Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 36 (8.9.1905)
- Date
- 1905-09-08
- Page
- Seite 506 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 506. Israelitische Wochenschrift. Nr. 36. zurückgezogen. Es folgten Abrechnungen über Vermietung der Stände in den Synagogen, wobei über den Modus der bisherigen Ausschreibung vielfach Klage geführt wurde. JustZrat Veit Simon weist auf die Tatsache hin, daß in der Rykestraße nur ein Drittel der Plätze vermietet seien und glaubt diesen Umstand auf die Form des Gottesdienstes zurückführen zu müssen. Dem widersprechen die Vorsteher Jakvby, Tr. ($uöu, Weinberg, die darauf Hinweisen, daß in jeder neuen Synagoge die Vermietung der Plätze zu wünschen übrig läßt. — Es folgen noch Berichte über gottesdienstliche Veranstaltungen an den hohen Feiertagen im Jahre 1904, Berichte über Mazzot-Verteilnng, Speisung von Strafgefangenen rc lieber den Rechnungsabschluß im Reichenheimschen Waisenhaus referierte Repräsentant Lvewenthal. Der Rechnungsabschluß im Hospital wird vertagt, derjenige über die Kommission für Friedhossaugelegenheiten rust eine längere Debatte hervor. — Am vorigen Freitag feierte das Bankhaus Meyer Eohn den Gedenktag seines fünfzigjährigen Bestehens. Die Firma zählt bekanntlich zu den hervorragendsten und angesehensten in Berlin. In dieser Zeit, in der die Stellung des Privatbankiers in Deutschland infolge des Anwachsens der Großmachtstellung unserer Banken eine schwere Erschütterung erfahren hat, zählt das Hans Meyer Cohn zu den vereinzelten Geschäften, die trotz der Ungunst der Verhältnisse nichts von ihrer alten Bedeutung verloren haben. Eine große Reihe ausgezeichneter Privatkunden und großer Geschäftsleute unterhalten nach wie vor mit dem Bankhaus Meyer Cohn seit Jahren und Jahrzehnten ihre traditionelle Verbindung. Der Begründer der Firma Meyer Cohn, der Geh. Kommerzienrat Meyer Cohn, ist, wie man weiß, schon vor einer Reihe von Jahren gestorben Auch sein ältester Sohn, Alexander Meyer Cohn, der sich in der Welt der Autographensammler einen bekannten Namen erworben hat, ist zum Bedauern seiner zahlreichen Freunde vor nun mehr als zwei Jahren einer tückischen Krankheit erlegen. Chef des Hauses sind gegenwärtig die Herren Emil Heymann, der Schwager des Begründers der Firma, und Justizrat Dr. Heinrich Meyer Cohn. Kattowit;. Am 17. August fand in Gleiwitz eine Tagung des oberschlesischen Rabbinerverbandes statt Anwesend waren die Kollegen: Eohn-Kattowitz, Münz-Gleiwitz, Kopfstein-Beuthen, Kaatz-Zabrze, Norden-Myslowitz, Bäck-Oppeln, Dienemann- Ratibor, Braunschweiger -Kattowitz und Galliner-Beuthen. Rabbiner Dr. Cohu-Kattowitz eröffuete die Sitzung und widmete ergreifende Worte des Nachrufes und der pietätvollen Erinnerung dem in der Blüte seines Lebens Heimgegangenen Kollegen Rabbiner Dr. Emmrich in Tarnowitz Die anwesenden Kollegen hatten sich von ihren Plätzen erhoben. Hierauf kommt die Revision des Religionsunterrichtes und der religiösen Institutionen in den kleineren, rabbinerlosen Gemeinden zur Sprache Da der Rabbinerverband iu dieser wichtigen Frage mit dem oberschlesischen Gemeindeverband in treuer Fürsorge Haud in Hand geht, so werden die Kollegen ersucht, die Revisionsberichte in zwei Exemplaren aus;ufertigen und je ein Exemplar dem Bureau des oberschlesischen Rabbinerverbandes und dem Bureau des oberschlesischen Gemeindeverbandes zu Händen des Herrn Amtsgerichtsrat Glogauer in Tarnowitz zuzustellen. — Die Ausstellung eines Minimallehrplanes für Religionsschulen hat durch den Tod des Kollegen Emmrich, der mit dessen Ausarbeitung betraut war, eine Verzögerung erlitten. Die Arbeit soll wieder ausgenommen und der Plan in der nächsten Sitzung des Verbandes beraten werden. — Vom Ausschuß des Verbandes der deutschen Juden ist der oberschlesische Rabbinerverband ersucht worden, fünf bis zehn Persönlichkeiten behufs Teilnahme an der am 90. Oktober d. Js. stattfindenden ersten Hauptversammlung zur Auswahl zu präsentieren. Da der Vorsitzende Dr. Cohn dem Ausschüsse des Verbandes der deutschen Juden ohnehin bereits angehört, so werden die Kollegen Bäck, Kaatz, Kopfstein, Münz und Norden nominiert. - An der am 28. August d. I. in Berlin stattfindenden Sitzung des Zentralausschusses des Verbandes der deutschen Rabbiner soll wegen Behinderung des Vorsitzenden Kollege Münz als Delegierter des oberschlesischen Rabbinerverbandes teilnehmen. — Die Einrichtung von Bezirksrabbinaten, die auf dem letzten deutsch-israelitischen Gemeindetage wiederholt besprochen wurde, harrt noch überall ihrer Erledigung. Um diese Frage, deren religiöse Bedeutung von dem oberschl. R -V. voll und ganz gewürdigt wird, in Fluß zu bringen, wird beschlossen, folgenden Antrag bei dem allgemeinen Deutschen Rabbinerverband zu stellen: „Der oberschl. R.