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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-10-06 · 40 (6.10.1905) · p. Seite 564

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
40 (6.10.1905)
Date
1905-10-06
Page
Seite 564 (sequence 12)
Language
German
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Seite 564. Israelitische Wochenschrift. Nr. 40. gistrats und der Stadtverordneten-Versammlung, vor dem Portal des Waisenhauses und wurden von Mitgliedern des Vorstandes Herrn Stadtrat Professor Dr. Lasfar-Eohn und Herrn Max Minkowski begrüßt. In der Aula des Waisenhauses fand die eigentliche Einweihungsfeier statt. Nach einem Orgelpräludium hielt der Vorsitzende des Waisenhausvorstandes, Herr Professor Tr. Louis Saalschüt;, die Festrede. In kurzen Zügen und in lebendiger Schilderung entrollte der Festredner nun ein Bild der Geschichte und Entwickelung des Waisenhauses. Mit einem Bittgebet für den Kaiser schloß Herr Professor Dr. Saalschütz die Festrede, nachdem er vorher noch zur Mitteilung gebracht hatte, daß anläßlich der Einweihungsfeicr als Festgabe eine „Geschichte des israelitischen Waisenhauses", sehr sorgfältig bearbeitet von dem gegenwärtigen Inspektor der Anstalt, Herrn Adolf Peritz, erschienen sei. — Sie gelangte im Laufe des Festaktes zur Verteilung. Als Vorsitzender des Gemeindevorstandes nahm Stadtrat Magnus das Wort, worauf durch den Rabbiner der Synagogengemeinde, Herrn Tr. Bogelstcin, die Weihe des Hauses in einer gedankenreichen Ansprache vollzogen wurde. Namens der ehemaligen Zöglinge des israelitischen Waisenhauses gab Rabbiner Dr. Fabian- Breslau an diesem Tage den Gefühlen der Dankbarkeit Ausdruck. Gleichzeitig überbrachte er als Geschenk ehemaliger Zöglinge zu dem Tage eine Jahrzeitlampe mit den Namen verstorbener Wohltäter der Anstalt: Magnus Wiener, Dr. Bamberger, Moritz Simon, Moritz Becker, Frau Cäcilie Gerber und Frau Sanitätsrat Dr. Falkenheim. Dann trat Herr Stadtältester Leo an den Vorsitzenden heran und übergab 8000 M. als Grundstock eines Fonds, mit dessen Zinsen die Zöglinge des Waisenhauses unterstützt werden sollen, um ihnen für das weitere Fortkommen die Mittel zu gewähren. Herr Professor Dr Saalschütz dankte beiden Rednern und verlas dann u. a. auch noch den Brief eines Wohltäters mit der Mitteilung, daß dieser dem Waisenhause testamentarisch 1000 M vererbt habe. — Dann folgte die Besichtigung des neuen Hauses. Es auszuschmücken, haben sich mannigfache Wohltäter angelegen sein lassen. Mülheim (Ruhr). Die Grundsteinlegung der neuen Synagoge. Herr Plachschinski eröffnete die Feier durch Rezitation einiger Psalmen. Die Festrede hielt Herr Lehrer Kaiser. Nachdem die Urkunde vom 1. Vorsitzenden der Gemeinde, Herrn S. Cohn, zur Verlesung gebracht war, wurde unter den üblichen Hammerschlägen die eigentliche Grundsteinlegung vollzogen. Es war wohl für alle ein ergreifendes und unvergeßliches Bild, als Herr Michel Hirsch, der 102 jährige Nestor unserer Stadt, die Treppe zur Anhöhe emporstieg, um ebenfalls durch die mit hörbarer Wucht geführten Hammerschläge seine Teilnahme zu bekunden, wie es auch registriert zu werden verdient, daß er die Urkunde mit seiner eigenhändigen Unterschrift versehen hat. Gegen 12 Uhr war die Feier