Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 26 (30.6.1905)
- Date
- 1905-06-30
- Page
- Seite 365 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 26. Israelitische Wochenschrift. Seite 365 Beteiligten aber doch überaus peinlich wirken müssen. Auf Anordnung der Königlichen Staatsanwaltschaft ist das Pamphlet gestern Abend beschlagnahmt worden. Uakanztn. Religionslehrer, Vorbeter und Schochet per gleich in Schornsheim b. Mainz. Gehalt 800 Mk., freie Wohnung und 200 Mk. Nebeneinkommen. Meldungen sem. geb. Bewerber an den Vorsteher Herrn Jakob Löwenstein. Religionslehrcr, Voröetcr und Schächter per gleich in Gr. Busck. Einkommen ca. 1200 Mk. und freie Wohnung. Offerten sem. geb. Bewerber an Herrn S. Waltenstein. Vorbeter, Religionslehrer und Schächter per gleich in Naugard i. Pom. Gehalt 1200 Mk., freie Wohnung und Nebeneinnahmen. Meldungen sem. geb. Bewerber vom Vorstand der Synagogengemeinde erbeten. Religionslehrer, Vorbeter und Schochet baldigst in Rodheim v. d. H. Gehalt 800 Mk. und ca. 400 Mk. Nebeneinnahmen. Meldungen an den Vorsteher Herrn N. Scheuer. Vorbeter, Religionslehrer und Schächter per 1 Oktober in der Kreis-Synagogengemeinde Lötzen. Gehalt 1000 Mk., freie Wohnung und 4—500 Mk. Nebeneinkommen. Offerten an den Vorstand zu richten. Kantor, Schächter, Valkore und Religionslehrer baldigst in Kobylagora (Posen). Gehalt 1000 Mk., 4—500 Mk. Nebeneinkommen und freie Wohnung. Meldungen verheirateter Bewerber an den Vorsteher Herrn Moritz Goldstein. Religionslehrer, Kantor und Schochet baldigst nach Bingen am Rhein. Gehalt mit Nebeneinkommen 2000 Mk. Offerten an Joseph Meyer. Chasan und Schochet sofort Hotel Elsässer Hof, Badenweiler (Baden). Aushilfskantor und Schächter sofort Regensburg. Meldungen an Distriktsrabbiner Dr. Meyer. Feuilleton. Tram m ~.\*> Bon Albert Katz. Eine schaurig - finstere Nacht, eine Nacht des Jammers und des Schreckens, hatte ihre dichten, schwarzen Schatten über Jerusalem ausgebreitet, und jeden Hoffnungsschimmer im Herzen Israels erbarmungslos ausgelöscht. Dahin war Israels Größe und Selbständigkeit, dahin sein Ruhm und seine Herrlichkeit; es sah seine Wünsche und seine Hoffnungen verdorrtem Grase gleich vernichtet und zertreten, seinen Stolz, den heiligen Tempel, in Trümmer und Schutthaufen verwandelt, die edelsten ynd besten seiner Söhne und Töchter in Sklavenketten schmachten, dem Mutwillen und der Willkür herzloser Feinde preisgegeben. Aber auch die Tränen versiegten, auch das stille Weinen verstummte. Es folgte ihnen ein schweres, dumpfes Seufzen gefolterter Seelen, das dem, der es vernimmt, durch Mark und Bein geht. „Zur Erde saßen nun verstummt die Aeltesten der Tochter Zions, mit Staub auf dem Haupte und mit Säcken umgürtet." Nur von der Höhe des Tempelberges ließ sich noch eine klagende Stimme vernehmen, die mit hinreißender Gewalt in die dumpfe Betäubung der auf der Erde kauernden Greise und Jünglinge drang und sie aus ihrem lethargischen Seelen- *) Aus: Biograph. Charakterbilder aus der jüdischen Geschichte und Sage. Berlin. Verlag für moderne Literatur. zustande aufschreckte. Niemand aber besaß den Mut oder die Kraft, seinen Ort zu verlassen und an die Stelle, woher die Stimme ertönte, zu