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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-06-09 · 23 (9.6.1905) · p. Seite 319

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
23 (9.6.1905)
Date
1905-06-09
Page
Seite 319 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 23. Israelitische Wochenschrift. Seite 319 Verein gehören eine Menge Lehrer unserer Provinz an. Zuerst wurde über die Unterstützungskasse verhandelt. Der Vorsitzende Professor Dr. Badt, erstattete Bericht über das verflossene Vereinsjahr und erwähnte außerdem die Erfolge und die segensreiche ° Wirksamkeit der Kasse in den abgelaufenen 25 Jahren Ihres Bestehens. Die Unterstützungskasse hatte im vorigen Geschäftsjahre den Verlust hochgeschätzter Mitglieder zu beklagen, welche seit dem Bestehen der Kasse ihr angehört haben. In einer Vorbesprechung hat der Vorstand beschlossen, zur Erinnerung an das 25 jährige Jubiläum der Kasse durch eine Sammlung einen besonderen Fonds zu begründen, aus welchem solche notleidende Mitglieder unterstützt werden sollen, welche statutengemäß einen Anspruch auf Unterstützung nicht haben, ein Fall, der leider recht häufig eintrete und immer von neuem das Mitleid des Vorstandes errege. Die Generalversammlung genehmigte den Vorschlag des Vorstandes. Als ersten Beitrag zu diesem Fonds überreichte Professor Dr. Badt dem Schatzmeister eine ansehnliche Summe, welche im Namen der Hinterbliebenen des verstorbenen Partikulier Eduard Bender in Breslau ihm für diesen Zweck überwiesen worden ist. Er sprach die Hoffnung aus, daß hochherzige Menschenfreunde diesen Zweck recht bald auf eine leistungsfähige Höhe bringen werden. Königsberg i. Pr. Der Verband der Synagogengemeinden Ostpreußens hielt seine diesjährige 21. ordentliche Generalversammlung ab, auf der 26 Gemeinden mit 35 Stimmen vertreten waren. Nachdem der Verbandsvorsteher, Rechtsanwalt Schey- Allenstein, die Erschienenen begrüßt hatte und das Bureau gewählt war, hieß Stadtrat Magnus namens der Königsberger Gemeindevertretung die Versammlung willkommen. Nachdem Obersekretär Klein noch darauf hingewiesen hatte, daß der Verband in diesem Jahre sein 25 jähriges Bestehen feiern könne, trat die Versammlung in die Tagesordnung ein. Zunächst erstattete der Vorsitzende den Geschäftsbericht, aus dem hervorging, daß der Ausschuß die Interessen des Verbandes auch im vergangenen Jahre bestens wahrgenommen habe Im Anschluß hieran entspann sich eine längere Debatte darüber, ob man der Regierung die obligatorische Aufsicht über die jüdischen Schulangelegenheiten übertragen solle; während sich auf der einen Seile gewichtige Stimmen, besonders seitens der Rabbiner, für eine staatliche obligatorische Aufsicht aussprachen, traten andere, darunter Rechtsanwalt Holz und Justizrat Dr Lichtenstein, ebenso lebhaft gegen diesen Vorschlag auf. Auch ein Vermittelungsantrag, die Frage nochmals im Ausschuß zu erörtern, fand keine Gegenliebe, er wurde schließlich zurückgezogen und die Versammlung beschloß, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Der Kassenbericht wurde genehmigt. Rabbiner Dr. Vogelstein berichtete über die vom Bureau für Statistik der Juden angestellten Erhebungen über den „Anteil der Juden am Unterrichtswesen in Preußen" und referierte dann über die Schulinspektion im Geschäftsjahr 1904. Die Schulinspektion könne ihre Aufgabe nicht so erfüllen, wie es nötig sei, es fehle an Inspektoren, und außerdem erschwerten die schwierigen Verkehrsverhältnisse das Jnspektionsgeschäst sehr. Die Zustände seien deshalb nicht durchweg befriedigend und es müsse noch vieles besser werden. — Ueber die Gründung eines Alters¬ und Sichenheims berichtete Dr. Olitzki-Allenstein, die s. Zt. von Allenstein ausgegangene Anregung habe überall Anklang gesunden, es seien mehr als 9000 M einmalige Spenden eingegangen und 2600 M. jährliche Beiträge gezeichnet worden. Der Plan sei also seiner Verwirklichung wesentlich näher gerückt. Dem Anträge des Berichterstatters, das Heim in Allenstein zu errichten, wurde zugestimmt. Als Eröffnungstermin ist der Oktober 1905 in Aussicht genommen. Bezüglich der Frage ob