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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-09-22 · 38 (22.9.1905) · p. Seite 530

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
38 (22.9.1905)
Date
1905-09-22
Page
Seite 530 (sequence 6)
Language
German
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Seite 530. Israelitische Wochenschrift. Nr. 38 den Gemeinden wird ihr eigenes Interesse gebieten, die Kasse, die ihnen mit der Eröffnung vollständig die Last der Witwen- und Waisenversorgung und einen Teil der Altersversorgung ihrer Rabbiner abnimmt, derart zu fördern, daß sie binnen kürzester Zeit imstande sein wird, ihren Mitgliedern auch eine ausreichende Pension im Jnvaliditätsfall und im Ruhestand zu gewähren. Die Satzungen ermöglichen diese Förderung, indem sie den Beitritt der Gemeinden und der Gemeindeverbände als außerordentliche Mitglieder, sowie die Zahlung der Hälfte der Versicherungsprämie für ihren Rabbiner durch die Gemeinde vorsehen. Da für die ordentlichen Mitglieder eine fünfjährige Karenzzeit, und falls der Eintritt nicht im ersten Jahre nach der Eröffnung der Kasse erfolgt, die Nachzahlung der Beiträge mit Zinszuschlag, ohne daß dadurch die persönliche Karenzzeit verkürzt wird, statutenmäßig festgesetzt ist, so wird, sobald die Satzungen von der Aufsichtsbehörde genehmigt sein werden, der sofortige Anschluß an die Kasse für alle Interessenten geboten sein. Nach erfolgter Genehmigung werden die Satzungen veröffentlicht werden. Doch ist der Referent Dr. Freudenthal- Danzig jederzeit gern bereit, auch vorher eingehende Auskunft zu erteilen. Möchte es der Kasse gelingen, durch kräftige Beihilfe von allen Seiten nicht nur die materiellen, sondern auch die moralischen Erfolge zu erzielen, die sie erhofft, und dadurch zur Hebung des Rabbinerstandes wie nicht minder der Gemeindeverhältniffe das ihrige beizutragen! Fr. Das häusliche und grsellschastliche leben der alten Hebräer. Nach L. Munk's Palestine. (Fortsetzung.) B. Die Kleidung. Wir finden in der Bibel eine ziemlich große Anzahl Wörter, die Kleidungs- oder Toilettengegenstände bezeichnen; aber wir würden uns in einer völligen Unwissenheit über die Form der Kleidung bei den Hebräern befinden, wenn uns nicht bis zu einem gewissen Grade durch die Kleidung der jetzigen Orientalen und namentlich der Araber darüber Aufschluß gegeben würde. Man weiß, daß die Moden und die Gebräuche im ganzen Morgenlande sehr wenig wechseln; die wesentlichsten Kleidungsstücke haben dort eine außerordentliche Einfachheit bewahrt, und noch heute erkennt man in dem orientalischen Kostüm die hauptsächlichsten Stücke wieder, die man auf den Ruinen einiger Monumente des alten Asiens dargestellt findet. Es unterliegt indessen keinem Zweifel, daß die Hebräer in ihre Kleidung mehrere besondere Einzelheiten eingeführt hatten, die aus ihr ein Nationalkostüm gebildet haben; denn wir sehen unter den letzten Königen die Propheten sich über diejenigen beklagen, die sich fremdartiger Kleidung bedienten. Wir wissen durch den Propheten Jesajas, daß die Frauen seiner Zeit eine ziemlich komplizierte und aus einer Menge von ausgesuchten Kleinigkeiten zusammengesetzte Toilette machten. Wir müssen uns begnügen, hier das am wenigsten Bezweifelnde zu geben. Die Stoffe, deren man sich bediente, waren Wolle, Linnen und später Baumwolle; die gebräuchlichste Farbe die weiße. Die Reichen trugen Stoffe in Purpur, rot, violett oder auch karmoisin gefärbt; man verwandte auch Stickerei für die Luxuskleider. Die am häufigsten in der Bibel erwähnten Kleidungsstücke sind die Tunika (Ohethoneth) und der Mantel (Simla). Die Tunika, die von Linnen war und Aermel hatte, wurde bald auf dem bloßen Leibe, bald