Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 24 (16.6.1905)
- Date
- 1905-06-16
- Page
- Seite 332 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 332 Israelitische Wochenschrift. Nr. 24. gellten Stücke bleiben Eigentum der Gemeinden, und diesen steht das Recht zu, ihre Archivalien jederzeit zurückznforden. Die Gründung des Archivs ist durch namhafte Beiträge finanziell bereits gesichert, da die Gemeinde Berlin jährlich 2500 M., die Loge und der D -I. G.-B jährlich 3500 M. und die Baronin Oppenheimersche Stiftung in Berlin 500 M. jährlich gezeichnet haben. Nachdem nunmehr die Tagesordnung erschöpft war, ergriff Herr Amtsgerichtsrat Lcvy-Beuthen das Wort, um im Namen der Versammlung dem Vorsitzenden, Herrn Dr. Blau, für seine geschickte, taktvolle, energische und schneidige Leitung der Tagung herzlichst zu danken. Die Versammlung stimmte begeistert in ein dreifaches Hoch auf den verehrten Führer ein. Herr Tr. Blau wies darauf hin, daß ohne die trefflichen Vorarbeiten des Ausschusses des D -I. G -B. niemals das hätte geleistet werden können, was in der Tat geleistet worden ist, und daß diesem und vor allem seinem Vorsitzenden. Herrn Professor Dr. Philippson, der Dank gebühre. Herr Tr. Apfel-Köln forderte zu einem Hoch aus die Frankfurt-Loge auf, in deren schönen Räumen sich alle vom ersten Augenblick an so behaglich und heimisch gefühlt hätten, und zum Schluß gab Professor Tr. Philippson dem Wunsch Ausdruck, daß die große Zahl wackerer Männer, die auch heute wie immer ihre Kraft in den Dienst der Interessen der Judenheit gestellt hätten, uns auch ferner erhalten bleiben möge. Um 31/2 Uhr schloß dann der Vorsitzende den zehnten D. I. Gemeindetag. Die gefaßten Beschlüsse werden dem Ausschüsse zur Ausführung überlassen bleiben, und es steht zu hoffen, daß alle die Erwartungen sich erfüllen, dke die deutsche Judenheit an die Tätigkeit des D. I. G B. inbezug auf die an den beiden Tagen behandelten Fragen geknüpft hat. Das frmitifiiK Nicki»» der tjarvardllnitirrlitiit. Eine der bekanntesten und bestausgestatteten Universitäten Amerikas ist die Harvard-Universität zu Cambridge im Staate Massachusetts. Unter den Einrichtungen dieser Hochschule aber verdient besondere Beachtung das semitische Museum, in welchem sowohl den Studierenden der Harvard-Universität als den Studentinnen des mit der Universität eng verbundenen Frauenkollegs Ratcüffe Gelegenheit zum Studium des Volkes Israel und der Geschichte der Staaten Vorderasiens gegeben wiro. Das schöne Gebäude liegt in einer schattigen Allee der geschäftsreichen Stadt, aus deren lebendigem Betriebe der Besucher gleichsam mit einem Schritte aus dem 20. Jahrhundert in die Zeiten Sanheribs und Nebukadnezars hinübergeführt wird. Diese Zeiten aber sind für unsere Kultur von hervorragender Bedeutung, da in ihnen die ethische Nassenbeweguug ihren Anfang nahm, die ihren Gipfelpunkt im Christentum fand. In sie einzuführen ist die Aufgabe der Kurse, welche die Gelehrten der Harvard-Universität im Museum abhalten. Sie beschäftigen sich im wesentlichen mit der Darlegung des altsemitischen Lebens und der Religion der zwölf Stämme, soweit diese das nationale Leben des Volkes berührte. Sitten und Gebräuche des Alltagslebens, Art und Weise der Kleidung und der Rede, die Umgebung, in der sie lebten, ihre großen Gebäude und großen öffentlichen Werke sind daher in Rekonstruktionen im Museum enthalten, und diese Sammlung ist wohl eine der wertvollsten, die es überhaupt gibt. Da sehen wir vor allem ein von dem bekannten deutschen Archäologen Dr. Konrad Schick in Jerusalem hergestelltes herrliches Modell des salomonischen Tempels, in und an dem alles angebracht ist, das durch die biblischen Urkunden oder archäologischen Studien festgestellt ist, und wenn in der Anordnung auch wohl, wie bei den Rekonstruktionen von Troja, Mycene und Olympia, die Phantasie