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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-08-25 · 34 (25.8.1905) · p. Seite 468

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
34 (25.8.1905)
Date
1905-08-25
Page
Seite 468 (sequence 4)
Language
German
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Seile 468. Israelitische Wochenschrift. Nr. 34 erklärlich wäre. Unter den Nomaden treten ferner die Jiriken besonders durch ihre starke Deformation des Schädels hervor, wiewohl sie sonst den Kurden gleichen und namentlich in Vorder-Asien nomadisieren. Ihre physischen Merkmale ähneln mehr jenen der Zigeuner. Weiter sind in Vorder-Asien sehr zerstreut die Sektierer, deren Geschichte in uralte Zeiten zurückreicht. Bei den Sektierern fällt die außerordentliche Kurzköpfigkeit auf, welche wohl bei keinem anderen Volke der Erde in diesem Maße besteht. Unter ihnen nehmen die menschenscheuen Kisilbaschi eine besondere Stellung ein und sind durch ihre langen Extremitäten auffällig. Daneben trifft man auch auf die ähnlichen Kisilpout oder Jessiden. Charakteristisch sind die Drusen, bei welchen die Kurzköpsigkeit zwar nicht immer so hervortretend ist, die aber typisch für die vorsemitische Bevölkerung in Vorder-Asien ist. Nur im Hochgebirge hat sich die Kurzköpfigkeit noch in extremer Weise fast bis zum gänzlichen Mangel des Hinterhauptes erhalten. Nun die Araber. Von diesen können nur die Wüsten-Araber, die sogenannten Beduinen, auf der eigentlichen Halbinsel Arabien, Anspruch auf semitischen Ursprung aus anatomischen Gründen erheben. Allein auch bei Arabern, die als rein arabisch gelten, wie zum Beispiel in Cesirae, ist zuweilen sofort der fremdartige Einschlag wahrnehmbar, so daß sie leicht zu eliminieren sind. Ebenso ist die griechische Rasse sehr bald auszuschalten. Ein Vergleich der modernen mit den antiken, durch die Denkmäler erhaltenen Typen zeigt die heute noch erhaltene Reinheit dieser Raffe, in die selten nur alte vorderasiatische Elemente hineinspielen, ausgenommen bei den Doriern. Mehr Neigung, sich zu vermischen, zeigen die Armenier- Deren Physiognomien, sogenannte Vogelgesichter, charakterisieren sich vermöge ihrer ungemein entwickelten Nase und ihrer hohen Köpfe mit flachem Hinterhaupt. Von besonderem Werte sind nun die Reliefs aus der uralten Stadt Schamyl in Kleinasien, wo der Vortragende wiederholt umfangreiche Ausgrabungen seit 1883, durch große Mittel unterstützt, vornahm, welche Reliefs bis in das 15. Jahrhundert vor Christus zurückreichen. Manche davon sind jünger, einige reichen sogar nur bis zur Zeit Christi Geburt. Die große Tempelanlage stammt aus dem 9. und 8. Jahrhundert vor Christi. Die Reliefs am Stadttore beweisen, daß zu jener Zeit die Bewohner der vorsemitischen Bevölkerung angehört haben. Es sind kurzköpfige, mit auffallend großen Nasen ausgestattete Menschen, die stark an Armenier erinnern. Die ausgegrabenen kurzen Schädel entsprachen vollständig den Bildern. Die Inschriften, die noch der assyrischen Bilderschrift angehören, erhärten ebenfalls, daß ein nichtsemitisches Volk bestanden hatte, denn bekanntlich brachte die semitische Rasse die Buchstabenschrift ins Land. Dagegen zeigt eine aus dem 4. bis 5. Jahrhundert stammende Fibula*) eine Frau, aus der sich^.bereits das fremde, semitische Element als Mischung erkennin läßt. Aus den Inschriften ist zu entnehmen, daß der König Porekuk, Sohn des Panemmur (semitischer Namen) „den Palast in Schamyl erbaut hat und prächtiger als die Könige von Syrien den ihren errichteten." Auch Bauwerke, die häufig für semitisch gehalten werden, wie namentlich Tempel, lassen sich ihres semitischen Ursprungs entkleiden. Selbstverständlich stehen noch andere Reliefs zur