Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 35 (1.9.1905)
- Date
- 1905-09-01
- Page
- Seite 493 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 36. Israelitische Wochenschrift. Seile 493 Thaleischweiler. Der hiesige israelitische Kultusbeamte Herr Wiedmann feierte am vergangenen Donnerstag sein 25 jähriges Amtsjubiläum 8. Hohensalza. Fern von der Heimat verschied am 8. August, in Berlin der frühere Kantor der hiesigen Synagogengemeinde, Herr Baruch Friedmann, im Alter von 64 Jahren. Der Verblichene war über 13 Jahre als Kantor in der hiesigen jüdischen Gemeinde tätig und hat sein Amt mit der seltensten unermüdlichen Pflichttreue, mit hingebendem Eifer und Aufopferung verwaltet. Der Verstorbene wurde am Freitag, den 11. August, auf dem neuen israelitischen Friedhof zu Hohensalza unter großer Beteiligung zur letzten Ruhe bestattet. Ratibor. Jüdischer Antisemitismus. Aus zuverlässiger Quelle wird berichtet: In der „Krankenhaus-Kommission" der Stadt Ratibor (Oberschl.) wurde neulich über die auszuschreibende Assistentenstelle des städtischen Krankenhauses verhandelt. Der Herr Stadtverordnetenvorsteher erklärte sich prinzipiell gegen die Anstellung eines jüdischen Assistenten, „da ein solcher in eine schiefe Stellung zu den katholischen Einrichtungen käme " Dieser Herr Stadtverordnetenvorsteher von Ratibor heißt Cohn und ist der Führer einer jüdischantisemitisch-protestantischen, scharf antiklerikalen Koalition. Wie ein Blick in die Jnseratenspalten der Fachblätter zeigt, werden jüdische Aerzte weder in staatlichen, noch provinzialen, z. B. Landesversicherungs- oder Irren-Anstalten angestellt, auch nur in verschwindend wenigen Privat-Sanatorien. Daß Kommunen mit judenfreien Verwaltungskörpern Juden nicht annehmen, ist selbstverständlich. - Ratibor aber bietet uns wieder einmal das schöne Beispiel von Juden-Boykott durch Juden. Darmstadt. Verein zur Unterstützung von Seminaristen israelitischen Glaubens im Grotzherzogtum Hessen. Dieser Verein hielt unter dem Vorsitze des Herrn Rabbiners Dr. Salfeld eine Sitzung im Gemeindehause der israelitischen Religionsgemeinde zu Mainz ab. Den hauptsächlichsten Punkt der Tagesordnung bildete „Die Beschlußfassung über Stipendien an Präparanden und Seminaristen." Für das Jahr 1905 erhalten 6 junge Leute, die der Unterstützung bedürftig sind, 1200 M. Außerdem zahlt der Verein, welchem keine besonders hohen Mittel zur Verfügung stehen, für die Erteilung des Religionsunterrichts in den Sem narien und Präparandenschulen Hessens an Rabbiner und Lehrer jährlich über 700 M. Worms. (Preisausschreiben.) Der Vorstand der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde hat aus Anlaß des 800jährigen Todestages Raschis einen Preis von 300 M. gestiftet für eine Schrift über: „Was bedeutet Raschi für seine Zeit, wie wirkte er in der Folge, und von welchem Wert sind seine Schriften noch für die Jetztzeit?" Die Schrift soll 48 Oktavdruckseiten nicht überschreiten und in allgemein verständlicher, volkstümlicher Form verfaßt werden. Sie muß ein Kennwort enthalten, das sich auch auf dem beizugebenden, den Namen des Verfassers enthaltenden Briefumschläge befindet. Die preisgekrönte Schrift wird Eigentum der Wormser israelitischen Gemeinde, die sie nach der Drucklegung weiten Kreisen zugängig machen wird. Einsendungstermin bis 1. Januar 1906 Preisrichter: die Herren Rabbiner Dr. Salfeld-Mainz, Dr. Steckelmacher-Mannheim, Dr. Stein-Worms. Frankfurt. Wie die „Franks Ztg." mitteilt, sitzt im Klapperfeld-Gefängnis wieder eine Anzahl rumänischer Juden, die aus Bingerbrück per Schub nach Rumänien zurückgesandt werden sollen. Die Leute — mit Frauen und Kindern mehr als zwanzig Personen — haben regelrechte Pässe und sind auch mit Geld genügend versehen, um bis nach Rotterdam zu kommen, von wo sie Fahrkarten nach Amerika haben. Diese