Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 38 (22.9.1905)
- Date
- 1905-09-22
- Page
- Seite 534 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 534. Israelitische Wochenschrift, Nr. 38- Breslau. Die alte Glogauer Synagoge geht mit Ende dieses Jahres ein Im Volksmunde heißt sie „die Professor-Schul", genannt von dem „Professorhaus", Alte Graupenstraße 6, das einmal einem Professor ans der alten Breslauer Familie Kuh gehört haben soll. In diesem Hause errichteten die Glogauer Juden, welche 1615 vom Kaiser Mathias das Privilegium erlangten, in ganz Schlesien wohnen zu dürfen, eine Freizügigkeit, der sich die andern schlesischen Juden damals und für lange Zeiten nicht erfreuen durften, eine Betstube, um, wie das damals Sitte war, landsmannschaftlich vereint ihren Gottesdienst abznhalten. Die Synagoge, welche wohl die älteste aller Breslauer „Schulen" war, fand bald reichen Zuspruch, da sich der Zu ug Glogauer Familien mit der Zeit vermehrte. 1697 wurden il Glogauer Judenfamilien in Breslau gezählt, 1737 schon 37, 1776 aber 99. Den Glogauern wurde es zu eng in der kleinen Betstube, sie errichteten deshalb im Anfänge des 19. Jahrhunderts eine „neue Glogauer Synagoge", welche für damalige Zeiten sehr schön, hell und geräumig war, im Jahre 1887 aber mit dcm Grundstücke, in dem sie sich befand, abgebrochen wurde, um der städtischen Sparkasse Platz zu machen. Jetzt muß auch die „alte Glogauer Synagoge", welche nahezu 3 Jahrhunderte dem Sturme der Zeiten getrotzt hat. ihren Tribut an die moderne Entwickelung unserer Stadt entrichten. Mit dem Abbruch und Eingehen der „Professor-Schul" sinkt wieder ein Stück Alt-Breslau in Trümmer. Breslau. Mit Ablauf dieses Jahres finden die Neuwahlen zur Repräsentanten-Versammlung im Dezember statt. Zu wählen sind diesmal 8 Repräsentanten und 8 Stellvertreter auf die Zeitdauer von 6 Jahren und ein Stellvertreter auf 3 Jahre. Es scheiden aus a) Repräsentanten, und zwar: 1. Kaufmann Simon Scheye, 2. Justizrat Rechtsanwalt Stadtverordneter Ollendorff, 3. Spediteur David Schlesinger, 4. Kaufmann Hermann Neustadt, 5. Kaufmann Samuel Kohn, 6. Oberleutnant a. D. Samuel Jaffö, 7. Justizrat, Rechtsanwalt und Notar Callomon, 8. Kaufmann Louis Loewenthal; b) Stellvertreter: 1. Fabrikbesitzer Stadtverordneter Emanuel Breslauer, 2. Rechtsanwalt Joöl, 3. Umversitütsprofessor Dr. Leopold Cohn, 4 Landgerichtsrat a. D. Lustig, 6. Dr. med. Karl Alexander, 6. Rechtsanwalt Kalisch. — Die Wahl selbst geschieht diesmal zum ersten Male auf Grund eines neuen Statutennachtrages, die dem Wahlmodus bei der Reichstagswahl entspricht. Die Wählerlisten weisen 4816 stimmberechtigte Wähler auf, gegen 4709 bei der letzten Wahl. Karlsruhe, Unter den Ehrenernennungen und Verleihungen zum Geburtstage des Großherzogs befinden sich wieder eine verhältnismäßig große Zahl Israeliten Der Vizepräsident der Karlsruher Handelskammer, Herr Rudolf Herrmann daselbst,wurde zum Kommerzienrat ernannt Es erhielten ferner das Ritterkreuz I Klasse die Herren Kaufmann Louis Hirsch und Fabrikanten Dr. Karl Weyl in Mannheim, das Ritterkreuz 1 Klasse mit Eichenlaub Herr Geh. Kommerzienrat Karl Ladenburg in Mannheim, das Ritterkreuz I. Klasse Herr Bezirksrabbiner Dr. Meier Rawicz in Osfenburg, Ritterkreuz II. Klasse die Herren Synagogenrat Samuel Schuurmann in Karlsruhe, der frühere Vorsteher der isr. Gemeinde Pforzheim, Fabrikant Jul. Schlesinger in Pforzheim, der Synagogenrat David Kahn in Mannheim, das Verdienstkreuz vom Zähringer Löwen die Herren Bezirksälteste Josef Nordmann in Lörrach und Eli Netter in Gersbach, die kleine goldene Verdienstmedaille die Herren Religionslehrer Max Hanauer in Mosbach, Heinrich Schweizer in Flehingen und Daniel Ackermann j in Wiesloch Osnabrück. Die Grundsteinlegung zu der neuen Synagoge an der Rolandstraße vollzog sich unter Teilnahme des israelitischen Gemeindevorstandes und zahlreicher Mitglieder der Gemeinde in feierlichster Weise. Die Weiherede hielt Landrabbiner Dr. Löb aus Emden, der u. a. aussührte, daß, wenn der Mensch mehr sei, als eine Blume, die verwelke, als ein Wesen, das genieße und zu Grabe gehe, wenn der Mensch zu etwas Höherem, für den Himmel bestimmt sei, was könne es dann Schöneres geben, als öffentlich Zeugnis abzulegen von Gottesfurcht und religiösem Sinn, als ein Gotteshaus zu weihen zur Pforte des Himmels. Nicht auf die Opfer komme es an, die gebracht würden für das Gotteshaus, nicht auf die hochragenden