Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 29 (1905)
- Issue
- No. 18. (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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72 \ den Text aufnehmen, während die masso re tische Lesa.it an den Rand verwiesen wird. Hat sich diese Korrektur eingebürgert, wozu dann noch der verderblichen Lesart Erwähnung tun? Man läßt sie lieber ganz weg und so bekommen wir im Laufe der Zeiten eine ganz neue Bibel.“ Goldene Worte! Weil sie ins Schwarze treffen und weil ein leiser Spott gegen die Wichtigtuerei der lesartlichen Kleingeister durchschimmert, nicht etwa deswegen, weil auch ich sage: ״Wird der Eine (der ״Aufgeklärte“) bei der geringsten Schwierigkeit im Aufstellen von Lesarten bei der Hand sein, ja, sogar mißtrauisch gegen sich sein, wonn der Text zu glatt ist, so wird der Andere (der Bibelgläubige) sich bemühen, den jetzigen Bestand zu verteidigen. In diesem Punkt wird er der Wahrheit sicher näher kommen, da man auf anderen Wissensgebieten (in der Erklärung der Alten) längst von der Kühnheit abgekommen ist, die den Text bedroht und die Späteren zwingt, ihn in seiner Reinheit wiederherzustellen.“ Welcher Finsterling! höre ich rufen. Ich höre im Geiste eifrig von Gewissensfreiheit, Freiheit der Wissenschaft und des Forschens reden, von dem ״Recht auf Forschung“ nach berühmtem Muster. Aengstigt Euch nicht! Von einem Dr. Hoffmann kommt keine Finsternis. Sagt er doch in seiner überlegen bescheidenen Weise: ״daß ich infolge meiner Glaubensgrundsätze nicht zu dem Ergebnis gelangen konnte, der Pentateuch sei von einem andern als von Mose oder gar nach Mose geschrieben worden, gebe ich gern zu ... . Allein bei dem Bestreben, diese ״dogmatischen Voraussetzungen“ Wissenschaftlieh zu begründen, war ich stets darauf bedacht, nur solche Gründe geltend zu machen, deren Berechtigung auch von einem andern Standpunkt aus anerkannt werden dürfte“. In diesem potentialis ״werden dürfte“ liegt nach meinem Gefühl ein vernichtender Spott dem geringen guten Willen gegenüber, das, wa3 tiefen wissenschaftlichen Erwägungen ent- Sprüngen und dessen Lesen Mühe macht, vom Büchertisch zum Nachmittagsschlaf zu nehmen, geschweige denn gar anzuerkennen. Hoffmann verlangt von sich und anderen also, die Ansichten der Gegnerschaft zu prüfen, zu kennen (wozu zumeist vorheriges Lesen gehört) und bei Wahrung des eigenen Standpunktes ja nicht zu vergessen, daß Andersdenkende nur durch Berücksichtigung ihres Standpunktes zu anderen Ansichten gebracht worden können. In meiner Arbeit habe ich unter Voraussetzung der gleichen Forderung darin sogar ein heilsames Zusammenarbeiten beider Richtungen gesehen. ״Beide Anschauungen,“ sage ich, ״haben (bezüglich der wissenschaftlichen in ihnen liegenden Vorteile) ihr Berechtigtes. Der Eine regt an und bringt Frische in die Be- Strebungen, der Andere bringt die Ergebnisse der Forschung in Beziehung zu den erhaltenden Zielen. Beide Anschauungen bieten die Mittel zur‘Erkenntnis der geschichtlichen Wahrheit. Drängt der Eine zu sehr nach links und zieht der Andere zu sehr nach rechts, so legt sich der Schwerpunkt von selbst in die Mitte, wo die Wahrheit stets zu suchen ist. Der eine sieht in der Bibel das Werk der Entwicklung durch den Menschengeist zu Gott hin, der Andere ein Gottesgeschenk mit allen Rätseln und Schätzen eines solchen, dem die Menschheit sich zu nähern hat. Durch das Vorhandensein beider Richtungen w7ird die Alleinherrschaft einer Ansicht verhindert und eine ewigdauernde heilsame Geistestätigkeit ermöglicht, in der die Menschheit ihre heiligsten Güter w׳ahrt.