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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-10-06 · 40 (6.10.1905) · p. Seite 560

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
40 (6.10.1905)
Date
1905-10-06
Page
Seite 560 (sequence 8)
Language
German
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Leite 560 Israelitische Wochenschrift. Nr. 40. eine andere Frau verdrängt zu sehen, welche sie mit ihrer Verachtung und ihren Schmähungen überhäufen konnte, und oft zog die unfruchtbare Frau vor, ihre Rechte mit ihrer eignen Magd zu teilen, die sie bei ihrem Mann vertreten sollte und deren Kinder sie adoptierte. Die Geburt eines Kindes war also eines der freudigsten Ereignisse, die der Familie begegnen konnten, besonders wenn es ein männliches war, in dem der Vater eine Bürgschaft für die Erhaltung seines Namens, der mit dem Besitztum der Familie verknüpft blieb, sah. Man freute sich viel weniger über die Geburt eines Mädchens, deren Erziehung viel Sorgfalt erforderte. Wenn die Frau in den Geburtsschmerzen war, setzte man sie in einen Sessel und eine Hebamme stand ihr bei, während andere Frauen mit dieser die Sorgen um sie teilten. Der Vater, der während der Entbindung abwesend war, lief bei der freudigen Nachricht herbei und adoptierte das Kind, wahrscheinlich, indem er es auf seine Kniee nahm; dies tat auch wohl der Großvater. Dieselbe Mode der Adoption wurde ausgeübt, wenn es geschah, daß die Frau ihre Gattenrechte der Magd abgetreten hatte. Wenn das Kind ein Knabe war, so fand die Beschneidung acht Tage nach der Geburt statt. Die Wöchnerin wurde als unrein angesehen, während sieben Tage für einen Knaben und während vierzehn Tage für ein Mädchen; nach dieser Zeit mußte sie noch zurückgezogen bleiben dreiunddreißig Tage für einen Knaben und sechsundsechzig Tage für ein Mädchen und durfte sich nicht heiligen Gegenständen nahen. Wenn die Zeit verflossen war, ging sie in den Tempel, wo sie ein Lamm als Brandopfer und eine Taube als Sühnopfer darbrachte; die arme Frau nahm für die beiden Opfer Tauben oder Turteltauben. In den alten Zeiten wurde der Name dem Kinde augenblicklich nach der Geburt gegeben und am häufigsten von der Mutter; später wartete man für den Knaben den Tag der Beschnerdung ab. (Fortsetzung folgt.) Aus ROM. Trotzdem das Recht der Rückkehr zum Judentum den getauften Juden in Rußland nun zusteht, haben verhältnismäßig nicht zu Viele davon Gebrauch gemacht. Welcher Beamte möchte auch zum Glauben seiner Väter zurückkehren, wenn dieser Schritt den Verlust seiner Stellung mit sich führt? Ankere fürchten sich wieder vor den schweren Folgen einer solchen Rückkehr, der Wiederholung derselben Verfolgungen, denen sie durch den Glaubenswechsel doch entgehen wollten. Auch das enge Zusammenhalten mit den christlichen Arbeitern vermag die jüdischen nicht unbedingt vor Verfolgung und Tod durch des Pöbels Hand zu schützen, so lange eine kurzsichtige Regierung ihre jetzige Gewaltstellung durch Entvölkerung ihrer eigenen Provinzen, wenn auch nur auf kurze Zeit, verlängert sieht. Eher kann man sagen, daß der Beginn der judenfeindlichen Richtung seinerzeit in vielen Abgefallenen die Liebe zur angestammten Religion hervorgerufen. Wohl aber haben judaisierende Sekten vielfach mit ihrem Judentum Ernst gemacht. Eine große Masse Sabbatianer, die wie andere halbjüdische Sekten z. B. in großen Massen in den Dörfern des Astrachaner Gouvernements