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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-08-04 · 31 (4.8.1905) · p. Seite 433

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
31 (4.8.1905)
Date
1905-08-04
Page
Seite 433 (sequence 14)
Language
German
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Nr. 31. Israelitische Wochenschrift. Seite 433. standen die „Toten^ selbstverständlich wieder auf, kleideten sich an, zogen das Proklamationsbündel aus ihrem Kopfkissen hervor und die fleißige „Arbeit" begann von Neuem. N)ochen-(Lhronik. Wochen- August 1905 Ab 6665 Kalender. Freitag . . . 4 3! Sabb. Ans. 7,30. Sabbat . . . 6 4 CHIH Sabb. Ausg. 8,43. Sonntag. . . 6 5 Montag . . . 7 6 Dienstag. . . 8 7 Mittwoch. . . 9 8 Donnerstag. . 10 9 iwn Freitag . . . ll 10 Sabb. Auf. 7,30. Sabbat . . . 12 11 pnr.Nl Sabb. Ausg. 8,27. Sabb. Nachmu — Alliance Jsraölite Universelle. Am 4. Juni haben die Wahlen zur Erneuerung eines Drittels des Zentralkomitees der Alliance stattgefunden. An dem Wahlakt, der bei dem weiten Auseinanderliegen der Wahlorte erst nach 40 Tagen geschlossen wurde, beteiligten sich 3290 Mitglieder. Die durch das Zentralkomitee für die Wiederbezw. Neuwahl vorgeschlagenen 25 Herren wurden sämtlich und zwar mit 2387 bis 3281 Stimmen gewählt. Diese Zahlen würden sich durch die verspätet eingesandten Wahlprotokolle um 255 erhöhen. Die Gesamtvoten mehrerer Lokalkomitees konnten nicht berücksichtigt werden. Von den Gewählten gehörten 17 bereits dem Zentralkomitee an. Neu gewählt wurden die Herren Edouard Masse-Paris, Eugen Fellheim- Stuttgart, Sally Flörsheim-Dortmund, Philipp Schiff-Frankfurt a. M., V. Dreyfus-Brettauer-Basel, Moritz Philippson-Brüffel, Rabbiner Dr. Margulies-Florenz und Louis Marshall-New Jork Eine nennenswerte Anzahl von Stimmen, ca. 900, erhielt nur noch Herr Adolph Salomon in Bukarest, dem die rumänischen Mitglieder der Alliance hierdurch ihre Anerkennung für verdienstvolle gemeinnützige Tätigkeit ausdrückten. — Hiesige Blätter haben die Nachricht verbreitet, Rabbiner Professor Dr. Maybaum sei in Kissingen an einer Nierenentzündung schwer erkrankt und gedenke von seiner seelsorgerischen Tätigkeit zurückzutreten, die er im September d. Js. gerade 25 Jahre verwaltet haben wird. Diese Nachricht ist falsch. Rabbiner Professor Dr Maybaum befindet sich nicht in Kissingen, sondern in Homburg v. d. H; seine Kur in Kissingen hat er ohne die geringste Störung beendet. An einen Rücktritt vom Amte denkt Herr Professor Dr. Maybaum nicht. — Gras Pückler auf der Flucht. Graf Pückler ist mit unbekanntem Ziel von Berlin abgereist und man vermutet, daß er ins Ausland geflüchtet ist Das ist die neueste Ueberraschung in der seltsamen Affäre dieses streitbaren Mannes. Bekanntlich war dem Grafen Pückler mehrere Monate hindurch jedes Auftreten in Volksversammlungen untersagt worden. Man hielt ihn offenbar für geisteskrank und sah darin eine Rechtfertigung des Verbots, für das sich sonst kaum ein gesetzlicher Grund hätte finden lassen. Das Verbot wurde auch aufrecht erhalten, als eine Berliner Strafkammer den Grafen wegen Aufreizung zu sechs Monaten Gefängnis verurteilte und in der Begründung des Urteils die Annahme, daß Graf Pückler unzurechnungsfähig sei, auf Grund von sachverständigen Gutachten ausdrücklich abwies. Alls die Dauer ließ sich das Verbot aber nach dieser Verurteilung nicht aufrechterhalten. Als daher nach dem Tode des Frhrn v Hammerstein Herr v. Bethmann-Hollweg Minister wurde, entschloß sich das Polizeipräsidium, wohl im Einvernehmen mit dem Ministerium des Innern, zu einer andern Taktik. Man ließ den Grafen reden, löste aber die Versammlungen, sobald ein Anlaß dazu vorlag, auf und machte den Grafen für sein Reden verantwortlich. Vermutlich erwartete man, daß dann der Graf schließlich doch für geisteskrank erklärt und durch Ueberführung in eine Irrenanstalt unschädlich gemacht werden würde. Einige Monate lang freute sich Graf Pückler der wiedergewonnenen Redefreiheit. Seine Versammlungen fanden wie früher großen Zulauf, und es scheint, daß allmählich der Pöbel ein immer größeres Kontingent zu den Versammlungen stellte. In den letzten Wochen sind fast alle diese Versammlungen aufgelöst worden. Zu den Terminen, die in den zahlreichen gegen den Grafen schwebenden Strafsachen angesetzt waren, erschien er nicht, und das hat schließlich dazu geführt, daß das Glogauer Landgericht einen Haftbefehl gegen ihn erließ. Als dieser Befehl vollstreckt werden sollte, war Graf Pückler verschwunden. Wohin er sich gewandt hat, weiß man nicht. Einer seiner Anhänger, der anscheinend viel von der gemütlichen Auffassungsweise seines Meisters gelernt hat, erzählt, der Graf wolle sich ein paar Wochen tüchtig erholen, und die Berliner sollten raten, wo er sei. Gleiwitz, im Juli 1905. 