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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-06-30 · 26 (30.6.1905) · p. Seite 364

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
26 (30.6.1905)
Date
1905-06-30
Page
Seite 364 (sequence 12)
Language
German
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Seite 364. Israelitische Wochenschrift. Nr. 26 regelmäßig Ende des Jahres in Beträgen bis zu 1000 M. alljährlich verteilt werden — Hugo Bliruch, der Seniorchef der weitbekannten Dekorationsfirma Hugo Baruch u. Co. ist im Alter von 57 Jahren gestorben. Der Dahingcschiedene war ein Theatergeschäftsmann mit scharfem Blick für das äußerlich Wirkungsvolle und hat in allem, was Bühnenausstattung betraf, den Berliner Theatern manche kräftige Anregung gegeben. — Am Mittwoch wurde er in Weißensee unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung weiter Kreise bestattet. Herr Rabbiner Dr. Weiße hielt die Gedächtnisrede, in der er auch auf die Herzensgüte und den wohltätigen Sinn des Dahingeschiedenen hinwies. — Herr Professor Tr. Proskauer, Abteilungs-Vorstehör am kgl. Institut für Infektionskrankheiten, ist zum Geheimen Regierungsrat ernannt worden. — Am 21. d. Mts. starb nach längerem Leiden im Alter von 72 Jahren Emil Cohn, der langjährige Verleger der „Volkszeitung" und ehemalige Mitinhaber des „Berliner Tageblatts." Die Papierfabriken in Friedland Emil Cohn & Co. und die Druckerei Gutenberg standen bis zuletzt unter seiner Leitung. Emil Cohn hat es aus kleinen Anfängen durch seine Intelligenz und Tüchtigkeit dahin gebracht, daß er ein bedeutendes Vermögen hinterläßt. Ursprünglich Kalkulator in seinem Heimatstädtchen Grätz, kam er noch in jungen Jahren nach Berlin, wo er bald mit seinem nachmaligen Schwager Rudolf Moste das „Berliner Tageblatt" begründete. Durch großen Wohltätigkeitssinn und einen liebenswürdigen Humor ausgezeichnet, hinterläßt Emil Cohn eine große Anzahl trauender Freunde. — Wahnsinn in der Volksversammlung! Graf Pückler hat wieder in der Tonhalle Vorstellung gegeben. Er brachte auf den Minister ein Hoch aus, weil er das Redeverbot gegen ihn aufgehoben chat und weidete sich dann an den Gräueln, die in Rußland gegen die Juden verübt worden sind. Er werde Russen nach Berlin importieren, damit diese seine lieben roten Kerle, denen zu Ehren er an diesem Abend eine rote Kravatte angelegt habe. Unterricht im Verdreschen erteilen sollten. Die Polizei würde ja in Berlin keine Schwierigkeiten machen, da sie vom obersten Leiter bis zum jüngsten Leutnant herab auf seiner Seite sei. „Ihr lieben roten Kerle", rief er der Versammlung zu, „ich habe Euch so lieb; rot ist von jetzt an nicht mehr die Farbe der Revolution, sondern eine Ehrenfarbe. Macht es so wie die Russen und ruft: „Wir spalten den Kerls den Schädel wie Nüsse!" Wenn Ihr auf meine Vorstellungen hört, Ihr lieben roten Kerle, und mir beisieht, so wird das deutsche Volk zur Weltherrschaft gelangen und Ihr werdet wohlhabende und reiche Leute werden. Fort mit den Fatzken und Salonmenschen, die hochmütig auf uns herabsehen, fort mit den einfältigen Staatsanwälten, die anständige Leute, wie mich, immer anklagen, fort mit den Fürsten, die jahraus, jahrein den Juden Besuche abstatten und ihnen Orden und Ehrenzeichen verleihen!" Lo tobte sich der Wahnsinn weiter aus. Der Polizeileutnant ließ den Unglücklichen gemütlich weiter reden. Breslau. Gestern verstarb in Breslau in der Fränkelschen Klinik der Oberkantor der dortigen israelitischen Gemeinde, Herr Cohn. Breslau. Am Sonntag, den 25. Juni, fand hier im Repräsentanten-Sitzungssaale der jüdischen Gemeinde der diesjährige Verbandstag des „Verbandes der Synagogengemeinden der Regierungsbezirke Breslau und Liegnitz" statt. Den Verbandsvorstand bilden zurzeit die Herren Stadtrat Pringsheim als Vorsitzender, Landgcrichtsrat Wollstein, Stadtverordneter Dr. med. Reich, Rabbiner Dr Guttmann aus Breslau, Stadtverordneten- Vorsteher Cohn - Liegnitz, Stadtverordneten - Vorsteher Justizrat Friedmann - Glogau und Justizrat Ledermann-Hirschberg. Die Synagogengemeinden des Regierungsbezirkes Oppeln sind in einem selbständigen Verbände zusammengeschlossen. Zwickau. Die Einweihung der Andachtsstätte der hiesigen neugegründeten israelitischen Religionsgcmeinde fand am Montag unter starker Beteiligung statt. Von der evangelischen Kirche war Herr Superintendent Kirchenrat I). Meyer, von der katholischen Kirche Herr Kaplan Wenke erschienen Die israelitischen Schwester-Gemeinden Dresden, Leipzig, Plauen, Chemnitz und Annaberg hatten Delegierte geschickt. Die Weiherede hielt der Rabbiner Dr. Winter aus Dresden, der in halbstündigen, geistvollen Ausführungen sich über die Bedeutung der Feier, über die Entstehung der israelitischen Synagogen und des israelitischen Gottesdienstes