eilen. Nur ein Greis in gebückter Haltung und in Sack und Asche gehüllt, nur der Prophet Jeremia, dessen Tränen noch immer unaufhaltsam wie Wasser stoffen und in dessen Herz das bitter empfundene Weh über das Unglück seines Volkes auch nicht äußerlich zur Ruhe kommen wollte, nur er allein folgte der Stimme der Klage. Und er erblickte eine Frau mit zerzaustem Haar, in Trauerkleider gehüllt, deren von Gram und Kummer erbleichtes Gesicht aber noch Spuren ehemaliger Schönheit und Grazie verriet, auf einem Steine sitzend, und hörte, wie sie mit einer herzerschütternden Stimme weinte und klagte. „Wer bist du, arme vom Sturm gejagte, trostberaubte Gestalt?" rief Jeremia bewegt. „Bist du ein Menschenkind wie ich oder ein überirdisches Wesen? Deine Klagen dringen mir in die Seele, deine Seufzer zerreißen mein Herz. Sag an! Was ist dir widerfahren? Vielleicht kann ich dir helfen, vielleicht durch Trost dich aufrichten?" „O, mir ist gar Schreckliches widerfahren, meine Herzenswunde ist so groß wie das Meer. Mein Mann hat mich verlassen, und alle meine Kinder, sieben an der Zahl, hat der unerbittliche Tod mir geraubt. Nun sage selbst, gibt es noch ein Unglück, das dem meinen gleicht? Nein, nein. Für mich gibt es keinen Trost mehr — für mich gibt es nur noch Tränen, Trauer und Klagen." „Beruhige dich, schwergeprüftes Weib! Wie traurig dein Schicksal auch ist, das Unglück, das über Zion gekommen ist, übertrifft das deine. Noch hast du nicht, wie Zion, den Leidenkelch bis auf die Neige geleert." „Weh, weh mir! Jeremia! Habe ich mich so verändert, daß auch du mich nicht erkennst? Weh mir armen Weibe: Ich bin ja deine Mutter, die Tochter Zions." Und Jeremia weinte bei diesen Worten ganz bitterlich und rief klagend aus: „Wie umwölkte der Herr mit seinem Zorne die Tochter Zions, wie warf er vom Himmel zur Erde den Ruhm Israels!" Da ertönte eine klagende Stimme aus den-Wolken: „Ach! wo ist mein heiliger Tempel? Wo sind meine Priester, meine Freunde? Wo meine Kinder? Ich habe ihnen durch meine Propheten in einem fort mein Strafgericht angekündigt, waren haben sie auf meine Drohungen nicht gehört? Warum haben sie nur ihr Herz verstockt? O Jeremia! Mir ist zumute wie einem Vater, dessen einziger Sohn in der Hochzeitsnacht in den Armen seiner geliebten Gattin plötzlich die Seele aushaucht. O, geh doch, Jeremia, an die Gräber der Erzväter, wecke sie aus ihrem ewigen Schlaf und erzähle ihnen, was für ein Unglück über ihre Kinder gekommen ist; sie verstehen zu weinen und zu klagen, mögen sie doch schnell vor mir erscheinen, um zusammen mit m'r über Israels Elend zu trauern, über die Zerstörung meines Heiligtums ein Klagelied anzustimmen. Der trauernde Prophet eilte an die Ufer des Jordan und rief mit klagender Stimme: „O, Väter! o, Väter! stehet auf aus euren Gräbern und erscheinet vor Gott." Die Väter erwachten und fragten ängstlich: „Jeremia! was ist vorgefallen? Welche Unheilsbotschaft bringst du uns?" Der Prophet aber seufzte nur, setzte seinen Weg fort und rief in die Wüste Moabs hinaus: „Stehe auf, o Moses ben Amram, aus deinem Grabe und erscheine vor dem Herrn!" Moses antwortete erschrocken: „Was für eine traurige Kunde bringst du mir?" Der unglückliche Prophet aber vergeht D1C