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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-09-22 · 38 (22.9.1905) · p. Seite 529

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
38 (22.9.1905)
Date
1905-09-22
Page
Seite 529 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 38. Israelitische Wochenschrift. Seite 629. neuen Kolonisations-Gesellschaft gesprochen hat) darin übereinstimme, daß eine jede Sache klein ansangen muß, so gefällt es mir doch nicht, daß auch alles klein enden muß. Ich will die Eichel nur da pflanzen, wo auch Platz für die Eiche ist. Das Territorium, daß wir suchen, muß erstens landwirtschaftliche und zweitens industrielle Aussichten bieten; es muß die Möglichkeit einer dichten Bevölkerung in der Zukunft gewähren. Sollte es uns unglücklicherweise nicht möglich sein, unsere Arbeitskraft für ein solches Land unter englischer Protektion hergeben zu können, so müßten wir uns natürlich an andere Regierungen wenden, welche über Land verfügen, das der Kultur zu erschließen wäre. Wo immer wir aber auch unsere Kolonie gründen, immer stimme ich mit Ihnen überein, daß die moderne Tendenz, Kirche und Staat getrennt zu halten, wie in den Bereinigten Staaten, vorteilhafter für beide Institutionen ist. Es leuchtet ein, daß in einer jüdischen Kolonie fromme Juden eine weit bessere Umgebung für ihre Religion als anderwärts finden, und auch der gesetzliche Feiertag kein anderer als der jüdische Sabbat sein könnte. Für Sie, der Sie stets eine so große Sympathie für das traditionelle Judentum bekundet haben, muß dieses Bild unserer Kolonie.besonders erfreulich sein. Was das Verhältnis unserer Organisation zu dem großen russisch-jüdischen Problem anlangt, so haben die russischen Juden hierüber selbst zu bestimmen. Ob dieses Problem in Rußland selbst gelöst werden kann oder nicht, jedenfalls muß es von den russischen Juden selbst gelöst werden. Unsere Kolonie ist nur bestimmt (siehe mein Manifest) „für diejenigen Juden, welche in den Ländern, in denen sie gegenwärtig leben, nicht bleiben können oder bleiben wollen". Aber welche Wahl auch immer die russischen Juden hinsichtlich der Lösung des Problems treffen mögen, so können wir letzteres gewiß erleichtern durch Verringerung des Andrangs zum Ansiedlungsrayon in Rußland. Ob unsere Organisalion eine Möglichkeit finden wird, ihnen in anderer Weise zu Helsen, das kann allein die Zukunft lehren. Obgleich ich sehr bedaure, daß Ihr Wunsch, uns zu helfen, vielleicht Ihre physische Kraft übersteigt, habe ich Sie inzwischen doch, mein lieber Wolfs, in Uebereinstimmung mit unserer Konstitution zum englischen Mitglied unseres internationalen Komitees kooptiert, und verbleibe Ihr aufrichtiger Israel Zangwill Ehren-Vorsitzender der Jüdisch-Territorialen Organisation. Die Pensums- »nd lii'liUtntknffr der deutschen Rabbiner. Der Zentralausschuß des Rabbinerverbandes in Deutschland hat in seiner Sitzung vom 28. v. M. beschlossen, die Ruhegehalts-, Witwen- und Waisenkasse der Rabbiner Deutschlands mit Genehmigung, der Aufsichtsbehörde am 1. Januar 1906 ins Leben treten zu lassen. Damit ist eine der bedeutsamsten Standesfragen, welche die deutschen Rabbiner und insbesondere die Rabbinerverbände seit Jahrzehnten, und zwar bisher immer ohne praktischen Erfolg beschäftigt hatte, ihrer baldigen Lösung näher gerückt. Freilich wird auch diese Lösung all den weitgehenden Wünschen und Ansprüchen, die im Kreise der Interessenten selbst, wie auch in der Oeffentlichkeit Ausdruck gefunden haben, nicht völlig gerecht werden; aber die Befriedigung darüber, daß die Kasse überhaupt endlich einmal möglich geworden ist, darf als wirksamer Trost über die bittere Notwendigkeit hinweghelfen, welche einstweilen die Tätigkeit der Kasse nur in kleinerem Umfang, als ursprünglich geplant war, gestatten wird. Der ursprüngliche Plan ging dahin, die Kasse völlig analog dem Pensions- und Reliktengesetz für Staatsbeamte aufzubauen. Die