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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-09-08 · 36 (8.9.1905) · p. Seite 507

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
36 (8.9.1905)
Date
1905-09-08
Page
Seite 507 (sequence 16)
Language
German
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Nr. 36 Israelitische Wochenschrift. Seite 607 schiede, daß wir offen aufgetreten sind, während sie ein verstecktes Spiel treiben. Um diese ist es mir nicht zu tun. Da aber ein geselliger Verkehr notwendig ist, so muß nunmehr unser Bestreben dahin gerichtet sein, in der christlichen feinen Gesellschaft festen Fuß zu fassen. Hans, Sie kennen ihn doch, kümmert sich nicht darum, umsomehr muß dies meine Sache sein. Kann mir das aber gelingen, wenn in unserem Haushalt unser Sohn lebt, welcher aus der Religionsstunde Ansichten heimbringt, die in einem christlichen Haus nicht gehört werden, wenn in seinem Schulzeugnis „mosaische Religion"'« steht, und die Religionsnote mit Dr. Kohn unterzeichnet ist? Darum muß er aus dem Hause." „Also?" frug Pichler gespannt. „Also geben Sie ihn zu den Großeltern! wollten Sie sagen, und der Stein des Anstoßes ist unauffällig aus dem Wege geräumt. Aber das tu ich nicht, um keinen Preis. Die würden mir den Jungen schön heranbilden, würden seinen Kopf mit Bibel und Talmud vollpfropfen, würden ihn wohl Rabbiner werden lassen, uns zum Trotz, und als Sühne dafür, daß wir uns taufen ließen. Dies würde ich aber nicht überleben. Und die heuchlerische Sirene, die sich in der Familie eingeschlichen hat, die würde Haß und Verachtung gegen seine Eltern in die Seele des Kindes säen. Sie kennen das Weib nicht, sie wissen nicht, wessen sie fähig ist." Pichler rückte unruhig auf seinem Stuhle hin und her. Offenbar war ihm die Wendung, welche das Gespräch genommen hatte, unangenehm. Maria zog ihr spitzenumsäumtes Taschentuch hervor und drückte es an die Augen. „Ach, welch ein Jammer, und wir haben den einzigen Sohn nur!" Dieser Tränenausbruch ließ Pichler vollständig kalt; er wußte aus Erfahrung, was davon zu halten. In seinem erfinderischen Kopf war indeß eine Idee entstanden, auf welche Art ihrer beiden Absicht auszuführen wäre. An der Einwilligung Frau Marias zweifelte er keinen.Augenblick. Jetzt hieß es die Zustimmung ihres Gatten zu erlangen, zu welchem Zweck er alle seine Beredsamkeit aufbieten wollte. Scheinbar ganz hingerissen von dem Jammer der unglücklichen Mutter legte er tröstend die Hand auf ihren Arm. „Bitte, gnädige Frau, beruhigen Sie sich! Diese Stunde ist nicht dazu da, um nutzlose Tränen zu vergießen. Jetzt heißt es, zu handeln, um dem drohenden Unheil vorzubeugen. 0 Ich begreife und ehre Ihren Kummer, teuerste Freundin, und Sie sollen Ihr Vertrauen in mich nicht getäuscht sehen. Ich weiß einen Ausweg. Paul soll für die Zeit, bis sich ihre Stellung in den christlichen Kreisen befestigt hat, aus dem Haus kommen, ohne zu seinen Großeltern zu gehen. Ich nehme ihn unter meiner Obhut. „Sie, ein Junggeselle? Das geht nicht an." „Doch! Ich werde ihn zu meiner Schwester geben. Diese ist eine höchst anständige Frau, die Witwe eines Kultusbeamten, welche ihre Pension in Budweis, der Metropole Südböhmens, verzehrt, und sich durch Zimmervermieten ein kleines Nebeneinkommen verschafft. Sie wird sich glücklich schätzen, Paul als Pensionär zu bekommen und wird ihm eine wahrhaft mütterliche Pflege angedeihen