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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-06-16 · 24 (16.6.1905) · p. Seite 333

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
24 (16.6.1905)
Date
1905-06-16
Page
Seite 333 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 24. Israelitische Wochenschrift. Seite 333. dem Anfänge des 4. Jahrhunders nach Christo stammend, den Anfang des Briefes Pauli an die Römer bringt. In einem Kästchen sind zylindrische Siegel enthalten, wie sich deren die Assyrier und Babylonier bedienten, darunter welche von der gleichen Art wie die von den Juden beim Landverkaufe verwendeten, von denen Jerem. 32 die Rede ist. In einem andern Kasten sieht man von assyrischen und babylonischen Kaufleuten gebrauchte Gewichte, die sonderbarerweise die Gestalt von Löwen und Enten haben. Vor allem vollständig ist die Ausstellung aus dem heutigen Palästina. Hier ist alles vertreten, was beim Lesen der Bibel erklärend wirken kann. Da finden sich die primitiven landwirtschaftlichen Geräte, die noch heute im heiligen Lande gebraucht werden und die gewiß kaum verschieden sind von denen, mit welchen man zur Zeit der Erzväter den Boden bestellte. Auch das heute benutzte bunte Schaffell der Hirten hat sich gewiß wenig verändert und unterscheidet sich wohl kaum von dem, welches der Prophet Amos trug, der Hirt von Thekoa. Die heutigen Gewänder der stolzen Beduinenhäuptlinge zeigen die Kleidung Salomos in aller seiner Pracht, ja übertreffen sie wohl gar noch in ihrem Farbenreichtum. Weiter ist eine große Sammlung von Vögeln aus Palästina vorhanden, sowie Gräser, Samenkörner, Getreide, Blumen und Hölzer, die in der heiligen Schrift erwähnt werden. Die Geologie ist vertreten durch einen mächtigen Steinsalzblock vom Toten Meere. Diese reichen Sammlungen des semitischen Museums werden dann noch ergänzt durch viele Hunderte von Photographien, von denen eine ganze Anzahl vom Kurator des Museums selber auf seinen großen Reisen in Palästina ausgenommen sind. Sie zeigen das Leben des Volkes, besonders aber die für die Geschichte Israels wichtigen Plätze. Die Krulinilg der Deutsche» Orieut-Krselllchaft in Assur. Die neuesten „Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft" bringen als Hauptteil einen zusammenhängenden Bericht Wilhelm Andraes über die Grabung in Assur in der Zeit vom 18. September 1903, ihrem Beginn, bis Ende Februar dieses Jahres. So viel auch schon früher über die deutsche Kulturarbeit auf dem Boden von Assur bekannt geworden ist, die ganze Fülle des Neugewinns tritt doch erst voll in dieser Andraeschen Uebersicht zutage. Zugleich aber enthält dieser Gesamtbericht gleichsam die Inventur des wissenschaftlichen Neuerwerbs, der aus dem Studium der Affur-Grabung erwachsen ist. Diese Inventur ist mit Dank anzunehmen, zumal es noch längerer Zeit bedürfen wird, ehe die ins einzelne gehende Bearbeitung der Funde herauskommen wird. In erster Stelle untersucht Andrae die topographische Kernfrage. In schon früher bekannten und in neu aufgefundenen Keilschrifttexten werden Oertlichkeiten und Bauwerke in Assur erwähnt. Es kommt nun darauf an, zu zeigen, welche dieser in den Texten vermerkten Bauwerke bei der Grabung bereits nachgewiesen sind. Daraus ergeben sich zugleich gewichtige Fingerzeige für die weitere Führung der Grabungsarbeiten. Im einzelnen untersucht Andrae hierbei die Texte 1) über die Befestigungen und zwar die Stadtmauer, das Außenwerk, die Kaimauer, den Stadtgraben, die Stadttore, die Tore an Gebäuden, den Muslalu, 2) über die Tempel, den Tempel des Gottes Asur, den Anu- und Adadtempel, den Tempel des Gottes Bel, 3) über die Paläste Salmanaffars I, Asurmazirpals und andere und schließlich 4) über die Gräber. Interessant ist anthropologisch Andraes Gruppierung