Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 42 (20.10.1905)
- Date
- 1905-10-20
- Page
- Seite 585 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 42. Israelitische Wochenschrift. Seite 586. sein, und sein und seiner Väter Verdienst stehe uns bei. Amen". Nun wollen wir an der Hand der dem Testamente bekgefügten Verzeichnisse das Interieur der Rabbinerwohnung kennen lernen. Wohl aus dem engen Flur trat man sofort in die Vorderstube ein, welche zugleich Empfang-, Arbeits- und Wohnzimmer des Rabbi war. Auf einfachen Regalen waren die Bücher postiert, die den größten Teil der Hinterlassenschaft bildeten. Das Verzeichnis der Bücher führt etwa 300 Werke an, die wohl Eliah von seinem Vater geerbt hatte, da bei seinem spärlichen Einkommen ihm nicht viel übrig blieb, um seine Bibliothek durch Anschaffung neuer Werke zu vervollständigen. Halachische Werke, die Responsenliteratur, Midraschim und Ritualien sind stark vertreten. Von den bedeutenderen religionsphilosophischen Werken sind keine im Kataloge angeführt. Von deutschen Büchern ist natürlich keine Spur. Denn zweifellos hat sich unser Rabbi den „aufklärerischen" Ideen und Bestrebungen seiner Zeit gegenüber ablehnend verhalten, und in seinem Hause durfte wohl schwerlich ein deutsches Buch gelesen werden. Hatte doch der jüngste Sohn, der in Witzenhausen lebte, als er über die ihm durch Post zugegangene Summe, die ihm als Erbteil zufiel, quittieren mußte, seine Unterschrift auf dem amtlichen deutschen Aktenstück nur mit hebräischen Schriftzügen versehen können. Zur Zimmereinrichtung zählten ein Tisch, 2 Lehnstühle, zu denen wohl die zwei „Rutschen" gehörten, und wahrscheinlich war von den 3 Spinden einer in der Vorderstube aufgestellt. Die übrigen Möbelstücke hatten in der anderen Stube und in der Küche Platz gefunden. Denn das Inventar führt im ganzen 3 Tische, 3 Spinde, 2 Lehnstühle, 2 Rutschen, 5 Schemel — wohl Stühle ohne Lehnen — auf, ferner 4 Bettstellen. Von welcher Einfachheit das Mobiliar war, zeigen die Beträge, mit denen die einzelnen Stücke bei der Auktion bewertet wurden. Die drei Tische erzielten einen Erlös von 16 Groschen Die drei Spinde „ „ „ „ 1 Tl. 13 „ Die fünf Schemel „ „ „ 17 Drei Bettstellen „ „ „ 12 (Die vierte wurde der Witwe überlassen) Zwei Stühle erzielten einen Erlös von 11 „ 3 Tl. 21 Groschen. (Der Taler hatte 24 gute Groschen im Werte.) Die ganze Einrichtung der Zimmer wurde für 3 Tl. und 21 Gr. verkauft. Natürlich bilden Spiegel, Teppiche, Vorhänge und Bilder, welche heute selbst die schlichteste Wohnung zieren, Luxusgegenstände, die im Hause unseres Rabbi unbekannt waren. Der Tisch und die Betten wurden, so sie nicht benutzt waren, mit Kattundecken verhängt. Bei Tisch waren Tischtücher im Gebrauche, von denen 4 Stück zum Verkauf gelangten. Für Tafelgeschirr war verhältnismäßig reichlich gesorgt, denn 10 zinnerne Schüsseln und 28 englische Zinnteller . standen der Hausfrau zur Verfügung. Die Festtafel, besonders am Sederabend, konnten fünf silberne Becher zieren. Ein großer Silberlöffel, zwei kleinere Silberlöffel und zwei Dutzend silberne Haken vervollständigten den Silbervorrat. — Sowohl die Bücher als auch den Beistand an silbernen Wertgegenständen hatte der Sohn Joseph aus Posen - der sich einer gewissen Wohlhabenheit