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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-07-28 · 30 (28.7.1905) · p. Seite 420

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
30 (28.7.1905)
Date
1905-07-28
Page
Seite 420 (sequence 12)
Language
German
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Seite 420. Israelitische Wochenschrift. Nr. 30. lungen ergaben ein erfreuliches Bild von den Leistungen der Gesellschaft. Den bereits erschienenen Werken von Bäck und Eschelbacher, die einem weiteren Kreise das Verständnis jüdischer Fragen vermitteln wollen, wird sich bald ein drittes Werk anreihen, das allenthalben freudig begrüßt werden wird, die gesammelten Aufsätze jüdischen Inhalts, des unvergeßlichen Steinthal Herr Tr. Gustav KarpeleS hat den Plan zu diesem Unternehmen gefaßt und einen großen Teil der Vorarbeiten bereits beendet. Herr Rabbiner Tr. Guttmann-Breslau berichtete über die Germania Judaica. Die organisatorischen Vorarbeiten sind abgeschlossen, die Mitarbeiter haben vor einigen Wochen in gemeinsamer Beratung einen Arbeitsplan aufgestellt, der für alle bindend sein soll, und es besteht die begründete Hoffnung, daß bereits in drei Jahren der erste Band des groß angelegten Werkes vollendet sein wird. Auch am oorpus tanaiticum wird rüstig gearbeitet, wenngleich selbstverständlich auch hier die Fertigstellung noch Jahre in Anspruch nehmen wird. Als erster Band wird ein umfassendes Wörterbuch zur Sprache der tanaitischen Literatur erscheinen, das im Aufträge der Gesellschaft Herr Tr. Eugen Mittwoch bearbeitet. Vom Grundriß der Gesamtwissenschaft des Judentums wird in nicht allzulanger Zeit der erste Band erscheinen, die Apologetik des Judentums von Güdemann. Für einen weiteren Band des „Grundrisses" die „Epigraphik" wird Herr Privatdozent Tr. Horowitz gelegentlich einer Reise nach dem Orient an Ort und Stelle Vorstudien machen, und Herrn Dozenten Tr. Elbogen, der für den „Grundriß" die „Liturgik" bearbeitet, wurden die Mittel zu einer Studienreise nach England bewilligt, in dessen Bibliotheken er die für ihn wichtigen Handschriften studieren will. Neben ihren eigenen Unternehmungen sucht die Gesellschaft die jüdische Literatur auch noch durch Gewährung von Subventionen zu fördern. Solche wurden bewilligt: der Redaktion der „Zeitschrift für hebräische Bibliographie", sodann Herrn Rabbiner Tr. S. Arje in Dobrisch zur Herausgabe seiner Schrift „Die Bauweise des bürgerlichen Wohnhauses in Palästina", ferner Herrn Geometer I. Goldhor in Rosch Pina bei Safeed für seine Geographie Palästinas, ebenso Herrn I. Last-München für seine Edition der Werke Joseph Kaspis und schließlich Herrn Gemeindebibliothekar Tr. Steru- Berlin für seine Bearbeilung der Geschichte der Juden unter Albrecht II. Es ist somit eine große Aufgabe, an deren Lösung die Gesellschaft ihre Kraft setzt. Möge die tätige Anteilnahme der weitesten jüdischen Kreise es ihr ermöglichen, ihrem Ziel immer näher zu kommen, der Förderung der jüdischen Wissenschaft — Justtzrat Hermann Stern I ist auf Sylt plötzlich am Herzschlag gestorben. Er hat nur ein Alter von 63 Jahren erreicht Seit dem 1. Oktober 1879 gehörte er dem Anwaltstande an. Vor etwa 15 Jahren wurde er zum Notar ernannt. Die große Wertschätzung, der er sich bei seinen Kollegen