wohnen, haben nun vollkommen den jüdischen Glauben zu dem ihrigen gemacht, dem sie im Geiste schon lange angehört haben. Viele haben sich nach Palästina gezogen, um dort in den jüdischen Kolonien Arbeitsgelegenheit zu erlangen. Es dürste von Wichtigkeit sein, zu erfahren, daß die Spuren jüdischer Einwohner in Baku geschichtlich weit zurückreichen. Ludwig IX. von Frankreich sandte den Mönch Wilhelmus als Gesandten zu dem Khan der Tartaren; in seiner Beschreibung jener Gegend erwähnt er schon jüdische Bewohner. 1806 wurde Baku russisch. Die persische Bevölkerung stürmte das Judenviertel, eine allgemeine Auswanderung der Juden begann. Später durften nur erstgildige Kaufleute und Veteranen aus der Zeit Nikolaus I. dort wohnen. Die große Entwicklung der Petroleumgrabungen brachte eine Aenderung dieser Umstände hervor. Die jüdische Bevölkerung wuchs mächtig an. 1901 wurde eine neue Synagoge gebaut, die 100 000 Rubel kostete. Die Anzahl der Kaukasusjuden betrug 1900 an 9000 Seelen. Professor Hahn aus Tiflis entdeckte in der Umgegend von Baku einen jüdischen Stamm, der vorher gänzlich unbekannt gewesen. Es waren vorzugsweise Ackerbauern, die in den Gebirgsdörfern um Baku und Elisabethpol wohnten. Sie machen Anspruch darauf von den alten Israeliten abzustammen, die (wir verstehen hier den Bericht nicht recht) zurzeit der ersten Tempelzerstörung aus dem Reiche Israel hierherversetzt worden sind. (Soll das heißen: Aus dem Reiche Juda?) Ihre Sprache soll noch Spuren des Hebräischen an sich tragen. Englische Briefe. Die Sehnsucht nach dem Festlande, nach Deutschland, ist wieder da, und damit mein Brief. Sie verkörpern mir also das Vaterland. Und ich begann und schrieb: Vor fünfzig Jahren — halt! in solchen Fällen sagen wir volltönender vor einem halben Jahrhundert (so ist es doch in solchen Fällen üblich!), ungefähr drei Monate nach seinem Entstehen ist der „Daily Telegraph" in die Hände des verstorbenen I. M. Levy übergegangen. Er war also nicht der Gründer dieses Blattes, aber er war mehr: Er sollte es über E» die gefährliche Zeit der Kinderkrankheiten hinübersühren. Das Blatt ist, zum Teil durch ihn und in seinen Händen, eine Macht geworden! Mancher Engländer liest täglich nur seine Bibel und den „Daily Telegraph", welches Blatt dauernd eine geheimnisvolle Anziehungskraft auf seine Leser ausübt. Die Umwandlung des neuzeitlichen Zeitungswesens, wodurch daraus eine herrschende Macht geworden ist, muß vielfach auf das Vorgehen des „Daily Telegraph" zurückgeführt werden. Daß man in den Japanern neuerdings die verlorenen zehn Stämme sucht, wissen Sie wohl schon. Wo hat man sienicht gesucht? Selbst Stanley ist seinerzeit ausgefunden worden — die zehn Stämme sucht man umsonst. Und doch soll ihre Auffindung der goldenen Zukunftszeit der Menschheit vorausgehen. Das ist etwas für die bibelfesten Engländer! Ihr Cromwell hielt sich für den Josua oder Gideon, dessen Feinde die Amalekiter und Ammoniter waren und der mit alttestamentlichen Kriegsgesängen sich in die Schlacht stürzte. Und nun könnte es der Fall sein, daß England mit den zehn Stämmen ein Bündnis eingegangen wäre. Sir Philipp Magnus hat nun herausgebracht, daß nicht nur, wie Andere sagen, der Gründer des Japanischen Königshauses dem letzten König von Israel ähnlich hieß, sondern daß noch weitere Spuren dahin leiten. Wir erwähnen von jeher gern Abraham, Isaak

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