zu Ende; es fand darnach noch eine Zusammenkunft im Hause des Herrn Cohn statt. Bielefeld. Die feierliche Einweihung der neuen Synagoge wurde unter Beteiligung der Stadtbehörde und zahlreicher Gäste vollzogen Von der Stadtverwaltung waren erschienen Herr Oberbürgermeister Geh. Negierungsrat Bunnemann, Herr Bürgermeister Dr. Stapenhorst und Herr Bürgermeister Toerner, sowie der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Herr Lohmeyer. Herr Regierungspräsident Dr. Kruse aus Minden hatte in letzter Stunde abgesagt. Der Erbauer, Regierungsbaurat Fürstenau aus Berlin, war bereits am Dienstag Abend hier eingetroffen. Die Feier begann mit der Schlüsselübergabe, wobei ein von Fräulein Josefa Metz verfaßtes Gedicht vorgetragen wurde. Herr Regierungsbaurat Fürstenau übernahm den Schlüssel und überreichte ihn an den Gemeindevorstand. Hierauf wurde das Portal durch den Vorsteher Katzenstein geöffnet und die Beteiligten begaben sich in die Synagoge. Die innere Feier gestaltete sich zu einem wahrhaft schönen, erhebenden Akt. Herr Rabbiner Tr. Coblenz gab dem Hause die Weihe. Als Text lag der Predigt zugrunde das Wort Jakobs: „Wie ehrfurchtgebietend ist diese Stätte, fürwahr, hier ist ein Gotteshaus, hier ist die Pforte des Himmels." Mit einem Schlußchor endete die Feier. Stach Beendigung des Gottesdienstes fand ein Festessen für die auswärtigen Gäste und die Repräsentanten statt. Briefen. (Wpr.) Der 24. September war ein Ehren- und Freudentag für unsere Gemeinde: unsere seit dem Jahre 1850 bestehende Synagoge wurde nach einem längere Zeit währenden Umbau in feierlichem Gottesdienst wieder in Benutzung genommen. Wenn das Gotteshaus in seiner früheren Gestalt einen wenig erhebenden Anblick gewährte, so ist es nun im neuen, herrlichen Glanze erstanden. Schon von weitem ist es durch zwei schöne Kuppeln sichtbar. Besonders schön und weihevoll ist der Anblick des Jnnenraumes, von dem hauptsächlich der grandiose Aufbau des Almemor, der Kanzel und des Aron-Ha-Kodesch hervorzuheben ist, ferner die in edlen Formen gehaltenen Fenster Letztere sind sämtlich von hiesigen Familien gestiftet; am wirkungsvollsten präsentieren sich die beiden Fenster an der Ostseite mit den Gestalten Moses' und Aron's, gewidmet von den Herren I. Alexander und M. Joelsohn, die auch eine außerordentliche und opferfreudige Tätigkeit innerhalb der Baukommission entfalteten. Die nicht unbeträchtlichen Kosten des Umbaues sind bereits zu mehr als Zweidrittel durch Spenden hiesiger Gemeindemitglieder wie auswärts wohnender Briesener und durch a^ sehnliche Zuschüsse der Vereine gedeckt. Mit Recht rüstete sich darum unsere Gemeinde, den Akt der Einweihung freudig zu begehen. Die Feier begann mit dem Gesang des Ma-tenndu, vorgetragen von einem durch Herrn Kantor Nelken sorgfältig eingeübteu, mehrstimmigen Knabenchor Alsdann wurden von den Repräsentanten die Gesetzesrollen eingeführt, wobei Herr Rabb. Dr Eppenstein eine Ansprache hielt. Hierauf ergriff der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Uhrmacher I Callmann, dem das Verdienst gebührt, mit Hilfe einer Reihe von Mitgliedern der Gemeindevertretung die Angelegenheit des Synagogenumbaues eifrig gefördert zu haben, das Wort zu einer kernigen und herzlichen