Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 28 (14.7.1905)
- Date
- 1905-07-14
- Page
- Seite 391 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 28. Israelitische Wochenschrift. Seite 391. LitevcrvilcHes. Meyers Großes Konversations-Lexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage. Mehr als 148,000 Artikel und Verweisungen auf über 18,240 Seiten Tert mit mehr als 11,000 Abbildungen, Karten und Plänen im Text und auf über 1400 Jllustrationtafeln (darunter etwa 190 Farbendrucktafeln und 300 selbständige Kartenbeilagen) sowie 130 Textbeilagen. 20 Bände in Halbleder gebunden zu je 10 Mark. (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien.) In unsrer Zeit, wo aller Augen erwartungsvoll sich auf die kriegerischen Vorgänge im fernen Osten richten und wir mit Staunen die Entfaltung einer neuen siegreichen Kultur betrachten, die mit Europa in Wettbewerb zu treten sich anschickt, ist allen eine kurze, übersichtliche Zusammenfassung dieser uns noch so wenig bekannten Verhältnisse hochwillkommen. Der soeben erschienene zehnte Band von Meyers Großem Konservations-Lexikon, mit dem die erste Hälfte des großangelcgten Werkes würdig abschließt, bringt uns eine von trefflichen Karten und Bildertafeln begleitete Serie von Artikeln über Japan, seine Geschichte, Literatur, Sprache und Kunst, die Beachtung verdienen Sehr klar und lehrreich geschriebene Artikel über Juden, Judentum und jüdische Literatur sind in diesem Band enthalten und lesenswert Aus der alten Welt wird uns ein anderer Kulturstaat, Italien, in einer größeren Monographie vorgeführt, dessen geographische Verhältnisse durch 3 Karten, dessen Geschichte durch 4 Kärtchen erläutert werden. Die wirtschaftlichen, besonders die jetzt am meisten interessierenden bergbaulichen Verhältnisse Südafrikas werden im Artikel „Kapland" eingehend erörtert auf geologischer Grundlage, für welche eine besondere Karte dient. - Die enorme Entwickelung der Forschung in unsrer Kolonie Kamerun wird aus der Karte zum Artikel „Kamerun" so recht klar, und die Regsamkeit in unsrer chinesischen Kolonie Kiautschou durch einen Blick auf diese Karte mit dem Karton Tsingtau, der die gut organisierte Anlage der jungen Stadt zum Ausdruck bringt. Sehr interessant für den Fachmann ist dazu ein Vergleich mit dem Plan des ebenfalls wiedergegebenen Kieler Hafens, der durch die Karte des Kaiser Wilhelm - Kanals wiederum eine Ergänzung findet Der „Artikel" mit der Karte der deutschen Schiffahrtsstraßen beleuchtet trefflich die Kanalfrage und zeigt, welche Wichtigkeit der Mittellandkanal für die wirtschaftliche Entwickelung der norddeutschen Tiefebene haben muß — Für das Verständnis der technischen Mittel für den Weltverkehr ist das Studium des Artikels „Kabel" mit den instruktiven Tafeln „Kabellegung" zu empfehlen, einen Einblick in die Stätten der Zentralisierung des Detailhandels gibt der mit zahlreichen Bildern versehene Artikel „Kaufhaus". Vom allgemeinen, das tägliche Leben berührenden wirtschaftlichen Fragen werden vor allem „Kapital", „Kauf", „Kaufmannsgerichte", „Irrtum", „Juristische Person", „Kammer", „Kaution" behandelt, unter den Literaturartikeln ist der illustrierte Artikel „Junges Deutschland" bemerkenswert. Von künstlerischer Schönheit sind neben der Farbentasel „Japanische Kunst" die zwei Farbentafeln „Keramik" mit einer Zusammenstellung der Erzeugnisse aller Zeiten und die naturwissenschaftlichen Farbentafeln „Käfer" und „Kakteen". Daß unter den .21 Karten, 7 Chromos, 28 schwarzen Tafeln und 5 Stadtplänen mit dem reichen Wissensschatz der Artikel noch manches eine Hervorhebung verdient, ist begreiflich, es sei hier nur die Anregung zum genaueren Eindringen in das prächtige Buch gegeben. Die Politik. Witdlich, nur bildlich sind „natürlich" auch die letzten Ergüsse des Dreschgrafen aufzufassen: „Auf, Ihr deutschen Handwerker und Kaufleute von Berlin, Ihr seid am schwersten bedroht von diesem fremden Semitenvolke; wenn Ihr so weiter schlaft und träumt, dann seid Ihr alle verloren und bald wird man den letzten christlichen Kaufmann zu Grabe tragen. Drum auf, ermannt Euch endlich, werdet starke Männer und gewaltige Helden, nehmt den Knüppel zur Hand und