Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-10-20 · 42 (20.10.1905) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
42 (20.10.1905)
Date
1905-10-20
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/5369809-9607691-9606364-9606968--9630-9606971
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Zeitschrift für die Gesmtiilteressen des Judentums. WeKst öem Weibtcrtt: Jüdisches LittevcrtuvKl'cltt. Erscheint an jedem Freitag das jüdische Litteraturblatt monatlich zweimal. Alle Postanstalten nehmen Abonnements entgegen. Redaktion und Verlag: > Bezugspreis vierteljährlich: Berlin C., Woß-Straße 3 | Deutschland u. Österreich-Ungarn 3.— Mk. Telephon: Amt I, 6729. 1 alle anderen Länder 3.50 Mk. Anzeigen für die Ispaltige Petitzeile 30 Pf. Alle Annoncen-Expeditionen nehmen Anzeigen entgegen. Urrmmer 42. Kerlin, 20. Oktober 1905. 14. Jahrgang. Alle, auch für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitten wir an die Adresse Israelitische Wochenschrift Berlin C.f Rotz-Straffe 3. Inhalt. Artikel: Die jüdischen Gemeinden in Deutschland. — Der Haushalt eines Rabbiners im 18. Jahrhundert. Von Dr B. Elsaß. (Schluß) — Protokoll über die Zentralausschußsitzung des Rabbinerverbandes in Deutschland. — Neue Erschwerungen der Emigranten in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. — Das häusliche und gesellst astliche Leben der alten Hebräer. (Schluß.) — Gedanken und Aussprüche berühmter Männer über Juden und Judentum. — Literarisches: Mutterschutz. Von Dr. phil. Helene Stöcker. — Meyers Großes Konversations- Lexikon. — Die Psalmen im Religionsunterricht. Von S. Andorn- Krefeld. — Politik: Ein Dreysus als Abgeordneter. — Der erste jüdische Privatdozent in — Rußland. — Militärische Ausschreitungen in Tarnow. — Wochenchronik. — Feuilleton: Die Macht der Liebe. Von Babette Fried (Fortsetzung.) — Sonett. Die jüdische« Gemeinde« i» Deutschland. (Nach dem in der Zeitschrift für Demoaraphie und Statistik der Juden veröffentlichten Artikel von Dr. I. Thon, Berlin.) Das vom Bureau für Statistik der Juden herausgegebene Statistische Jahrbuch deutscher Juden 1905 enthält über die jüdischen Gemeinden in Deutschland ein (durch eine Umfrage bei den Vorstehern der Gemeinden beschafftes) sehr reichhaltiges Material. Nach diesem zählt ganz Deutschland 1855 (öffentliches Synagogen, darunter 1089 in Preußen, 233 in Bayern, 144 im Großherzogtum Hessen, 140 in Elsaß-Lothringen und 117 in Baden. Unter den preußischen Provinzen hat die meisten Synagogen, nämlich 207, die Provinz Hessen-Nassau, am wenigsten, nämlich nur 8, die Provinz Schleswig-Holstein. Vergleicht man auf wieviel Juden in den einzelnen Provinzen eine Synagoge entfällt, so erhält man das im ersten Augenblick überraschende Resultat, daß relativ die meisten Synagogen die von Juden am spärlichsten bewohnten Gebiete besitzen. So nimmt die erste Stelle Mecklenburg-Schwerin ein, in welchem auf 98 Juden bereits eine Synagoge kommt. Zur Erklärung ist darauf hinzuweisen, daß manche von Juden heut nur dünn bevölkerten Gebiete (z. B. Mecklenburg) früher eine zahlreichere jüdische Bevölkerung und rege gei) Als öffentliche Synagogen sind diejenigen angesehen, die m Eigentum einer Gemeinde stehen. pflegten jüdischen Kultus hatten und daß ferner naturgemäß die dichter, insbesondere in großen Städten zusammenwohnende jüdische Bevölkerung zur Abhaltung ihres Gottesdienstes relativ viel weniger Synagogen braucht als eine gleich große, in vielen Orten zerstreute jüdische Bevölkerung. So sind z. B. in Berlin mit seinen 92 206 Juden nur 8 Gemeindesynagogen vorhanden, so daß erst auf ca. 11 500 Juden eme Synagoge kommt; ebenso entfällt in Schlesien ohne Breslau auf 371 Juden, in Schlesien mit Breslau erst auf 618 eine Synagoge, in der Provinz Posen ohne die Stadt Posen auf 279, mit Stadt Posen auf 327 Juden. Schließlich ist zu berücksichtigen, daß in manchen großen Städten noch eine Anzahl Synagogen vorhanden sind, die von privaten Vereinen unterhalten werden. Die Zahl der Kultusbeamten ist geschieden nach der Art ihres Amtes. Am zahlreichsten sind die Kantoren, weil die meisten Gemeinden nicht imstande sind, mehrere Beamte zu besolden und für diese der Kantor der typische Kultusbeamte ist, der alle notwendigen Kultusfunktionen ausübt und Religionsunterricht erteilt. In ganz Deutschland gibt es 2271 jüdische Kultusbeamte (217 Rabbiner, 1101 Kantoren, 369 Religionslehrer, 180 Schächter, 404 Synagogendiener), doch dürfte diese Zahl infolge mancher Lücken in den Angaben zu niedrig, ebenso die Zahl 214, die anglbt, auf wie viele Juden im Durchschnitt in Deutschland ein Kultusbeamter (inkl. der 470 Volksschullehrer) kommt, zu hoch sein. Man wird sie auf etwa 200 ansetzen können. Es ist bekannt, daß die an öffentlichen jüdischen Volksschulen angestellten Volksschullehrer im Nebenamte oft noch Kultusfunktionen verrichten. Aus diesem Grunde sind außer den eigentlichen Kultusbeamten auch die Lehrer an öffentlichen jüdischen Volksschulen aufgeführt und zwar mrt näherer Angabe darüber, ob sie im Nebenamt Kultusämter bekleiden oder nicht. — Besonders interessant sind die Angaben über die Häufigkeit des Gottesdienstes. Es zeigt sich, daß die meisten Gemeinden Gottesdienst nur am Sabbat?) abhalten. In Preußen findet unter 1058 Gottesdienst abhaltenden Gemeinden der Gottesdienst täglich statt in 205 (— 19,4 °/0) 2) In Gemeinden, in denen Gottesdienst am Sabbat stattfindet, findet in sehr vielen Fällen der Gottesdienst auch am Montag und Donnerstag (da die Thora an diesen Tagen vorgelesen wird) und bei besonderen Anlässen, wie Todesfällen und dergl., statt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.