Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 33 (18.8.1905)
- Date
- 1905-08-18
- Page
- Seite 460 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 460. Israelitische Wochenschrift. Nr. 33.? Eine Inspektion der Schulen halten wir in allen Fällen grundsätzlich für notwendig. Redner schloß mit den Worten, daß es uns Ostpreußen auch weiterhin eine Ehrensache sein müsse, an der Erörterung und Förderung aller Fragen, die die Gesamtlehrerschaft.angehen, lebhaften Anteil zu nehmen. Der Bericht des am Vorabend zum Rechnungs-Revisor gewählten Herrn Schlachter läßt die korrekte Handhabung erkennen und wird dem Anträge des Revisors auf Decharge-Erteilung mit Dank an den Herrn Kassierer seitens der Versammlung nachgekommen. Nach einer halbstündigen Pause hält Herr Gnttmann- Königsberg eine Lehrprobe über das Thema „Naboths Weinberg." Nach deren Beendigung gibt er einen Ueberblick über die Disposition und die Gesichtspunkte, von denen er bei diesir Lektion sich habe leiten lassen. Irr der sich anschließenden Diskussion war im ganzen die Uebereinstimmung der Versammlung mit dem Gange der Lehrprobe ersichtlich Vor allem verstand es Herr Guttmann, das Interesse der Kinder wachzurufen und ihnen die verschiedenen in der Erzählung enthaltenen sittlichen Lehren zum Bewußtsein zu bringen. Es folgen nun die liturgischen Uebuugen unter Leitunq des Herrn Birnbaum. - Nach einem Dankesworte an letzteren schließt der Vorsitzende tue. Versammlung und spricht seine volle Zufriedenheit über die erzielten Resultate, die die diesmalige Tagung im ganzen gezeitigt habe, aus Herr Rabbiner Tr. Chrlich dankt dem Vorsitzenden für dessen Leitung der Versammlung. Abends vereinigte man sich zu einem von Mitgliedern der Tilsiter Gemeinde veranstalt.'ten Festmahle. I. Sandler-Königsberg stellv. Schriftführer. Ärimlmi und Aiissprüchk brrühmtrr Männer über Inden und Indent,»». IV. Will man reden von dem unversöhnlichen Haß, der schon achtzehn Jahrhunderte die Juden verfolgt, so darf man nicht von dem Geschehenen reden, sondern von dem, was geschieht und was geschehen soll. In der vollbrachten Tat war Notwendigkeit, Freiheit ist nur in der zu vollbringenden. Was die Menschen verschulden, nicht was die Menschheit verschuldet, kann gerichtet werden, ein Irrtum, der fast zweitausend Jahre gedauert, steht höher, als jeder Tadel. Doch wenn der betrachtende Geist hoch und ruhig schwebt über Nebel und tobende Gewässer, über Leidenschaften, über verwirrende Verhältnisse, und jede Sünde und jeden Irrtum ausgleicht, so dürfen die niederstehenden, gemeinen, ruchlosen und wahnsinnigen Menschen dort oben keine Rechtfertigung suchen für all ihr Treiben. Denn wie die Erde sich um ihre Axe dreht, indem sie die Sonnenbahn durchwandelt, so hat auch der Mensch eine doppelte Bewegung, eine besondere und eine allgemeine. Diese reißt ihn unaufhaltsam fori; es ist sein Schicksal. Jene wird von seinem Willen bestimmt; es ist die Freiheit. Vormals hatte man aus Glaubenswut Juden und Ketzerverbrannt; aber weil dieses unmenschlich war, kann es nicht menschlich gerichtet werden. Man beraubte die Gemordeten; denn das Fett der Schlachtopfer war stets der Lohn der priesterlichen Dienste. Aber jetzt, da auch der ruchloseste Heuchler nicht zu sagen wagt, daß er die Juden wegen ihres Glaubens verfolge, womit wird jetzt die Bosheit beschönigt? Sonst dachte man, die Juden kämen nicht in den Himmel, und darum wollte man sie auch nicht aus Erden dulden; aber jetzt, da man ihnen den Himmel gönnt, warum möchte man sie noch von der Erde vertilgen? Es wird mit der schamlosesten Heuchelei gegen die Juden zu Werke gegangen, es werden lügnerische Behauptungen mit solcher Keckheit geführt, daß selbst Gutgesinnte dadurch getäuscht werden, weil sie nicht glauben können, daß man sie so plump . betrügen wolle. Darum will ich die Toren entlarven und den Bösewichtern ins Angesicht' leuchten. Sie werden lärmen und schwirren wie die aufgeschrcckten Nachteulen. Die hochweisen regierenden Knechte werden sagen: man solle die Gemüter nicht aufreizen durch Reden. Sie meinen, wenn alles hübsch dunkel bliebe, dann sähen sich die Feinde nicht und sie müßten Ruhe halten. Aber besser ist's, daß die Fackel der Wahrheit, als die der Mordbrennerei die Nacht, erhelle^ Die Wahrheit reizt, ja, denn, sie ist reizend, aber sie erbittert nicht. Das Gefühl der Beschämung schmerzt, aber es .führt die Schuldigen zur Reue, nicht zur Wiederholung des Verbrechens. Das aufgeklärte Volk wird einsehen lernen, daß es das Schlechte nicht einmal zu seinem eigenen Vorteil beging,, sondern, daß. es das unredlich Erworbene einigen unersättlichen Aristokraten überlassen muß. Es wird begreifen lernen, daß man es zum Mißbrauch der Freiheit verleitete, um sagen zu können, daß es keiner Freiheit würdig sei, und daß man es zum Gefängniswärter der Juden bestellt, weil die Gefängniswärter, wie die Gefangenen, den Kerker nicht verlassen dürfen, daß eine Tür mehr den Ausgang versperre, eine weniger, das ist der Unterschied; unfrei sind sie beide. Ludwig Börne. * .. * * V. Dankbar sollen wir vor allem anerkennen, was wir unseren Juden in den eigenen Nationalschatz entnommen haben an unsterblichen Leistungen jüdischer Genies für Wissenschaft und Kunst, an Steigerung des Aufschwunges unseres Handels, unserer Industrie, unseres Geldumsatzes, kurz unserer Wohlfahrt auf dem weiten Doppelgebiet geistigen und materiellen Lebens überhaupt. — — Wer die deutsche Nation wahrhaft liebt, mache und erhalte sie durch Einheit stark, aber zerfleische sie nicht in töricht blindem Eifer aus Rassen- oder gar aus Glaubenshaß. Prof. Dr. Adolf Kirchhofs. * * * VI. Im Kreise kulturell aufstrebender, noch unentwickelter Völker, bilden die Juden ein wirtschaftlich belebendes Element, welches nicht nur Duldung, sondern auch kluge, maßvolle Förderung verdient. Man müßte diesfalls Juden schaffen, — wenn sie nicht vorhanden wären —■ —. Raoul Ritter von Tombrowski. * * * VII. Ich habe manchen Juden gekannt, Den ich voll christlichen Sinnes fand. Und ich bin mit manchem Christen gewandelt. Der jüdisch hat an mir gehandelt. Gott, denk ich, sieht bei einem. Mann Das Herz mehr als die Nase an. Johannes Trojan. * * VIII. Unter meinen näheren Bekannten waren jederzeit Semiten, sowohl getaufte, wie ungetauste. Ich habe mich des Zusammenhangs mit ihnen gefreut; sie waren fast ausnahmslos von nicht gewöhnlicher geistiger Regsamkeit und hatten viel Sinn für edlere Genüsse. Charles Cd. Dnboc (Rob. Waldmüller).