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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-07-21 · 29 (21.7.1905) · p. Seite 406

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
29 (21.7.1905)
Date
1905-07-21
Page
Seite 406 (sequence 15)
Language
German
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Seite 406. Israelitische Wochenschrift. Nr. 29. Inschrift „Des Kaisers Freund, der Juden Feind!" Graf Pückler setzte seinen in der letzten Versammlung unterbrochenen Vortrag fort, der an Derbheit nichts zu wünschen übrig ließ, und zwar mußten die Rothschilds^ mit ihrem Vermögen herhalten Nach dem Pücklerschen Vortrage sprach ein Arbeiter Weißenborn über „Die Presse im Solde des jüdischen Kapitals". Hildesheim. Der Lehrer C Stern, der 40 Jahre, davon den größten Teil in der hiesigen S p n a g o g e n - G e m e i n d e, seines ''Amtes gewaltet hat, ist am Sonnabend, 1 Juli, in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Die Königliche Regierung hat ihn durch Verleihung des Adlers der Inhaber des Ordens vom Hause Hohenzollern ausgezeichnet, den Herr Landrabbiner Dr. Lewinsky mit einer feierlichen Ansprache überreichte. Wetter. Vor einigen Tagen hat der hiesige israelitische Lehrer Gans aus noch unbekannten Gründen seinem Leben durch Erschießen ein frühes Ende gesetzt. KönigSvorn. Im hiesigen Kurgarten wurde am 10. d M. der 15 Gemeindetag des Verbandes der Synagogengemeinden der Provinz Westfalen abgehalten. Von 50 angcschlossenen Gemeinden waren 25 vertreten. Aus den Verhandlungen, welche von Herrn Floersheim-Dortmnnd geleitet wurden, ist zu erwähnen, daß die Versammlung den Jahres- und Kassenbericht sowie den Haushaltsvoranschlag genehmigte und sich außerdem an die Verbandsgemeinden mit dein Ersuchen wendete, die Beiträge für den Verband zu erhöhen, damit letzlerer den an ihn gestellten Anforderungen gerecht werden kann Den wichtigsten Beratungsgegenstand bildete der Antrag auf Errichtung einer israelitischen Ferienkolonie in Königsborn. Hierüber berichteten die Herren Liebenfeld-Bochum und Floersheim-Dortmund. Das Ergebnis der sehr ausgedehnten Debatte war ein Beschluß dahingehend, den Ausschuß zu beauftragen, die Errichtung einer Ferienkolonie unter Mitwirkung der Gemeinden soweit vorzubereiten, daß der nächste Gemeindetag in der nächsten Tagung über diese Angelegenheit Beschluß fassen kann. Als Ort des nächsten Gemeindetages wurde Iserlohn bestimmt und unter „freien Besprechungen" die Errichtung einer israelitischen Lungenheilanstalt in Anregung gebracht. In der sich anschließenden vierten Generalversammlung des Vereins „Altersheim" wurde die Jahresrechnung entgegengenommen und zur Prüfung der Rechnung zwei Revisoren bestimmt, sowie die Herren O. Marx-Unna und Dr. Samuel-Essen in den Vorstand des Vereins nengewählt. Die vom Vorstande beantragte Aenderung der Satzungen wurde infolge eines vorgekommenen Formfehlers für eine im Herbst abzuhaltende außerordentliche Generalversammlung vertagt. UaRanzen Rabbiner in Magdeburg. Anfangsgehalt Mk. 6100, steigend von 3 zu 3 Jahren bis zu Mk. 7600. Bewerbungen bis zum 15. September an den Vorstand der Synagogen-Gemeinde. Prediger und einen Kantor, (letzterer auch Schofarbläser), für die Herbstfeiertage, bei der israelitischen Kultusgemeinde in Wiesbaden. Offerten mit Ansprüchen bis zum 6. August an den Vorsteher Herrn Simon Heß. Lehrer, BorbeternndSchochetinO b e r w a l d b e h r u n g e n. Gehalt Mk. 1000 und Mk. 137 für Filialgemeinde, sowie Nebeneinkünfte und freie Wohnung. Meldungen möglichst lediger Bewerber an den Vorsteher Herrn Alexander Reis. Lehrer, Borbeter und Schächter in Karl st adt a. M. Gehalt Mk. 700 sowie Nebenverdienste und Wohnungsentschädigung. Meldungen an Herrn Nathan Süßer. Religiondlehrer, Borbeter nnd Schächter per 1 oder 15. August in L a n d s b e r g (Ostpreußen). Gehalt Mk. 1000 und ca. Mk- 