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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-08-11 · 32 (11.8.1905) · p. Seite 441

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
32 (11.8.1905)
Date
1905-08-11
Page
Seite 441 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 32. Israelitische Wochenschrift. Seite 441. Arbeitsenthaltung, in der babylonischen Literatur nachgewiesen. Höchstens könnte die Durchführung des je siebenten Ruhetages durch das ganze Jahr und nicht nur durch einen Monat, vom Monatsanfang (dem Neumond) an gerechnet, und also die gänzliche Lösung vom Lauf des Mondes, durch die Kanaanäer oder Hebräer bewirkt worden sein. Der Keim aber der ganzen Einrichtung würde dann immer noch babylonisch sein. Wie liegen dann die Verhältnisse? Es ist wahr, der Name schabattu oder schapattu begegnet uns als Name eines festlichen Tages auch im Babylonischen, wo er noch genauer als „um nuch sibbi“, Tag der Herzensberuhigung, d. h. Versöhnung der Gottheit, gekennzeichnet wird. Und in dem babylonischen Epos von der Weltschöpfung werden bei der Entstehung des Mondes der siebente Tag, dann der 3chapatm (— 14?) vielleicht auch der 21. und 28. Tag als für den Mondlauf wichtig hervorgerufcn. Diese Tage werden denn auch anderswo ausdrücklich als Tage des Sin (Mond) bezeichnet. Auf der andern Seite werden in einem Festkalender der 7., 14., 21. und 28. des Monat Etel und der 19. Tag des folgenden Monats als Buß-, Bet- und Ruhetag, wenigstens für König, Arzt und Priester, ausdrücklich angemerkt. Was lag näher als die Annahme, daß die Verteilung des Monats in vier Siebenteilen ursprünglich mit dem Mond in Zusammenhang stand und daß der Name schabattu, der bisher nur vom 14. Tag nachgewiesen war, auch den andern Tagen, vielleicht erst etwas später, beigelegt wurde? Hier aber lagen die Anfänge des hebräischen Sabbats. Hier war offenbar die Wurzel der ganzen Einrichtung bloßgelegt. Und eine Uebernahme von seiten Israels, die Lösung des Tages vom Mondgott, die sich ja bei Israel, das keinen Mondgott kannte, von selbst ergab, eine Weihung des Tages für Jahve, den einzigen Gott Israels, der hier dann an des Sin Stelle trat, damit aber auch eine Durchführung des siebenten Ruhetages durch das ganze Jahr, schien somit das Natürlichste und Einfachste der Welt. Demgegenüber konnte die auch jetzt noch von manchen Gelehrten vorgetragene Meinung, daß der Sabbat der Israeliten und Babylonier eine gemeinsame dritte Quelle habe, und daß diese, von alters übernommene Einrichtung in Babylonien wie Israel ihre besondere, eigenartige Entwicklung genommen habe, nicht recht aufkommen. Eine unentdeckte assyrische Inschrift hat nun all diesen Hypothesen ein jähes Ende bereitet. In den Proceedings der Society of Biblical Archaeology vom 10. Februar 1904 hat der englische Affyriologe Pinches auf ein babylonisches Tageverzeichnis aufmerksam gemacht, in dem der 15. Tag scha-pat-ti genannt wird. Dieser 15. Tag ist aber nach babylonischer Rechnung der Vollmondstag. Es wird demnach wie anderswo, so auch in der obenerwähnten Stelle der Schöpfungserzählung bei schabattu an den Vollmondtag zu denken sein, und wenn man dabei auch in der Reihe an dem 14. Tag festhallen will, was keineswegs gewiß, aber doch möglich ist, da der Vollmond dann vom Abend des 14. gerechnet würde, so liegt doch gar kein Grund zu der Annahme vor, daß der Name 3chabaUu auch auf die andern Tage (7., 21., 28.) übertragen wurde. Es ist bisher keine einzige Stelle gefunden worden, die dieser Vermutung zur Stütze dienen könnte. Und selbst wenn sich eine solche Uebertragung Nachweisen ließe, so drängt sich doch immer die Vermutung auf, daß der Name schabattu etwas bezeichnet, was dem 15. Tag vor den andern eigentümlich ist. Wir haben demnach zwei, dem Mond heilige Tage im Babylonischen, den Neumondstag