'Verband der jüdischen Literatnrvereine Dberschlesiens. (Sitz: Kattowitz ) Ende des vorigen Monats fand die diesjährige Delegiertenversammlung des Verbandes der jüdischenLiteraturvereine Oberschlesiens statt. Vertreten waren die Vereine Veuthen durch Herrn Dr. Galliner und Herrn Lehrer Eisenberg, Groß-Strelitz durch H Felix Steiner, Kattowitz durch Herrn Rabbiner Dr. Cohn und Dr. Braunschweiger, Myslowitz durch Herrn Rabbiner Dr. Norden, Neiße durch Herrn Rabbiner M. Ellguther und Ratibor durch Herrn Biberfeld. Als Gäste waren anwesend die Herren Rabbiner Dr. Münz-Gleiwitz und Herr Dr. med. Baermann als Vertreter des Gleiwitzer Synagogenvorstandes. Der Verbandsleiter Dr. Braunschweiger eröffnete die Sitzung und erstattete nach einer Begrüßung der Gäste den Jahresbericht Seitens des Verbandes ist die Einrichtung getroffen worden, daß sich eine Anzahl Herren ans den Verbandsvereinen bereit erklärt haben, gegen Erstattung der Reisekosten Vorträge innerhalb des Verbandes zu halten und ist im abgelaufenen Vereinsjahr vielfach hiervon Gebrauch gemacht worden. Es wird deshalb dieses Verfahren auch künftighin beibehalteu werden. Auch sonst wurden von der Verbandsleitung Vortragstourneen auswärtiger Redner in die Wege geleitet. Neue Vereine wurden zwar im abgelaufenen Vereinsjahre nicht begründet, doch gelang es wenigstens soweit vorzuarbeiten, daß die Neubegründung dreier Vereine in Aussicht steht. Der Kassenbericht ergab das erfreuliche Resultat eines Ueberschnsses von 169 Mk. 55 Pf. Eine rege Debatte entspann sich über Art und Inhalt der Vorträge, die besonders in den Literaturvereinen gehalten werden sollen und wird hierbei betont, daß es wünschenswert sei, entgegen mannigfach geübter Praxis, nur solche Themen zu behandeln, die wirklich eine Bereicherung des Wissens in jüdischer Geschichte und Literatur gewähren, zu selbständigem Vertiefen anregen und auch eine Hebung des jüdischen Selbstbewußtseins im Auge haben Wo angängig, sei auch eine Einrichtung von Vortragszyklen über fortlaufende Teile und Perioden der Geschichte anzustreben. Im Anschlüsse hieran wird über die nächste Vortragssaison beraten und besonders auf den bevorstehenden Gedenktag Raschis hingewiesen, der womöglich rn allen Verbandsvereinen durch Vortrag zu begehen sei. -- Die stets erfreulicherweise fortschreitende Entwicklung des Verbandes hat eine Neugestaltnng der Satzungen rrötig gemacht; zur Beratung derselben wird eine Kommission eingesetzt, bestehend aus den Herren Dr. Braunschweig n, Eisenteig und Rabbiner Ellgenther. — Dahingehende Anträge der Verbandsvereine Mylowitz und Neiße, auch in Zukunft vor allem der Neubegründung von Vereinen, namentlich in größeren Städten, wo bisher mehrfach noch keine bestehen, das Äugenmerk zuzuwenden, werden einstimmig angenommen. — Zu Verbandsleitern werden die Herren Dr. Braunschweiger und Dr. Glogauer. beide in Kattowitz, durch Zuruf wiedergewählt. Gieffen, im Juli. Durch Gesetz vom Jahre 1841 wurde in den drei Provinzen des Großherzogtums Hessen je eine „Landjudenschaftskasse" begründet, mit dem Zwecke, aus den behördlich eingezogenen Beiträgen der Gemeinden die Besoldung der Rabbiner zu bestreiten. Diese Kassen werden von je einem „Lands ndenschaftsvorsteher und einem Vertreter der großherzoglichen Provinzial Negierung geleitet In Oberhessen regte sich seit langem der Wunsch, die Kasse, den veränderten Verhäluri sen entsprechend, neu zu regeln, und Herr Provinzial-Direttor D •. Beidert-Gießen hat deshalb wiederholt Beratungen mit den Vorstehern der größeren Gemeinden abgehalten, um diese zu einer dahin gehenden Erweiterung der „Landjudenschaftskasse" zu bestimmen,' daß sie auch die Besserstellung der Lehrer in den Bereich ihrer Kompetenzen einbeziehe, um durch Erhöhung des Budgets von 6500 auf 12000 Mk. den leistungsunfähigen Gemeinden die Gewährung eines Grundgehalts von jährlich 110J Mk. an ihre Lehrer zu ermöglichen Nachdem

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