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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-10-06 · 40 (6.10.1905) · p. Seite 559

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
40 (6.10.1905)
Date
1905-10-06
Page
Seite 559 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 40 Israelitische Wochenschrift. Gerte 659. und das Ztldium (Bleiglanz) der Römer; man tat es in ein Horn, wie es uns der Name Keren-happouch (cornustibii), den man einer der Töchter Hiobs beilegt, erraten läßt, und tauchte eine silberne, elfenbeinerne oder hölzerne Nadel hinein, um damit die Augenbrauen zu schwärzen, was man „die Augen schminken" nannte, oder wie sich der Prophet Jeremias ironisch ausdrückt, „sich die Augen durch Schminke zerreißen." Der Prophet Ezechiel bezeichnet das Vorhergehende durch das Zeitwort Cahal, dessen sich die Araber noch heute bedienen, was bic Fortdauer dieser Sitte beweist. Wir haben schon von dem gelben Pulver Copher (arabisch Ad-henna) gesprochen, dessen sich die Frauen bedienten, um sich die Nägel und Haare zu färben. Fügen wir diesen Gegenständen noch die wohlriechenden Vasen hinzu, die dazu dienten, Zimmer, Kleider und Haare zu durchduften,' sowie die Salbenbüchse und das Riechfläschchen und man wird eine ziemlich genaue Vorstellung haben von allem, was zur Toilette der schönen Zionstöchter nötig war, deren Gefallsucht eine so scharfe Rüge im Propheten Jesaias findet. Aber sicherlich würde diese Koketterie nur halb befriedigt worden sein, wenn die Frau, um über den Effekt ihrer Schönheit, die Eleganz und den Glanz ihres Schmuckes zu urteilen, genötigt gewesen wäre, sich auf die Augen einer Freundin oder Dienerin zu verlassen, und sich nicht in einem Spiegel hätte bewundern können. In der Tat, der polierte Metallspiegel reicht bei den Hebräern bis zu einem hohen Altertum hinauf; es ist schon zu Mosis Zeit davon die Rede, als von einem Gegenstände, der sich vorzüglich in den Händen der Frauen befunden. Die Spiegel, die im 2. Mos. unter dem Namen Narak erwähnt werden, waren von Stahl. Jesajas bezeichnet diese Spiegel mit dem Worte Guilyonim, einen polierten Gegenstand bedeutend; zu seiner Zeit hatte der Luxus wahrscheinlich schon die silbernen Spiegel eingesührt. Die Spiegel dienten nicht, wie bei uns, die Zimmer zu schmücken; sie waren von kleinem Umfang, von runder oder ovaler Form, mit einem Stiel, und die Frauen trugen ihn oft bei sich. Indem wir das, was wir über die Kleidung und Toilette zu sagen hatten, schließen, müssen wir noch erwähnen, daß die Art der Kleider und das heiße Klima bie Hebräer nötigten, oft die Kleider zu wechseln, wie man bei uns die Wäsche wechselt, um den Anforderungen der Reinlichkeit zu genügen. Man hatte also gewöhnlich mehrere vollständige Anzüge, um damit wechseln zu können; darum heißen die vollständigen Bekleidungen in der Bibel „Wechselkleider", und man sagt z. B. „fünf Wechselkleider", um fünf vollständige Anzüge zu bezeichnen. Die Reichen hatten immer eine große Menge Kleider in Vorrat; es war Gebrauch, denen einen Geschenk damit zu v'.achen, denen man eine Ehre bezeigen wollte. Der syrische Feldherr Naäman bot dem Propheten Elischa zehn Bekleidungen an; Simson verlangte deren dreißig von den Philrstern als Preis einer Wette. Diese Beispiele beweisen, daß die wohlhabenden Leute deren eine große Anzahl hatten, um oft wechseln zu können. Beide Geschlechter hatten Staatskleider für feierliche Gelegenheiten; diese sind es, die Jesaias unter dem Namen lVlaebalacotb erwähnt, und die ebenso (wie die Khil’a der Araber) das Ehrenkleid bedeutet, mit dem die Großen und Fürsten diejenigen bekleideten, die sie einer besonderen Auszeichnung würdigten. Man hat schon gesehen, daß die Priester während des Dienstes ein besonderes Kostüm trugen; es war sicherlich mit