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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-08-04 · 31 (4.8.1905) · p. Seite 434

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
31 (4.8.1905)
Date
1905-08-04
Page
Seite 434 (sequence 15)
Language
German
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Seite 434. Israelitische Wochenschrift. Nr. 31. eine Umfrage bei den Gemeinden ihre Bereitwilligkeit ergeben hatte, fand unter Vorsitz des Herrn Kommerzienrats Heichelheim- Gießen, Landjndenschaftsvorstehers unserer Provinz, eine Versammlung der Gemeindevertreter statt, in welcher die Neuordnung gutgeheißen und Herr Kommerzienrat Heichelheim mit der Ausarbeitung des Statuts beauftragt wurde, das nach vorheriger Prüfung durch eine Kommission und Genehmigung durch die Provinzial-Direktion dem Ministerium des Innern zur Bestätigung unterbreitet werden soll UaKanzen. Ncligionslchrer, Ehasan un.d Lchochet per gleich eventl. 15. September in Klingenberg a. Main. Einkommerl 1300 Mk und einige Hundert Mark Nebenverdienste Offerten sem. geb. Bewerber an Vorsteher Herrn M. Fried erbeten. Borbeter für die Hauptfeiertage in Krakow i. Mecklbg. Meldungen an Herrn Benno Nathan. Kantor und Neligionslehrer, ledig, musikalisch gebildet und stimmbegabt, per 1. September in Barmen. Meldungen an Herrn Herm Ganz. Hilfsborbeter, der Bal Kore und Bal Tokea ist, für die hohen Feiertage in Trebur (Hessen) Offerten an den Vorstand. Staatl. gepr. Lehrer, Kantor und Schochet in Ballenstedt a. Harz. Einkommen ca. 220ü Mk nebst freier Wohnung Meldungen an Herrn Lehrer Joseph Ledermann Hilfsborbeter für die hohen Feiertage in Wolden berg N.-M. Honorar 76 Mk. bei freier Station. Offerten an den Vorstand der Synagogengemeinde. Borbeter und Prediger für den Hilfsgottesdicnst an den hohen Feiertagen in Kreuznach. Offerten mit Angabe der Ansprüche an den Synagogenvorstand. Kantor, Neligionslehrer und Schochet per 15 September in Esch a. Alzette (Luxemburg). Gehalt 1200 Mk., Schechitah ca. 400 Mk. und 200 Mk. Nebenverdienste. Meldungen an den Vorsteher Herrn Löon Cerf. Borbeter und Religionslehrcr in Einbeck i. Hannover. Einkommen ca. 1400 Mk. bei freier Wohnung. Meldungen sem geb Bewerber an den Synagogengemeinde-Vorstand erbeten. Mussaf Borbeier für die hohen Festtage in Osterode, Ostpr. Meldungen an den Vorsteher Herrn S. Jaeoby. Hilfsborbeter, der mit Chor vorbeten kann, für die hohen Feiertage in Schneidemühl. Honorar 150 Mk. bei freier Station Meldungen an Herrn H Berliner Borbeter, Balkore und Baltokea für die hohen Feiertage in Burg bei Magdeburg. Meldungen an den Vorstand. Mussaf Vorbeter für die hohen Feiertage in Christ bürg. Meldungen an Herrn I. Marcus. Zwei Tcsiabctuic. Novelle von Ida Barber. (Schluß.) Sie sah, wie der Vater einige Löffel hinunterzwang, fortwährend nach der Mutter hinübersah, ob sie esse; doch als er bemerkte, daß sie den Löffel unbenutzt niederlegte, tat er desgleichen: er hatte offenbar nur gegessen, um sie auch dazu anzuregen. Nun brachte die Magd eine Schüssel herrlicher Oelfische; die Mutier legte Jedem eine tüchtige Portion auf den Teller; die Studenten aßen mit wahrem Heißhunger, doch der Eltern Teller blieben unberührt. Ein Tränenstrom überflutete Esthers Gesicht. Sie wollte hinein und sich den Eltern zu Füßen werfen, aber ihr Blick fiel auf die