Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 26 (30.6.1905)
- Date
- 1905-06-30
- Page
- Seite 366 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
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Seite 366. Israelitische Wochenschrift. Wr. 26 in Tränen und antwortet nicht. Bestürzt eilte Moses zu j den Engeln und fragte sic: Wisset ihr vielleicht, was! der Herr von mir verlangt, daß er mich durch Jeremia rufen ließ?" „Sohn Amrams," antworteten die Engel, „weißt du denn nicht, daß der Tempel ein Raub der Flammen und Israel aus seinem Lande vertrieben wurde?" Da stieß Moses einen Schrei des Schmerzes aus, eilte zu Abraham, Isaak und Jakob und erzählte ihnen, was vorgefallen sei. „Weh uns, und weh unseren Kindern," riefen sie, und weinend und in Trauer gehüllt, setzten sie sich allesamt auf die Steine des Tempels und stimmten ein herzzerreißendes Klagelied an. Und die Himmel bedeckten sich mit schwarzen Wolken, die Sonne und der Mond verfinsterten sich, die Sterne zogen ihr Licht ein, die heiligen Seraphim weinten, und auch die Majestät Gottes stimmte ein Klagelied an. Die Patriarchen und Moses näherten sich nun dem Throne Gottes und schrien in wilder Klage auf: „Warum, o Gott! hast du deinen Zorn über unsere Kinder ausgegossen? Warum solche Schmach und solche Leiden über sie verhängt?" — Und ihnen gesellten sich die Engel und riefen: „Herr! Verödet sind die Wege, die zu deinem Heiligtum führen, der dem Abraham zugeschworene Bund ist gebrochen; als Lohn dafür, daß er zuerst deinen heiligen Namen der Welt verkündigt hat, hast du das von dir geliebte Zion verflucht und seine Kinder aus ihrem Lande in die Fremde verbannt." Da erwiderte eine Stimme vom Himmel: „Die Kinder Abrahams haben ihr Schicksal selbst verschuldet; denn sie haben meine Thora verachtet und meine Gebote mit Füßen getreten. Möge doch die Thora selbst erscheinen und meine Worte durch ihr Zeugnis bekräftigen!" Und die Thora erschien vor dem göttlichen Throne. Da rief Abraham: „Meine Tochter! Meine Tochter! Du könntest Zeugnis gegen meine Kinder ablegen? Muß ich dich erst erinnern, daß du von allen Völkern der Erde zurückgewiesen und nur von meinen Kindern bereitwillig angenommen wurdest? Könntest du so undankbar sein?" Und die Thora hüllte sich in Schweigen. „Nun so mögen doch," sprach Gott, „die Buchstaben meiner Lehre vor mir erscheinen und Zeugnis gegen deine Kinder ablegen!" Die Buchstaben kamen schnell herangeflogen. Allein schon die ersten Buchstaben, das Aleph und das Beth, verstummten, als Abraham sie daraus aufmerksam machte, daß 'sowohl das erste Gebot, als auch das erste Buch der Heiligen Schrift, denen sie vorangesetzt sind, von allen Nationen abgewiesen und nur von seinen Kindern angenommen worden waren. Und wehklagend näherten sich Abraham, Isaak und Jakob nacheinander dem allmächtigen Throne und riefen: „Gott! o Gott! Wie konntest du nur unsere Kinder so schonungslos dem Feinde übergeben? Warum dachtest du nicht an die Treue, in der wir vor die gewandelt sind? Ach! Wie hat doch der Feind unsere Kinder, die wir gepflegt und großgczogen, ohne Erbarmen vernichtet!" Und Moses schlug verzweifelt die Hände zusammen und klagte: „Weh mir! Was muß ich nun sehen! Mein Volk, um das ich mich vierzig Jahre abgemüht, das ich beschützt und behütet habe wie ein Adler seine Jungen, trägt Sklavenketten; seine Priester und Leviten verschmachten vor Hunger und Durst in den Straßen der Stadt, seine Jünglinge und Greise, Jungfrauen und Helden seufzen als Gefangene