Fahrkarten haben sie von Verwandten in Amerika zugeschickt erhalten. Es ist bezeichnend für das gegenüber diesen Auswanderern geübte Verfahren, daß sie ruhig die bayerische Grenze haben passieren können und nun von den preußischen Behörden in Bingerbrück angehalten und wie gewöhnliche Verbrecher per Schub — die Leiden auf einem solchen Transport haben wir vor einiger Zeit ausführlich geschildert — zurückgeschickt werden Und weshalb? Weil sie, wie es heißt, nicht die vielgenannten 400 M. Reisegeld besitzen; dazu kommt das schreckliche Verbrechen, daß sie keine Fahrkarten für die in Preußen konzessionierten Schiffahrtslinien des Norddeutschen Lloyd und der Hamburg-Amerika^ Linie haben! Das mag „gesetzlich" sein, bleibt aber trotzdem eine völlig ungerechtfertigte Härte und es wäre zu wünschen, daß die in Betracht kommenden englischen Linien — Anchor, Allan, Dominion — veranlaßt werden könnten, nicht mehr diese Fahrkarten auszugeben, damit die unglücklichen Leute nicht einer solchen Behandlung ausgesetzt werden können. Wenn nun aber einmal diese „Getzlichkeit" so strenge gehandhabt wird, warum läßt man die Unglücklichen die Grenze passieren? Was in Bingerbrück geschieht, sollte schon dort eintreten. Dann würden die Behörden sich selbst manche Arbeit ersparen, den armen Auswanderern aber viel Not und Pein. Diese Rücksendungen per Schub sind übrigens an der Tagesordnung; erst vor kurzem sind wieder zwanzig Personen abgeschoben worden. Paris. In einem Marseiller Hospital starb ein 105 jähriger . israelitischer Pilger, Lazarus Poepeliz, der aus Kanada kam und nach dem gelobten Lande pilgern wollte, aber sein Ziel nicht erreichte. (lakanren Hilfsvorbeter für den Versöhnungstag in Rüg>enwalde. Honorar 60 Mark bei freier Station. Meldungen an den Vorstand. Vorbeter für die hohen Feiertage in Gardelegen. Offerten an Herrn Louis Marcus. Hilfsvorbeter für die hohen Feiertage in Pyritz. HilssvorbeKr für die hohen Feiertage in Tütz (Westpr.). Meldungen an Herrn P Pmesohn Hilfsvorbeter für die hohen Feiertage in Bärwalde i. P. Offerten an den Vorstand der Synagogengemeinde. Hilfsvorbeter für die hohen Feiertage in Königsberg (Neumark). Honorar 80 Mark und freie Wohnung. Meldungen an Herrn Lehrer Goldschmidt. Hilfsvorbeter für Jom Kippur in Rummelsburg i. P. Offerten an den Synagogenvorsteher Herrn Caspari — Hilfsvorbeter für Jom Kippur in Ilmenau. Offerten an Herrn Eichenbronner. Vorbeter für Jom Kippur in SB angerin i. P. gegen 30 Mark und Reiseentschädigung. Meldungen an Herrn Herrn. Gottschalk. Religionslehrer in Goßfelden-Wetter-Oberasphe, per gleich, mit Einkommen von ca. 1100 Mk Offerten unverheirateter Bewerber, welche auch Schochet sind, an das israelitische Vorsteheramt in Marburg zu richten. Sem. geb. Religionslehrer, Kantor und Schochet in Ober- Ramstadt bei Darmstadt Einkommen ca. 1200 Mk. bei freier Wohnung. Offerten an den Vorsteher, Herrn Simon Bendorf. Lehrer und Vorbeter in Bad Driburg i W. Gehalt außer Nebeneinnahmen 1000 Mark. Meldungen an Herrn L. A. Levy. Hilfsvorbeter für die hohen Feiertage in Ostrowo Meldungen an den Vorstand der Synagogenemeinde. iv. Zonen. Antisem ins Album. Der akademische Wund „Kthos". Motto: VI M5, 9; Apostelgesch. ^0, 35. IPte will der Ethosbund vor allem fein? Im Sprechen deutsch, im Fühlen wahr und arisch. Wer nur so scheint, der ist für ihn barbarisch, Drum kann der Bund mit Juden nicht gedeihn. Sein Name schon sich zeigt von Fremdem rein: Echt deutsch ist „Ethos", Sitte ist tatarisch, Des Ethosbundes Stil ist lapidarisch, Wie manche Probe uns bekundet fein. — Empfanden Christus und die Iüngerschar So ethisch wie der Bund, wenngleich sie nicht Als Arier anzusprechen sind? 0 sagt! Der Bund muß es verneinen; tief und wahr Aann fühlen nur, wer so wie „Ethos" spricht Und auch an „Rasse" Christum überragt. Demokritos.