“ (Fortsetzung folgt). Predigtumrisse. כי תבא• — Bikurimgebet und Zehntenformel nebeneinander. Bikurim: Nach den ersten Lebenserfolgen gehöre die erste Leistung der Gottheit. Darin liegt der Wert des Erdenguts, daß man für Gott etwas leisten kann. Aber die Erstlingsleistung ist nicht alles, Begeisterung verfliegt. Wenn Jahre vergehen, Ernte und Mißernte sich an einander reiht — wirst du dann vor dem Ewigen aussprechen können, daß du nicht erlahmt bist in den Opfern für die Unglücklichen, für die Altardiener — daß alles aber auch rein gewesen ist, was du geopfert? נצבים •נציבים ד Abschnitt ששי• Die Gotteslehre ist nicht im Himmel — sie ist für Sterbliche geschaffen und bequemt sich unserem Menschensinne an; nicht jenseits des Meeres — nicht durch das Meer der Zeit von uns getrennt, sondern lebendig und jeder Zeit angehörig. Soll sie aber wirken, so muß (בפיך ובלבבך) sie dem Munde verkündet (gelernt, gelehrt, bekannt) und dadurch im Herzen empfunden und betätigt wrerden. Ohne das Aussprechen gibt es auch kein Fühlen und verliert sich jede Gewöhnung. ראש השנה• Erster Tag: היוסהרת עולם• Heute Geburtstag der Welt, doch soll sie nicht nur Geschenke von Gott erbitten, sondern um ein Jahr Gotteswürdiger geworden sein, darum היום יעמיד במשפט בל יצורי עולחים ruft G־°tt alle Geschöpfe der Welt ins ~ Gericht!" was ' dies Jahr in ihnen gefördert (Rückblick auf das Jahr). Aber היו□ הרת עולם auch der Mensch ist eine Welt, deren Gedanken und Taten als Innenwesen, als Geschöpfe seiner Innenwelt, Gott auch vor Gericht fordert. Daher Jahresbeginn Tag der Baße. Zweiter Tag.: א□ בבנים etc• Sind wir nur Diener, die nach Lohn und Erdengewinn allein streben, so werden wir kein reines Glück erlangen und Gott auch nicht aufrichtig dienen. Sind wir Gottes Kinder, dann werden wir nur nach der Ausbreitung des Guten auf Erden fragen und unter allen Umständen glücklich sein können, solange wir mit uns zufrieden sind. Das Kind rechnet und marktet mit dem Vater nicht. Satz des Antigones אל תהין כאברים etc• Winke für den Unterricht. 1. ברזך etc. על נטיל ידים (s• später.) 2. ברוך etc. אשר יצף• Wunderbar ist unser Körperbau, sodaß jede bedeutende Aenderung desselben unser Leben verkürzt. Danken wir Gott für unsere Gesundheit, und erkennen wir das Wunderbare in uns selbst, das wir benutzen, ohne es zu kennen, dankbar an. 3- ברבות התורה von ברוך בו׳ לעסוק bis □כנגד כול• wir haben die Tora nicht nur zu lernen, sondern auch in allen Lebensverhältnissen zu befolgen; streben wir also, sie uns und andere angenehm finden zu lassen, erziehen wir unsere Kinder zu Thorafreunden ohne Eigennutz, und erkennen wir die besondere Bestimmung Israels nur in der Erhaltung und Verbreitung des Gottesgesetzes. (Stammt von Rab, R. Jochanan und R. Hamnuna s. Ber. 12 a). יברכך etc. Der Priestersegen vertritt beim nunfolgenden kurzen לימוד die Thora, die beiden 'לאלו ךברי die Mischna und Baraitha. ובר שיעור Armengaben, Erstlingsopfer und die vergeistigende Beschäftigung mit der Thora müssen dem freien Willen entstammen und dürfen nicht nach unabänderlichen Gesetzen zwangsweise geübt werden. 'ובו' לעולס הבאנו Befrie-־ digung auf Erden und ewigen Lohn im Jenseits bietet das Thoralernen, das Gebet und alle Seiten guten und wohltätigen Wirkens im Leben. (Abolhl 12 יאר (שמעון הצךוק im Priestersegen, bedeutet das Licht der Thora, ebenso wird auf sie in den anderen Sätzen hingewiesen, dem einleitenden Segensspruche gemäß. Inhalt der Nummer 18. Wissenschaftliche Aufsätze: Einiges über Mischnaforschung. Von Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal, Preußisch Stargard. (Fortsetzung.) — Philipp der Großmütige und die Juden. Von L. Horwitz-Kassel. — Neues über Aboth. Dr. E. Baneth: Der Mischnatraktat Aboth mit Maimunis arabischem Kommentar. Kaim Pollak: אבות דרבי נתן System der Ethik und Moral. Minchath Schabbath. Von Caro. (Schluß.) — Literaturbericht. Rezensionen: Neue Schriften von Dr. Hoffmann. (Fortsetzung.) _Predigtumrisse■ — Winke für den Unterricht._ Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.