Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 25 (23.6.1905)
- Date
- 1905-06-23
- Page
- Seite 346 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 346. Israelitische Wochenschrift. Nr. 26. Er sagte: „Ich bin mehr als befriedigt gewesen, ich war erstaunt über den Spielraum, der für die Bewässerung im Gebiete des Euphrat und Tigris vorhanden ist, und über die Leichtigkeit, mit der das große Werk ausgeführt werden kann. Eins ist klar, Bewässerung und Schiffahrt müssen da Hand in Hand gehen, Euphrat und Tigris führen genug Wasser für beide zugleich mindestens auf ein halbes Jahrhundert hinaus. Der Euphrat war, als ich ihn sah, in Babylon 12 Yards breit und 1 Yard tief, im Sommer war er, glaube ich, drei Monate lang trocken gewesen. Der Tigris oberhalb Ezralent war 40 Yards breit und IO Yards tief, im Sommer zur schlechtesten Zeit ist er 40 Yards breit und 3 Yards tief gewesen. Beide Flüsse jedoch führen starken Schlamm und müssen deshalb kräftig bearbeitet werden, um völlige Verschlammung zu verhindern. Das Land ist wie geschaffen für die Bewässerung. Da der eine Fluß fünfzehn Fuß über dem Niveau des andern fließt, ist ein natürlicher Abfall für die Kanäle vorhanden. Ich teilte das bewässerbare Land in fünfzehn Teile, von denen jeder selbständig ist und für sich in Angriff genommen werden kann und die doch nach der Vollendung ein großes Ganzes bilden würden. Es ist dies sehr wichtig, weil wegen des Schlammes alle Bewässerungswerke ineinandergreifen müßten, um bestehen zu können. Als das Land eine starke Regierung hatte, wurde diesem wichtigsten Umstand die größte Aufmerksamkeit gewidmet, und das ausgezeichnete Kanalsystem erhielt sich in voller Leistungsfähigkeit. Als die Regierung schwach wurde, begannen Flüsse und Kanäle zu verschlammen bis zu jenem Grade des Ruins und der Verödung, die wir heute da sehen, wo einst die Kornkammer der Welt war. Die erste Arbeit würde der Bau eines kombinierten Bewässerungs- und Schiffahrtskanäles sein, der Euphrat und Tigris in der Nähe von Bagdad zu verbinden hätte. Die weiteren Teile könnten dann in Angriff genommen werden, sobald die Vorarbeit dafür fertig und das Geld dafür aufgetrieben wäre. Nach Vollendung der 15 Sektionen wird es möglich sein, von den 14 oder 15 Millionen Acker, welche das Delta der beiden Flüsse enthält, 5 Millionen zu bewässern, ohne daß es notwendig wäre, Reservoirs dafür zu bauen oder die Schiffahrt auf den beiden Flüssen zu benachteiligen. Zur Ausführung des ersten Teiles des Unternehmens ist die Summe von ungefähr acht Millionen Lstr. nötig. Wenn die Möglichkeit, die Arbeit in Angriff zu nehmen, gesichert ist, wird es kaum Schwierigkeiten machen, diese Summe aufzubringen, in Anbetracht der Schnelligkeit, mit der man in Aegypten für jedes gut ausgearbeitete Unternehmen Kapital auftreibt. Die Einkünfte aus dem Werk können vorläufig nur schätzungsweise angegeben werden. Ich habe eine große Anzahl Erdproben, einige achtzig im ganzen, gesammelt und zur chemischen Analyse gegeben. So viel ich beurteilen kann, ist der beste Boden außerordentlich gut, und selbst im salzigen Boden ist es mir unmöglich gewesen, die Anwesenheit schädlicher unlöslicher Alkalien zu entdecken. Die Schwierigkeiten, die sich dem Ingenieur entgegenstellen, sind ganz unwesentlich. Die Probleme, die zu lösen sind, sind weit weniger ernsthaft als diejenigen, auf die man täglich in Aegypten stößt. Für die Bauten ist eine Menge ausgezeichneten Baumaterials am Platze, Arbeiter sind, wie versichert wird, im Ueberfluß zu bekommen, sobald es bekannt wird, daß regelmäßig bezahlt wird. Das Land