bearbeitet den fremden Hallunken das Leder, daß den Kerls angst und bange wird, daß sie endlich ihre Sachen packen und von dannen ziehen nach Jerusalem oder sonstwohin. Ich kann Euch versichern, ein unermeßlicher Jubel wird in ganz Berlin losbrechen über die ersten verdroschenen und verhauenen Juden. Die Polizei, die wird Euch keine großen Schwierigkeiten machen bei dieser ernsten und so notwendigen Arbeit, denn die Schutzleute und die Polizeileutnants die sind alle auf unserer Seite, darum auf zur frischen und fröhlichen Keilerei. Ihr müßt Euch sagen, lange genug haben wir geschlafen, lange genug haben wir uns diese gottverfluchte Judenwirtschaft gefallen lassen, es ist die höchste Zeit, daß wir erwachen, wir wollen es wagen endlich den Anfang zu machen mit einer zielbewußten und energischen Keilerei, wir wollen es wagen, die Bande zum Teufel zu jagen, wir wollen es wagen den kleinen Cohn zu verhauen, wir wollen es wagen zu kämpfen für die Freiheit für die Heiligkeit, für die Ehre unserer Häuser und unserer Familien, wir wollen es wagen deutsche Handwerker und Kaufleute zu sein, doch unsere Fehde dauert fort. — Auf, Ihr Penn- und Radaubrüder, Ihr Einbrecher und Spitzbuben von Berlin, auch für Euch ist die Stunde zum Handeln gekommen, wo es möglich ist Euch Geld und Schätze zu erwerben und zwar in gewaltigen Massen. Drum auf, zur schneidigen Tat. Auf Ihr Anarchisten von Berlin, auf, Ihr seid uns liebevolle und wertvolle Bundesgenossen in dem schweren und ernsten Kampfe gegen das scheußliche Judentum Ihr dürft Eure Bomben nicht mehr werfen auf die erlauchten Häupter der Fürsten, denn das ist eine Gemeinheit, sondern Ihr müßt die Waffen wenden gegen die Ramsch- und Abzahlungsjuden, gegen die Wucherer und Gauner aller Art, gegen diese Vampyre der menschlichen Gesellschaft. Ihr müßt Euch sagen: „Auch wir wollen patriotische und deutsche Männer werden, wir wollen es wagen mit einzutreten in den Kampf, in den heiligen Krieg Wir wollen es w^gen, dieser Räuberbande den Krieg zu erklären. Wir wollen es wagen, dem deutschen Volke große und wesentliche Dienste zu erweisen. Doch unsere Fehde dauert fort. Auf, Ihr Deutschen, Alle, groß und klein und alt und jung, auf zum letzten furchtbaren und entscheidenden Sturm auf diese verfluchte Räuberbande, die Deutschland vernichtet und verödet Heraus müssen die Hallunken, koste es. was es da wolle. Es lebe die Stadt Berlin, es lebe das deutsche Vaterland, es leben alle deutschen patriotischen und nationalen Männer, es leben die Arbeiter und die Handwerker." * Ein höchst sonderbares Verhalten des Landgerichts Glogau gegenüber dem Preschgrafen Wückker-Klein-Lschirne wird jetzt bekannt. Seit ungefähr einem Jahr schwebt beim Glogauer Landgericht wieder einmal ein Strafverfahren gegen den Grafen Pückler, und zwar wegen Bedrohung mit der Begehung eines Verbrechens oder Vergehen in Verbindung mit der Nötigung zur Begehung oder Unterlassung einer Handlung und ferner wegen Beleidigung (§§ 240 und 185 Str.-G B.). Im Mai 1904 hat nämlich der edle Graf den Vogt Paul vom Vorwerk Kropusch, Kreis Glogau, mit seiner berühmten berittenen Leibgarde angegriffen, weil dieser ihn nicht begrüßt hatte, und ihn wegen einer angeblichen Beleidigung zum Fußfall (!!) und mehrmaliger Abbitte gezwungen. Darauf sprengte der tapfere Graf mit seinen Reitern über einen Handwagen, hinter dem mehrere beim Kartoffelbuddeln beschäftigte Frauen Schutz vor den Pferden gesucht halten. Die armen Frauen wurden bei dieser Attacke zum Teil von Krämpfen befallen. Wegen dieser „Heldentaten" sollte sich der Herr Graf, nachdem frühere Termine vertagt worden waren, endlich am 19. Januar 1905 vor der Strafkammer des Glogauer Landgerichts verantworten. Pückler aber blieb, wie schon öfter, aus. Den Antrag der König!. Staatsanwaltschaft auf Verhaftung Pücklers akzeptierte das Gericht nicht, sondern sprach nur durch Beschluß die Zwangsvorführung Pücklers zu einem möglichst bald anzuberaumenden neuen Termin aus. — Die Verhandlung verfiel also der Vertagung, Pückler aber bat, wie auch früher schon, doch ja von seiner Verhaftung Abstand nehmen zu wollen, er werde das nächste Mal bestimmt freiwillig erscheinen. — So der historische