Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1905-01-01 · No. 18. (1905) · p. Seite 71

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
29 (1905)
Issue
No. 18. (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 71 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/6492408-6582208-9735160--3434-9606909
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

71 ןי5־ד* יי׳יז^ד S^fF,/ erstemnale übersetzt und mit Anmerkungen versehen. 143 S. Frankfurt a. M. Kauffmann. 3 Mk. Minchath Schabbath von Caro. (Schluß.) In der Werkstätte eines alten Quellensuchers. Aboth IY beginnt das dritte Tannaitengeschlecht, und wenn noch einige vom zweiten darin Vorkommen, so sind das jedenfalls die Zeitgenossen der Jüngeren, wie Verfasser meint. Daher erscheint hier Jochanan ben Berokah, der zum zweiten Geschlecht gehört, sowie Maimonides, den Jose Hagelili zum dritten Geschlecht rechnet, der doch vielfach mit Akiba streitend in der Mischna vorkommt. Also, folgert Verfasser, kann die Grenzscheide zwischen diesen beiden Geschlechtem nicht so eng und genau gezogen werden. Ismael, Sohn des Jochanan ben Beroka, gehört zum dritten Geschlecht, während der alte R. Zadok hier gedanklich an die vorausgehende Mischna gefügt wird, wie ja auch sogar Hillel hier nochmals zum Beweis herangezogen wird. Sodann wird von Rabbi der Faden wieder aufgenommen; er nennt Jose (dies ist der Sohn Chalafthas) und fügt an ihn seinen zu den Jüngsten gehörigen Sohn Ismael an, darum (und noch aus anderen Gründen) bringt er gleich dessen Genossen Jonathan. Nun wieder zurück zum dritten Geschlecht, wo wir Meir finden (der ältere Elieser ben Jacob wieder nur als gedanklicher Beleg, von Me’ir selbst oder Rabbi angeführt, wie Verfasser meint, und Jonathans Worte dienen zur Einleitung des zusammenhängenden Gedankenganges); noch gehört zu den ״Dritten“ Jochanan der Sandalar, Eleasar ben Schamua und R. Jehuda; dann herab zum vierten Geschlecht, das er mit Simon beginnen läßt, sodann Nehorai, der Nehemia sein soll, der wohl als jüngerer Geriosse Me'irs unter den ״Vierten“ seine Stelle gefunden hat. Jannai gehört als Lehrer des Amoräers Jochanan zu den jüngsten Tanna'iten, ebenso Dostäi, sein Sohn. Mathia ben Cheresch, wenn er auch mit Eleasar ben Asarja im Gespräch erscheint, wird damals noch sehr jung und seiner Blütezeit nach einer der Späteren gewesen sein. R. Eleasar Hakkappar gehört zu den Jüngsten, so daß er mit Josua ben Levi und Chija im Gespräch erscheint. Der fünfte Abschnitt enthält nach Ansicht des Verfassers wichtige Gedanken Rabbis, der seinen Traktat mit den Worten des älteren Juda ben Thema schließt, sowie Koheleth am Ende ernste und grundlegende Aussprüche hat. Von Ben He He und Ben Bag Bag sagt Verfasser mit großem Feingefühl nichts, als hielte er ihre Worte für einen späteren Zusatz. Das sind die einleitenden Auseinandersetzungen des Rabbinen zu Pinne, auf welche er seine Erklärungen gründet. Ganz andere Erklärungen, als man sie sonst aus jener Zeit gewohnt ist. Scheinbar ist es die maggidische Art — in Wirklichkeit steht der Verfasser, ohne es zu wissen, als einer der tiefsten Deuter der Abothworte da. Kein Wunder. Er hat den Lufthauch der Geschichte geatmet. Was die ״Doroth Harischonim“ verlangen, ,was ich selbst vor Halevy schon 1892 ausgesprochen (s ״lieber den Zusammenhang der Mischna“, 2. Teil, S. 6 und 7), das bestätigt das Beispiel vorliegenden Buches: Ohne Scherira, ohne den Seder Tannaim, ohne jedwedes äußere geschichtliche Mittel, ohne so und so viele Handschriften mit ihren Lesarten einzusehen, hat Karo, nur auf seinen Traktat, zum Vergleiche auf Maimonides und den Binna Le'itim blickend, den Weg von gedanklich glänzend gemachten Zusammenhängen zu einem sehr einfachen und schlichten gefunden: dem geschichtlichen Er hält sich von Irrtümern nicht frei — man wird sie wohl bemerkt haben — aber das sind Einzelheiten, die ein anderer verbessern und damit auch etwas fürs Heilige tun kann. Dabei zwingt er sich ja nicht, durchaus alles auf eine Art zu erklären. Paßt die geschichtliche Reihenfolge nicht, so wird, (er