Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 29 (21.7.1905)
- Date
- 1905-07-21
- Page
- Seite 404 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 404 Israelitische Wochenschrift. Nr. 29. Sonnengott Ra selbst zusammgeflossen ist. Schu hat den Beinamen Sems, auch Semsenältester, sein Sitz war On, worunter nicht nur die Stadt dieses Namens, sondern die östliche Himmelszone zu verstehen ist; ebenso berechtigt wäre es aber, den Namen Simson von Schämäsch (Sonne) abzuleiten. Das Geheimnis der Stärke Simsons liegt in seinen Haaren, was auch bei Schu der Fall ist, der im Stadium seiner höchsten Kraft als die glühende Sonne in der heißesten Zeit des Jahres in der Gestalt des Löwen mit der die Sonnenstrahlen symbolisch ausdrückenden Mähne dargestellt wird; mit der letztem verliert auch er seine Kraft. Wenn Simson einen Löwen tötet, so ist dies die durch den Eintritt der Sonne in das Sternbild des Löwen dargestellte Ueberwältigung des Löwen. Der Geschichte von den an den Schwänzen zusammengebundenen Füchsen, welche Simson in die Kornfelder der Philister schickt, liegt die Vorstellung von dem durch die Sonnenhitze bewirkten Getreidebrand zugrunde. Den fortwährenden Zügen Simsons nach dem Lande der Philister, d. h. nach Westen, wo ihm von seinen Feinden nachgestellt wird, liegt die symbolische Vorstellung der sich immer wiederholenden Sonnenreise von Osten nach Westen zugrunde. Daß Simson die Anschläge seiner Feinde zu nichte macht, seine Bande zerreißt und stets wieder in seine Heimat zurückkehrt, erklärt sich daraus, daß die Sonne niemals im Westen bleibt, sondern immer wieder mit ungebrochener Kraft im Osten aufgeht. Wenn Simson schließlich durch die List einer Frau überwältigt, geblendet und mit ehernen Ketten ins Gefängnis geworfen wird, so erinnert dies an den während des Winters seiner Lichtstrahlen teilweise beraubten Sonnengott. Ra verliert ebenfalls ein Auge und es war eine naheliegende Vorstellung, den in der Tiefe der Unterwelt den Blicken entzogen und machtlos gewordenen Sonnengott sich im Gefängnis und als in Ketten gelegt zu denken. Auch in der ägyptischen Mythologie raubt eine Frau durch List dem Sonnengott Ra seinen Talisman, diese Frau ist aber niemand anders als Isis, welche durch ihre gelungene List in den Besitz der Göttlichkeit kommt, während Delila als Personifikation der dem Sonnengott feindlichen Nacht (Caielah-Nacht) aufgefaßt ist. Auch das Wasser aus dem Eselskinnbacken und das Ausheben der Stadttore von Gaza ist aus dem Sommermythus zu erklären. KkirralirrsMMlmg der „Jewish Colonisation Association“. Am 2. Juli fand um 10 Uhr vormittags in den Verwaltungsräumen der I. C. A. zu Paris die Generalversammlung dieser Gesellschaft statt. Anwesend waren die Herren: Präsident Narcis Leven, die Aktionäre Leonard L. Cohen, Paul Errera, Herbert G. Lousada und Salomon Reinach, ferner Vizepräsident Generalkonsul Franz Philippson, Vertreter der jüdischen Gemeinde von Brüssel, Rechtsanwalt Julius Blau als Vertreter der jüd. Gemeinde in Frankfurt a. Main, Dr. Eduard Lachmann als Vertreter der jüd. Gemeinde in Berlin, Grand Rabbin Zadoc Kahn als Vertreter der Alliance, Claude G. Montesiore als Vertreter der Anglo Jewish Association, sowie die Direktoren Dr. S. Sonnenfeld, Emil Meyerson und der Sekretär Dr. E. Schwarzfeld. Der Jahresbericht der Gesellschaft, sowie die von den Revisoren geprüfte Bilanz pro 1904 wurden der Generalversammlung vorgelegt und von ihr genehmigt. Darauf ergriff der Präsident Narcis Leven das Wort zu folgender Ausführung: „Ich bedaure, nicht in die Details der Arbeiten des verflossenen Jahres eintreten zu können. Sie werden hierüber einen Auszug in unserem Jahresbericht finden, welcher zu umfangreich