Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 24 (16.6.1905)
- Date
- 1905-06-16
- Page
- Seite 334 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/5369809-9607691-9606364-9606662--9363-9606672- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 334. Israelitische Wochenschrift. Nr. 24. Lagen roher Steinblöcke, hier meist Gips- oder Kalkstein, bisweilen mit einer oberen Abgleichung aus kleineren Brocken und Scherben, kann bis Adadnirari I. nachgewiesen werden, war aber wahrscheinlich schon von Jrisum (ca. 2080) geübt. In dieser ältesten Zeit ist weniger Wert darauf gelegt und bisweilen die Lehmziegelmauer ohne Steinlage unmittelbar in den Baugraben, am liebsten aber auf den Fels aufgesetzt. Später legt man ein Steinfundament sogar auf den gewachsenen Fels, also den sichersten Baugrund, den man sich denken kann, wo es uns ganz überflüssig scheinen würde". Weiter schreibt Andrae über das Baumaterial: „Das übliche Mauermaterial' ist der Lehmziegel, d. h. der an der Luft getrocknete Lehm-Formstein. Der verwendete Rohstoff ist von sehr wechselnder Güte, von reinstem fetten, sattgelben Lehm ohne Beimischung bis zur stark verunreinigten, unausgesuchten Schutterde, die Scherben, Kiesel und andere Fremdkörper enthält. Manchmal ist der Lehm stark sandig, oft tonig-grau, bisweilen mit Häcksel vermischt. Ergeben sich hieraus schon Unterscheidungsmerkmale, so gilt dies noch mehr von den Ziegelmaßen. Sie haben im allgemeinen die Tendenz, zu wachsen, d. h. die älteste Zeit stellt kleine, die jüngste sehr große Formate her. Der gebrannte Ziegel wird an den von Wasser gefährdeten Stellen, meist mit Asphaltmörtel verwendet (z. B. an der Quaimauer) Er dient zum Schutz des Wandfußes, als Orthostat, wo nicht Steinplatten dazu verwendet werden konnten. Als Fußbodenbelag kommt er oft bis aus Ellenlänge und wird in reinen. Flußsand gebettet. Das übliche Format ist wie beim ungebrannten Ziegel das quadratische, aber mit 31—34 cm Seite und 6—10 cm Dicke, gegen die häufigen Maße 35 □ bis 39 □ bei 10—14 cm Dicke der ungebrannten. Kleinere gebrannte Ziegel (häufig 26 □ X 6) kommen an den Grüften vor. Der Verband bedingt halbe Steine, sowie verschiedene Rundstab- und Rillensormsteine. Als Mörtel dient Lehm, stellenweise werden Schilflagen eingefügt. Bindende Mörtel sind unbekannt mit Ausnahme vielleicht von Asphalt bei allen Arten von Wasserbauten, wo die eigentliche Bindekraft zwischen Schicht und Schicht häufig genug durch zwischengeschaltete Lehmmörtelstriche paralysiert wird. Holzroste oder -Verankerungen sind noch nicht beobachtet, jedoch luftkanalartige Aussparungen am Mauerwerk, z. B. am „Westmassiv", nicht aber an der Zikkurrat. Der Wandputz ist Lehm, bisweilen eine Gipsmaffe. Die Wölbtechnik in Gestalt von Türbogen und Gruftgewölben geringer Spannweite aus Ziegeln ist der altassyrischen Zeit geläufig. Für die Bedachung größerer Räume kann man nach wie vor nur horizontale Decken annehmen. Die Fassadengliederungen zeigen die üblichen babylonischen Motive: dreiteilige Rillen, Rundstäbe (senkrechtlaufend), Lisenen oder Riselite geringer Ausladung, vertiefse Türeinrahmungen. Der augenfälligste Faffadenschmuck ist die Verkleidung mit emaillierten Ziegeln, die vor allem den Assurtempel auszeichnet und seine Wände mit einem farbigen Spiel von Ornamenten und bunten Gemälden überspann. An den Palasttoren geben die Torlamassi und Kolossalstiere und -Löwen einen dekorativen Mittelpunkt, von dessen Effekt wir in Chorsabad und Nineveh unterrichtet sind. Für die Ausschmückung der Jnnenräume bediente man sich gewiß edler Materialien, wie Metalle, ausgesuchte Hölzer (Zedern-, butnu-, urkarinu-Holz), wovon natürlich wenig erhalten blieb, vor allem aber farbig ornamentierter Emailfliesen, -knäufe und -konsole, mit denen wir uns Decken und Wände ganz oder teilweise inkrustiert denken können". Anzuschließen ist, was Andrae über Plastik