Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 30 (28.7.1905)
- Date
- 1905-07-28
- Page
- Seite 421 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 30. Israelitische Wochenschrift. Seite 421. vakatiren. Vorbeter, Schächter, Bat Kore und Bal Tokea per 1. August oder 1. September zu Schubin, Prov. Posen. Gehalt 1200 M., 160 M. Mietezuschuß und ca. 150 M. Nebeneinnahmen. Meldungen an den Synagogen-Vorstand. Religionslehrer, Kantor u. Schächter in Roßdorf (Hessen). Einkommen ca. 1400 M. und freie Wohnung. Offerten an den Vorstand der israel. Religionsgemeinde. Kantor, Religionslehrer, Schochet und Bal Kore per gleich in Berlinchen. Gehalt 1200 M. und Nebeneinnahmen. Meldungen an den Vorstand der Synagogen-Gemeinde. Hilfsvorbeter für die hohen Feiertage in Geilenkirchen. Meldungen an den Vorstand der Gemeinde. Hilfskantor für die hohen Festtage in Elbing. Gehalt 150 M. Meldungen bei Herrn Rabbiner Dr. Silbersheim. 2. Kantor und Religionslehrer mit 2400 M. Anfangsgehalt, Schochet mit 1600 M. Gehalt baldigst in Halle a. S. Meldungen bis zum 15. August an den Vorsteher Herrn Jacob Hirsch. Kantor und Schächter, welcher befähigt ist, Religionsunterricht zu erteilen, per 1. Oktober in Schönlanke. Einkommen 2100-2400 M. und freie Wohnung. Meldungen an Vorsteher Herrn Moritz Badt. Religionslehrer in Schweinshaupten mit Filiale Sulzdors bis Ende September. Meldungen an Herrn H. Friedmann. Zwei Sonette. Antisem ins Album. I. Zudenreines Land. Motto: 3*f. ih U (D Spanten, wie bist du reich beglückt! N)er würd in dir, was er begehrt, vermissen? Wie ist ein ewger Fried in dir beflissen, Dein Volkswohl noch zu mehren, das entzückt! Seit wann dich all die Wohlfahrt dauernd schmückt? Seitdem du dich befreit von Hindernissen: Seitdem du, fromm, den Juden dich entrissen, Die, trüg und dumm und ketzrisch, dich bedrückt. — Sieh, Antisem, ein judenreines Land, Das längst gelöst die soziale Frage So schön, daß du darob empfindest Wonnen . .. Zieh hin, ergib dich ihm mit herz und Hand, Dort kannst als Watador du ohne Plage Und ohne Sem im Ariertum dich sonnen. Demokritos. II. Km Ehrenname. Motto: Lukas 3, 36. Lin Ehrennam' ist Antisem. Für wen? Für jeden, der ein Christ, der Christum ehrt Und über dessen Ahnen sich belehrt, Die in dem Evangelium Lucä stehn. Er wird dort — drei, Vers sechsunddreißig — sehn Den Sem als Christi Vorfahr unversehrt; wer diesen höhnt, wie schätzt den Sproß er wert! O Antisem, kann je dein Ruhm vergehn? — Du bist ein Christ ganz ohne Falsch und Fehl: Du hörst und sprichst vom Evangelium, Von Christi Vorfahr, Noahs frömmstem Sohn; Gebrauchst dann Sem zum Spott so grimm und scheel, Nennst all sein Tun, selbst edles, schlecht und krumm. O welche Christlichkeit! wie groß ihr Lohn! Demokritos. Feuilleton. Zwei feslabenäe. Novelle von Jda Barber. (Fortsetzung.) Frau Lewy sank zurück aufs Sofa. Ihr Gatte fertigte die Frauen mit einem Geldgeschenk ab, erhielt dafür, obgleich die Nachfrage: „Eppes was Abgelegtes" wiederholt laut wurde, tausend Wünsche für sein Wohlergehen bis „Tausend Johr nach der Ewickkeit" — dann griff er schnell nach Hut und Stock, übertrug Lea die Sorge für die Mutter und eilte davon. Er ging direkt nach dem Bahnhof. Der Kassirer dort war ihm befreundet, der mußte wissen, ob Esther ein Billet gelöst. Ja, dem war so; doch wohin? Dessen wußte er sich bei dem großen Andrange, der jetzt nach Schul- und Universitätsschluß herrschte, nicht zu entsinnen. David Lewy stand ratlos; er preßte den Kopf an die Mauer, stellte sich mit dem Gesicht nach Osten und murmelte lange Zeit unverständliche Worte vor sich hin. „Reb Lewy!" redete ihn ein Bekannter an, „was sogt Ihr hier a Tefille? Kennt Ihr nicht warten, bis mer zu Gesund am Abend in Schul gehen?" Keine Antwort. Das Herz des alten Mannes kämpfte einen schweren Kampf; seiner Religion zu Liebe hatte er seine Tochter, die allgemein wegen ihrer Schönheit und Kenntnisse gerühmte Esther verstoßen; er suchte Trost im Gebete und fand keinen; er wollte ihr fluchen — das Vaterherz ließ es nicht zu; er glaubte sie verloren und wurde sich jetzt er bewußt, was sie ihm gewesen. Wer zu ihm ins Geschäft kam, fragte nach der Tochter. Jedem hatte ihr sinniges, feines Wesen, ihr klares Urteil imponiert. Professor Doll, ihr früherer Lehrer, ging selten vorüber, ohne sich nach seiner „kleinen Philosophin" zu erkundigen; ach, und wie wohl hatte dies dem alten Mann getan! Wie hatte sein Gesicht geleuchtet, wenn er sie im Gespräche mit gelehrten Männern schlagfertig antworten hörte! In die besten Gesellschaften hatte man sie geladen, sie gefeiert, ihm einen reichen Schwiegersohn prophezeit, und nun? Er schlug den Heimweg ein. War er auch von den Qualen der Ungewißheit über Esthers Schicksal gepeinigt, der Mutter wollte er wenigstens eine einigermaßen beruhigende Nachricht heucheln. „Sie ist zur Tante Fanny nach Pardubitz gefahren!" sagte er der armen Frau, deren Blicke fragend und angstvoll an seinen Lippen hingen. „Nun Gottlob, daß ich nur Gewißheit habe!" sagte diese erleichterten Herzens. „Fanny ist eine gottesfürchtige Frau, sie wird ihr schon klar machen, was sich für ein gut jüdisch Kind schickt." Beruhigt erhob sich die Frau vom Sofa und ging in die Küche, um Klößchen zu machen und Mazze zum Lockschen einzuweichen. Aber eigen war ihr zu Mute. „Mir wird doch kein Bissen schmecken", sagte sie vor sich hin, „doch ich muß des Vaters wegen alles machen, wie es sonst war." Sie nahm die großen silbernen Armleuchter von einem Wandbrette herunter, überzog die Kissen für den Ehrensitz des Vaters am Sederabend; auch die Sederschüssel war bald bereit. Aber Träne auf Träne rollte der Frau über die Wange. „Es soll nichts vollkommen sein!" sagte sie zu Dr. Anschl, einem langjährigen Freunde der Familie, der eben gekommen war, um sich nach Esther zu erkundigen. „Heute ein Jahr hat