ist noch voll von Ueberbleibseln des glänzenden Bewässerungssystems, das die Ingenieure der alten Sassanidenkönige angelegt haben. Man sieht noch, wo ihre Hauptkanäle liefen, wo Regulatoren gebaut waren, wo Pumpen das Wasser hoben. Man kann noch sehen, wo die Alten Fehler gemacht hatten und wie und wo sie sie ausbesserten. Das alles hat mir meine Aufnahmen ganz bedeutend erleichtert. Bezüglich der Nutzbarmachung dieser alten Werke für eine Neubewässerung Chaldäas ist zu berücksichtigen, datz die alten Ingenieure durch Mangel an Eisen benachteiligt waren. In den Fällen, wo dies ihre Pläne nicht beeinflußte, könnte man ruhig ihren Spuren folgen, wo aber die Verwendung von Eisen uns Vorteile gewährt, müssen wir natürlich neue und bessere Wege einschlagen. Die erste Bedingung ist die Zustimmung der türkischen Regierung, und ich werde sofort die nötigen Schritte dazu tun. Der Türke hält das Land fest in der Hand und hat den arabischen Einfluß ganz verdrängt. Und mit Recht, denn der Araber ist eine menschliche Heuschrecke, die alles vor sich her zerstört, nichts für die Ertragfähigkeit des Bodens tut, nichts hinter sich läßt als Verwüstung. So fest gewurzelt ist dort die türkische Macht, daß mein Regierungspaß mir überall die besten Dienste leistete. Ich wurde mit größerer Rücksicht und Hochachtung im alten Chaldäa behandelt, als mir als einem Engländer und Christen in Aegypten zu teil wird. Die Bahn nach dem persischen Golf wird und muß gebaut werden und zwar in nicht allzu ferner Zeit. Es ist Großbritanniens unwürdig, sich zürnend von diesem großen Unternehmen abzuwenden. Sobald das Kapital vorhanden ist, könnte man die Linie nach Bagdad beginnen und sie weiter nach Ninive und Khamkin führen. Die gegebene Linie für die Bahn würde von Bagdad nach Khamkin, Kermanscha, Jspahan, Jezd und Kerman führen, um sich da an die Nuschki- Quetta-Bahn, die im Bau begriffen ist, anzugliedern. Britische Unternehmer sollten die Linie Khamkin-Nuschki bauen, die ein entwickelungsfähiges Land durchschneidet und nicht ein gottverlassenes Gebiet wie das am persischen Golf. Die kürzliche Entdeckung von Oelquellen in Khan-Schirin am Laufe der projektierten Linie Khamkin Nuschki ist sehr wichtig und wird von großem Einfluß auf die Ertragsfähigkeit dieser Linie sein. Die Dampfschiffsgesellschaften sollten Hotels in Basra, Bagdad und Babylon bauen, um die Touristen anzulocken, denn bezüglich der Bequemlichkeiten für den Reisenden ist das Land noch weit zurück. Auf dem Tigris fahren acht oder zehn Dampfboote, auf dem Euphrat noch keins. Die Deutschen könnten beide Flüsse mit ihren Dampfbooten für den Transport des Eisenbahnmaterials sowie sonstiger Vorräte füllen, für die sie keinen Zoll zu zahlen haben. Als ich dort stand, die Ueberbleibsel eines alten, stolzen Bewässerungssystems überblickend, war mir zu Mute wie dem Propheten Ezechiel, als er in das Tal der trockenen Knochen niederschaute. In den weiten Wasserläufen der verlassenen Kanäle lagen die trockenen Knochen vor mir. Ich sehne mich danach, sie mit Fleisch und Blut zu umgeben, sie mit Leben zu füllen, dieses Land wieder so fruchtbar und lachend zu machen wie wenige andere. Meine Hoffnungen, mein Ehrgeiz, mein Werk sind von nun die Wiedererweckung Chaldäas." Hoffentlich finden diese Auslassungen eines Fachmannes von höchster Kompetenz in Deutschland die ihnen gebührende Beachtung. Das Erythmlgsivkrk der Aüiaalt ia Algerien. Algerien, das etwa 60 000 Juden zählt, nimmt im Erziehungswerk der Alliance eine ganz besondere Stellung ein. Die jüdischen Kinder besuchen hier zu Hunderten die öffentlichen