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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-10-20 · 42 (20.10.1905) · p. Seite 586

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
42 (20.10.1905)
Date
1905-10-20
Page
Seite 586 (sequence 6)
Language
German
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Seite 586. Israelitische Wochenschrift. Nr. 42 Nach Aufstellung der Beglaubigten, des Kantors und des Kleppers, waren eingekommen: Tl. Gr. Bei der Auktion: 33 13 Für die Bücher von R. Joseph: 136 Für das Silber: 36 Von R. Joseph u. R. Hirsch: 18 13 Barbestand 15 16 Summe des Nachlasses?: 318 15 Davon entstelen auf die Witwe laut Testament 150 Tl. und außerdem waren noch 37 Tl. 11 Gr. an Auslagen zu decken, so daß unter die übrigen Erben, außer den durch das Los bestimmten Gebrauchsgegenständen, 41 Tl. 4 Gr. zur Verteilung kamen. Die Erben waren die Söhne, R. Hirsch, dessen Aufenthaltsort ich nicht ermitteln konnte, Rabbi Joseph in Posen und Lebesch oder Levin Elias in Witzenhausen, und die Töchter, von denen eine, Freide, an den Rabbiner in Neustadt verheiratet war, während Hendel beim Tode ihres Vaters bereits Witwe war. Als einen ferneren Beitrag zur Volkskunde jener Zeilen will ich auch die Rechnung über die entstandenen Auslagen von 37 Tl. 11 Gr. hierhersetzen, die von dem so bescheidenen Nachlaß in Abzug gebracht wurden. Zur Anrechnung kam: Zum Anzünden des Seelenlichts in der Synoge während des Trauerjahres: 3 Tl. Lohn für den Dienstboten: 7 „ Für den Kantor: 3 „ Für die Frau, die am Sabbat das Heizen besorgte: Für die „Tachrichim", die Sterbekleider: 3 „ Für den Denkstein: 10 „ Die Kosten der Bestattung an die Chewra: 1 „ Für Abschätzung der Bücher: 3 „ Summa 37 Tl. 8 Gr. 14 11 Gr. Befremdlich wird es uns berühren, daß die Kosten der Bestattung, die Sterbekleider und der Denkstein aus dem so geringen Nachlaß gedeckt werden sollen, als ob die Gemeinde zur Ehrung ihres treuen Seelsorgers, der durch 37 Jahre seines Amtes hier gewaltet, nichts übrig gehabt hätte. Möglich, daß jede äußere Ehrenbezeugung auf den Wunsch des Verstorbenen oder der Kinder unterblieb. In den vorliegenden Akten ist nichts darüber verlautbart. Noch nachdenklicher hat mich die Wahrnehmung gestimmt, daß bis auf die Eintragung im Memorbuche nicht das geringste Andenken an die Wirksamkeit und an das Erdenwallen des frommen Rabbi in der Gemeinde verblieben war und von den Zeitgenossen nichts geschehen ist, um das Gedenken an das treue Walten ihres Rabbiners festzuhalten. Selbst das Protokollbuch der Chewra Kadischa, das vom Jahre 1733—1806 geführt wurde, worin ich manche Eintragung von der Hand unseres Eliah Levin gefunden, gedenkt mit keinem Worte des Heimgangs des Rabbiners und der Trauer der Gemeinde. Auch in der Gedenktafel der Frommen, deren Reihe im Jahre 1754 eröffnet wurde, ist der Name des Eliah Levin nicht eingezeichnet. Kein Denkstein ziert den Hügel, und daher ist die Grabesstätte, wo seine Gebeine ruhen, nicht mehr aufzufinden. Mehr dem Zufall war es zu danken, daß ich den Spuren dieses meines Vorgängers nachgehen konnte. Jedenfalls hat im Laufe des Jahrhunderts, welches seit dem Tode des Eliah Levin, des Stammvaters der Familien Landsberg, Posner, Kaliphari dahingegangen, ein gewaltiger Umschwung in den Sitten, in der Lebensweise, in den Vorstellungskreisen unserer Glaubensbrüder hier in deutschen Landen sich vollzogen. Wenn wir auch der Einfachheit, Schlichtheit und Anspruchslosigkeit unserer Altvordern die Anerkennung nicht versagen, so kann ich doch nicht umhin, diese Schilderung, die einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben der Vorfahren im XVIII. Jahrhundert bietet, mit den Worten des alten Kohelet zu schließen: „Sprich nicht: Ach, was ist geworden! Die früheren Zeiten waren besser als diese. Wahrlich nicht aus Weisheit spricht man von der „guten alten Zeit." Koh. 7, 10. Protokoll über die Zenirnlnnsschnhsttzung des Pobbineroerbonbeo in Deutschland zu Werlin am 28. August d. I. Der Vorsitzende Professor Dr. Maybaum eröffnet um IO Uhr die Sitzung und ernennt Rosenberg-Thorn zum Schriftführer. Anwesend sind die Herren: Gronemann-Hannoo r, Guttmann- Breslau, Kaatz-Zabrze, Maybaum-B.rlin, Kopfstein-Beuthen,Rosenberg-Thorn, Rosenthal-Kötn, Eschelbacher-Berlin, Rülf-Braunschweig, Werner-München, Vogelstein-Slettin, Freudenthal-Danzig als Referent über die Pensions- und Reliktenkaffe. und Samuel- Essen als Gast. Entschuldigt sind die Herren: Plaut-Frankfurt a. M., Prager-Kassel, Munk-Mnrburg, Salfelv-Mainz, Frank-Köln,Winter- Dresden, Horowitz-Frankfurt, Löb-Emden, Cohn-Jchenhausen und das Ehrenmitglied Ungerleider-Berlin. De Vorsitzende gedenkt zunächst der seit der letzten Ausschußsitzung verstorbenen Verbandsmitglieder Rahmer-Ma gdeburg. Cohn- Potsdam, Emerich Tarnowitz, sowie des dahingeschiedenen Rabbiners Dr. Kayserling-Budapest. Auch an freudigen Gedenktagen seiner Berbandsmitglieder hat der Vorstand im Laufe des Berichtsjahres Anteil zu nehmen vermocht. Er gratulierte den Kollegen Guttmann-Breslau zu seiner Silberhochzeit, Silberstein-Wiesbaden zum 70. Geburtstag. Bogelstein-Stettin zu seinem Amtsjubiläum, Salfeld-Mainz zu seinem Amtsjubiläum und Rosenthal-Breslau zu seiner Silberhochzeit. Bei der Jubiläumsfeier des Rabbinerseminars in Breslau war der Vorstand vertreten, um seine Glückwünsche darzubringen. Darauf folgt der Bericht über die Geschäftstätigkeit des Vorstandes. 1. Das Gesuch des Kultusbeamten Pessen-Seldau um Ausnahme in den Rabbi.ierverband mußte abgelehnt w.rden. 2. Ebenso wurde das Gesuch des D. I. G. B. um Unterstützung seiner Propaganda durch Versendung einer Flugschrift über die Tätigkeit des D. I. G. B. und Aufforderung zum Beitritt vorläufig abgelehnt. 3. Der Vorsitzende weist auf den in der letzten Vorstandssitzung gefaßten Beschluß hin, gemäß welchem die Protokolle der Zenlralausschußsitzungen sämtlichen Mrtgliedern des Verbandes, die der Vorstandssitzungen sämtlichen Mitgliedern des Zentralausschusses zugesandt werden sollen und stellt es der Versammlung anheim, ob nicht mit Rücksicht auf den Stand der Kasse eine Veröffentlichung durch die jüdische Presse der Einzelversendung der Protokolle vorzuziehen sei. 4. In betreff der Pensions- und Reliktenkaffe ist in der l tzten Vorstandssitzung beschlossen worden, dem Ausschüsse folgende Alternative zu unterbreiten: Entweder müssen die Pensionssätze auf3%o bei Einhaltung der im Statut vorgesehenen Jahresbeiträge reduziert werden, oder es wird vorläufig nur die Witwen- und Waisenkasse ins Leben gerufen. * 6. In der Vorftandssitzung wurde ferner beschlossen, den Kollegen Kopfstein-Beuthen als Referent über die Frage der Bezirksrabbinate zu beauftragen, einen Entwurf über die Stellung des Rabbiners in den Gemeinden Preußens abzufaffen, um ihn im Verein mit dem Kollegen Munk, Herrn Professor Rosin-Freiburg, der mit der Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes zur Gesamtorganisation der Juden in Preußen von seiten des D. I. G. B. beauftragt worden, zu überreichen, da Herr Professor Rosin es abgelehnt hatte, sich in eine persönliche Verhandlung einzulassen

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