Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 32 (11.8.1905)
- Date
- 1905-08-11
- Page
- Seite 443 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 32 Israelitische Wochenschrift. Gerte 443. nach mit anderen Schriften zu den sogenannten fünf Büchern Mose zusammengearbeitete Schrift, der die Kulturgesetzgebung in ihrer großen Masse entstammt. (Ex. 35 - 32, 35—48 Leviticus.) Sie hat sich auch die Einprägung des Sabbats, des „Tages Jahves" zur besonderen Aufgabe gemacht, während die vorexilischen Teile im 1. bis 5. Buche Moses den Sabbat nirgends erwähnen. Mit diesem Werk betrat der Schriftgelehrte Esra den palästinesischen Boden (458). Es gelang ihm, durch die Hilfe des weltlichen Armes die Gemeinde auf sein Gesetz und damit auch auf das Sabbatgebot zu verpflichten. Natürlich kam es zu Reibungen und Widerständen, die der Genosse Esra, der jüdische Statthalter Nehemia mit rigoroser Gemalt zu brechen suchte. (Nehem. 10,31.) Gesinnungsgenossen dieser Männer suchten durch Predigten in der Form der altprophetischen Rede, die sie auch wohl — wie damals Sitte — den Propheten zum Teil selbst in den Mund legen (Jes. 56,1, ff. 58,13 f. Jerem. 17,19 ff.), das Volk im gleichen Sinne zu beeinflussen, aber auch sie gewiß nicht mit durchschlagendem Erfolg. Es war doch nur eine Forderung der strengen Partei, die zwar unter dem Statthalter Nehemia eine — und zwar recht kurze — Zeitlang das Ruder in der Hand hatte, aber doch nicht die Macht hatte, ihren Willen der ganzen Gemeinde für die Dauer aufzuzwingen. Erst eine lange Herrschaft der Strengen konnte das bewirken. Diese Herrschaft siel ihnen zu infolge der Kämpfe gegen Antiochus Epiphanes von Syrien (168 v. CH. ff.). So hat die makkabäische Periode durchgesetzt, was Ezechiel anstrebte. Der Sabbat, die siebentägige Woche mit einem Ruhetag, ist uns also weder aus Babilonien, noch aus Altisrael gekommen. Sie sind ein Geschenk des Judentums. Und wir können uns dieses Geschenkes dankbar freuen. Meempoerie in der Bibel. Von Kreisrabbiner Dr. Max Beermann-Jnsterburg. Es war am Strande der wogenden See. Ueber mir des Himmels heitere Bläue. Vor mir brauste das majestätische Meer und auf seiner grünschimmernden Flut hoben und senkten sich schäumend weiße Wogen und rauschten und raunten unermüdlich dieselben Weisen, herrlich und fröhlich, wie damals, da sie zum ersten Mal der Schöpferruf Gottes weckte zum Leben und zum Liede. Freilich ists ein monotoner Sang, aber voll großartiger herzandringender Eintönigkeit. In meiner Hand war die Bibel. Auch darin waltet ein erhabener, machtvoller Einklang, dem ich nicht müde werde lesend zu lauschen. Meer und Bibel singen und sagen immer wieder und wieder von Gottes Macht und Liebe. Auch die Bibel hat des Meeres Sprache verstanden. Von der Poesie des Meeres im Spiegel der Bibel für heute ein kurzes Wort: Unendlich dehnt sich die See. Wie weit das Auge sieht, wogende Wellen. Am fernsten Ende, wohin die spielende Phantasie dich trägt, an der äußersten Grenze des Meeres, die den Saum eines anderen Erdteils berührt, auch da ist Gott, wie er hier bei dir weilt, und mit seiner Liebe dich umweht. „Schwänge ich mich auf Flügeln der Morgenröte, wohnte am Ende des Meeres, auch dort leitet mich deine Hand, erfaßt mich deine Rechte" (Ps. 39, 9. IO). Der Gott, vor dem das Meer ist wie ein Tropfen im Eimer, ist auch die Fülle der Liebe. „Er heilt deine Schmerzen und verbindet verwundete Herzen." „Ist auch unendlich wie das Meer dein Schmerz, (Echa 3. 