Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 33 (18.8.1905)
- Date
- 1905-08-18
- Page
- Seite 462 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 462. Israelitische Wochenschrift. Nr 33 von 12 Stunden unterbrochen werde (gemeint ist die Heilighaltung des Sabbats). Außerdem könne begründete Ueberarbeit sich unmöglich an willkürliche Feierstunden anschließen Das Liegnitzer Schöffengericht hatte die beiden Firmeninhaber freigesprochen. Aus die dagegen eingelegte Berufung des Staatsanwalts hatte die dortige Strafkammer das erste Urteil aufgehoben und jeden der beiden Inhaber zu 20 Mk. Geldstrafe verurteilt. Gegen dieses Urteil hatte der Verteidiger der Angeklagten Revision bei dem Oberlandesgericht in Breslau eingelegt, welches jetzt das Strafkammerurteil aufgehoben und die Angeklagten , freigesprochen hat. Es ist damit eine den Sabbat feiernden Firmen günstige Entscheidung gefällt. Gleiwitz. Das 40 jährige Dienstjubiläum feierte der Chordirigent der Synagogen-Gemeinde Adolf Fleischer in Gleiwitz. Schwartau. Der Bürgerverein beschloß in seiner letzten Versammlung, den Gemeindevorsteher zu ersuchen, dahin zu wirken, daß den hier eingerichteten jüdischen Küchen und Restaurationen in Zukunft die Konzession versagt werde. (Ist Schwartau russisch? Die Red.). Königstein, Taunus. Die hiesige israelitische Kultusgemeinde hat den Bau einer S nagoge beschlossen. Köln. Der rheinische Rabbiner-Verband hielt dieser Tage in Köln seine neunte Generalversammlung ab. Zu derselben hatten sich eingefunden: die Rabbiner Dr. Auerbach-Elberfeld, David- Bochum, Frank-Köln, Grabowski-Barmen, Hochfeld-Düsseldorf, Kalischer-Bonn, Rosenthal-Köln, Samuel-Essen, Tawrogi-Kreuznach und als neues Mitglied Neumark-Duisburg. Die Veränderungen im Mitgliederbestände gaben dem zeitigen Vorsitzenden, Herrn Tawrogi, gleich bei Eröffnung der Sitzung Gelegenheit, die Frage der Zugehörigkeit von Landesteilen, wie Rheinhessen und Luxemburg, zur Erörterung zu bringen. Es sollen Rabbiner aus entfernteren Grenzgebieten, zumal außerdeutschen, jederzeit, jedoch nur als besuchende Mitglieder, willkommen sein Dagegen erklärt der Verband die Angliederung von Birkenfeld und Westfalen durch den Beitritt von dort amtierenden Rabbinern als vollzogen. Sodann erstattete der Vorsitzende den Bericht über die Arbeit des Vorjahres. Diese war insofern eingeschränkter wie sonst, als der Provinzial-Verband rheinischer Synagogen-Gemeinden nur eine Ausschußsitzung, aber keine Vollversammlung abhielt, und eine Sitzung des Zentralausschusses des Rabbiner- Verbandes in Deutschland nicht einberufen wurde. Dagegen hat der Vorsitzende an dem 10. Gemeindetag in Frankfurt teilgenommen, der die wichtigsten Fragen wenigstens programmatisch ihrer Lösung erheblich näher gebracht hat. Mit Rücksicht auf die unentbehrliche Mitwirkung aller Großgemeinden zur Hebung der kleineren ersucht der Referent Herrn Dr. Hochfeld, seinen Einfluß für den Beitritt Düsseldorfs zum rheinischen Gemeindebunde geltend zu machen. Dr. Hochfeld erklärt, daß nur die neue Auflage (1 pCt. der Steuern) den Anschluß seiner gegenwärtig stark belasteten Gemeinde verzögert habe; er könne denselben aber für die nächsten Jahre in Aufsicht stellen. In gleicher Richtung möge das Rabbinat in Aachen wirken. Nach Entlastung des Vorstandes erfolgt die Neubildung desselben in der Art, daß der Vorsitz turnusmäßig auf Rosenthal, das Amt des Stellvertreters auf Tawrogi übergeht; zum Schriftführer wird Rabbiner Samuel- Essen gewählt. Der neue Vorsitzende bringt zunächst ein Schreiben des „Verbandes der Deutschen Juden" zur Verhandlung. Es enthält die Aufforderung, zu der auf den 30. Oktober anberaumten Haupttagung 5—10 Vertrauensmänner in Vorschlag zu bringen, die als Nolabeln an den Verhandlungen teilnehmen sollen. Es werden nominiert die fünf dienstältesten Rabbiner des Rheiulandes, an erster Stelle der Senior-Rabbiner Kölns Dr. A Frank, alsdann Auerbach-Elberfeld, Jaulus-Aachen, Baßfreund-Trier, Tawrogi-Kreuznach, sowie der