-V. beantragt beim Vorstand des Verbandes der deutschen Rabbiner, auf die einzelnen Provinzialgemeindeverbände dahin zu wirken, daß sie ihr Augenmerk auf die Gründung von Bezirksrabbinaten richten. Zur schnelleren Verwirklichung dieser Einrichtung sei zu empfehlen, daß die Provinzialgemeindeverbände ihrerseits geeignete Persönlichkeiten, wie Rabbiner, Gemeindevorstände u a. mit der Propaganda beauftragen und dementsprechende Anregungen in den maßgebenden Kreisen gegeben werden." — Bei der Besprechung der Rabbiner-Pensions- und Relikten-Kasse wird der Antrag Kopfstein angenommen: „Der oberschl. R-V. wünscht, daß die Pensionskasse unter allen Umständen bald ins Leben trete, selbst wenn die Sätze für die Pensions- und Reliktenkasse herabgesetzt werden müssen." — In der nun folgenden freien Besprechung fand ein Meinungsaustausch über einzelne aktuelle Tages- und Zeitfragen statt. — Osterode, Ostpreußen. Einer unserer ältesten Mitbürger, wohl seit 60 Jahren hierorts ansässig, Herr Rentier Jacob Krause, feierte mit seiner Ehegattin Augustine geb. Grünbaum am 28. August, beide in geistiger und körperlicher Frische, das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Herr Krause hat seit vielen Jahren das Amt eines Stadtverordneten und andere Ehrenämter bis vor einigen Jahren versehen; ebenso in seinen jüngeren Jahren das Amt eines Vorstehers und das eines Repräsentanten unserer jüdischen Gemeinde. Se. Majestät hat dem Jubelpaar die Ehejubiläums- Medaille zu verleihen geruht. Herr Bürgermeister Elwenspök überreichte diese mit einer Ansprache und einem huldvollen Glückwunsch Schreiben aus dem Zivilkabinet. Herr Prediger Sturmann hat das greise Jubelpaar in seiner Behausung, umgeben von Kindern, Enkeln, Verwandten und Freunden, eingesegnet unter Zugrundelegung des Psalm 128. Die Eltern des Herrn Krause haben hierorts vor 26 Jahren die goldene, vor 16 Jahren die diamantene und vor 11 Jahren die eiserne Hochzeit gefeiert. Möge auch diesem Jubelpaar ein solches Glück beschieden sein. Uebrigens ist es das 7 Ehepaar, welches in den letzten verflossenen 26 Jahren in der hiesigen kleinen Gemeinde das 50jährige Ehejubiläum feierte Alle diese Ehepaare wurden von Herrn Prediger Slurmann teils in der Synagoge, teils in ihren Wohnhäusern wieder eingesegnet Das Jubelpaar stiftete für die hiesige Synagoge zwei kostbare Kandelaber und teilte Spenden aus an städtische und Gemeinde-Arme, Vereine und die ostpreußische Pensionskasse. Erfurt. Am vergangenen Montag ist der Mitbegründer und langjährige Mitinhaber der Firma Gebr. Lamm, Herr Louis Lamm, zur ewigen Ruhe bestattet worden: Die Beteiligung an seinem Begräbnis war eine außerordentlich starke, namentlich aus den Kreisen der jüdischen Gemeinde, der der Verstorbene jahrzehntelang seine Kräfte, besonders als Vorsitzender der Chewra Kadischah gewidmet. Herr Rabbiner Dr. Salzberger widmete denr Verstorbenen in warmen Worten einen ehrenden Nachruf. Sylt Aus Westerland-Sylt wird uns geschrieben: Herrn Herrmann I. Hahlo aus Berlin, als ältestem, alljährlich besuchenden Badegast von Westerland-Sylt, wurde bei seinem diesjährigen Aufenthalt daselbst von der Direktion des Seebades die Ehrenkarte überreicht, wodurch er u ä. in Zukunft weder Kurtaxe noch Bäder rc. zu bezahlen hat. Außerdem wurde ihm ein prachtvolles Album mit folgender Widmung übergeben: „Den langjährigen treuen Freund unseres Bades bitten wir, die beifolgende Mappe „Andenken an Sylt", als ein Zeichen unserer Wertschätzung entgegennehmen zu wollen" gez Direktion der Nordseebäder Westerland und Wenningstädt auf Sylt. Der Bürgermeister. — Im Aufträge der Kurdirektion wurde Herrn Hahlo noch von der gesamten Kurkapelle ein Morgenständchen gebracht. — Herrn Hahlo, der sich bei seinem hohen Alter von 76 Jahren noch der besten Rüstigkeit erfreut, wünschen wir, daß er noch lange Jahre in Sylt Erholung finden möge. Feuilleton, vie Macht der Ciebe, Von Bavette Fried. (Fortsetzung.) Die Leute, die sich jetzt von uns fern halten, sind, was Religion betrifft, nicht besser als wir. Sie sind ebensowenig gesetzestreu, als wir es auch früher waren. Nur mit dem Unter-