erfreute und ohne Entschädigung zu beanspruchen, Mitglied des Rabbinatskollegiums in Posen war — nach Schätzung der Sachverständigen angekauft. Die Bibliothek hatte er für 126 Tl. erstanden, den Silbervorrat für 26 Tl. — Einen besonderen Schmuck scheint der Henkelleuchter gebildet zu haben, den laut Bestimmung des Testaments der Schwiegersohn, der Rabbiner von Neustadt, erhielt. Natürlich fehlten die zwei Leuchter nicht, die von Messing waren, welche die Weihe der Freitag- und Festabende zu erhöhen hatten. Zur Habdala stand eine silberne Besamimbüchse zur Verfügung. Aus einfachem Metall war der Chanuckaleuchter und der Blaker. Zur gewöhnlichen Beleuchtung diente die Messinglampe, die wohl mit Oel getränkt wurde. Ein Lämpchen, ein kleiner Handleuchter und eine Laterne ergänzten den Bestand an Beleuchtungskörpern. Der Wäschespind barg außer der Wäsche der Hausfrau 9 Ueberzüge, 19 Kopfzichen, 10 Leintücher, 8 Handtücher, die bereits erwähnten 4 Tischtücher, 9 Männerhemden, 4 Paar Männerstrümpfe. Die anderen beiden Spinde dienten zur Aufbewahrung der Kleidung und hierin war wohl die Güter- oder vielmehr Platzgemeinschaft ausgeschlossen. Der eine war für die Garderobe der Frau bestimmt, deren Geheimniffe uns das Verzeichnis nicht verrät, der andere für die Kleidungsstücke des Gatten. Die Tracht Eliah Levin's war naturgemäß, da er aus Polen stammte, die polnische. An den festlichen Tagen trug er die lange seidene „Schubetze", eine seidene „Bekesche" und eine Zobelmütze. Zu Hause benützte er zu seiner Bequemlichkeit den Schlafrock, und des Nachts durfte nicht die Schlafmütze fehlen. Bei der Auktion wurden an Kleidungsstücken an den Mann gebracht: 2 Bekesche's aus Seide, 1 Bekesche von minderer Qualität, 1 Schubetze, 1 Pelz, 2 Zobelmützen, 2 Schlafmützen, 1 Schlafrock, 2 schwarze Ueberkleider, 2 Paar Unterkleider, 3 Paar Hosen. Wir sehen, an der Kleidung wurde nicht allzusehr gespart. Am wertvollsten waren die Betten, die 10 Ueber- und Unterdecken und 11 Kiffen, von denen aber nur ein paar Ober- und Unterdecken zum Verkauf kamen. Die anderen hatten die Erben an sich genommen. Noch wäre der Kücheneinrichtung zu gedenken. Wurde auch ein Teil derselben, ebenfalls nach den Bestimmungen des Testators, der Witwe zum freien Gebrauche überlaffen, so wurden doch alle Gegenstände der Kücheneinrichtung von den Beglaubigten abgeschätzt, da sie nicht in das Eigentum der Ehefrau übergingen. Die Küche war verhältnismäßig reichlich ausgestattet, denn ein Kasten und ein Eßkasten fanden in ihr Aufstellung, ein Tisch, eine Bank, eine Fleischbank, zwei Wasierkannen, zwei Schäffer und Schöpfer und ein Dreifuß. An Küchengeräten werden 6 Kessel — wohl eiserne Töpfe —, 1 Teekessel, 1 Mörser, 1 Handfaß, 1 Kaffeemühle, 1 Kaffee - drommel, 1 Butlerbüchse, 1 Weikschaff, 3 Wergelhölzer verzeichnet. Messer, Gabeln, Gläser und Tassen wurden wohl als ganz wertlose Gegenstände nicht erst in das Verzeichnis ausgenommen. Der Erlös der bei der Auktion verkauften Gegenstände betrug 32 Tl. 11 Gr. An barem Gelde, in 2 Goldstücken und 4 Rtalern fanden sich 15 Tl. 16 Gr. vor. Für besonders wertvolle Exemplare aus der Bibliothek hatte R. Joseph und R. Hirsch 18 Tl. 12 Gr. der Nachlaßmasse zuzuführen, so daß ihr Wert insgesamt 218 Tl. 15 Gr. betrug.