unter dem Joch von I Feinden und Bedrückern, und sein Heiligtum, o schrecklich! eine! Ruine, ein Sammelpunkt für wilde Tiere. Sei verflucht, o j Sonne, daß du den Feinden meines Polkes, als sie in das j Heiligtum drangen und ihre verruchte Hand nach dem Leben | meiner aus Aegypten geführten Nation ausstreckten, dein Licht gespendet und ihren Weg beschienen hast. Komm, Jeremia, ich will zusammen mit dir gehen und Nachsehen, wie es meinem Volke in der Gefangenschaft ergeht und wie der Feind mit ihm verfährt." Jeremia erwiderte: „Meister! Die Straßen sind vor den vielen Erschlagenen, die unbeerdigt umherliegen, nicht zu passieren." „So wollen wir, unglücklicher Prophet, über die Leichen weinend hinwegschreiten, um die noch Lebenden aufzusuchen." Und schweigend gingen die beiden nebeneinander einher, bis sie die Ströme Babylons erreicht hatten. Als die Israeliten Moses erblickten, glaubten sie, er wäre gekommen, um sie zu befreien, und liefen ihm freudig entgegen; — aber da ertönte eine Stimme vom Himmel: „Ich ändere nicht meinen Beschluß, Moses kann euch jetzt nicht helfen, hofft allein auf die Zukunft!" Und Moses weinte und sagte: „Ihr habet es nun gehört, meine Kinder, daß es also in Gottes Ratschluß lebt. Helfen kann ich euch jetzt nicht, aber ich will für euch beten, daß der Allmächtige seine Gnade euch wieder zuwende." Und kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, als ein mächtiger Sturm sich erhob und rhn vor den Augen der Unglücklichen davon trug. Verzweifelt und in Tränen aufgelöst, riefen sie ihm nach: „Unsei Vater! Unser Vater! Israels Wagen und seine Reiter! Wessen Führung vertraust du den Ueberrest deiner Herde an?" Allein niemand hörte aus ihr Weinen. Gott hatte sich mit einer dichte Wolke verhüllt, daß kein Flehen und keine Träne durchdrangen. Da ließ sich plötzlich eine Stimme aus Rama vernehmen, ein Wimmern, ein bitteres Weinen. Die Exulanten horchten auf und sie erkannten die Stimme Rahels, welche wehklagend und trostlos über das traurige Geschick ihrer Kinder in den Lüften umherschwebte und die Wolken, die die Herrlichkeit Gottes umgaben, mit dem Hauch ihrer wehmütigen Klagen auseinander jagte. Schluchzend und händeringend näherte sie sich den Pforten des Himmels und benetzte mit ihren Tränen, die bald wild wie das hervorstürzcnde Wasser einer sprudelnden Quelle flössen, bald langsam wie der perlende Tau Hermons auf den Bergen Zions dahin rollten, den von den Engeln der Barmherzigkeit umringten Thron Gottes. Und der allgütige Gott fing die Tränen der weinenden Mutter Israels auf und rief ihr im Säuseln eines milden Windes beschwichtigend zu: „Halte zurück deine Stimme vom Weinen und deine Augen von Tränen! Deine Kinder werden dereinst aus dem Lande des Feindes in die Heimat zurückkehren; jubelnd werden sie wieder zur Höhe des Berges Zwn wallen und meines Segens Fülle in Uebetfluß genießen. Ich werde ihre Trauer in Freude umwandeln, sie trösten und ihren Kummer mit Frohsinn verscheuchen." (Jalkut Jeremia 293; Midrasch Echa.) irw 11 x/, 'i , , i in» ■ Zur Jcrien-Reise! Ruf an unsere Mitbürger! Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt. Also reisen, reisen, reisen! Wohl dem der es kann, und wer es kann und tut, der unterlasse nicht vor der Reise seine Wohnung gegen Einbruch und Diebstahl zu versichern. Das kann jeder tun, wenn er in sein gewöhnliches Türschloß eine Schloßsicherung genannt I „Tyras Marke Reichshund ', D. R. Patent angem. einsetzen läßt. 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