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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-08-25 · 34 (25.8.1905) · p. Seite 479

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
34 (25.8.1905)
Date
1905-08-25
Page
Seite 479 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 34. Israelitische Wochenschrift. Seite 479. Maria war bis in die Lippen erblaßt. In diesem Ton hatte ihr Mann noch nie mit ihr gesprochen, selbst damals nicht, als sie mit dem Plan hervortrat, daß sie die Taufe annehmen sollen. Er hatte freilich gewütet, hatte sie die Schlange genannt, welche sich in sein Paradies geschlichen, um den Frieden daraus zu verbannen, aber so angeblickt wie heute hat er sie denn doch nicht, sonst hätte sie den Mut verloren, ihre Ueberredungskunst noch länger auf ihn wirken zu lassen. Seinem anfänglichen Sträuben trotzend, hatte sie durch ihre schmeichelnde Beredsamkeit langsam ein Steinchen nach dem andern aus dem Bollwerk seiner Grundsätze losgelöst, bis dieser feste Bau gelockert wurde und endlich in sich zusammenfiel. Nein, sie hätte es nicht gewagt, hätte er sie so angeblickt und in diesem Ton mit ihr gesprochen, wie heute. Jetzt wußte sie es ihrer Standhaftigkeit Dank, welche sie ihre Neugierde bezwingen ließ, den angelangten Brief zu erbrechen und sie übergab ihn ihrem Gatten. Hans zog sich mit dem Brief in sein Arbeitszimmer zurück und seither war schon eine Stunde verflossen, ohne daß er zurückkehrte. Marie konnte sich einer leichten Sorge nicht erwehren. Was mochte in dem Brief enthalten sein? Natürlich bittere Vorwürfe von den Eltern. Darauf mußte er doch gefaßt gewesen sein. Was lag ihr daran? Ganz enterben durfte doch der Alte seinen einzigen Sohn nicht. Sie hatte die Erbrechtsbestimmungen aus den Büchern ihres Mannes gut gelesen und wußte daher, daß ihm ein Pflichtteil verbleiben müsse. Und wenn nicht, sie hatte ja selbst Vermögen und nur ein einziges Kind. Bei der Erinnerung an dieses verdüsterte sich das Gesicht der jungen Frau. „Das ist ärgerlich", sagte sie sich, „daß der Junge noch Jude bleiben und jüdischen Religionsunterricht genießen muß, das verdirbt mir meine ganze Freude. Doch wo bleibt Hans? Ich muß Nachsehen. Wie mir scheint, wird heute nichts mehr aus unserer geplanten Ausfahrt." Maria trat ins Zimmer des Gatten. Dieser saß an seinem Schreibtisch, den Kopf in der linken Hand bergend, während die herabhängende Rechte den offenen, von vergossenen Tränen feucht gewordenen Brief hielt. Sanft berührte sie seine Schulter. „Was ists, Hans, was schreibt der Vater?" „Ich habe keinen Vater mehr", antwortete er mit dumpfer Stimme. Maria trat betroffen einige Schritte zurück. „Wie, er ist tot?" Soolbad Harzburg <> Pension Parkhaus vornehmes Etablissement, 56 Salons. Prospekte gratis. Geöffnet 1. Mai bis 1. Oktober: IHl Alk. I.—, 1.20, 1.40, 1.50, 1,60, 1.70, 1.80, 1.90, 2.— pro V> Ko. Käuflich in fast allen Geschäften der Konsumbranche und den eigenen Filialen der Firma A. Zuntz sei. Wwe. Probe-Ausschank: Leipzlgerstr. 83 und Spittelmarkt 8—10. „Er lebt, lebt ein Leben voll Schmerz und Kummer, doch von mir hat er sich auf immer losgesagt, mich betrachtet er nicht mehr als seinen Sohn." „Er schreibt dir dies?" „Nicht er selber, sogar dessen hält er mich für unwürdig. Auch die Mutter schreibt es nicht gerade heraus, doch kann ich es zwischen den Zeilen lesen." „Die Mutter! Eine Stiefmutter", höhnte Maria. „Häufe auf unsere Schuld nicht noch eine ungerechte Verdächtigung anderer. Die Mutter war mir niemals eine Stiefmutter, sie hat wahrhaft Mutterstelle an mir vertreten. Sie war mir so treu und ist mir so teuer wie meine leibliche Mutter." „Und dennoch?" „Sie schrieb mir diesen Brief gegen den Willen meines Vaters, der jeden Verkehr mit uns abgebrochen wissen will. Ich habe brieflich die Verzeihung des Vaters angefleht. Sie ist mir nicht geworden. Aber die Mutter macht in ihrem Brief einen Vorschlag, auf welche Weise die Kluft, welche uns jetzt trennt, einigermaßen auszufüllen wäre, oder wie die Brücke herzustellen wäre, auf der sich unsere Herzen einst einander nähern können. Doch lies selber." Maria nahm den ihr gereichten Brief und setzte sich in eine Fensternische, um ihn durchzulesen. Als sie zu Ende war, rief sie entrüstet aus: „Nie und nimmer werde ich darein willigen; das hieße ja das Kind dem Judentum gerade in die Arme werfen". „Und wenn dem so wäre?" warf der Gatte ein. „Dann bestände doch eine solche Kluft zwischen uns und unserem Kinde, wie zwischen dir und deinen Eltern." (Fortsetzung folgt.) £ MAGGI Suppen-Uf” u.Speisen^ ff Ul t verbessert augenblicklich schwache Suppen, ^Boullion, Saucen, Gemüse, Salate H. Graff, Lombardhaus Beuth-Strasse 5. Brillanten, Uhren, Goldwaren bedeutend unter Ladenpreis. Mfdj* Schneider-Akademie. Berlin, Rotes Schloß 2. Herren-, Damen- und Wäsche-Schneiderei. Hannover. Israelit. Töchter - Pensionat. Gründliche wissenschaftliche und häuSlicht Ausbildung. Beste Referenzen. Jenny Lehmann, Vorsteherin Rumannstrasae 8. Eine Quelle der KraftfiirAlle die sich matt und elend fühlen, nervös und energielos sind, ist Sanatogen Non mehr als 2000 Aerzten aller Ander glänzend begutachtet. Zu haben in Apotheken und Drogerien. — Broschüre gratis und mv. - franko von Bauer & Cie., Berlin SW. 48. > - WSmmm' ..

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