Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-08-11 · 32 (11.8.1905) · p. Seite 450

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
32 (11.8.1905)
Date
1905-08-11
Page
Seite 450 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/5369809-9607691-9606364-9606798--9487-9606812
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 450. Israelitische Wochenschrift. Nr. 32. spruchs. Bereits über hundert Kranke haben dort Ausnahme gefunden und herrscht nur eine Stimme der Befriedigung über Behandlung und Verpflegung Viele schwierige Operationen sind in der Anstalt mit Erfolg ausgeführt worden. Das Hospital bietet noch die besondere Annehmlichkeit, daß die Kranken sich ans Wunsch von ihrem eigenen Arzt behandeln lassen können. Nom. In Mailand ist Senator Massarani gestorben. Tnllio Maffaranft der von israelitischen Eltern abstammte, stand im 80 Lebensjahr. Er studierte anfangs die Rechte, bildete sich aber später zum Maler aus und war seit 1848 auch als Publizist tätig. 1861 ließ er sich nach kurzem Aufenthalt in Paris und in der Schweiz in Mailand nieder, veröffentlichte von dort aus im „Crepusculo" und in der „Nuova Autologia" zahlreiche Aufsätze literarischen und politischen Inhalts 1860 bis 1867 war er Mitglied des Parlaments, 1878 fungierte er bei der Weltausstellung in Paris als Präses der internationalen aritistischen Jury. Uakanzen. Hilfsvorbeter für die hohen Feiertage in Wirsitz. Honorar 60 Mk. bei freier Station und Reise. Meldungen an Herrn M. Mosessohn. Hilfsvorbeter zum Versöhnungsfest mit angenehmer Stimme. Vergütung 50 Mk. Meldungen an den Vorstand der Synagogengemeinde Friedeberg Nm. 2. Borbeter für die hohen Feiertage in Halle a. S. Offerten unter Angabe der Honoraransprüche an den Synagogengemeinde- Vorstand zu richten. Borbeter, Bol Kore und Bat Tokea für die hohen Feiertage in Ratzebuhr in Pommern. Meldungen an den Vorsteher Herrn Louis Will. Religionslehrer, Borbeier und Schochct per 16. Dezember a. c. in Gleidingen bei Hannover. Gehalt 1000 Mk. und Nebeneinnahmen. Meldungen an Herrn S. Heinemann, Vorsteher. Hilfsborbeter (Bal Tokea) für die hohen Feiertage in Wormditt. Offerten an Herrn B. Rosenstein. Clementarlehrer, Phasen und Echochet in Delmenhorst (Oldenburg). Anfangsgehalt 1500 Mk. und Nebenverdienste. Offerten an den Synagogengemeinderat Herrn I. I. Schwabe. Hilfsoorbetcr und Bal Tokea für die hohen Feiertage in Lippstadt. Meldungen an den Vorsteher Herrn H. Dannenbaum. Neligionslehrer, Schächter und Borbeter in Cham i. B. per 1. September. Mindesteinkommen 1800 Mk. Offerten semin. geb. Bewerber bis zum 15. August an den Vorsteher Herrn Bernh. Schwager. M pkuillkton. O vie Macht der Liebe. Von Babette Fried. I. Noch immer saß der alte Mann wehklagend auf einem niedern Schemel. Zum Zeichen der Trauer hatte er seinen Rock zerrissen und sich mit den dürren knochigen Fingern das spärliche graue Haar zerrauft. Auf dem Rohrstuhle vor ihm lag ein hebräisches, mit deutscher Übersetzung versehenes Buch aufgeschlagen — die Bibel. In abgerissenen Worten, oft durch Schluchzen unterbrochen, las er Sätze daraus vor sich hin. Es war die Geschichte des frommen Dulders Hiob, und zwar waren es nicht dessen ergebungsvolle Worte, die er vor sich hinmurmelte, wie etwa: „Der Herr hat. gegeben und wieder genommen, gelobt sei sein heiliger Name!" sondern vielmehr Worte des tiefsten Leides, Ausdrücke einer von tiefster Qual erfüllten