etwas mitgespielt hat, so gibt das Ganze doch ein anschauliches und relativ wahres Bild. Als Gegenstück des Tempels dient ein großes Modell des Platzes Harem es Sherif. Dieser Platz darf wohl als einer der interessantesten der Welt bezeichnet werden. Auf ihm standen vermutlich der Altar, den nach 3. Sam. 24, 16 ff. König David auf der Tuma Araonos des Jabusithers baute, die Paläste Salomos, ein zweiter Tempel, den die aus der Gefangenschaft zurückkehrenden Juden erbauten, und später der Tempel des Herodes. Die Archäologen halten es nicht für ausgeschlossen, daß im südöstlichen Winkel des Platzes sich noch die Substruktionen der Gebäude aus der Zeit Salomos vorsinden können. Ein längliches Gebäude, das einen Teil des Platzes einnimmt, ist bereits wiedererstanden; man nennt es die Stätte Salomos. Auch glauben manche Archäologen, einen Teil vom Tempel des Herodes aufgefunden und als solchen festgestellt zu haben. Auf diesem Platze hat später Kaiser Hadrian einen großen Tempel für Jupiter und einen kleineren für seine eigene göttliche Person errichten lassen. Ferner haben um 700 n. Chr. dort die Mohammedaner die Moschee erbaut, welche sie den Felsendom, die Christen aber die Moschee Omars nannten. Hier ist eine der heiligsten Stätten für die Mohammedaner; auf dem großen Felsen unter der Kuppel der Moschee soll der große Altar im Tempel Salomos gestanden haben. Weiterhin birgt das Museum eine große Anzahl der wertvollen assyrischen Tontafeln, aus denen wir neuerdings so vieles über die alte Geschichte der Völker Vorderasiens erfahren haben und die uns namentlich einen Einblick geben in das öffentliche, private und gesellschaftliche Leben der Zeiten des 8. und 7. Jahrhunderts v. Chr. Zwei dieser Tontafeln der Sammlung stammen sogar schon von dem neuerdings viel genannten Hammurab-Amraphel. Sie berichten von Liegenschaftsverkäufen, die dem Anscheine nach nicht wesentlich von derartigen Vorgängen unserer Zeit verschieden waren. Eine andere Tafel gibt uns Bericht über die Bauunternehmungen Nebukadnezars. — Ferner besitzt das Museum eine ganze Anzahl von Ziegeln und Basreliefs, die von alten Gebäuden herrühren. Jeder Stein trägt den Namen und den Titel des Königs, der den Bau errichtete, zu dem der Stein gehörte; jedes Relief stellt irgend einen Vorgang aus der Zeit einer der großen Dynastien dar. In der Sammlung befindet sich auch ein Ziegel mit dem Stempel der 10. Legion des Kaisers Titus, die an der Zerstörung von Jerusalem teilnahm. Im Eingang zu dem Museum steht ein mächtiger Abguß des kolossalen geflügelten Löwen, dessen Original im Palaste des Königs Assurnasirpal (9. Jahrhundert) vor dem Haupttore Wache stand; ferner steht dort ein Obelisk von Salmanassar, einem Zeitgenossen König Jehus, und mehrere gemalte Abgüsse von Gondea, dem Könige von Babel (ca. 3000 v. Chr.), der mit seinem Schreibgerät auf den Knien dargestellt ist. Weiterhin findet sich dort eine Reproduktion des Denkmals von Esar Haddon, wovon das Original im Berliner Museum sich befindet. Auch Abgüsse von Keilschrifttafeln, deren Originale sich im Britischen Museum befinden, sowie von Schnitzereien, die den opfernden König Affurbanipal darstellen, und von Sargon, dem assyrischen Ueberwinder der Israeliten, der Jes. 20 erwähnt wird, sowie vom Könige Sanherib sind vorhanden. Von der frühesten Kunst der Israeliten ist uns überhaupt nicht viel erhalten, doch besitzt das Museum Stücke von ihrer Töpferei, sowie alte Glasartikel, von denen manche ohne Zweifel altisraelitischen Ursprungs sind. In der Sammlung von Stücken aus späteren Zeiten, die sich bis auf die Gegenwart erstreckt, befinden sich zahlreiche Gegenstände aus Damaskus, wie Schwerter, Kopfbedeckungen, Lesegestelle, Kästchen für den Koran usw. Ferner gibt es da hebräische und syrische Manuskripte und i eine Anzahl griechischer Papyrusschriften, von denen eine, aus €