den Würdenträgern des Hofes ebenso. Später werden wir über die Trauerkleider sprechen. Die Kleider, die man auszog, wurden durch Waschen und Walken gereinigt. Was die Reinlichkeit des Körpers betrifft. die in den heißen Ländern eine ganz besondere Sorgfalt erfordert, so nahm man oft Bäder, sowohl in den Flüssen als auch in den Bassins, die sich in den Höfen der Häuser befanden, namentlich taten es d e Frauen. Man weiß, daß das Bad in gewissen Fällen durch das Gesetz vorgeschrieben war. Im Alten Testament gibt cs keine Andeutung von öffentlichen Bädern; nur später, im Talmud, ist davon die Rede. Man wusch sich auch mit einer Substanz, zu der man Nitrum unv vegetabilisches Alkali verwandte; es scheint, daß man sich in der kalten Jahreszeit mit Schnee wusch, der nicht selten auf den Bergen war. Die starke Transpiration und vielleicht auch die häufigen Abwaschungen, welche die Haut austrockneten, machten die Anwendung sowohl von Parfüms als auch von Oclen und Salben nötig, mit denen man verschiedene Teile des Körpers und die Haare pflegte, wie man dies aus vielen Stellen der Bibel entnehmen kann. C. Das Aamitienteöen. Wir wollen hier einen Blick in das Innere der Fainilie werfen, um die häuslichen Sitten und die beobachteten Gebräuche bei den glücklichen oder unglücklichen Ereignissen, welche die Gleichförmigkeit des täglichen Lebens unterbrechen, kennen zu lernen. Wir haben durch eine große Zahl von biblischen Stellen bewiesen, wie groß der Irrtum derer ist, welche die Frauen der Hebräer mit denen der Araber und anderer Völker des modernen Orients vergleichen. Man hat gesehen, daß in allen Klassen der hebräischen Gesellschaft die Frau eine große Freiheit genoß. Wenn einigemale die Großen und die Reichen, indem sie den benachbarten Nationen nachahmten, sich der Polygamie ergaben und ihre Frauen dem müßigen und entwürdigenden Leben der Harems unterwarfen, so hielt doch die große Mehrzahl an den einfachen Sitten der alten Zeit fest; die Frau war, wie es im ersten Buch Moses ausgedrückt ist, eine Hilfe für den Mann und ihm gleich. Während der Mann die Feldarbeiten oder andere gewerbliche Beschäftigungen betrieb, besorgte die Frau das Haus, die Erziehung der Kinder und die Ueberwachnng der Dienstleute. „Sie bemühte sich um Wolle und Flachs und arbeitete nach dem Willen ihrer Hände. Sie erhob sich ehe der Tag anbrach, verteilte die Nahrungsmittel in ihrem Haushalte und gab den Dienern ihre Arbeiten. Sie legte ihre Finger auf die Spindel; ihre Hände hielten den Spinnrocken. Sie reichte ihre Hände den Armen und gab ihnen das Notwendigste. Sie öffnete ihren Mund mit Weisheit und eine Lehre voll Milde war auf ihrer Zunge. Sie überwachte die Beschaffenheit ihres Hauses und aß nicht das Brot der Faulheit." Die reichen Frauen, selbst die von hohem Rang, verschmähten nicht, die notwendigsten Arbeiten für die Familie zu übernehmen, Stoffe zu wirken, Kleider zu machen oder sogar die Speisen vorzubereiten. Das, was am meisten den Geist der Frau beschäftigte, war, ihrem Mann eine zahlreiche Nachkommenschaft zu geben, in der das größte Glück der Familie bestand und die angesehen wurde als beste Segnung, die der Himmel dem frommen Menschen gewähren konnte, wie der heilige Sänger sagt: „Glücklich ist der, welcher Jehova fürchtet und der wandelt in seinen Wegen. Wenn Du Dich nährst von deiner Hände Arbeit, Heil Dir! es geht Dir gut! Dein Weib wird sein, wie die fruchtbare Weinrebe in dem Innern Deines Hauses, Deine Kinder wie Oelpflanzen um Deinen Tisch, also wird gesegnet sein der Mann, der fürchtet den Ewigen." Die Unfruchtbarkeit wurde betrachtet als eine Strafe des Himmels und als ein Gegenstand der Schande für die Frau. Die Unglückliche war hierdurch der Gefahr ausgesetzt, sich durch

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