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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-10-06 · 40 (6.10.1905) · p. Seite 563

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
40 (6.10.1905)
Date
1905-10-06
Page
Seite 563 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 40. Israelitische Wochenschrift. Seite 663. sobald der Neubau fertig ist, durch Aufnahme in unsere Anstalt einer großen Anzahl würdiger Personen unserer Gemeinde ein freundliches, sorgenfreies Heim für ihren Lebensabend zu bieten." Ueber Veränderungen im Vorstande und dem Kollegium der Ehrendamen wird berichtet: Aus dem Kollegium schied am 14. September des verflossenen Jahres der Vorsitzende, Herr Kommerzienrat Heinrich Eisner, der die Verwaltung in ebenso einsichtiger wie vornehmer Weise geleitet hatte. An seine Stelle wurde vom Gemeindevorstand Herr Julius Oliven delegiert. Aus Gesundheitsrücksichten sah sich Frau Bertha Rotschild geb. Elkan genötigt, ihr Amt als Ehrendame der dritten Anstalt niederzulegen An deren Stelle wurden Frau Alfred Zielenziger geb. Zielenziger und Frau Julius Hirschler geb. Flatau neu gewählt. An der zweiten Anstalt machte sich das Bedürfnis geltend, die Zahl der Ehrendamen zu vermehren. Die Wahl fiel auf Frau Mathilde Priester geb. Knopf. Als Ehrendamen fungieren : a) In der Anstalt Große Hamburgerstraße die Frauen Bertha Cohn, Johanna Aron, Nanny Boehm, Lydia Fernbach, Johanna Hantke, Anna Jtzig, Marie Jaffs, Betty Joelsohn, Therese Klopstok, Rosa Levin, Bertha Mayer, Zilla Proskauer; b) in der Anstalt Schönhauser Allee die Frauen Bertha Manheimer, Vorsitzende, Geh. Kommerzienrat Jenny Meyer Cohn, j Geh. Sanitätsrat Pauline Elsner, Rabbiner Dr. Martha Frankl, Kommerzienrat Clara Friedländer, Agnes Lehmann, Johanna Levy, Henriette Meyerstein, Emma Nelke, Erna Pakscher, Justizrat Gertrud Raphael, Elise Reiß, Henriette Semon, Clara Unger, Johanna Wolff, Mathilde Priester; c) in der Anstalt Exerzierstraße die Frauen Erna Pakscher, Justizrat Apolant, Hertha Beer, Professor Blaschke, Minna Fiegel, Anna Hirsch, Julius Hirschler, Emma Loewenthal, Hedwig Mayer, Anna Wachsner, Sophie Wollenberg, Doris Zielenziger. — Der D -I. G.-B. erläßt folgenden Aufruf: Se. Majestät der Kaiser hat kundgegeben, daß er zu Allerhöchstseiner und seiner erhabenen Gemahlin silbernen Hochzeit keine kostbaren Gaben, sondern die Begründung wohltätiger Stiftungen wünscht. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund in Berlin wird diesen Allerhöchsten Wünschen Nachkommen, indem er eine Anstalt für jüdische Schwachsinnige plant, für die ein statistisch und erfahrungsgemäß nachgewiesenes dringendes Bedürfnis vorhanden ist. Er befolgt somit nur das Beispiel, das er schon zur silbernen Hochzeit weiland Kaiser Friedrichs durch die Begründung der Friedrich Wilhelm Viktoria-Stiftung gegeben hatte, die Hunderten von israelitischen Kultusbeamten die Alters- und Reliktenversorgung ermöglicht hat. Obwohl streng rituell geführt und von jüdischen Beamten geleitet, wird, nach dem Vorgang vieler anderer jüdischer Institutionen der Wohltätigkeit und der Erziehung, diese Anstalt, soweit der Raum es gestattet, auch christliche Pfleglinge aufnehmen. Wir fordern edle Wohltäter, die zumal schwachsinnigen Kindern den Weg ebnen wollen, möglichst nützliche und glückliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft zu werden, auf. ihre Spenden für die Anstalt für jüdische Schwachsinnige an unser Bureau: Berlin W. 35, Steglitzerstr. 