erfreute, bewirkte seine Wahl in den Vorstand der Anwaltskammer, dem er ebenfalls 15 Jahre ununterbrochen angehörte Außerdem wirkte der Verstorbene seit Jahren hervorragend in verschiedenen gemeinnützigen Vereinen. So war er Vorstandsmitglied der Reformgemeinde im Verein für ethische Kultur und des deutfch - israelitischen Gemeindebundes Er gehörte auch zu den Mitbegründern und Vorstandsmitgliedern der Schiller-Theater-Aktiengesellschaft. Bei Richtern und Anwälten genoß er den Ruf einer Autorität. Insonderheit war er auf dem Gebiet des Zivil- und Handelsrechtes ein hervorragender Kenner. In früheren Jahren war er assoziiert mit dem Justizrat John Simson, dem Bruder des Reichsgerichtspräsidenten. Später arbeitete er gemeinsam mit dem Rechtsanwalt Dr. Gotthelf. Er hinterläßt eine Witwe und fünf Kinder. Die Beerdigung fand am vergangenen Mittwoch auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee statt. Ein großes Gefolge hatte sich zu dem Trauerakt eingefunden und namentlich waren es Vertreter juristischer Kreise, die gekommen waren, um ihrem allseitig verehrten Kollegen die letzte Ehre zu erweisen. Der Vorstand der Anwaltskammer im Bezirk des Kammergerichts war durch die Justizräte Wesener, Aßmy, Meschelsohn und Stranz vertreten. Für die Gesellschaft für ethische Kultur waren Geheimrat Professor Wilhelm Förster und Dr. Penzig erschienen. Die Vorstände der jüdischen Reformgcmeinde und des deutsch-israelitischen Gemeindebundes hatten sich vollzählig zur Feier eingefunden. Das Landgericht 1 Berlin vertraten die Landgerichtsdirektoren Munck und Weizenmüller. Vom Schiller-Theater, zu dessen Gründern der Verstorbene gehörte, waren namens des Vorstandes Direktor Dr. Löwenfeld, Sanitätsrat Küster und Rechtsanwalt Biber anwesend. Kostbare Kränze wurden am Sarge des Entschlafenen niedergelegt, unter ihnen solche von der Rechtsanwaltfchast des Landgerichts I, von den Rechtsanwälten des Kammergerichts, vom Berliner Anwaltsverein, von der Gesellschaft für ethische Kultur usw. Die Gedächtnisrede hielt Prediger Dr. Jelski von der jüdischen Reformgemeinde. Im Anschluß hieran riefen Geheimrat Professor Wilhelm Förster, Dr. Penzig und Professor Philippsohn dem Verstorbenen die letzten Abschiedsworte zu. Aus der Provinz Posen wird uns zu unserer Notiz in Nr. 28 geschrieben, daß der flüchtiggewordene Levin aus Krojanke früher bereits aus Emden wegen ähnlicher Reate plötzlich entlassen wurde. Er wurde hierauf, gegen den Willen des damaligen Rabbiners Dr. M. L Bamberger in Schildberg, vom Vorstand angestellt, was schließlich dahinführte, daß genannter Rabbiner seine Stelle in Schildberg niederlegte und eine Seminarlehrerstelle in Würzburg annahm. Köln. Eine harte, aber gerechte Strafe traf einen jungen Burschen, der in Ehrenfeld bei Köln einem jüdischen Kaufmann auf der Straße verschiedene Gemeinheiten nachgerufen hatte. Vom Schöffengericht war er deshalb zu 30 Mk. Strafe verurteilt worden. Der Staatsanwalt erhob gegen diese Entscheidung Berufung, weil die Bestrafung zu gering bemessen sei, mit dem Erfolge, daß er nunmehr zu einem Monat Gefängnis verurteilt wurde. Straffburg i. Elf. Die diesjährige Generalversammlung des elsaß-lothringischen Rabbinerverbandes fand am vergangenen Dienstag hier im „Hotel Roman" statt. Die Sitzung begann 10 