und Keramik in Assur und die Verwendung von Metallen sagt: „Die Plastik", schreibt er, „ist entsprechend dem Alter der Stadt und ihrer Eigenschaft als Residenz mit Resten vertreten, die in sehr frühe Zeit hinaufreichen — freilich vorläufig für diese dunklen Perioden noch recht spärlich: Bruchstücke von Steingefäßen mit Ritzereien und Reliefbildern, Produkte der Steinschneidekunst, wie Siegelzylinder und Terrakotten. Die letzteren bringen interessante Typen zur Erklärung. Es sind männliche und weibliche Götteridole; Idole von Tieren: Widder, Rinder, Affen; vor allem aber Pferde, letztere auch fahrbar, indem die Beinpaare zusammengefaßt und für die Rüdera chse durchloch wurden; ferner Streitwagenidole, oft mit aufstehendem Wagenlenker, bisweilen mit angeformten Zugpferden. Sie sind einachsig und haben zwei Durchbohrungen, für die Radachse und für die Deichsel, die beide wohl aus Holzstäbchen, während die Rädchen aus gebranntem Ton bestanden. Die monumentale Steinbildnerei der ältesten Zeit wird durch Teile von Rundskulpturen, z. B. dem Bildnis eines sitzenden Herrschers (1737) aus Alabaster, repräsentiert, die sich in bescheidenen unterlebensgroßen Maßen halten. Ins großartige geht Tiglathpileser I. mit seinen Torstudien sowohl in den Maßen wie im Material, der dauerhaften Basaltlava. In bekanntere Perioden führen uns die großen Skulpturen Asurnazirpals und Salmanassars II. Die parthische Zeit verwendet Kalkstein zu ihren Reliefstelen. Die Keramik von Assur läßt sich so wenig wie die babylonische im Vergleich ziehen mit der griechischen. In der Güte der Ware und der Mannigfaltigkeit der Formen steht sie weit zurück. Eine Ausnahme bilden die für altassyrische Zeit nachgewiesenen Feintöpfereien mit Bemalung in Weiß auf schwarzem dder dunkelviolettem Grunde, wo neben feingeschlämmtem Ton ouch Glättung der Oberfläche zu beobachten ist. Ferner muß aie Einailtechnik gebührend gewürdigt werden. Emaillierte Gefäße sind in sehr alten Schichten und Gräbern keine Seltenheit, und daß diese Kunst hier an Ort und Stelle geübt, also nicht importiert ist, beweisen Schmelztiegel und -abfälle, die fortwährend herauskommen. Dementsprechend ist die Emailziegel- Malerei schon zu Tiglathpilesersll. Zeit, also im 10. vorchristlichen Jahrhundert, vollkommen entwickelt. Gefäße aus einer weißen, griesigen, porzellanähnlichen Masse mit Glasur kommen ebenfalls häufig vor. In der Metallurgie bilden Kupfer und Bronze die Hauptmaterialien für Geräte, Waffen und Schmuck. Silber¬ und Goldschmuck findet sich in Gräbern. Plaketten und münzenähnliche Scheibchen, Spangen und ähnliches bestehen häufig aus einem bleiartigen Metall. Die Ornamentik der Plaketten ist assyrisch, bürgt also für das Alter der anderen, sonst zeitlich unbestimmbaren. Das Eisen ist bekannt; z. B. war das Auge einer Basaltstierskulptur, die man vielleicht Tiplathpileser I. zuschreiben kann, mittels eines noch vorhandenen Eisenstiftes festgesteckt." Den Beschluß des neuen Heftes der Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft macht ein Bericht Andraes über eine altassyrische Gruftanlage. Die Bedeutung dieses Fundes beruht darauf, daß es sich um die erste intakte Ziegelgruft, die man in Assur angetroffen hat, handelt. „Das Gruftgewölbe", schreibt Andrae, „ist ein rechteckiger Raum von 2,90X1,67 m innerer Grundfläche, dessen einen Stein starke Ziegelwände etwas ungleichmäßig auf dem vor allem anderen verlegten Ziegelpflaster aufsitzen. Das Ziegelmaß ist 27CHX6 cm. Die Wände sind bis zu den nach innen je vier Zentimeter eingezogenenTonnengewölbanfängern ca. 75 cm gleich 13 Schichten hoch. Der Gewölbbogen ist etwas parabolisch überhöht, er hat bei 1,59 m Spannweite 0,89 m Stich. Die Wölbtechnik verrät Sorgfalt und bedient sich der gewöhnlichen Mauerziegel, die nur in der Schlußschicht etwas keilig zugehauen sind, in 46 radialen Schichten. Die entstehenden Keilfugen sind mit