lassen. Budweis ist eine Stadt, wo deutsche Mittelschulen bestehen. Dort kann er bis zu seinem vierzehnten Jahre verbleiben, dann ist es an Ihnen, die Erziehung ihres Sohnes in die Bahnen zu lenken, die unter den gegebenen Verhältnissen die einzig wünschenswerten sind. Sie verstehen mich doch, meine Gnädige?" „Vollkommen! Und nehmen Sie meinen herzlichen Dank für Ihre freundliche Vorsorge. — Sie bleiben doch heute hier zu Mittag, liebster Freund!" „Eigentlich habe ich für heute mittag schon Verfügung getroffen; indessen, wenn ihnen ein Gefallen damit geschieht." „Gewiß," fiel Frau Maria ein, „denn wer sollte meinem Mann diesen Plan auseinandersetzen und ihn dafür gewinnen, wenn nicht der beredte Mund des treuen Freundes?" „Sie überschätzen meinen Einfluß auf Ihren Herrn Gemahl, liebe Frau Schlesinger. Meine Beredsamkeit kann nur dann von Wirkung sein, wenn sie von Ihnen unterstützt wird. Eine so schöne liebenswürdige Frau müßte ja jeden Barbaren zu ihrer Ansicht bekehren, um wieviel mehr meinen galanten, verliebten Freund." „Ach," seufzte Maria, „mein Mann ist in der letzten Zeit ein ganz anderer geworden, so ärgerlich, so unzufrieden mit sich selbst, so, wie soll ich es nur nennen, so gar nicht lieb. Ich glaube, im Vertrauen gesprochen, er ist nach seiner Taufe im Herzen mehr Jude, als er es je zuvor gewesen ist." „Ha, ha! Das ist köstlich, das ist ein guter Witz von Ihnen," lachte Pichler gezwungen auf. „Kein Witz," beteuerte die schöne Frau, „es ist traurige Wahrheit. Nun, Sie werden sich überzeugen, wenn Sie zu Tisch bleiben." Das Gespräch der beiden Verbündeten wurde durch die Ankunft Pauls unterbrochen, welcher mit einem Buch in der Hand in den Salon trat. Er begrüßte seine Mutter mit einem Handkuß, den Gast mit einer stummen Verbeugung. „Komm her, Paul!" sagtedieser freundlich zu dem Knaben, „gib mir die Hand und erzähle mir, wo du gewesen bist." „In der Schule," war die Antwort. „Wie, in der Schule, heute am Sonntag? Ist denn da auch Unterricht?" (Fortsetzung folgt.) Bei den hohen Fleischpreisen muß die sparsame Hausfrau darauf bedacht sein, mit möglichst wenig Zutaten gute, schmackhafte Gerichte zu bereiten. Sie erreicht dies am besten durch Verwendung der altbewährten Maggi-Würze; denn schon ein ganz kleiner Zusatz davon gibt den einfachsten Wassersuppen, schwacher Bouillon, Saucen und Gemüsen augenblicklich kräftigen Wohlgeschmack. Immer erst beim Anrichten beifügen, nicht mitkochen! Man verlange beim Einkauf stets ausdrücklich Maggis Würze und achte auf die Schutzmarke „Kreuzstern". Die Firma Karl Will & 15o., Berlin 0. 19, Kommandantenstraße 8 (Inhaber Herr Max Levy) können wir als besonders empfehlenswerte Bezugsquelle für solide Uhren und Goldwaren empfehlen. — Die Firma versendet ihre reichhaltige, illustrierte Preisliste auf Wunsch gratis und franko und es empfiehlt sich deshalb bei Bedarf, wie sich solcher in jeder jüdischen Familie zum bevorstehenden Rosch Haschono oder bei sonstigen Gelegenheiten einstellt, diese Firma besonders zu berücksichtigen. (Nichtgefallendes wird anstandslos umgetauscht bezw. das Geld zurückgezahlt.) Mm Mk. I.—, 1.20, 1.40, 1.50, 1.60, 1.70, 1.80, 1,90, 2.— pro % Kilo. Käuflich in fast allen Geschäften der Konsumbranche und den eigenen Filialen der Firma A. Zuntz sei. Wwe. Probe-Ausschank: Leipzigerstr. 83, Splttelmarkt 8—10 und Tauenzienstr. 15.

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