Uhr vormittags und dauerte, nach einer Mittagspause, bis 6 Uhr nachmittags. Zuerst wurde über die Tätigkeit des Ausschusses, wie über den Stand der Kasse berichtet. Allgemeinen Beifall erregte der wohldurchdachte Vortrag von Dr. Levy-Brumath über „Probepredigten und Kandidaturen", sowie der Bericht von Dr. Marx-Westhofen über „Die Zusammenstellung eines Lesebuches mit jüdisch-religiösemJnhalt für die Volksschule". Derneugewählte Ausschuß setzt sich aus folgenden Rabbinern zusammen: Dr Bloch- Oberehnheim, Vorsitzender; Dr. Auscher-Dürmenach und Dr. Levy- Brumath, Beisitzende; Dr. Bloch-Dambach, Schriftführer; Dr. Marx- Westhofen, Kassierer. Würzburg. Tas 25. Jubiläum des israelitischen Lehrervereins in Bayern. Der Vorsitzende begrüßt die so zahlreich Versammelten, ihm schließen sich die anwesenden Herren Rabbiner Bamberger-Würzburg, Dr. Stein-Schweinfurt, Dr. Goitein-Burgkunstadt an. — Die Berichterstattung über das abgelaufene Vereinsjahr zeigt ein erfreuliches Wachsen des Vereins, der jetzt 182 ordentliche Mitglieder zählt und mehr als 1000 außerordentliche. Im Jubiläumsjahr hat das Vereinsvermögen die Summe von Hunderttausend überschritten. Es folgt das Referat des Herrn S. Senger-Würzburg über „Die Bedürfnisfrage eines konfessionellen Lesebuchs für jüdische Volksschulen", eine Frage, die vom Referenten verneint wird Als Ort der nächstjährigen Generalversammlung wird Nürnberg in Aussicht genommen. Am Montag um 10 Uhr vormittags fand ein Festakt statt. Der Vereinsvorstand begrüßte die Erschienenen in herzlichen Worten. Dann nahm Herr Stadtschulrat Ullrich das Wort zu einem Referat über die jüdischen Schulen und Lehrer, besonders die jüdische Volksschule und das Lehrerseminar in Würzburg In Würzburg gäbe es keinen Unterschied der Konfessionen Zugleich vertrat Herr Schulrat den Bürgermeister Würzburgs bezw. den Stadtmagistrat, ebenso den kgl. Kreisschulrat Erbshäuser. Nicht minder schön und herzlich klangen die Worte der christlichen Kollegen Weißensee und Dr. Orth von Würzburg, ersterer als Mitglied des Vorstandes vom unterfränkischen Kreis-Lehrerverein, letzterer als Vorstand des Bezirkslehrervereins Würzburg I. Beide betonten das gleiche Streben und ideale Schaffen, welck)es christliche und jüdische Kollegen mit einander verbinde, wie ja auch die bayerischen jüdischen Lehrer treue Mitglieder des allgemeinen Volksschullehrervereins für Bayern seien. Hierauf ergriff Herr Preßburger-Creglingen das Wort, um als Vorsitzender des Württembergs Lehrervereins seine Grüße zu überbringen. — Aehnlich sprach der Vorstand des badischen Lehrervereins, Herr Thalheimer, der die Grüße der Badenser übermittelte. Für den „Bund gesetzestreuer Lehrer in Deutschland" sprach I. Lebermann-Darmstadt! Herr Schwarzschild-Schlüchtern überbrachte den Gruß der Lehrer-Konferenz Hessens. Telegraphischen Gruß entboten der Verein von Mitteldeutschland, von Hannover, von Ostpreußen. Die Rede des Vorsitzenden bildete den Kernpunkt des Festaktes. Sie ging auf die Geschichte der Religionsschulen in Deutschland überhaupt zurück und speziell auf die in Bayern über. — Der Psalm 150 von I. M. Japhet endete offiziell den schönen Festakt. Um 1 Uhr fand gemeinschaftliches Mittagsmahl im Hotel Goldschmidt statt.

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