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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-07-07 · 27 (7.7.1905) · p. Seite 373

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
27 (7.7.1905)
Date
1905-07-07
Page
Seite 373 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 27. Israelitische Wochenschrift. Seite 373. Erde, steigt die Gottheit hinab zum Sohn des Adam, steigt der Staubgeborene empor zur lichtumflossenen Sinaihöhe des Ureinen, des Ewigen, des allliebenden himmlischen Vaters — andachtsdurstig, aber auch vernunftgemäß erstrebend, erkennend und vertiefend, voll inniger Seelenwärme und Begeisterung erfassend das Wort des Psalmisten: „Achat dibberElohim schetajim su schamati ki os lelohim! Eines hat Gott geredet, zwei haben wir vernommen — wahrlich des ewigen Gottes ist die Majestät!" A. M. Limo». Der erste Jahresbericht über Ahlem nach Simons Tode liegt vor; er enthält neben den inneren Angelegenheiten der Anstalt, ihrer Leitung, ihrem Schul- und Hauswesen, ihren finanziellen Angelegenheiten vor allem eine genaue Schilderung des Wirkens und Schaffens ihres Gründers, des zu früh verstorbenen Konsuls Moritz Simon in Hannover. A. M. Simon wurde am 27. November 1837 als Sohn ^es Antiquitätenhändlers Alexander Simon in Hannover geboren. Der Vater genoß infolge seiner großen Rechtlichkeit in allen Kreisen die größte Beliebtheit, war bei Hoch und Niedrig gern gesehen und war bekannt unter dem Namen „der brave Simon". Seinen Sohn, unseren Moritz Simon, der sich schon in der Schule durch Fleiß und Strebsamkeit ausgezeichnet hatte, gab er bei dem Bankier Ezechiel Simon in die Lehre; später hatte Moritz Simon auch während einiger Jahre in Nordamerika Stellungen angenommen. Im Jahre 1852 gründeten Vater und Sohn das Bankhaus Alexander Simon, das vor allem durch Moritz Simons hervorragende kaufmännische Tüchtigkeit und unablässigen Eifer zur Blüte gelangte, sodaß es in späteren Jahren zu den ersten Häusern am Platz gehörte. Vor mehr denn 20 Jahren lernte Simon bei einem Besuch in den Vereinigten Staaten von Amerika, die ihn zum Vize- Konsul ernannt hatten, den Ernst der Judenfrage kennen. Ersann auf Mittel und Wege, wie den armen östlichen Glaubensgenossen zu helfen sei, wie man die nachteiligen Folgen, die der Hausier-- und Kleinhandel unvermeidlich nach sich zog, beseitigen könne. In der Unterweisung der Jugend in Land- und Gartenbau, in deren Zuführung zum Handwerk erkannte er einen Teil der Lösung dieser bedeutsamen sozialen Frage, und sobald er zu dieser Erkenntnis gelangt war, durchdrang ihn das rastlose Bestreben, sie auch in die Tat umzusetzen. Er gründete zunächst (1885) in Hannover den „Verein zur Förderung von Handfertigkeit und Gartenbau an jüdischen Schulen". Diesen Verein setzte er durch Stiftung einer ansehnlichen Summe in den Besitz eines Grundstücks mit Garten, so daß die Kinder im Sommer Unterricht in Gartenbauarbeiten und im Winter Unterweisung in Hobel-, Schnitz- und Papparbeiten erhielten. Aber die Tätigkeit dieses Vereins genügte ihm nicht. Er faßte den Plan, eine besondere Anstalt zu errichten, die sein Ideal nach jeder Richtung hin verkörpern sollte, nämlich: nicht nur Kindern die Liebe zur Bodenkultur und zum Handwerk einflößen, sondern auch jüdische Knaben im Alter von 14 bis 17 Jahren in diesen Gewerben als Lehrlinge auszubilden. Deshalb errichtete er in Ahlem neben der Schülerabteilung die Lehrlingsabteilung und gab den jungen Leuten dadurch Gelegenheit zu voller Fachausbildung, die sie bei andersgläubigen Gärtnern und Meistern nicht erlangen konnten. Eine solche Anstalt