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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-08-25 · 34 (25.8.1905) · p. Seite 477

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
34 (25.8.1905)
Date
1905-08-25
Page
Seite 477 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 34. Israelitische Wochenschrift. Seite 477. „Wir wollen auf dem schönen Stück Erde, das uns zur Heimat geworden ist, ein Moritz Simon-Denkmal errichten. Kein prunkendes, großmassiges Monument. Das entspräche nicht dem bescheidenen Sinne des zu Ehrenden, dem der Schein nichts, die Tat und der innere Wert des Menschen alles waren. Das Denkmal soll schlicht und doch hehr sein; es soll ein ragendes Zeugnis für echte Größe und Güte sein; es soll anspornen, die Bestrebungen Moritz Simons, der uns die Kultur des Bodens, die Pflege des Handwerks lieb gemacht hat. zu fördern, wo es nur geht". Das Monument, mit dessen Herstellung ein jüngerer hiesiger Bildhauer, August Waterbeck, betraut wurde, soll aus einer Pyramide mit dem Medaillon-Bildnis Simons und einer die Bodenkultur sowie „Ahlem" verkörpernden Jünglings-Gestalt bestehen. Es wäre zu wünschen, daß, jüdischer Sitte mehr entsprechend, jeglicher Figurenschmuck vermieden und die Ehrung auf eine die Verdienste des Gefeierten hervorhebende Ins t rift beschränkt wird. Daß die Zöglinge der Anstalt gerechte Ursache haben, dem Heimgegangenen unauslöschliche Dankbarkeit zu bel wahren, erhellt abermals aus einer Mitteilung, die Herr Inspektor A. Silberberg dem vor kurzem erschienenen sechsten Jahresbericht des genannten Vereins vorausschickt: „In hochherziger Fürsorge für Euch hat er dem Hilfsfonds, der Euer Fortkommen durch Darlehen erleichtern und sichern soll, eine Stiftung von 100 000 Mark zugewendet. Und noch in anderer Weise hat er für immer Eurer gedacht; auch in seiner großen, mehrere Millionen umfassenden Stiftung ist eine ausdrückliche V rsügung enthalten, daß bei Gewährung von Darlehen an jüdische Gärtner, Landwirte, Handwerker oder Arbeiter immer und stets in erster Reihe „Ahlemer", wenn sie sich durch Fleiß und Tüchtigkeit ausgezeichnet haben, bevorzugt werden sollen". Förth. Heute früh beging der hiesige israelitische Lehrer S Mayer Selbstmord. Er schnitt sich mit dem Schächtmesser den Hals ab. M. war schon längere Zeit krank; hierin dürfte das Motiv der Tat zu suchen sein. Kassel. Herr Magnus Lewinstertl und Gattin begingen das Fest der diamantenen Hochzeit, aus welchem Anlasse dem greisen Paar durch den Bürgermeister die vom Kaiser verliehene Ehejubiläums-Medaille mit einem huldvollen Glückwunsch-Schreiben ans dem Zivilkabinet überreicht wurde. Bingen. Kürzlich wurde in der hiesigen Synagoge in der Rheinstraße, ein seit 800 Jahren von der israelitischen Gemeinde benutzter Tempel, der letzte Gottesdienst abgehalten, verbunden mit einer von dem Kreisrabbiner Dr. Grünfeld geleiteten Abschiedsfeier. Am 21. September wird die neue, in der Rochusstraße mit einem Kostenaufwand von einer Viertel Million Mark von Hofrat Levy-Karlsruhe erbaute Synagoge eingeweiht. Dorthin wird aus der alten Synagoge auch das Oraun hakaudesch, ein altes Kunstwerk von hohem Werte, übergeführt. Fulda. In der „Franks Ztg." wird folgende bezeichnende Beschwerde gegen den hiesigen Rabbiner erhoben: „Der hiesige Rabbiner Dr. Cahn verlangt, daß alle Knaben vom schulpflichtigen Alter ab jeden Morgen um 6 Uhr bei Androhung von Schulstrafen (Arrest usw.) den Gottesdienst besuchen. Einige Kinder müssen dabei die Aufpasser spielen. Um 7 und 8 Uhr beginnt dann die Schule. Mit welcher Hast infolgedessen das Frühstück eingenommen werden muß, bedaif keiner besonderen Worte. Gegen solche Zumutungen sollte im Interesse der Gesundheit der Kinder von schulärztlicher Seite mit aller Entschiedenheit Einspruch erhoben werden. Die Religiösität wird bei der Jugend durch solche Frömmigkeit auf Kommando ganz gewiß nicht gefördert" Bad Salzbrunn. Einen beträchtlichen finanziellen Zuwachs erhielt der „Verein Jüdisches Kurhospital Bad Salzbrun" dank dem unermüdlichen Eifer des in unserem idyllischen Badeort seit vielen Jahren praktizierenden Arztes Herrn Dr. Rothenberg, der anhaltend bestrebt ist, zugunsten des Vereins künstlerische Kräfte freiwillig in den Dienst der Wohltätigkeit zu stellen. So konnte eine zahlreich erschienene Zuhörerschaft am vergangenen Sonnabend sich an den Vorträgen der Koloratursängerin, des Frl. Anna Eolen-Berlin und des Herrn Oberkantor Meysel-Charlottenburg erfreuen. Eingeleitet wurde das