Mauern und Zinnen, nicht auf die ein- und ausgehenden Menschen komme es an, nur der Geist, der in diesen Mauern wohne, Ehrfurcht vor Gott und wahrhaft frommer heiliger Sinn könne diese Stätte weihen zu einer Pforte des Himmels und zu einem Gotteshaus, das Greisen und Kindern, Männern und Frauen, Söhnen und Töchtern in Freuden und Leiden ein Ort froher Einkehr und frommer Sammlung sein solle. Der Mensch welke wie die Blume, aber das Wort Gottes bleibe ewiglich. Wo der Herr das Haus nicht baut, so etwa schloß der Redner, da mühen sich die Bauleute vergeblich; darum auf Gott laßt uns bauen und unser Herz und Antlitz erheben zu Gottes Majestät, daß er dieses Haus in seinen Schutz und Schirm nehmen möge. Der Weihrede knüpfte sich eine Fürbitte an, in der Landrabbiner Dr. Löb die Bauleute, die Gemeinde und den Gemeindevorstand, die Stadt, die Behörden, den Kaiser und das kaiserliche Haus dem Segen und der Gnade Gottes empfahl. Es erfolgte sodann die Verlesung der Urkunde, die in eine Kapsel eingeschlossen und unter den üblichen Hammerschlägen dem Grundstein eingemauert wurde. Landrabbiner Dr. Löb begleitete seine Hammerschläge mit den Worten: „Dieses Haus soll sein ein Haus für Gott und ein Heil für die Gemeinde." Ihm folgten mit Hammerschlägen noch eine ganze Reihe der Teilnehmer an dem feierlichen Akt, der mit einem gemeinschaftlichen Gesang schloß. Die in den Grundstein eingemauerte Urkunde besagt u. a., daß die Grundsteinlegung unter der Regierung des Kaisers Wilhelm II. im Jahre 5666 israelitischer Zeitrechnung erfolgt sei. Aufgeführt werden sodann die Namen des zeitigen Landrabbiners Dr. Löb-Emden, des Gemeinderabbiners Oberschützki, des Gemeindevorstandes und Gemeinde-Rendanten. Des weiteren seien dem Schriftstück nachstehende Angaben entnommen: Seit 1848 haben die Israeliten in Osnabrück Bürgerreicht. Zu dieser Zeit waren ihrer nur vier Familien in Osnabrück, während ihre Kopfzahl bis zur Volkszählung im Jahre 1903 auf 437 gestiegen war; der hiesigen Synagogengemeinde gehören außerdem drei Familien in Osterkappelu an. Anfänglich wurden die Gottesdienste im Hause Bierstraße 18 abgehalten; nach 1866 aber vergrößerte sich die Gemeinde, weshalb im Jahre 1872 ein Grundstück am Barfüßerkloster käuflich erworben und für die Zwecke einer Synagoge nebst Schullokal eingerichtet wurde. Diese Räumlichkeiten waren aber immerain so primitiver Natur, daß seither schon teilweise ein anderes Lokal mit in Benutzung genommen werden mußte. Nachdem schon seit Jahren die Errichtung eines neuen, würdigen Gotteshauses geplant war, erfolgte am 22. November 190t ein bezüglicher Beschluß, die Genehmigung zum Bau wurde von der Kgl. Regierung erteilt und so konnte denn der Neubau in An- Angriff genommen werden. Die Zeichnungen fertigte Architekt Münchhausen in Köln an, dem auch die Bauleitung anvertraut ist Paris Den Abgebrannten in Adrianopel sandte die Alliance Jsraelite 3000, das Haus Rothschild 5000 Franken. St. ivtienne. Vor kurzem weilte hier der Minister des Innern zur Einweihung eines Denkmals. Beim Empfange war auch Rabbiner Säches zugegen, der ihm die vaterländischen Empfindungen der jüdischen Gemeinde ausdrückte. Der Minister erwiderte: „Sie haben mit Recht daran erinnert, daß die Revolution Sie eman4 zipiert hat Ich erkenne die von Ihnen geäußerten Gefühle der Anhänglichkeit an die Republik an. Bleiben Sie dieselben, die Sie in der Vergangenheit waren, so haben Sie für die Zukunft nicht zu fürchten. Wir versichern Sie der steten Gewissensfreiheit. Aukland (Neu Seeland) im Juli. — Das war ein heißer Wahlkampf in Aukland! Drei Bewerber rangen um die Mayorwürde. Mr. Arthur M. Myers wurde mit einer Mehrheit von 1000 Stimmen gewählt. Der neue Mayor ist ein Kind des Landes, im besten Alter, 38 Jahre alt, ein umsichtiger, guter Geschäftsmann und tüchtiger Sportsmann, der viele Preise eingeheimst hat. Seine Wahl hat freudiges Aufsehen erregt. Tunis. (Theater in den Schulen der Alliance.) Bei den Wohltätigkeitsaufführungen der Alliance soll ein neues, hoffentlich wirksames Zugmittel angewandt werden. Französische moderne Schauspiele soll die Jugend selbst in arabischer Sprache aufführen Das ist zugleich ein gutes Bildungsmittel. Mr. Clement Stroussi, Regisseur der dramatischen Sektion der Alliance israölite, besucht zu diesem Zwecke Frankreich. Er will von der Gesellschaft dramatischer Dichter das Recht zur Uebersetzung französischer Stücke ins Arabische erlangen.