dementsprechend entworfenen Satzungen begegneten jedoch in der Presse, wie besonders in der letzten Rabbinerversammlung zu Frankfurt a. M. einer ernsten Kritik, welche sowohl eine gründliche Umarbeitung als eine erneute versicherungstechnische Berechnung durchaus erforderlich erscheinen ließ. Zu diesem Behuse überwies die Rabbinerversammlung die Statuten einer besonderen Kommission unter dem Vorsitz von Dr. Freudenthal-Danzig, der, unterstützt von juristischem und versicherungstechnischem Rate, an eine völlige Umgestaltung der Satzungen in Anlehnung an das von der Aufsichtsbehörde entworfene Musterstatut heranging. Die neuen Satzungen gelangten zuerst in der Kommission und dann im Zentralausschuß, der von der Generalversammlung zur selbständigen Erledigung der ganzen Kassenangelegenheit bevollmächtigt worden war, zu mehrfacher, eingehender Beratung und, nachdem besonders über die prinzipiellen Fragen Einheitlichkeit der weit auseinandergehenden Meinungen erzielt worden war, zur Gesamtannahme. Unterdessen waren auch die Sammlungen für den Gründungsfonds ins Werk gesetzt worden und ergaben Dank der Bemühungen einer Anzahl von Rabbinern und vor allem Dank des unermüdlichen Eifers oes Vorsitzenden des Rabbinerverbandes, Professor Dr. Maybaum-Berlin, die Summe von 280 000 Mk. Leider zeigten jedoch die aufs neue von zwei verschiedenen Versicherungsmathematikern eingeholten technischen Gutachten, daß diese Summe auch nicht im entferntesten dazu hinreichte, die Kasse in dem ursprünglich geplanten Umfange ins Leben zu rufen. Die angestellten Berechnungen ließen, wenn man nicht den Kassenmitgliedern unerschwingliche Beiträge auferlegen wollte, keine andere Wahl als entweder die Eröffnung des Unternehmens wieder auf eine unabsehbare Zahl von Jahren zu verschieben oder sie einstweilen in dem Umfang, den die vorhandenen Mittel gestatten würden, vorzunehmen. In richtiger Erkenntnis dessen, daß endlich einmal ein praktischer Anfang gemacht werden müsse, und daß der Ausbau der erst einmal ins Leben gerufenen Kasse viel leichter und schneller erfolgen könne als der Ausbau auf einen großen Plan, hat der Zentralausschuß in seiner jüngsten Sitzung den Beschluß gefaßt, nach den ihm durch den Referenten Dr. Freudenthal-Danzig gemachten Vorschlägen: a) Die Witwen- und Waisen-Versicherung mit ihren gegen die ursprüngliche Fassung erhöhten Sätzen von 800—1200 Mk. Witwengeld und 200 bezw. 300 Mk. (Höchstsatz 1000 Mk., bezw. 1500 M.) Waisengeld in vollem Umfang, t>) die Pensionsversicherung einstweilen mit dem vorgesehenen niedrigsten Satze der Altersrente von 1200 Mk. jährlich ins Leben treten zu lassen. Freilich werden selbst diese Kassenleistungen anfänglich noch höhere Gegenleistung der Versicherten erfordern, als ursprünglich beabsichtigt war. Da jedoch die versicherungstechnischen Berechnungen so gehalten sind, daß sämtliche Fonds der Kasse, sämtliche Beitrüge der außerordentlichen Mitglieder und alle zufließenden außerordentlichen Einnahmen ausschließlich zur Ermäßigung der Prämiensätze und zum Ausbau der Kasse zur Verfügung stehen, und da ferner die Lebens- und Entwicklungsfähigkeit der Kaffe durch Zutritt recht vieler, besonders junger Mitglieder bedingt ist, so liegt die Möglichkeit, Schritt für Schritt die für die Zukunft noch gesteckten Ziele zu erreichen, in so greifbarer Nähe, daß nach den Versicherungen der Techniker bei genügender Beteiligung wahrscheinlich schon nach Ablauf der ersten Karenzzeit zum mindesten die Umwandlung der Altersrente in eine Jnvaliditätspension möglich sein wird. Dies hat auch in den Satzungen bereits dementsprechenden Ausdruck gefunden. Es wird darum im Interesse der deutschen Rabbiner selber liegen, daß sie durch ihren geschlossenen Beitritt, sei es als ordentliche oder als außerordentliche Mitglieder, und durch Gewinnung anderer außerordentlicher Mitglieder für die Kasse wirken. Aber auch

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