3), er wird dir Heilung senden." > „Weit wie das Meer, aber auch tief wie das Meer ist dein Schmerz". So klingt das biblische Klagelied. Des Meeres | Tiefe, ganz bedeckt von schäumenden Wassern, wird dem Pro- I pheten zum Bilde jener unendlichen Erkenntnisfülle, die in der kommenden Heilszeit das Menschheitsbewußtsein erfüllen wird: „Voll sein wird die Erde der Erkenntnis Gottes, wie Wasser das Meer bedeckt" (Jes. 11, 10). Die frisch flutenden Wellen sind ihm in einer andern Rede ein Gleichnis der machtvoll einherflutenden Gerechtigkeit. „Hörtest du auf meine Gebote, dann ist dem Strome gleich dein Friede und deine Gerechtigkeit wie die Wellen des Meeres" (Jes. 48, 18). So hatte bereits früher der große Hirte von Tekoa der feiernden Volksmenge zu Betel gepredigt: „Es ströme wie Meeresflut das Recht und Gerechtigkeit wie ein sieghafter Bach (Am. 5, 2). Welche Wunder birgt die Tiefe! „Dieses Meer, mächtig und weit nach -allen Seiten, darinnen sind Wesen ohne Zahl, kleine und große in Menge (Ps. 104, 25), davon wissen die Seefahrer zu berichten, sie, die schauen die Werke Gottes und seine Wunder in der Tiefe (Ps. 107, 35). Welche Schätze ruhen auf seinem Grunde. Der Prophet sieht die Fischer ihre Netze werfen und reicher Ertrag lohnt ihre Mühe. Korallen, Edelsteine und Perlen wirft ihnen die wogende See an den wellenumbrausten Strand So wird einst das Völkermeer sich von Israel für Adonaj gewinnen lassen. „Du schaust und glänzest, es bebt und weilet sich dein Herz, denn es wendet sich dir zu die Völkermenge gleich der Fülle des Meeres". Das Meer selbst könnte den Heiden zum Prediger der göttlichen Waltung werden. Gott hält das Wasser gebannt in seinem weltenweiten Becken. „Er sammelt wie in einen Schlauch die Wasser des Meeres, er gibt in Speicher die Fluten" (Ps. 33, 7). „Du herrschest", betet ein Frommer, „über des Meeres Macht, seiner Wellen Stolz vermagst du zu brechen". „Wollt ihr mich nicht fürchten und vor mir nicht beben", spricht der Herr durch den Propheten Jeremias, „der ich den Sand zur Grenze des Meeres gemacht, zur ewigen Schranke, die es nicht überschreitet" (Jer. 5, 21). Derselbe Gott, der in der Natur Normen und Satzungen aufgestellt hat, waltet als Gesetzgeber und Richter in der Welt der Sittlichkeit. „Er ruft die Wasser des Meeres und gießt sie auf die Fläche der Erde, Ewiger ist sein Name, er läßt aber auch Sturz über den Starken hereinbrechen und Verfall kommen über die Festen" kündet Amos (5, 8. 9). In seinem Sinn predigt der große Unbekannte auf Babels Fluren: „Ich bin der Ewige dein Gott, der erregt das Meer, daß wallen seine Wogen, Ewiger der Heerscharen ist sein Name. Ich lege meine Worte in deinen Mund und mit dem Schatten meiner Hand bedecke ich dich" (Jes. 51, 17). Gott erregt das Meer, er weckt auch die Fluten im Leben des Geistes. Was die Gedanken und Empfindungen im Dasein der Menschen, das sind die Wellen und Wogen im Leben des Meeres. Die Musik des Meeres wird mannigfach gedeutet. Der Hebräer, der von den Farben der See nichts zu sagen weiß, weil ihm die Welt mehr durchs Ohr als durchs Auge in die Seele dringt, hat für das Rauschen und Brausen des Meeres ein feines Verständnis. Wenn im Sturmgebraus die Wasserfluten feindselig grollen, so benutzt er dieses Naturschauspiel, um damit das Wogen einer wütenden Heeresmasse zu malen (Jes. 5. 30. 17. 12). Dann wieder ist der sanfte Ton leisen Rauschens, wie das linde Geräusch der Engel, wenn sie durch den Weltraum leise fliegen (Ez. 1, 24) oder wie der weich wehende Odem der göttlichen Herrlichkeit (Ez.43, 3). Aus dem schwellenden und verrauschenden Wellengang, aus den Stimmen mächtiger Wasser, herrlicher Wogenbrandungen hört der Israelit die eine große Lehre: „Herrlich in