gehüllt. Man legte die Toten in einen offenen Sarg oder vielmehr Mittah (Bett) genannt, die von mehreren Männern an den Ort des Begräbnisses getragen wurde; die Eltern und Freunde folgten dem Leichenzug weinend und laut klagend. Mit ihren Seufzern vermischten sich die Gesänge der Klageweiber und der klägliche Ton der Flöten. Die Hebräer begruben ihre Toten und verbrannten sie niemals, mit Ausnahme der Körper der Verurteilten, denen man zuweilen das Begräbnis verweigerte und für welche es oft eine Erhöhung der Schande sein sollte. Wenn die Bewohner von Jabes die Körper von Saul und seinen Söhnen verbrannten, war es ohne Zweifel, um sie zu schützen vor den Beschimpfungen der Philister und wahrscheinlich ist es, daß der Verfasser der Chroniken es deshalb mit Stillschweigen übergeht, weil es, im Sinne der Hebräer, eine Schande war. Die Wohnungen der Toten, bei den Hebräern Häuser der Ewigkeit genannt, waren gewöhnlich außerhalb der Städte und sollten wenigstens 50 Armeslängen von der Stadtmauerentfernt sein. Die Grabstätten waren meistens kleinere oder größere in den Fels gegrabene Gewölbe, die an beiden Seiten eine gewisse Zahl von Abteilungen hatten, um soviel Körper dort hinzustellen. Fast jede Familie besaß in ihrem Eigentum ein ähnliches Gewölbe und alle Glieder der Familie wünschten dort nach ihrem Tode zu ruhen. Man findet noch jetzt in Palästina und vorzüglich in der Umgegend von Jerusalem eine große Zahl dieser alten in Felsen gehauenen Begräbnisstätten. Was die Könige betrifft, so wich man von dem gewöhnlichen Gebrauch ab, indem man ihnen Gräber in der Mitte der Stadt Jerusalem auf dem Berge Zion gewährte. Der Prophet Samuel hatte eine ähnliche Auszeichnung, denn er ward in Rama in seinem Haus begraben. Die Hebräer hatten, wie es scheint, allgemeine Kirchhöfe nur für die Leute des niederen Volkes und die Fremdlinge; aber alle Gräber waren unverletzlich und es war eine schreckliche Entheiligung, die Ruhe der Toten zu stören und ihre Gebeine aus ihren Begräbnisstätten zu ziehen. Seit der ältesten Zeit stellte man auf die Gräber steinerne Monumente. Der Patriarch Jakob errichtete ein solches auf dem Grabe Rahels. Es waren gewöhnlich einfache Steine, zuweilen mit einer Inschrift geschmückt. Hohe-Personen zeigten einen gewissen Luxus in der Erbauung von Mausoleen. Einige ließen sie schon bei Lebzeiten bauen, wie wir es bei Absalon und bei Sebna finden. Man knüpfte später eine große Wichtigkeit an die Erhaltung der Gräber der Propheten und anderer durch ihre Frömmigkeit berühmter Männer; sie wurden von Zeit zu Zeit wieder restauriert. Wir müffen noch bemerken, daß die Religion sich eben so wenig in die Begräbnisse und Trauer als in die Hochzeiten mischte; wenigstens gab es keine durch das Gesetz befohlene religiöse Zeremonie, obwohl gewisse Beobachtungen existierten, die durch den Gebrauch geheiligt waren. Die Grabgesänge, von Flöten begleitet, welche m dem Trauerhause während der Vorbereitungen zum Begräbnis widerhallten, tönten noch fort währetld des Leichenzuges und des Begräbnisses. Es scheint als ob es geheiligte Gesänge gegeben hätte, die nach den Umständen mit den Worten begannen: „Ach, mein Bruder! Ach, meine Schwester! Ach, mein Herr und ach, sein Ruhm! usw." Ein Verwandter oder Freund sprach einige Worte an dem Grabe, die ihm seine Gefühle eingaben, wie es David an dem Grabe Abners tat. Außer den Klageweibern gab es auch Dichter, die ein Gewerbe daraus machten. Klagesänge zu improvisieren, die als Leichenreden dienten. Die Verwandten des Toten zerrissen ihre Gewänder, legten ihren Turban und ihre Sandalen ab, hüllten sich bis an die Lippen in ihren Mantel oder bedeckten auch wohl ihr ganzes Gesicht. Nach dem Leichenbegängnis richteten die Freunde der Familie ein Mahl an, daß man „das Brot der Trauer" und „den Becher des Trostes" nannte und dies meint Ezechiel, wenn er von der Trauer spricht: „Essen das Brot anderer". Einige fasteten am Tage des Leichenbegängniffes und nahmen erst am Abend das Trauermahl an. Die große Trauer dauerte sieben Tage. Man blieb auf dem Boden sitzen, wusch und salbte sich nicht, Haare und Bart blieben in Unordnung oder waren gänzlich abgeschnitten. Im allgemeinen legte man seine gewöhnlichen Kleider und Schmucksachen ab, um das Trauergewand zu nehmen, welches in der Bibel fast überall den Namen „Sack" führt. Es war dies ein Gewand aus grobem Stoff, wahrscheinlich hären, sehr eng, ohne Aermel und Falten, das in der Tat einem Sack ähnelte; ein einfacher Strick diente als Gürtel. Die Farbe dieses Sackes war wahrscheinlich schwarz oder wenigstens ein sehr dunkeles Braun, denn ein Trauernder wird Koder genannt und dieses Wort stammt von einem Verbum, welches „sich schwärzen, sich verdunkeln" bedeutet. Nach den sieben Tagen wurde die Trauer weniger genau eingehalten, obgleich sie sich oft weit über diesen Termin hinaus verlängerte. Es scheint, daß um Vater und Mutter die Trauer mindestens einen Monat getragen wurde, aber jeder folgte in dieser Beziehung seinem individuellen Gefühle, und man spricht zuweilen von einer Trauer, die sich „über eine geraume Zeit" erstreckte. Die Witwen trugen, wie es scheint, ihr ganzes Leben hindurch Trauer. Gedanken und Aussprüche berühmter Männer über Inden und Judentum. Selbst unter freisinnigen christlichen Männern in Deutschland sind Grundsätze wider die Religionsfreiheit laut geworden, die eher für das siebzehnte Jahrhundert passen, als für das neunzehnte. Woher dieses Zurückbleiben der Deutschen im Chor der Menschheit? Gegen die Juden ausschließlich zu sein, rühmen sich bei uns Führer freisinniger politischer Parteien. — — -Der Eine will die Babtisten nicht, weil sie Bekehrungen wirken; der Andere nicht die Juden, weil sie Wucher treiben wie viele Christen, oder weil einige ihrer Vorfahren Jesus gekreuzigt und dabei den Fluch auf sich und ihre Kinder genommen, was offenbar durch den Druck ihrer Nachkommen schriftlich betätigt werden muß. Alles dieses sind nichts als Vorwände der Selbstsucht oder Mangel an menschlicher Bildung. — — Die Verfolgungssucht ist nicht das vereinzelte Bestreben fanatischer oder herrschsüchtiger Persönlichkeiten — sie hat Wurzeln in der Gesellschaft und deren Zuständen. Chr. C. Jos. von Bimsen: Die Zeichen der Zeit. Leipzig. 1855. Band 1 und 2. * * *

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