und den Vollmondstag, die aber nirgends als asketische Buß- und Bettage und als Ruhetage irgendwie bezeichnet werden. Andererseits finden wir einen siebenwöchigen Zeitraum, der die 49 ersten Tage des alten Doppelmonats von 60 Tagen umspannt und von dem einige Tage, da sie mit den Mondphasen ziemlich zusammenfallen, auch wohl als Tage des Sin bezeichnet werden. Doch haben sie ursprünglich wohl mit dem Mond nichts zu tun. Die auch sonst im Babylonischen nachweisbare heilige Siebenzahl hat auch in die babylonische Zeitteilung Eingang gefunden, wenngleich es hier nie zur Durchführung der siebentägigen Woche durch das ganze Jahr gekommen ist. Da man Mondmonate hatte, mußten ja wohl die Tage 7., 14., 21., 28. mit den Mondphasen in Beziehung gesetzt werden, aber der Charakter dieser Tage ist durch dies Zusammenfließen nicht bestimmt worden. Ihnen allen ist ja das Verbot der Arbeit für König, Priester und Arzt eigen. Sie sind für diese Buß- und Fasttage. Es kann sein, obwohl das nicht gewiß ist, daß das gleiche für das Volk galt. Immerhin hat nicht alle Arbeit geruht. Am strengsten scheint der 19. Tag des zweiten Monats innegehalten zu sein. Bei dieser Sachlage versteht man es, daß eine Erklärung des Namens schabattu aus dem Assyrischen nicht gelingen wollte. Denn man ging bei diesen Versuchen meist auf das Wesen dieser Buß- und Ruhetage zurück, indem man die Bedeutung „Bußtag" „Ruhetag" vermutete, was ja — da diese Tage, wenn sie überhaupt je schabattu genannt wurden, diesen Namen nur durch Uebertragung erhalten hätten — unhaltbar ist. Aber, die Frage liegt doch nahe: spricht nicht das Alte Testament mit gar nicht zu verkennender Deutlichkeit für die Gleichsetzung des Sabbats mit dem je siebenten Ruhetag der siebentägigen Woche? Auch hier hält die Ansicht, daß der Sabbat in Israel von jeher der siebente Tag der siebentägigen, das ganze Jahr durchrollenden Woche war, bei näherer Prüfung nicht stand. Vielmehr ergibt sich nach genauerer Forschung (siehe dazu jetzt die bei Vanderhoeck und Ruprecht erschienene Schrift: Sabbat und Woche im Alten Testament) die verblüffende Tatsache, daß das alte Israel bis zur Verbannung (586) den Sabbat in der uns bekannten Art und damit die Teilung des Jahres in lauter siebentägige Wochen garnicht gehabt hat. Wohl kannte Altisrael einen Sabbat, aber das war, wie seine ständige Paarung mit dem Neumond zeigt (Hosea 2,13, Jesaj. 1,13, Amos 8,5, 2. Kön. 4,23), der Vollmondtag. Darauf führt auch der Name, der nach der im Hebräischen überaus häufigen Wurzel 3chabat „fertig sein" den fertigen vollen Mond bedeutet. Daß an diesen wohl schon aus der Nomadenzeit überkommenen Mondfeiertagen auch die Arbeit, Handel und Wandel stockte, war natürlich. Wenn man feiert, arbeitet man nicht. Aber ein Charakteristikum war die Arbeitsenthaltung für diese Tage nicht, wie man denn gerade an ihnen Knecht und Vieh, da sie nicht auf dem Feld beschäftigt waren — das zum Hause gehörige Gesinde mußte ja den Familienfeiertag des Neu- und Vollmondes mitseiern — zu andern Dingen, z. B. zu einer Reise über Land, zur Verfügung hatte. (Vergl. 2. Kön. 4,23 ) Die Propheten verwerfen die von Israel gefeierten Feste, weil sie ihnen heidnisch, unsittlich schienen, ausdrücklich werden dabei auch Neumond und Vollmond genannt. Es ist darum wohl begreiflich, daß das prophetische Gesetzbuch, das sogenannte 5. Buch Moses, in seinem Volksgesetz (5. Mos. 12—26) weder Neumond noch Sabbat erwähnt. Dre Feiern an diesen Tagen sollen also bei der Neuordnung der Gemeinde und ihres Kultus durch Josia (621), wofür das 5. Buch Moses ja geschrieben war, verschwinden. Erinnerten sie doch schon durch ihren Namen zu sehr an den Mond — an den Gestirn-Kultus, wie er in jenen Tagen so stark aus dem Reiche des assyrischen Ober-

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