ist, als daß ich hiervon eine Analyse geben könnte. Dieser Bericht wird Ihnen die Entwickelung und den Erfolg unserer Institutionen in den verschiedenen Weltteilen zeigen. Unsere Kolonisation blüht besonders in Argentinien. Unsere Kolonisten arbeiten dort als wirkliche Ackerbauer und ziehen aus ihrer Arbeit einen Nutzen, welcher schon ihre Existenz sichert. Parallel zu der Kolonisierung entwickelt sich die Auswandererbewegung der osteuropäischen jüdischen Handwerker, welche besonders den freien Ländern zustrebt, den Vereinigten Staaten, Kanada und Argentinien. Die Auswanderung hat letztes Jahr weit um sich gegriffen; ihr spontaner Charakter ist als besonders interessant in dieser Entwickelung hervorzuheben. Die Arbeiter finden überall Beschäftigung. Besonders in Argentinien werden sie von den Chefs gesucht, welche sie wegen ihrer Arbeit und guten Führung hochschätzen. Heute jedoch sind wir durch die Unruhe, welche uns die Lage in Rußland verursacht, in Anspruch genommen. Wir erleben Ereignisse, die zu den größten Befürchtungen Anlaß geben. Immerhin schöpfen wir aus ihnen Hoffnung für die Zukunft unserer Glaubensgenossen. Die Lage der russischen Juden kann nicht schlimmer werden, als sie schon ist. Trotz des zwanzigjährigen Elends, in das Getto gezwängt, in dem das Leben infolge ihrer Anzahl unmöglich ist, trotz der entsetzlichsten Leiden, haben sie das Bewußtsein ihrer Würde behalten. Wir glauben uns gestehen zu dürfen, daß die Hilfe, welche wir ihnen stets zu Teil werden ließen, zu diesem Erfolg beisteuerte. Da wir ihre geistige und moralische Kraft kennen und wissen, mit welcher Leichtigkeit unsere Glaubensbrüder sich in die Höhe arbeiten, sobald man ihnen die Möglichkeit hierzu gibt, so haben wir für sie gearbeitet. Wir haben zur Gründung vieler Schulen beigetragen und den Unterricht nach jeder Richtung hin verbreitet. Wir haben ihnen zur Erlernung von allerhand Handwerken verholfen, ihren Fleiß unterstützt und sie bessere Zeiten voraussehen lassen. Heute sind sie für eine neue Lage der Dinge vorbereitet. Sie beanspruchen sämtliche bürgerliche und politische Rechte. Sie sind deren vollkommen würdig und wir glauben sicher, daß, wenn die Stunde für die soziale Erneuerung ihres Landes geschlagen haben wird, sie den ihnen gehörigen Platz einnehmen werden. Sie werden dem russischen Staate nützliche Bürger sein." Herr Reinach konstatierte mit Genugtuung die glänzende Entwickelung, welche die Kolonisation in Argentinien genommen hat. Die letztjährige Ernte hat sehr günstige Resultate ergeben, sodaß die Kolonisten nicht nur in der Lage waren, an die Gesellschaft ganz beträchtliche Rückzahlungen zu machen; sie konnten auch große Beträge an ihre Angehörigen in Rußland schicken. Mr. Claude Montesiore beglückwünschte im Namen der Aktionäre die Direktion wegen ihrer bedeutenden Arbeit, die sie im Berichtsjahre ausgeführt hat. Grand Rabbin Zadoc Kahn schloß sich als Vertreter der Alliance der Ausführung Montesiores an. Im Anschluß daran brachte der Präsident den Beamten der Administration, sowie den außerhalb der Zentrale in den verschiedenen Weltteilen im Dienste der Gesellschaft stehende Beamten den Dank der Generalversammlung dar. vie Politik. Madauanlisemttismus der „Kreuzzeituug". Wer Pech angreift, besudelt sich, und wer sich mit Antisemitismus befaßt, sinkt, ohne es zu wissen und zu wollen, hinab bis zu den Ahlwardt und Pückler, die ursprünglich auch nicht die Berserker waren, zu welchen sie sich nach und nach ausgebildet; haben, sondern erst nach und nach durch den Antisemitismus j und ihren antisemitischen Umgang in den Sumpf hinab teils gezogen worden, teils gesunken sind. Die „Kreuzzeitung" ' hatte von der bekannten Frauenrechtlerin Frl. Dr. Anita