Begrüßungsrede, Nach Verrichtung des Minchogebetes und dem Gesang eines passenden Liedes, vollzog der Rabbiner das Anzünden des Ner-Tomid mit einem Gebete. Hierauf wurden die Hakaphot von den Vorstehern und zwei älteren Gemeindemitgliedern vollzogen, und, nach dem Hineinstellen der Gesetzesrollen in die heilige Lade, folgte die Festpredigt. in der der Rabbiner der Gemeinde die Bedeutung des Gotteshauses an der Hand der Auffassung der Erzväter hierüber darlegte. Die Rede schloß mit einem Gebet für das Kaiserhaus, Gemeinde und Stadt. Das Mr'riw Gebet und ein herrlicher Gesang des Adon 'Olam beschlossen die der Gemeinde noch lange Zeit unvergeßliche Einweihung Der Abend vereinigte fast ausnahmslos die ganze Gemeinde bei einem von der Gemeindevertretung arrangierten Beisammensein. Schönlanke. Die hiesige Gemeinde beging am 24. v M. die feierliche Einführung ihres neugewählten Rabbiners, Herrn Dr. phil. Bamberger aus Würzburg in Bayern. Dürmenach. Unerwartet schnell verschied der hiesige Elementarlehrer Eppstein, der einer Ohrenoperation in der Freiburger Klinik erlag. Mlt Eppstein verliert die oberelsässische Lehrerschaft eine ausgezeichnete Kraft. Rabbiner Dr. Auscher, Kreisschulinspektor Froitzheim und Hauptlehrer Dreysus, Colmar, widmeten dem Verstorbenen im Trauerhaus und am offenen Grab ehrende und tiefempfundene Nachrufe. Ein langer Zug von Bekannten, Freunden und Kollegen gaben dem allzufrüh Verblichenen das letzte Geleite. Mähr.-Tstrau. Am 22. Sept. verschied der Schulleiter der israelitischen Volksschule und Religionslehrer der Volksschule Samuel Spitzer im 61. Lebensjahre. In ihm verliert die israelitische Kullusgemeinde einen ihrer ältesten und verdienstvollsten Lehrer und die Lehrerschaft einen der tüchtigsten und berufsfreudigsten Kollegen. Der Verstorbene war am 5. März 1845 in Bösing (Ungarn) als Sohn des dortigen Lehrers Josef Spitzer geboren, wirkte durch 14 Jahre als Direktor der Volksschule in Sereth (Ungarn) und seit 1874, also seit 31 Jahren, an der israelitischen Volksschule in Mähr-Ostrau, an welcher er im letzten Jahre zum Schulleiter befördert wurde. Hohensalza. Der israelitische Frauenverein hat aus Anlaß des Scheidens seiner verdienstvollen und hochgeschätzten Vorsitzenden, Frau Kommerzienrat Eva Levy, die nach Berlin verzogen ist, ihr den Tribut der Dankbarkeit und Verehrung gezollt, indem er die Dame zum Ehrenmitglieds ernannte. Das kunstvoll ausgestattete Diplom wurde Frau Levy nach ihrem jetzigen Wohnorte nachgesandt. Speyer. Bischof Dr. Busch empfing kürzlich die als Vertreter der pflälzischen Bezirksrabbiner zur Beglückwünschung anläßlich i seines Amtsantritts erschienenen Herren Dr Laudsberg-Kaiserslautern und Dr. Meyer-Zweibrücken, wobei ersterer folgende Ansprache hielt: „Hochwürdigster Bischof, gnädiger Herr, gestatten, daß ich Ihnen im Namen der israelitischen Gemeinden der Pfalz und im Namen der pfälzischen Rabbiner, von denen zwei zu unserem tiefen Bedauern infolge amtlicher Verhinderung nicht anwesend sein können, hiermit ein aufrichtiges und herzliches Willkommen zurufe, nachdem Sie, hochwürdigster Herr Bischof, Ihr hohes und heiliges Amt bereits seit vielen Wochen angetreten haben.

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