85, senden zu wollen. Ueber die Beiträge wird in öffentlichen Blättern quittiert werden. Berlin, im Oktober 1905. Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. — Die vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebnnd veranstalteten unentgeltlichen Fortbildungskurse für akademisch gebildete Lehrer der jüdischen Religion beginnen am Montag, den 30. Oktober, um 6 Uhr nachm. Nähere Auskunft erteilt Rabbiner Dr. Blumenthal-Berlin N, Monbijou Platz 4 — Das Zentralkomitee der Alliance Jsraelite bewilligte für die Abgebrannten in Adrianopel eine weitere Unterstützung von 5000 Franks, ferner 5000 Franks für die Opfer der antisemitischen Militärkrawalle in Bialystock. — Der Bericht über das Reichenheimsche Waisenhaus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin (Weinbergsweg 13) für die Zeit vom 1. April 1904 bis 31. März 1905 ist erschienen. Erzogen wurden im Berichtsjahr 75 Zöglinge (45 Knaben und 30 Mädchen); entlassen wurden 15 Zöglinge, von denen sich 2 Knaben und ein Mädchen einem Handwerk, 6 Knaben und 1 Mädchen einem kaufmännischen Beruf widmen, 2 Mädchen die Hauswirtschaft erlernen. Die Gesamtausgaben beliefen sich auf 53 576,31 M., die durch Zinsen eigner Fonds und einen Gemeindezuschuß von 25835,96 M. aufgebracht wurden. Für je einen Zögling betrugen die Gesamtausgaben für das Jahr 733,92 M., oie Tagesverpflegung für den Kopf 52 Pf. Die an der Anstalt bestehenden Stiftungen sind vermehrt worden durch die Alfred Benvenisti-Stiftung, Margot Berliner-Stiftung, Jda Feist (geb Reichenheim) -Stiftung. Dem eisernen Fonds stoffen zu aus dem Legat des Geh. Sanitätsrats Dr. Adolf Abraham M. 3000 und aus dem der Ehrendame Frau Mathilde Berend M. 60000. Alle Zöglinge besuchen öffentliche Schulen, erhalten aber im Hause noch Unterricht in Gesang, Turnen und Handfertigkeit. Die ehemaligen Zöglinge haben einen Zusammenhang im „Reichenheim Verein". Die Anstalt steht unter der Verwaltung eines Kuratoriums, dessen Vorsitzender Sanitätsrat Dr. Julius Stern ist, und unter der Leitung des Direktors Dr. Moritz Jutrosinski. — Acht Krankenschwestern an Fischbergistung erkrankt. Am letzten Sonnabend folgten dreißig Schwestern des jüdischen Krankenhauses einer Einladung nach dem benachbarten Schwesternheim zu einem Fischessen. Unmittelbar darauf erkrankten acht von ihnen, darunter drei schwer. Zwei von diesen befinden sich bereits wieder auf dem Wege der Besserung, doch liegt die dritte noch bedenklich darnieder. Zerbst. Einweihungsfeier der neuen Synagoge. Um 6 Uhr versammelten sich die Gemeinde und die Geladenen in dem Gotteshaus. Bald nach yfi Uhr begann die eigentliche Feier. Unter dem Gesänge des durch Dessauer Kräfte verstärkten Chors sowie Harmonium- und Orchesterbegleitung wurden die Thorarollen in das Gotteshaus gebracht. Darauf folgte das Weihgebet seitens des Landesrabbiners Dr. Walther und das Anzünden der ewigen Lampe durch das Vorstandsmitglied der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herrn Leiser. Dem Predigtlied „Wenn Gott, der Herr, das Haus nicht baut, vergeblich ist des Menschen Mühn", folgte die Festpredigt des Herrn Landesrabbiners Dr. Walther. Die Festhymne „Lobet Gott der Scharen", beschloß die erhebende Feier in würdiger Weise Die Festtafel begann abends 7 Uhr im Hotel zum goldenen Löwen, an der sich ungefähr 70 Personen beteiligten. Als erster Redner begrüßte der Vorsitzende der Gemeinde, Herr Kaufmann Kariel, die Gäste und ließ seine Rede in ein Hoch auf Se Hoheit den Herzog ausklingen. Herr Dr. Walther-Dessau gedachte in herzlichen Worten der feiernden Gemeinde Zerbst. Herr Kaufmann Leiser dankte dem Kuratorium in Dessau für ihre hochherzige Spende zum Neubau des Tempels. Herr Dr. Cohn- Dessau toastete auf das harmonische Einvernehmen zwischen den verschiedenen Konfessionen der Stadt und ließ seine Rede in ein Hoch auf den anwesenden Magistrat ausklingen. Herr Kantor Fuchs toastete auf den Vorstand, Herr Bürgermeister Neidholdt auf die Gemeinde Herr Stadtrat Elster dankte Herrn Landesrabbiner Dr. Walther für die Weiherede. Herr Borinski toastete auf die Damen. Herr Meierstein-Deffau dankte Herrn Kantor Fuchs für seine großartige Mitwirkung bei der Feier. Herr Leiser- Posen leerte sein Glas auf das Wohl der Zerbster Jugend. Herr Otto Rosenbaum dankte den Herren von der Bauleitung für das gelungene herrliche Werk. An Se. Hoheit den Herzog wurde so gendes Telegramm abgesandt: Bingen. Die Feier der Einweihung der hiesigen neuen Synagoge verlief in würdigster Weise. Die ganze Bevölkerung der Stadt zeigte ein hohes Interesse an dieser Feier, was sich namentlich durch den Festschmuck der Straßen, wie durch zahlreiche Beteiligung dokumentierte. Bildet doch das neue Kultusgebäude eine Zierde der Stadt und speziell der Rochusstraße, auf der es steht. An der Feier beteiligten sich die staatlichen und städtischen Behörden und ein zahlreiches Publikum von nah und fern. Die Weihe vollzog der Rabbiner der dortigen Gemeinde Herr Dr. Grünfeld durch eine stimmungsvolle, feinsinnige Predigt, die auf alle Anwesenden sichtlichen Eindruck machte. Nach Beendigung der Feier fand im Hotel Englischer Hof ein Frühstück statt, an dem ebenfalls sämtliche staatlichen und städtischen Behörden teilnahmen und das, gewürzt durch eine Reihe von Toasten, einen wohlgelungenen Verlauf nahm. Am Abend fand ein solennes Festbankett statt, das mit Theater und Ball der Feier einen vergnügten Abschluß gab. Die Verwaltung der Stadt hat der israelitischen Religionsgemeinde daselbst anläßlich der Synagogen-Einweihung ein Festgeschenk in Höhe von 6000 M. bewilligt mit der Bestimmung, daß dafür die Kosten der Orgel bestritten werden sollen. Königsberg i. Pr. (Die Einweihung des israelitischen Waisenhauses.) Ein neues monumentales Gebäude unserer Stadt ist im Laufe des letzten Sommers fertiggestellt und am am letzten Sonntag feierlich eingeweiht worden: das israelitische Waisenhaus für Stadt und Provinz. Unmittelbar zur Linken der Synagoge in der Lindenstraße erhebt sich das Bauwerk und bildet zu dem Gotteshause gewissermaßen eine Ergänzung. Um 12 Uhr versammelten sich die ein geladenen Gäste, unter ihnen Vertreter der Königlichen Regierung, der Universität, des Ma-

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