Fremden. Nein, wozu sollten diese die Zeugen ihrer Demütigung sein? Wieder kam eine dampfende Schüssel; sie wollte nicht nochmals sehen, wie die armen Eltern Speise und Trank ihretwegen verschmähten. Sie eilte hinüber in das Haus des befreundeten Arztes. Dort war man eben von der Mahlzeit aufgestanden, als Esther eintrat. Moritz reichte ihr stumm die Hand; sie sahen einander lange verständnisinnig an, dann führte der junge Mann, aus dessen Augen Intelligenz und Freimut strahlten, das junge Mädchen zu seiner Mutter. „Mutter, bringe Esther zu ihren Eltern!" sprach er; „ich sehe ihr an, sie hat lange mit sich gekämpft und wünscht Versöhnung." „Nein, mein Sohn", begann der Vater, „magst Du das Amt übernehmen. Du bist dort für sie der beste Fürsprecher." „Guter Doktor", begann Esther, „glauben denn auch Sie, daß ich gesündigt und einer Fürsprache bedürfe?" „Wärst Du meine Tochter", begann der alte Mann mit Milde, „ich würde Deinen Wissensdrang eher lob.n als tadeln; da Du jedoch das Kind eines strenggläubigen Mannes bist, mußt Du Pietät für seine religiösen Ansichten haben." „Habe ich es je an Pietät fehlen lassen, bester Doktor?" unterbrach Esther. „Darüber wollen wir jetzt nicht streiten, mein Kind!" entgegnete Dr. Anschl. „Du bist noch zu jung, um beurteilen zu können, wie tief cs einen Mann, wie Deinen Vater, der sich in all seinem Tun und lassen in innigster Beziehung zu dem Gott seiner Väter denkt, schmerzen muff, sein eigenes, über alles geliebtes Kind auf einer Bahn zu erblicken, die nach seinen Begriffen zum Verderben führt." „Zum Verderben!" rief Esther fast entrüstet. „Als ob jene Lehre nicht die höchste Sittlichkeit predigte! Sage Du selbst, Moritz", wendete sie sich an ihren Jugendfreund, „erbaut Dich die Rede eines Mannes, der seine Zeit kennt, sich für ihre. Ideale begeistert, nicht mehr als eine Auslegung jenes veralteten Bibelglaubens, dem unser modernes Denken und Empfinden fremd gegenübersteht?" „Du weißt, Esther, wie ich in religiösen Dingen denke, provoziere nüch heute nicht, laß uns vielmehr sobald als möglich zu Deinen Eltern gehen". Er ergriff ihre Hand und führte die kaum Widerstrebende hinaus. Er fühlte, wie ihre Hand in der seinen zitterte, da sie sich dem Elternhaus näherten. „Laß uns einige Augenblicke warten, daß Du Dich sammelst!" sagte er. Von drinnen hörte man deutlich die Gebete; Moritz kannte deren Aufeinanderfolge; er wußte, jetzt mußte" jene Stelle kommen, die da heißt: „Boruch habo, beschem Adonai!" (Willkommen, der kommt im Namen des Herrn). Da öffnete er die Tür und führte Esther den Eltern zu. „Boruch habo, beschem Adonai!" wiederholte leuchtenden Auges David Lewy noch einmal; dann unterbrach er das Gebet, breitete die Arme der Tochter entgegen und sagte: „Ich verzeihe Dir!" „Verzeihe auch Du mir, Mutter!" bat das Mädchen, auf die Mutter zueilend. Diese hatte ihr längst verziehen; sie schloß die aufgeregte Tochter in ihre Arme, drückte sie innig an ihr Herz, doch dann hing ihr Blick lange an den beredten Zügen Moritz Anschls. „Ihr Vater hat Ihnen gesagt. . ." „Lassen Sie das jetzt, liebe Frau Lewy!" sagte der junge Mann leuchtenden Auges. „Wenn wir im Text bei „Leschono habo" sind, möchte ich auch ein Wort reden." „Was ist das, Mutter?" fragte David Lewy gespannt, „Du hast doch nicht geplaudert?"

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