über einem Hemd (Sadin) getragen, sie war weit und wahrscheinlich sehr lang, und man befestigte sie mit einem Gürtel. Das Oberkleid oder der Mantel war von verschiedenem Schnitt und Stoff. Es scheint, daß es gewöhnlich eine Art Shawl, ähnlich dem Ljaik der Araber, gewesen; denn er hatte vier Ecken, an denen man, nach der Vorschrift Moses, Schaufäden mit einem violetten Faden befestigen mußte, um der Gebote Jehovahs eingedenk zu sein und den Götzendienst zu vermeiden. Die ausgezeichneten Leute trugen auch das Meil und das Ephod, die wir unter den Kleidungsstücken des Hohenpriesters gesehen, ihre jungen Söhne und Töchter trugen lange Tunikas von verschiedenen Farben. Eine Art weiter Luxusmantel, Addereth genannt, wurde von den Königen getragen; die Propheten hatten ähnliche von Haaren. Die Fußbekleidung bestand in Sandalen, die man mit einem Riemen an den Füßen befestigte; da der Oberteil des Fußes unbedeckt blieb, konnte man nicht verhüten, daß sich viel Staub darauf ansetzte, weshalb so oft in der Bibel die Rede vom Fußwaschen ist. Der Kopfputz war der Turban, der in der Bibel mehrere Namen trägt, und der ohne Zweifel verschiedene Formen hatte. Alles, was man mit Bestimmtheit in dieser Hinsicht sagen kann, indem man sich auf die Etymologie solcher Wörter wie Saniph und Misnefeth stützt, ist, daß der Turban hauptsächlich aus einem Tuch bestand, das mehreremale den Kopf umschlang. Die eben genannten Kleidungsstücke waren sowohl bei dem einen als dem andern Geschlecht gebräuchlich, ausgenommen immer den Ephod und den Addereth, die wir nicht als Frauenkleider erwähnt finden. Aber die Frauen trugen feinere Stoffe; ihre Kleider hatten mehr Weite und machten sich außerdem auch durch verschiedene Putzgegenstände, die ihnen eigentümlich waren, kenntlich. Der Unterschied mußte sehr ersichtlich sein, denn das Gesetz verbietet dem Mann, den Mantel der Frau (Simla) zu tragen und dieser die Abzeichen (Waffen und Kleidungsstücke) des Mannes. Die Frauenkleider haben öfter besondere Benennungen, was einen Unterschied im Stoff, im Schnitt oder den Zierraten bezeichnet; so der Gürtel von Linnen oder Baumwolle, den die Frauen trugen, ist, Kischurim genannt, ein Wort, das im Plural steht und Ligamina bedeutet, denn er umgab den Körper mehrere Male, wie der Ahnet der Priester. Der Gürtel der Männer, Ezor genannt, war von Leder oder von Linnen, und wahrscheinlich viel einfacher als der der Frauen, der einen der vorzüglichsten Gegenstände der Toilette bildete und vorzüglich der Schmuck Neuvermählter war. Der Mantel der Frauen, Mitpahath genannt, war anscheinend sehr weit.. Ruth bediente sich desselben, um sechs Maß Getreide, die Boas ihr geben ließ, fortzutragen. Die Frauen trugen auch noch eine andere Art Oberkleider, Maatapha oder Ueberwurf genannt, und die, wie es scheint, eine zweite Tunika mit Aermeln war, noch viel weiter als die erst genannte. Die Fußbekleidung der Frauen war von einem kostbaren Leder, Thahasch genannt, wie wir dies an einer Stelle in Ezechiel sehen, möglich auch, daß man in der Zeit dieses Propheten den Sandalen schon eine Bordüre oder Einfassung von einem feinerer» Leder hinzufügte, oder was glaubhafter ist, daß das Thahasch-Leder zu den Sandalenriemen verwendet wurde. Eine Vervollkommnung der weiblichen Fußbekleidung waren die Aehasirn, die, wie ich glaube, eine Art Sandalen oder sehr hoher Socken war, mit Glöckchen oder kleinen Metallplatten verziert, die beim Gehen aneinanderstoßen und bei jedem Schritt tönen, wie es eine Stelle des Jesajas andeutet. Man sieht diese Fußbekleidung noch heute bei den orientalischen Frauen; man nennt sie Kahkah; bestimmt, zuerst die Füße vor Staub

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