der verschiedenen Grabarten in Assur. Er unterscheidet deren sieben Arten, nämlich Grüfte, Sarkophage, Stülper, Kapseln, Ziegelgräber, Scherbengräber und Erdgräber. Grüfte gibt es in verschiedenen Formen und Dimensionen. Sie sind aus gebrannten Ziegeln unterirdisch hergestellt. Meist bestehen sie aus Hauptkammer und Einsteigschacht, bisweilen mit kleinerer Nebenkammer. Die größeren Grüfte sind einsteinig radial in der Tonne überwölbt, kleinere,, bisweilen kaum zugängliche mit übergekragten Schichten. Zur Ausstattung gehört eine kleine Nische (mit Konsol) in einer Stirnwand, zum Abstellen des Totenlämpchens. Bisher sind stets mehrere Bestattungen in einer Gruft beobachtet. Die Leichen liegen mit angezogenen Beinen (Hocklage) auf dem gepflasterten Boden. Von Tonsarkophagen sind drei verschiedene Grundformen zu unterscheiden: zunächst Topfsarkophage, das sind stehende große Töpfe, in welche die Leichen gepreßt wurden, mit verschiedenem Verschluß, sodann Hocksarkophage, hohe, aber sehr kurze Wannen, welche die Leichen in Hockstellung aufzunehmen hatten, weiter Wannensarkophage, einteilige und zweiteilige. Die Stülpgräber bestehen aus ovalen Mulden, die über die Leiche gestülpt sind. Die Kapselgräber kommen so zustande, daß vom Kopf- und Fußende der liegenden Leiche her je ein liegender großer Topf bis zum Zusammentreffen der Ränder geschoben wird, so daß der Bestattete vollkommen umkapselt ist. Bei den Ziegelgräbern ist die Leiche sargförmig mit dach- oder kanalartig gestellten Ziegeln eingeschlossen. In den Scherbengräbern sind die in Erde gebetteten Leichen mit kleineren und größeren Topfscherben bedeckt. Schließlich finden sich Erdgräber als einfache Bettung in Erde ohne künstlichen Schutz der Leiche ooc Andrae hebt in dem zweiten Teil seiner Uebersicht, der das Historische behandelt, hervor, welch reicher Gewinn gerade der Geschichte der Affur-Grabung erwachsen ist. „Die Wandlungen assyrischer Kultur vom 3. Jahrtausend bis zu ihrem Verfall, fragt Andrae, weiter aber auch die der folgenden persisch-parthischen Perioden können hier vorzüglich studiert werden. Die dunkelsten Zeiten der assyrischen Geschichte beginnen sich allmählich zu lichten, indem uns wenigstens die Herrschernamen bekannt wurden; die Lücken nach Tukulti-Ninib I. (um 1300) und nach Tiglathpileser I. (um 1100) beginnen sich zu schließen und werden sich durch die neuesten Funde schon einigermaßen beleben". Dieser historische Gewinn rührt daher, daß die Assyrer ein schreibseliges Volk waren. Ihre Herrscher setzten schier auf alles, was sie schufen, ihre Unterschrift. Abgesehen von gestempelten und beschriebenen Ziegeln sind noch vielerlei Arten von Urkunden gebräuchlich. Nach dem Material zerfallen sie in Steinurkunden und Tonurkunden. Die urkundlichen Inschriften auf Stein finden sich auf rohen Kalk- oder Gipssteinblöcken, in Fundamenten, auf gut bearbeiteten Kantquadern mit der Inschrift auf der Frontseite, auf Steintafeln, Kieseln, auf Alabasterzylindern und -Prismen, auf Orthostatenplatten und schließlich auf Torskulpturen. An Tonurkunden sind vier Formen zu unterscheiden: zunächst phallusförmige Tongefäße mit stark ausladendem Kopf, mit und ohne Durchlochung und auf dem Kopf quer oder konzentrisch beschrieben, sodann Tonzylinder und zwar sowohl massive als auch hohle, weiter sechs-, sieben- und achteckige Tonprismen und endlich Tontafeln. Des längeren verweilt Andrae gemäß seiner ursprünglichen Fachbildung als Architekt bei der Bauweise, wie sie bei der Assurgrabung in die Erscheinung tritt. Er schreibt zunächst einiges über die Fundamentierungstechnik der Assyrer. „Die in Babylon ganz unbekannte, in Syrien, dem Hetiterlande aber übliche Gründung der Lehmziegelmauern auf einer oder mehreren

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