Konzert durch eine warmherzige Ansprache des Herrn Dr. Rothenberg, der die Ziele und Zwecke des Vereins klarlegte. Im Interesse der Armen und Kranken, für die der Verein seine Tätigkeit einsetzt, ist zu hoffen, daß das Beispiel des Herrn Dr. Rothenberg zur Nachahmung anfeuere. Paris. In Paris ist der Senior der Assyriologen. Professor Julius Oppert, im 80 Jahre einem schmerzhaften Leiden, das ihn seit zwei Jahren quälte, erlegen. Oppert war in Hamburg geboren und hatte in Heidelberg, Bonn und Berlin studiert; aber seit dem Jahre 1817 lebte cr in Frankreich, und in französischer Sprache hat er seine Hauptwerke verössentlicht, so daß er trotz seiner deutschen Abkunft als einer der ersten Vertreter der französischen Wissenschaft bezeichnet werden muß. Er begann seine Laufbahn als Lehrer der deutschen Sprache am Lyceum zu Laval und wirkte dann in der gleichen Eigenschaft in Reims, bis er 1851 einer Expedition zur Erforschung der Ruinenhügel in Mesopotamien beigeordnet wurde und von nun an dem Studium der orientalischen Sprachen, besonders der Entzifferung und Erklärung der assyrischen Keilschrift, sein Leben weihte. 1860 erhielt er das Lehrfach der Assyriologie am College de France, 1881 wurde er zum Mitglied der Aeadeinie des inscripf.ions gewählt Schon seine ersten großen Arbeiten „Die Beschreibung der wissenschaftlichen Expedition nach Mesopotamien" (1857 bis 1861), die l „Assyrischen Studien", „Die Entzifferung der Inschrift am Palast zu Khorsabad" und die „Assyrische Grammatik" erwiesen sich von solcher Bedeutung, daß ihm der Nationalpreis in der Höhe von 20 000 Francs zuerkannt wurde. Die zahlreichen Werke, die er außer den genannten allein oder in Gemeinschaft mit Fachgenossen herausgab, brauchen wir an dieser Stelle nicht aufzuzählen; ihre Titel würden dem Laien nur wenig sagen, und ausführlich auf ihren Inhalt und auf die Bedeutung ihres gelehrten Urhebers einzugehen, muß einem Vertreter der Wissenschaft überlassen werden, zu deren stolzesten Säulen Julius Oppert zu rechnen ist. Nach Deutschland herüber klang in weitere Kreise sein Name zum letzten Mal zur Zeit des von Friedrich Delitzsch angeregten Babel- Bibel-Streites. Oppert bekannte sich mit Entschiedenheit als Gegner der geistvollen Theorien unseres Berliner Gelehrten und bekämpte sie in scharf polemischer Weise, auf die Delitzsch die Antwort nicht schuldig blieb. Um den unermüdlichen Forscher, der nun. wenige Monate nach seinem achtzigsten Geburtstage, zur ewigen Ruhe einging, trauern zwei Länder, denen er durch Geburt und Arbeit angehörke, und zwischen denen er unablässig als Mittler wirkte, wenn es die großen Kulturinteressen zu fördern galt. Sein Name wird hier wie dort unvergessen bleiben. Uakanzen. Borbeter, Reltgionslehrer und Schächter per l. Oktober cr. gesucht. Gehalt 1000-1200 Mk und 200—250 Mk. Nebeneinkommen. Meldungen mit Zeugnisabschriften an den Vorstand der Synagogengemeinde zu So rau N.-L. Moritz Henschel. Musikalisch gebildeter Kantor per 1. Oktober er gesucht Meldungen an Herrn I. Raczinski, Charlottenburg, Berlinerstraße 58. Lehrer, Borbeter und Schächter per sofort in Riesen bürg Gehalt 1200 Mk. und ca. 600 Mk Nebeneinkommen. Meldungen möglichst sein, geb Bewerber an den Vorstand der israelitischen Gemeinde. Hilfsborbeter für die hohen Feiertage in Könitz (Westpr.). Meldungen an den Synagogen-Borstand. Kantor und Reltgionslehrer per gleich für ca 4 Monate in Stolp i Pr Offerten bis zum 25. d Mts. vom Synagogen- Vorstand erbeten. Borbeter, Religionslehrer und Schächter per gleich in Naugard i Pom. Gehalt 12 M Mk. freie Wohnung und Nebeneinnahmen. Meldungen sein. geb. Bewerber vom Vorstand der Synagogengemeinde erbeten. Kttltnsbeamter, gleichzeitig Borbeter, Religionslehrer und Schächter, per gleich in Callies i. Pommern. Einkommen ca 1200 Mk. Meldilugen arl den Vorstand. ZsieligionSlehrer, Phasen und Zchqchet per Ende September in ^chweinshaup teu. Gehalt 700 Mk. unb Nebeneinkommen ca. 350 Mk. und freier Wohnung Meldungell an den Vorsteher Herrn H Fried mann. Religionslehrer, Borbeter und Schächter per l. September oder später in Freudenburg (Rhld ). Einkommen ca 000 Mk. Bewerbungen an den Synagogenvorstand. Hilssborbeter für die hohen Feiertage in Mur.-Goslirr (Prov Posen). Der Vorstand, Herrmann Giballe. Borbeter für die hohen Feiertage in Groß Moyeuvre (Lothringen). Offerten all Herrn Gerson Kahn. Borbeter für die hohen Feiertage in Nörten. Offerten an den Vorstand.

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