Seele. „Wisset es, Gott hat mich gestürzt und mit seinem Netze umgarnt, und klage ich über Bedrückung, hört er mich nicht, schreie ich zu ihm, so wendet er sich ab." „Meinen Lebensweg hat er erschwert und meine Pfade mit Finsternis umgeben." „Meine Ehre hat er in den Staub gezerrt und die Krone von meinem Haupt gerissen." Diese und ähnliche Klagen ausstoßend, hatte es der Jammernde überhört, daß die Tür des Zimmers geöffnet wurde und eine hohe Frauengestalt eingetreten war. Erst als sich eine weiche Hand auf sein gebeugtes Haupt legte und besänftigend seine gefurchte Stirn streichelte, blickte er auf. Vor ihm stand Esther, seine Gattin. „Jakob!" sprach sie mit teilnahmsvoller Stimme, „genug für heute der Trauer. Stehe auf, wasche dich, kleide dich um; es ist Zeit in die Synagoge zu gehen." Verständnislos blickte er sie an. „Es ist ja Freitag abends, fuhr sie fort, „der Vorabend des Sabbat, da soll der Vorsteher nicht fehlen, um an der Spitze seiner Gemeinde die Sabbatbraut freundlichen Antlitzes zu empfangen. Hast du mich verstanden, Vaterl?" Wie von einer Schlange gebissen fuhr Jakob Schlesinger in die Höhe. „Was nennst du mich Vater, Weib? schrie er wie rasend, ich habe ja keinen Sohn mehr." „Du hattest einen, Jakob, einen braven, treuen Sohn, auf den du stolz sein konntest. Er ist auf Abwege geraten, du hast ihn verloren. Weine um ihn, jammere so viel du willst. Er ist es wert, daß sein Verlust betrauert wird. Aber jetzt unterbrich deine Trauer. Es ist Sabbat. Geh' in die Synagoge, ich bitte dich." „Ich kann nicht, ich schäme mich unter Menschen zu gehen." „Seit wann braucht derjenige sich zu schämen, der unverschuldet einen großen unersetzlichen Verlust erlitten hat? Hast du dich damals auch geschämt, als du kurz nach unserer Heirat als Bettler unter deine Glaubensbrüder tratest? Der Brand unseres Haus hat unser ganzes Vermögen vernichtet, und deine Freunde mußten dir ihre Hilfe anbieten. Denk daran, wie du getröstet von dem schweren Gang heimkamst und mir voll Stolz berichtetest, daß dein Schicksal allgemeine Teilnahme hervorgerufen habe. Oder hast du dich damals geschämt, als du falschen Gerüchten Gehör schenkend dein ganzes neuerworbenes Vermögen zum Ankauf von großen Partien Wolle verwendetest, und dann der unerwartete Preissturz kam, wir wieder verarmten und alles, aber auch alles hergeben mußten, um deinen ehrlichen Namen zu retten? Da fingst du wieder von neuem zu arbeiten und zu schaffen an, geschämt aber hast du dich deines Unglückes nicht. Warum dich also gerade heute schämen? Bist du denn heute weniger bedauernswert, als du es in den beiden Fällen warst, wo du dein Vermögen verlorst?" „Mit deinen schönen Worten kannst du meinen tiefen Schmerz nicht bannen, mein wild lobendes Blut nicht besänftigen." „Ich nicht, das weiß ich wohl, aber der Sabbat wird es tun, von dem geschrieben ist: „Mit Ankunft des Sabbat kehrt der Friede und die Ruhe ein in die Häuser Israels, in die Herzen der Gottvertrauenden." Du zweifelst an meinen Worten, schüttelst ungläubig den Kopf, Jakob? Also höre mir zu. Ich werde dir eine Geschichte erzählen, eine Legende, wenn du willst ein Märchen. Wie oft hat, als wir noch Kinder waren, ein Märchen, gut erzählt, unfern Schmerz gemildert, unser Weinen gestillt. Seien wir wieder einmal Kinder, Jakob! Kinder mit grauen Haaren. Also ich fange an. Willst du zu- , hören, Jakob?"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.