Verfügung, wobei ebenfalls die charakeristischen Physiognomien mit *) Eine Art Schließe. der ungemein weit vorspringenden Nase zum Ausdruck gelangen, wie z. B. bei dem Tempel von Argahraddo u. a. m. Als Schluß ergibt sich nun Folgendes: Die eigentlich seßhafte und somit ursprüngliche Bevölkerung dieser Länder zerfällt in zwei große Gruppen: die Einen, die extrem Kurzköpfigen, und die andern, die extrem Langköpfigen. Einwandfrei ist heute festgestellt, daß die extrem Kurzköpfigen der vorsemitischen Bevölkerung angehören, wogegen die extrem Langschädeligen mit den semitischen Einwanderern identisch sind, die wahrscheinlich zuerst im zweiten vorchristlichen Jahrhundert auftauchten und die heute noch Teile Kleinasiens und Arabiens bewohnen, teilweise über Mesopotamien, teilweise über die Wüste Arabiens sich ausbreiteten. Offenbar bilden diese, die eine numerisch vielleicht gar nicht sehr starke Einwanderung in Gegenden bilden, welche bisher nur von Kurzköpfigen bewohnt gewesen, daher weder nach Sprache, noch nach Abstammung semitisch waren, den Grundstock für die spätere Semitisierung. Hierbei fällt der Vermischung auch eine große Rolle zu. Nach den neueren Forschungen vollzieht sich diese keineswegs immer im Sinne eines arithmetischen Mittels etwa, sondern es kommt namentlich bei weit auseinanderliegenden Rassen, nach Jahrhunderten und selbst Jahrtausenden eine der ursprünglichen Rassen zurück. Durch diese Theorie, die erst einige Jahrzehnte alt ist, wird es verständlich, daß sich in Vorder-Asien durch eine Unzahl von Jahrhunderten und selbst Jahrtausenden derartige Typen getrennt und unvermischt von einander vererbt haben. Hierbei entsteht nun die Frage nach dem Ursprung der extrem kurzköpsigen Rasse in Vorder-Asien. Auch hierüber geben uns die Ausgrabungen Aufschluß. Speziell jene in Persien aus dem vierten vorchristlichen Jahrhundert zeigen diese übermäßig Kurzköpfigen mit den großen Nasen. Augenscheinlich liegt hier die Vermischung zweier Nassen mit einer Assimilation im ausgedehntesten Sinne vor, denn weiter gegen Osten nimmt sie stets mehr ab, während sie gegen Westen, somit gegen Vorder-Asien, namentlich im Hochgebirge Kleinasiens unter den Sektierern immer zunimmt. Auch unter den Mohammedanern, insbesondere den Bewohnern von Arabien findet sich diese Rasse stark verbreitet vor. Außerdem ist noch ein wichtiger Umstand zu erwähnen: bte Blondköpfigkeit. So wie unter unseren europäischen Juden elf Prozent blond sind, ebenso finden wir unter den Vorder-Asiaten im allgemeinen einen bestimmten Satz 9 bis 10, vielleicht auch mehr pro Tausend Blonde. Die Erklärung hierfür findet sich z. B. rücksichtlich des Mittelalters durch die Kreuzfahrer, für die Neuzeit durch amerikanische und englische Matrosen, welche in der Nähe Winterquartiere hatten. Trotzdem fände die große Zahl hierdurch allein keine genügende Erklärung. Aus einigen koptischen Denkmälern läßt sich dagegen feststellen, daß im Altertum die Amariter blondhaarig und blauäugig gewesen, neuere Untersuchungen haben weiter ergeben, daß noch in vortrojanischer Zeit irgend eine europäische Einwanderung — vielleicht die Thrakier — im großen Stile erfolgt ist. Selbstverständlich können sich Untersuchungen über Juden nur auf die heute Lebenden beziehen und lassen keinen Schluß auf die Geschichte zu. Immerhin läßt sich mit ziemlicher Sicherheit aus den gegenwärtigen Verhältnissen konstatieren, daß die große Mehrzahl der heutigen Juden dem vorsemitischen Typus angehört, dessen wesentliche Merkmale Kurzköpfigkeit und große Nasen bildet und eine kleine Minderzahl kleine Köpfe, die bei den rassereinen oorsemitischen Völkern typisch und charakteristisch sind.

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