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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-06-09 · 23 (9.6.1905) · p. Seite 320

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
23 (9.6.1905)
Date
1905-06-09
Page
Seite 320 (sequence 12)
Language
German
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Seite 320. Israelitische Wochenschrift. Nr. 23 religiösen Gebet wurde die „heilige Lade" wieder geschlossen, j Nun folgte das Weihegebet des Rabbiners Dr. Seligmann aus Frankfurt, welcher in tiefempfundenen Worten die Synagoge I ihrer Bestimmung weihte in Hinweis auf die hehre Bedeutung des neuen Gotteshauses für die Plantsche israelitische Gemeinde. Mit einem Gebet für unser sächsisches Vaterland, unseren König Friedrich August, den Kaiser Wilhelm, sowie die städtischen Behörden der Stadt Plauen schloß der Rabbiner, worauf er zur feierlichen Entzündung des ewigen Lichts schritt, welches sich über der „heiligen Lade" vor den beiden Gesetzestafeln befindet Nach abermaligem Wechselgesang zwischen Vorbeter und Gemeinde hielt Herr Rabbiuer Dr. Seligmann die Festpredigt Ausgehend von dem Spruch: „Jeder bei seiner Arbeit — jeder bei seiner Fahne" wies er auf die hohe Kulturarbeit des jüdischen Volkes zur biblischen Zeit hin, welche noch heute die Bewunderung der gebildeten Welt hervorruft. Aber nicht eigentlich bei der Arbeit, d. h. bei dem Materiellen, kann man das eigentliche Wesen des Volkes kennen lernen, sondern bei der Fahne, d. h. bei dem Idealismus Nach der Zerstreuung des jüdischen Volkes in alle Welt sei es durch Verfolgung und Unterdrückung herabgesunken von der hohen Kulturstufe, aber seine Ideale habe es selbst in der grausamen Zeit des Mittelalters nicht verloren, ja heute noch segne der jüdische Vater am Vorabend des Sabbat seine Kinder mit demselben Segensspruche, mit dem Jakob seine Söhne und Nachkommen gesegnet habe. Dann wies der Redner darauf hin, wie verkehrt, ja verwerflich es sei, wenn man von einer national-jüdischen Religionsgemeinde spreche, „rein national sein, ist für uns deutsch sein, denn Deutschland ist unser Vaterland, deutsch ist unsere Muttersprache. Deutschlands Freuden und Leiden, Sorgen und Arbeiten sind zugleich auch unsere; für Deutschland haben viele unserer Glaubensbrüder ihr Blut auf den Schlachtfeldern geopfert und werden es weiterhin tun, denn in Deutschland haben wir unsere Heimat gefunden, unter deutschen Gesetzen leben wir in Schutz und Sicherheit. Wir wollen und müssen deutsche Juden und jüdische Deutsche sein." Unter herrlichem Chorgesang des Chemnitzer Synagogen-Chores und dem täglichen Nachmittagsgebet schloß die würdige Feier der Einweihung Im Anschlüsse an die Feier in der Synagoge vereinigten sich die Mitglieder der Gemeinde mit ihren Gästen zu einem Festmahl in „Teils Hotel." Im Verlaufe desselben wurde an König Friedrich August folgendes Telegramm abgesandt: Die zum Festmahle anläßlich der Synagogen-Einweihung versammelten Israeliten der Stadt Plauen hatten das Bedürfnis, Eurer Majestät in dankbarer Ergebenheit die Versicherung unwandelbarer Treue ergebenst auszudrücken mit der Bitte um huldreichste Entgegennahme. Vorstand der Israelitischen Gemeinde. Darauf ist die nachstehende Antwort eingegangen: Se. Maj. der König lassen den Israeliten der Stadt Plauen für die Versicherung treuer Ergebenheit Allerhöchst seinen besten Dank aussprechen. Richter, Hauptmann und Ordonnanzoffizier. Wien. Am 31. v. Mts. verschied hier in seinem 91. Lebensjahre der Lektor an der Wiener jüdisch-theologischen Anstalt, Ignaz H. Weiß In ihm verliert die jüdische Wissenschaft und die neuhebräische Literatur einen ihrer hervorragendsten, genialsten Vertreter Als Begründer der „Geschichte der jüdischen Tradition" hat er sich einen unvergänglichen Namen in der Wissenschaft des Judentums gesichert. Durch zahlreiche andere Werke, sowie wissenschaftliche Aufsätze und Essais in verschiedenen Zeitschriften des In- und Auslandes wurde sein Ruf in alle Weltteile getragen, und zu jeinem 90. Geburtstage kamen ihm auch aus Afrika -und Amerika erhebende Ehrungen und huldigende Adressen zu. Ignaz H. Weiß war einer der letzten bedeutensten Vertreter der klassischen Talmud-Gelehrsamkeit. Ausgestattet mit einem phänomenalen Gedächtnisse, vereinigte er mit immenser Belesenheit einen durchdringenden kritischen Verstand und die Gabe einer klaren und leichtfaßlichen Darstellung, wodurch seine Werke auch in nichtjüdischen Gelehrtenkreisen hervorragende Würdigung gefunden haben. So stand er im wissenschaftlichen Verkehr mit Franz Delitzsch und anderen Gelehrten, die sich gerne als seine dankbaren Schüler bekannten. Groß ist die Zahl seiner Schüler, die in allen Weltteilen in hervorragenden Stellungen als Rabbiner, Seminarprofessoren und Lehrer wirken. Ignaz H. Weiß ist in Groß-Meseritsch (Mähren) geboren. Es wurde ihm zu seinem 80. Geburtstage das Ehrenbürgerrecht seitens der israelitischen Kultusgemeinde verliehen. Oakanren. Lehrer und Kantor in Homburg (Oberhessen). Gehalt 1000 Mk und freie Wohnung. Kantor und Schächter in Sulzburg i. B., per 1. August. Gehalt 1000 Mk und Nebeneinkommen ca. 900 M. Meldungen an die Bezirkssynagoge Sulzburg in Freiburg i. B. Vorbeter, Balkare, Schächter und Religionslchrer per 1. Juli in Georgenberg O.-S. Gehalt 1200 Mk. und 2—300 Mk. Nebeneinnahmen. Erster Kantor in Kassel. Musikalisch gebildete Bewerber an Herrn Th. Gotthelft, Kölnischestr. 10. Kantor und Schächter in Schotten. 1200 Mk., Mietezuschuß 150 Mk. und Nebeneinnahmen. Meldungen an Herrn Joseph Elias. Seminaristisch geprüfter, verheirateter Lehrer als Hausvater für das im Oktober wieder zu eröffnende Israelitische Simonsche Waisenhaus in Hannover. Meldungen an Herrn Dr. Gronemann. Vorbeter und Lehrer in Saarlouis. Anfangsgehalt exkl. Nebeneinnahmen 1800 Mk. Kantor, Schächter und gepr. Rcligionslehrer per 1. Juli in Neustadt a. Warthe. Gehalt 1100 Mk. und freie Wohnung. Offerten an den Korporationsvorstand. Kantor, Neligionslehrer, Schochet und Balkore per 15. Juli in Czersk, Westpr. Gehalt 1200 Mk. und an 600 Mk. Nebeneinkommen. Meldungen an den Vorsteher Herrn Nathan Lehmann. iHciu Ater hat gmeint. Aus dem „Jüdischen" von Scholanm Asch. I. Mein Vater hat geweint . . . Und ich habe es selbst gesehen, wie die Tränen sich aus seinen Augen stahlen, ihm eine Sekunde an den Wangen hingen und durch die Falten seines Ansitzes in seinen dichten Bart stoffen. Mein Vater hat geweint . . . Ja, wißt Jhr's auch, wenn meine Mutter geweint hätte, hätte es mich nicht so erschüttert . . . aber mein Vater . . . mein Vater hat nämlich nie, niemals, sag' ich Euch, geweint. Selbst als meine kleine Schwester Rahel starb . . . Und ich erinnere mich noch sehr gut auf sie. Sie war ein prächtiges Kind, ein reizendes Kind mit ständig beschmutzten Wangen, deren rote Farbe dennoch hindurchschimmerte, und große tiefe schwarze Augen lachten aus dem runden Gesichtchen so verschmitzt, so drollig ... O wir haben sie alle so sehr sieb gehabt. Und allabendlich, wenn mein Vater aus dem Beth hamidrosch nach Hause kam, stand die Mutter im Winkel am Herde in der Küche, wo es rauchte und dampfte, mit der Zubereitung der Speisen beschäftigt, mein Vater setzte sich dann an die Ofenbank dicht an die kleine Wiege, in welcher mein Schwesterchen schlief, und er blickte zärtlich und liebevoll auf die kleine Schläferin, die mit geschlossenen Augen und offenen Lippen, so daß man ihre weiße Perlzähnchen sehen konnte, dalag und er flüsterte innig und zärtlich den Namen des Kindes vor sich dahin. Ich beneidete sie damals um meines Vaters Liebe . . Plötzlich wird das Kind krank. Mein Vater sitzt Tag und Nacht an der Wiege der Kranken. Eines Tages stehe ich auf, da erblicke ich das Schreckliche. Auf der Erde, auf ein kleines Häufchen Stroh gebettet, liegt meine Schwester mit einem Tuche bedeckt. Ihr zu Häupten brennt ein Licht. Und meine Mutter sitzt neben der Toten und weint und klagt . . . Und wir alle weinen, sogar mein ganz kleines Brüderchen weint mit . . . Der messingene Sabbat-Hängeleuchter weint

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