zeitige Vorsitzende Dr. Rosenthal- Köln. Nach längerer Mittagspause legte Samuel-Essen einen Statuten-Entwurf für den vor 10 Jahren gegründeten Zweigverein vor. Als Zwecke wurden festgesetzt: 1. Besprechung aktueller, religiöser Fragen; 2. wissenschaftliche Anregungen; 3. gemeinschaftliche Vertretung der Slandesinteressen. Der Vorsitz des Verbandes wechselt alternierend nach der Anciennität, jedoch unter Voraussetzung einer fünfjährigen Amtstätigkeit im Bezirk. Den Schluß der Tagung bildete eine freie Besprechung des Frankfurter 10. Gemeindetags, besonders der Punkte Religionsunterricht, Inspektion und Rabbinatsbezirke. UäkHnzen. Hilfsvorbeter für die hohen Feiertage in Schmalkalden. Meldungen an den Vorstand der israelitischen Gemeinde. Religionslehrer, Borbeier und Schochet in Kirrweiler (Pfalz) per gleich. Gehalt 600 Mk., freie Wohnung und Nebenverdienst. Berwerbungen an den Vorstand 2 Vorbeter für die hohen Feiertage in Polajewo in Posen. Meldungen an den Vorsteher z. H. des Herrn I. Kerger. Elementarlehrer, Borbeter und Schochet per l. Oktober a. c. in Klein Heubach a. M. Freie Wohnung und ungefähr 2000 Mk. Einkünfte. Offerten an den Kultusvorsteher Herrn Abr. Bär Sichel. Hilfsvorbeter für die hohen Feiertage in Heilsberg. Offerten an den Vorstand der Synagogengemeinde. Musikalischer, stimmbegabter Hilfsvorbeter für die hohen Feiertage in Neuwied. Honorar 160 Mk. Meldungen an Herrn L. Lippmann. Borbeter für die hohen Feiertage in Alten Busek. Offerten an Herrn Meyer Löber. Lehrer, Vorbeter und Schächter in Wonfurt bei Haßfurt. Verdienst 600 Mk., freie Wohnung und Nebeneinnahmen. Meldungen an den Vorstand. Vorveter bei der Sklower Synagoge in Breslau für den Monat Tischri, evtl, dauernd. Meldungen orthodoxer Bewerber an Herrn W. Falk, Antonienstraße 1. Kantor und Schochet in Re milly (Lothringen) mit jährlichem Einkommen von ca. 1100 Mk. Offerten lediger Bewerber an den Vorstand zu richten. Lediger, sem. geb. Religionslehrer, Borbeter und Schächter per gleich in Flonheim (Rheinhesfen). Gehalt 1000 Mk. Meldungen an den Vorsteher Herrn S. Braun. vie Maebt der Liebe. <S> Frnillrton. i> Von Bavette Fried. (Fortsetzung.) Seit dem Jahre 1848, da die Freizügigkeit in Oesterreich gestattet wurde, das heißt, da der Jude in jedem Ort des Reiches bleibenden Aufenthalt nehmen durfte und nicht mehr genötigt war, in jenem Winkel seines Vaterlandes weiter zu vegetieren, wo er zuständig war oder bester gesagt, wo er geduldet wurde, wo er als sogenannter Schutzjude sich des fragwürdigen Schutzes der Obrigkeit erfreute; seit dieser Zeit hat das sogenannte Gettoleben bei den Juden aufgehört. Zerstreut inmitten der ungleich zahlreicheren christlichen Bevölkerung haben sie sowohl im Geschäftsleben als im gesellschaftlichen Verkehr nach und nach immer von ihrer Individualität abgestreift, so daß sie sich nur wenig von ihren andersgläubigen Mitbürgern unterscheiden. Im Hause aber, in der Familie, da weht noch immer der Hauch altjüdischer Poesie, wie sie von Urzeiten her in den von der Außenwelt streng abgeschlossenen Familien heimisch war, da lebt und webt noch der alte Geist, wie er von den Vätern her durch Hunderte von Generationen überliefert wurde. Selbst in jenen jüdischen Häusern Böhmens, wo man das jüdische Rituell schon als eine drückende^ hemmende Fessel empfindet, die man zu lockern versucht, selbst da lebt zwischen den vier Wänden noch immer der Geist des Judentums, die Liebe zu jener Lehre, welche Gott selbst vom Sinai herabgereicht und dem Volke Israel zum Eigentum gegeben, welche ihre Bekenner unter namenlosen Verfolgungen und unendlichen Qualen hochgehalten haben, welche sie sogar zu Füßen des Blutgerüstes und auf dem lodernden Scheiterhaufen in begeisterten Hymnen hochgepriesen hatten. Um so schwerer ist die Trauer um einen Familienangehörigen, der sich freiwillig von dem Glauben der Väter losgesagt, und sei es aus Ueberzeugung oder einem weniger idealen Grund, die Taufe angenommen hat. Diese Trauer unterscheidet sich in