führt das auf Meir und Rabbi zurück) die gedankliche Gleichheit den Ordner geleitet haben oder Rabbi brachte einen einzelnen Tannäiten an geeignetster Stelle unter, um ihn auch zu erwähnen. Karo kennt schon das Gesetz des Einschiebsels und der nachherigen Rückkehr zur Hauptsache. Und wieviel geschichtliches Licht wirft er auf seinem Wege auf den ganzen Talmud, wo er sich festigen und Einwürfen vorbeugen will! Mit seinem Gegenstände beschäftigt, war er der Ansicht, in der Mischna könnte, besonders im Innern eines Traktats, 1 außerdem die Frage nach dem Zusammenhänge gar nicht j aufgeworfen werden. Der Irrtum ist begreiflich. Ohne denselben hätte Verfasser vielleicht dem Abothtraktat allein diese Mühe nicht zugewandt und wäre nur bei Ahnungen stehen geblieben. Vergleiche man Karos Darlegungen mit denen Hoffmanns in ״Die erste Mischna“ (sie liegt mir nicht vor, aber ich habe den Abschnitt wohl im Gedächtnis), und man wird über die im wesentlichen zwischen beiden herrschende Ueberein- Stimmung erstaunt sein. Ich weiß nicht mehr, ob Hoffmann darauf hingewiesen, ja, ob er Caros Vorrede gekannt hat. Wenn nicht, so ist das Uebel nicht groß. Die unbeabsichtigte Uebereinstimmung zweier Forscher ist der stärkste Wahrheitsbeweis, und so ist in meinen Augen die aus Unkenntnis unternommene Untersuchung eines durch Andere schon erledigten Gegenstandes nicht etwras Unnützes, sondern eine sehr wichtige Probe auf die Wahrheit des schon vorhandenen. Es ist mir nicht bewußt, daß jemand auf diese Seite in Karos Wirksamkeit hingewiesen. Vielleicht habe ich ihn ״entdeckt“ und könnte nun ein mehrbändiges Werk über ihn schreiben. Wer sollte sich auch mit einem Manne abgeben, der so müßige Fragen aufwirft und ihnen dann noch nachgeht? Hat der Mann vorne alle vorhandenen Ausgaben von Aboth angegeben? Hat er über den Wert und Unwert verschiedener Handschriften längere Auseinandersetzungen gemacht? Kommen bei ihm nicht Fehler vor? Und sagt er nicht selbst, was jeder doch sorgfältig verschweigen muß, was er nicht weiß? Dieser Mann ist der Urahn unserer mischnischen Quellenforschung. Ob er eine Ahnung von Zunz, Rappaport und Luzzatto hatte? Hat der Wind ihre Namen ihm zugeweht und erhielt er so eine dunkle Kunde von ihren Be- Strebungen? Ueber den Mann und über seinen Lebensgang möchte ich gern etwas erfahren. Weiß einer unserer Leser etwas von ihm? Neue Schriften von Dr. Hoffmann. Das Buch Levitikus, übersetzt und erklärt von Dr. Hoffmann. Erster Halbband. Lev. I—XVII. Berlin. Poppelauer. 1905. VIII und 478 Seiten. 6 Mk. Mechiltha de Rabbi Simon ben Jochai, ein halachiseher und hagadischer Midrasch zu Exodus etc. von Dr. Hoffmann. XVI und 180 Seiten. (Der Preis ist nicht angegeben). Frankfurt. Kauffmann. 1905. (Fortsetzung.) Ich gehe noch weiter als Dr. Hoffmann, indem ich den Standpunkt derjenigen im Auge habe, denen die halachische Deutung die Grundlage der Halacha ist, so daß diese ohne jene nicht bestehen kann, denen jede Hagada im Gegensatz zu Nagrela unbedingte Tatsachen ausspricht (S. 34): ״So ist nicht nur die Lehre im ganzen und dem Inhalt nach, sondern jedes Wort, jeder überflüssige oder fehlende Buchstabe eine unabänderliche Offenbarung. Aus dieser Fassung werden Satzungen gefolgert. . . Der Kabbalist sieht in diesen Worten und Buchstaben seine Sonderwissenschaft angedeutet und diese verliert ihren Boden, sobald ein Buchstabe von der Stelle gerückt wird.“ Dr. Hoffmann sagt: ״Wenn wir auch zugeben müßten, daß an manchen Stellen der Text nicht unversehrt geblieben, so müssen wir wieder andererseits zugestehen, daß uns alle Mittel fehlen, einen Text, der ברוח הקדש geschrieben ist, wiederherzustellen . . . Wird uns 1jemand einwenden, man dürfe doch immerhin seine Konjektur Vorbringen, so entgegnen wir ihm folgendes:.Geben wir nun einmal eine andere Lesart zu, so geht es stufenweise immer weiter. Zuerst äußert man seine Konjektur, schreibt sie auch wohl an den Rand seines Bibolexemplars. Findet sie allgemeine Zu- Stimmung, so läßt man die vermeintlich verbesserte Lesart in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.