konnte ohne ein großes eigenes Grundstück nicht bestehen. Simon erwarb deshalb (1892) in Ahlem bei Hannover etwa 60 Morgen Land; er errichtete darauf die nötigen Wohn- und Wirtschaftsgebäude, legte Pflanzungen an und übergab sodann das Ganze im Wert von 200 000 Mark schenkungsweise und lastenfrei der von ihm errichteten Stiftung, die 1896 die Rechte einer juristischen Person erlangte. Durch Wort und Schrift suchte er die im Kleinen gemachten Erfahrungen auf größere Organisationen zu übertragen. Jede sich darbietende Gelegenheit nahm er wahr, um einflußreiche Glaubensgenossen für diese wichtige Angelegenheit zu gewinnen. Um die Abhilfe zur Judennot aus eigener Anschauung weiter zu studieren, machte er im Frühjahr 1902 eine Reise nach dem Orient und besuchte sämtliche jüdische Kolonien in Kleinasien, Syrien und Palästina. Der frühe Morgen und die späte Nacht sahen Simon an den Stätten der Kolonisten. Er besuchte jede Schule und zeigte für alles erstaunliches Verständnis und den klarsten Blick. Er war naturgemäß am besten in der Lage, den zuständigen Gesellschaften eingehenden Bericht über die verschiedenen Institutionen zu erstatten und neue Anregungen zu geben. Als Mitglied des Zentral-Komitees der Alliance Jsraelite Universelle nahm er an deren Sitzungen regelmäßig teil. Auf seine Anregung wurde in der Ecole normale der Handfertigkeitsunterricht eingeführt, und seine Freigebigkeit ermöglichte dort die Einrichtung einer Werkstatt und die Anschaffung von Werkzeugen. Auf seinen Antrieb sandten die Baron Hirsch-Stiftung wie die Alliance auf mehrere Monate Lehrer nach Ahlem, um hier die Arbeitsmethoden und Anstaltsorganisation kennen zu lernen. Besonders am Herzen lag ihm in letzter Zeit die Organisation der Juden-Auswanderung, und gar manche Winke und praktische Ratschläge finden sich für diese so eminent wichtige Frage in seiner Broschüre: „Praktische Vorschläge zur Organisation der Auswanderung". Moritz Simon ist unverheiratet geblieben; er lebte zusammen mit seiner Schwester, die den gemeinschaftlichen Haushalt führte. — Er liebte die Geselligkeit und übte Gastfreundschaft im vollsten Sinne des Wortes. All die zahlreichen Fremden, die von auswärts hierher kamen, um' sich mit ihm über seine Pläne zu besprechen, jeden lud er ein, bei ihm zu wohnen; und wenn dies abgelehnt wurde, so mußte der Fremde doch wenigstens Gast an seinem Tische sein. An diesem gastlichen Tisch lernte man Simon noch mehr schätzen, als bei der eigentlichen Arbeit; hier sprudelte sein Humor und mischte sich in die Unterhaltung über die ernsten Fragen, die ihn stets beschäftigten. An diesem Tisch wurde Ahlem geplant und gebaut, wurden all die großen weiteren Pläne erörtert, wurden die Fremden zu Freunden, zu Mitarbeitern gewonnen. Und nicht nur bis zum letzten Atemzuge suchte der rastlose Arbeiter für seine sozialen Ideen zu schaffen und zu wirken, auch noch über das Grab hinaus hat der Verstorbene seinen weitausschauenden Gedanken Geltung verschaffen wollen. Den größten Teil seines Vermögens, an 3 Millionen Mark und mehr, hat er in seinem Testament für eine Stiftung bestimmt, über die er in seinem Testament folgendes niedergelegt hat: . . . Meinen gesamten, nach Abzug der zur Ausführung vorstehender Verfügungen erforderlichen Mittel übrig bleibenden Nachlaß, bestimme ich zu einer hiermit von mir errichteten Stiftung. Dieselbe soll zum Andenken an meine seligen Eltern den Namen: „Alexander und Fanny Simonsche Stiftung" tragen. Die Grundzüge der Verfassung der Stiftung bestimme ich wie folgt:

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