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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-08-25 · 34 (25.8.1905) · p. Seite 478

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
34 (25.8.1905)
Date
1905-08-25
Page
Seite 478 (sequence 14)
Language
German
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Seite 478. Israelitische Wochenschrift. Nr. 34 Relinionslehrer, Vorbeter und Schochet baldigst in Berlich in gen (Wittenberg). Gehalt 750 Mk, 700 Mk. Nebenverdienste und freie Wohnung Offerten zu richten an das israelitische Kirchenvorsteheramt Hilfsvorbeter für die hohen Feiertage in Neiden bürg i. Pr.. Vergütung 80 Mk. und freie Station. Meldungen an den Vorstand. Hilfsvorbeter für Jom Kippur in Neubrandenburg. Meldungen an den Vorstand. Hilfsvorbeter für die hohen Feiertage in der Gemeinde- Synagoge Neue Betschule zu Posen. Meldungen an Herrn S. Perser, Berlinerstraße 8. Vlementarlehrer und Vorbeter per 1. Oktober er. in Petershagen, Kreis Minden. Gehalt 1050 Mk. Meldungen unverh. Bewerber an den Vorstand der Gemeinde. in. Sonett. Antisem ins Album. Per Weisheit letzter Schluß. Motto: 3. M. 19, 33 f. Verkehrte XDeltI Wohin das Auge schaut — Fast überall ein töricht „Wirtsvolk" leidet In seiner Mitte Fremde, sie nicht meidet, An ihrer Wohlfahrt sich sogar erbaut. Dort wird mit Freiheit und mit Recht betraut Der Fremde, der manch hohes Amt bekleidet, Als Fürst, ein treuer Hirt, das „Wirtsvolk" weidet; Davor dem Antifem gar grimmig graut. — hinaus mit Juden, Russen und Germanen, Mit jedem Fremden aus des „Wirtsvolks" Staat! hinweg von Thronen jedes fremde Blut! Ls dulde nur, was stammt von seinen Ahnen, Lin jedes Volk! Dann ist sein heil genaht. Ist Antis letzter Weisheitsschluß nicht gut? TemokritoS. # # Die Itlachl der Liebe. Von Bavette Fried. (Fortsetzung.) Esther hatte ihr Gebet beendet. Fromm drückte sie einen Kuß auf den Ledereinband ihres Gebetbuchs, und legte dieses auf ein Seitentischchen. Dann ließ sie den Tisch zum Nachtmahl decken. Kurz darauf kam Schlesinger aus der Synagoge nach Hause. Alter Gewohnheit gemäß beugte Esther ihr Haupt vor dem wie einen Vater verehrten Gatten, um von ihm jenen Segen zu empfangen, den sonst Eltern nur den Kindern erteilen. „Es segne dich der Ewige und behüte dich. Der Herr lasse dir sein Antlitz leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende dir sein Antlitz zu und schenke dir Frieden." So sprach er zu seiner Gattin, indem er seine zitternden Hände auf ihr Haupt legte, und dann ihre Stirn küßte. „Frieden", sagte Schlesinger weiter, „hast du mir eingehaucht, meine Esther! Um eine Hoffnung reicher, als ich von hier weggegangen bin, kehre ich zu dir zurück. Höre, was ich erfahren habe, als ich in Begleitung unseres ehrwürdigen Rabbiners, der mich zu trösten versuchte, aus der Synagoge ging. Nach dem österreichischen Gesetz ist es Eltern nicht gestattet, ein Kind, welches das 7. Lebensjahr überschritten hat, an ihrem Glaubenswechsel teilnehmen zu lassen. Ein solches Kind muß bis zu seinem vollendeten 14. Jahre in dem angeborenen Glauben erzogen werden, muß in der Schule den Religionsunterricht genießen, wie die anderen Schüler dieser Religionsgenossenschaft. Nach vollendetem 14. Lebensjahr erst kann es sich entschließen, ob es in dem bisherigen Glauben verharren, oder zum Religionsbekenntnis seiner Eltern übergehen wolle. Wie alt ist denn sein Sohn, der Paul?" „Zu Neujahr wird er 9 Jahre werden." Da rief Schlesinger aus: „Gelobt seist du, Gott, Herr der Welt, der du mit einer Hand schlägst, mit der andern aber lindernden Balsam in die Wunde träufelst. Du behütest die Seelen deiner Verehrer, und keine geht verloren von denen, die auf dich vertrauen!" Dann, zu seiner Frau gewendet, sagte er: „So haben wir 5 lange Jahre vor uns. Den Sohn haben wir verloren, aber das Kind kann gerettet werden." III. Ein kleines Zimmer, ausgestattet mit einfacher Eleganz. Vor dem hohen Ankleidespiegel sitzt eine junge Dame, welche nicht eigentlich schön zu nennen ist, aber durch geschmackvolle Toilette und einen gewissen Grad von Pikanterie allgemein gefällt. Ein Herr, nahe den vierzig, in einem bequemen, ziemlich abgetragenen Hausrock geht unruhig im Zimmer herum, die Hände auf den Rücken gekreuzt. „Daß du es noch immer nicht über dich gewinnen kannst", sagte die Dame, „deinem äußern Menschen etwas mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden, Hans, man wird ja förmlich verlegen, wenn Besuch kommt." Der mit „Hans" Angesprochene schien auf diesen Vorwurf nicht zu hören, vielleicht hatte er ihn gar nicht gehört; denn immer unruhiger wurde sein Schritt, immer düsterer seine hohe Denkerstirn. Endlich unterbrach er sein ungestümes Umherwandeln, und wendete sich mit der Frage an seine Frau: „Kein Brief für mich gekommen, Rosalie?" „Kannst du dich denn immer noch nicht gewöhnen, mich mit meinem jetzigen Namen zu benennen? Warum nenne ich dich nicht mehr Josef, sondern nur Hans? Ebensogut könntest du dich an meinen Taufnamen gewöhnen. Ist dir das Wort Maria zu fremd, sage nur Mitzi, wie es hier in Wien gebräuchlich ist. Du bist ja sonst nicht so begriffstutzig." „Freilich! Ich habe ja alle Examina mit Auszeichnung gemacht, wurde ja stets ein Inbegriff aller Studententugenden genannt", sagte Hans mit bitterer Selbstironie. „Aber", fuhr er fort, indem er mit der Hand über die Stirn strich, gleichsam als wollte er mit dieser Bewegung die Gedanken verscheuchen, welche die immer wiederkehrende Erinnerung an vergangene Zeiten in ihm erweckte, „du hast mir meine Frage noch nicht beantwortet Ros — Maria, wollte ich sagen." „Lassen wir die dummen Briefe, Hans, fahren wir lieber in den Prater, genießen wir noch die wenigen schönen Tage, die uns der scheidende Herbst gönnt. Komm, Hans", schmeichelte sie. Hans schüttelte ihre zarte Hand, die sich besänftigend auf seinen Arm gelegt hatte, von sich und schrie: „Gib den Brief her, Weib, oder ich kenne mich nicht mehr, gib her!"

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