überhaupt verbreitete. Bei dem abends 7 Uhr beginnenden Festmahle im Hotel „zur grünen Tanne" wurde an Seine Majestät den König ein Telegramm abgesandt, worauf aus Baden-Baden ein Danktelegramm einging. Zwickau. Die neue israelitische Gemeinde beabsichtigt die Anlegung eines eigenen Friedhofs. Vor 400 Jahren bestand schon einmal hier eine jüdische Gemeinde und bis vor wenig Jahren führte eine hiesige Straße den Namen Judengasse. Kallehne. Hier ereignete sich der gewiß seltene Fall, daß ein Vater, der aus der preußischen Landeskirche ausgetreten ist, seine Kinder dem jüdischen Religionsunterricht zuführte. Zabrze. Das kleinste Schulsystem in. Oberschlesien. Im Gegensatz zu den Klagen über eine allzuhohe Arbeitslast der Lehrer infolge Ueberfüllung der Klassen steht im oberschlesischen Jndustriebezirk die jüdische Schule in Laurahütte, welche in zwei Klassen 13 Schüler zählt, die von zwei Lehrern unterrichtet werden. Der Schulbesuch ist in diesem Fall sehr teuer; er stellt sich pro Schüler auf über 300 M. jährlich, da die Schulunterhaltungskosten sich auf 4000 M. pro Jahr belaufen. Frankfurt. Diejenigen, die den Bettel professionell betreiben, suchen immerfort nach neuen Reizmitteln. Nachdem der 90jährige erblindete Greis" und andere Hilfsmittel nicht mehr ziehen, wird mit kluger Berechnung Kischinew herangezogen. Da ist z. B. ein Rabbiner O. Krohn in Borszegow (Galizien), dessen Schwiegersohn bei den Unruhen in Kischinew umgekommen sein soll Der „arme kranke Greis" gibt nun vor, daß er die ganze Familie ernähren müsse. Die Auskunft, die mein Gewährsmann erteilt, ist interessant genug, um als Warnung hier veröffentlicht zu werden. Die Auskunft lautet wörtlich: „O. Krohn in Borszegow ist kein Rabbiner, sondern ein Gauner und Hochstapler, der sich nur darauf verlegt, Schnorrbriese unter verschiedenen Vorwänden abzuschicken, um die Mildtätigkeit reicher und hochgestellter Personen auszunutzen. Dieses Individuum war schon mit einigen Monaten Kerkers für solch betrügerische Briefe und Fälschung von Amtssiegeln verschiedener Kultusgemeinden bestraft". Kriegshaven bei Augsburg. Am 22. d. Mts. verschied im Alter von 69 Jahren der in weiten Kreisen bekannte Lehrer und Kantor Herr Moriz Mayer dahier. Der Dahingeschiedene war ein braver, ehrenwerter Charakter, der wegen seiner Liebenswürdigkeit und Herzensgüte hochgeschätzt war. Nahezu 50 Jahre verwaltete er sein Amt als Vorbeter der israelitischen Kultusgemeinde Kriegshaben. Hann.-Munden. Die hiesige jüdische Gemeinde lebt seit längerer Zeit in Unfrieden. Sie hat sich in zwei Lager gespalten. Der Gemeindevorsteher hatte für Sonntag eine Gemeindeversammlung einberufen. Zu dieser war auch der Landrabbiner erschienen. Dieser hatte schon öfter mit der Angelegenheit zu tun gehabt und fürchtete für seine persönliche Sicherheit. Er bat deshalb die Polizeiverwaltung um polizeilichen Schutz, der auch gewährt wurde. Vor Beginn der Versammlung kam es zu einem heftigen Austritt zwischen dem Landrabbiner und dem Gemeindevorsteher. Elfterer wollte den Vorsitz in der Versammlung haben, letzterer wollte den Vorsitz selbst führen. Da erschien der bestellte Polizist. Der Landrabbiner sprach nun mit dem Polizisten und setzte ihm auseinander, weshalb er ihn bestellt habe. In dieses Gespräch mischte sich der Gemeindevorsteher hinein, weshalb ihm vom Polizisten bedeutet wurde, daß er warten solle, bis er gefragt würde. Daraufhin verließen der Gemeindevorsteher und sein Anhang die Versammlung. Der Gemeindevorsteher hat sich nun beschwerdefübrend an die königliche Regierung nach Hildesheim gewandt. Man darf gespannt sein, wie diese sich zu dem Konflikt stellen wird. Mannheim. Am Sonntag, den 18. Juni beging Herr Musikdirektor A Hänlein das Fest seiner 25 jährigen Wirksamkeit als Organist in der Synagoge und Dirigent des Synagogenchores. Anläßlich dieses Tages fand in der Wohnung des Herrn Hänlein eine Feier statt, wozu der Gesamtvorstand des Synachorenchors und eine Anzahl Mitglieder sich cingefunden hatten. Im Namen des Vorstandes gab Herr Arnold Feith durch eine längere Ansprache der rühmlichen Verdienste des Jubilars Ausdruck mit dem Wunsche, daß die bewährte Direktion des Herrn Hänlein dem Synagogenchor noch lange Jahre erhalten bleiben möge. Bochum. Beschlagnahmte Broschüre. Von einem hiesigen Antiquariat wurde seit einigen Tagen eine Sensationsbroschüre angepriesen: „Dreißig Tage widerrechtlich im Jrrenhause oder: Wie entledigt man sich eines unbequemen Ehegatten. Ehedrama in jüdischen Kreisen" von Michael Veit. In dieser Broschüre werden schwere Vorwürfe gegen einen Verwandten des Verfassers, den israelitischen Arzt Dr. H. in Bochum, erhoben, die zwar in der Bürgerschaft nicht den mindestens Glauben finden, für die

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