360 Nebeneinkommen. Meldungen an Herrn S. Zwilsky. Religionslehrer, Kantor und Schächter per 1. Februar 1906 in S immern. Gehalt Mk. 700—800, Nebenverdienst ca. Mk. 900 und Freiwohnung. Offerten sem. geb. Bewerber, nicht über 35 Jahre alt, an den Vorsteher Herrn Adolf Emanuel. Lberkantor, mus. geb., zum 1. April kom. Jahres für die neue Gemeinde-Synagoge in Hamburg. Offerten bis zum 31. August an den Vorstand des Deutsch-Israel. Synagogen-Verbandes. Hilfsvorbeter für die hohen Feiertage in S ch l o ch a u. Gehalt Mk. 150. Meldungen an Herrn Isidor Weile. Schochet, Hilfsvorbeter, Gemeinde- und Friedhofsdiener bis zum 1. Oktober in B u r g k u n st a d t (Bayern). Einkommen Mk. 900, Dienstwohnung und bedeutende Nebenverdienste. Meldungen^an die israelitische Kultusverwaltung. 2. Lehrerin zum 1. Oktober von Schulverein Lautenb u r g (Westpr.) Gehalt 900 Mk. Meldungen an den Vorsitzenden Herrn Brauereibesitzer Siegmund Salomon. Kantor nnd Schächter baldigst in Z n i n. Einkommen 1600 Mark nebst freier Wohnung und 300 Mk. für den Religionsunterricht. Offerten an Herrn Heymann Chaim. Feuilleton. Zwei Testabende. Novelle von Jda Barber. (Fortsetzung.) „Warum ließ ich sie auch so viel lernen!" jammerte die Mutter in trostloser Selbstanklage. „Da sagt sie, das Fleisch, wie es vorgeschrieben ist, „koscher" machen, heiße ihm die die Kraft rauben, Gebete hersagen sei überflüssig, wenn man nur recht handle — als ob jemand recht tun könne, der nicht auch ordentlich gebetet hätte!" „Aber siehst Du, liebe Mutter," warf Lea ein, Esther ist doch sonst brav und gut und hätte Dir gewiß die ganze Arbeit abgenommen, wenn Du bis nach dem Vortrage gewartet hättest!" - „Sie soll aber nicht zu den Gojim gehen!" rief die Mutter mit Entrüstung. „Sie ist ein gut jüdisch Kind! Will sie sich erbauen, soll sie hören, was der Rebbe morgen so Gott will in der Schul sagen wird" „Aber Mutterleben," begann Lea wieder, „wenn Du lesen möchtest, wie schön Esther die Predigten ausarbeitet und wie schön sie sie dann, ehe sie zu Bett geht, vorliest (ich denke manchmal, sie sei selbst ein Prediger), Du würdest ihr nicht zürnen!" Die Mutter wurde immer nachdenklicher. „Das kommt davon, wenn man zu gut ist!" sagte sie mit tiefem Seufzen. „Wir haben dem Mädchen zu viel eignen Willen gelassen; alles wollte sie lernen, und nun weiß sie nicht einmal, welcher Religion sie angehört. „Läuft das Mädchen," fuhr sie mit steigender Entrüstung fort, „weil Charfreitag ist, in die freie Gemeinde! Gerechter Gott, was hätte meine selige Mutter zu solchem Tun gesagt. Geh' hinüber, Leah, zu Dr. Aeschels, dort wird sie sein; sag' ihr, daß ich mir meine Haare ausreißen möchte vor Gram und Schande, solch' ungeratenes Kind zu haben". Die arme Frau begrub ihr Gesicht in beide Hände und weinte bitterlich. Lea ging. Das Kind wollte Gutes stiften, die Schwester zur Nachgiebigkeit bewegen; sie sagte ihr wörtlich, was ihr die Mutter aufgetragen und glaubte, Esther würde nun gleich hinübereilen und fußfällig der Eltern Verzeihung erflehen. Doch mit Esther war eine Wandlung vorgegangen. Bleich, mit aufeinandergepreßten Lippen, saß sie regungslos in einem Winkel; sie schien nicht zu hören, was um sie her vorging; vom Vater hinausgestoßen, der Mutter Gram und Schande — sie sann nach, was sie zu tun habe. Zurückkehren und den Eltern Umkehr heucheln, ihre frommen Zeremonien milmachen und im tiefsten Herzen dieses Tun belächeln, jenen Mann, den sie als einen gottgeweihten Priester verehrte, lästern hören, nein, sie konnte es nicht! „Was ist mein Verbrechen?" fragte sie. „Habe ich die Religion meiner Väter verleugnet, indem ich mein Ohr dem Wort eines freidenkenden Mannes lieh? Jene veralteten Glaubenssatzungen, die unsere Religion breit treten, erbauen micht nicht, und doch bin ich nicht gottlos. Gerade aus Reli-

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