die Kultusbeamten bei der Fleischereiberufsgenossenschaft gegen Unfall versichert werden müßten, teilte der Vorsitzende mit, daß die Synagogengemeinden sich dieser Pflicht nicht entziehen dürften, das Reichsversicherungsamt habe in einer Reihe von Fällen in diesem Sinne entschieden, und zwar vornehmlich deswegen, weil die Kultusbeamten in der Regel seitens der Gemeinden für den Fall, daß sie bei Ausübung ihres Berufes Schaden erleiden, in keiner Weise geschützt seien. Man werde seitens eines Spezialjurrsten für diese Frage noch ein Gutachten ausarbeiten lassen, vorläufig aber müßten die Synagogengemeinden die Versicherung bewirken. j Eine Versicherungspflicht gegenüber der Alters- und Jnvaüdltätsversicherung bestehe jedoch nicht. — In den Ausschuß wurden die Herren Rechtsanwalt Schey - Allenstein, Stadtrat Magnus- Königsberg, Kaufmann Silberstein-Allenstem, Kaufmann Jacoby- Osterode, Kaufman Jacoby-Rastenburg, Kaufmann Jacobsberg- Zinten, Kaufmann Lazar-Königsberg, Dr. Kamnitzer-Allenstem, Kaufmann Lublinski-Johannisburg, Amtsgerichtsrat Blumenfeld- Jnsterburg, Kaufmann Bernhard Holz-Insterburg wieder- und Rabbiner Dr. Vogelstein-Königsberg neugewählt. Als Stellvertreter fungieren wie bisher Bankier Otto Eichelbaum-Jnsterburg, Stadtrat Professor Dr. Lassar - Cohn - Königsberg und Bankier Sebba - Tilsit. Mit der Besprechung von Gemeindeangelegenheiten war die umfangreiche Tagesordnung erschöpft und gegen 3 Uhr konnte die Versammlung, die durch ein kurzes gemeinsames Frühstück unterbrochen worden war, geschlossen werden. Königsberg i. Pr. (Hilfsverein für kranke russische Israeliten). Jahresbericht 1904. Die Hilfstätigkeit des Vereins ist im abgelaufenen Jahre wiederum in hohem Maße in Anspruch genommen worden. An Kosten für ärztliche Behandlung verausausgabte man 7597,75 M., an Krankenunterstützungen, Reisebeiträgen u. s. w. 7197,70 M. zusammen 14795,45 M., gegen desgleichen im Vorjahre 14944,50 M. Die Zahl der ordentlichen Mitglieder ist von 281 auf 286 gestiegen, die Summe der regelmäßigen Beiträge von 4062 M. auf 4221 M. An gelegentlichen Spenden wurden dem Verein 2257,93 M. zugewandt, gegen 2685,76 M. im Vorjahre, also über 400 M. weniger. Für den eisernen Fonds gingen ein von: Herrn Stadtrat S. Magnus 300 M., Herrn S. Jereslaw 150 M, Herrn Albert Kossowsky M. 150. Im laufenden Jahre bot sich Gelegenheit, ein Grundstück unter günstigen Bedingen zu erwerben und damit zugleich einem Bedürfnis des Schutz-Komitees für durchreisende russische Juden nach geeigneten Mietsräumen für die Durchreisenden abzuhelfen. Der Hilfsverein der deutschen Juden, Berlin, welchem das genannte Komitee unterstellt ist, gab ein durch Hypothek gesichertes Darlehn von 5000 M. zinsfrei her, welches erst rückzahlbar wird, wenn das Schutz-Komitee die Benutzung der Räume aufgibt. Dem Schutz - Komitee ist Vorbehalten, bauliche Erweiterungen und Aenderungen des Grundstücks nach seinen Bedürfnissen, aber ganz auf eigene Kosten vorzunehmen Das Grundstück geht, sobald das Schutz-Komitee sein Benutzungsrecht an demselben aufgibt, ohne Kosten-Belastung an denselben über. Durch Kooptation wurde Herr Moritz Weißbrem, hier in den Vorstand ausgenommen, wogegen aus demselben Herr Louis Löwenstein wegen Wegzuges von Königsberg ausgeschieden ist. Frankfurt a. M. Der israelitische Lehrerverein im Großherzoglum Hessen hielt im Philanthropin seine Hauptversammlung ab, die von Rabbinern und Lehrern sehr zahlreich besucht war. Der Vorsitzende, Herr Lehrer Wertheimer-Heldenbergen, eröffnete die Versammlung und begrüßte die Gäste und Mitglieder. Herr Lehrer Salomon-Sprendlingen erstattete Bericht über die Rechnung des letzten Jahres. Der Verein besitzt ein Vermögen von 1287 Mark Der Vorsitzende referierte über Standesangelegenheilen im Großherzogtum und betonte, daß in der nächsten Zeit eine Besserung bezüglich der Anstellungsverhältnisse einlreten wird. Nachdem über den Verbandstag in Kassel berichtet worden war, folgte ein Vortrag des Lehrers Strauß - Gau - Oderuheim. Als Referent für die nächstjährige Versammlung wurde Lehrer Weinberg-Bürgel und als Korreferent Rabbiner Dr. Goldschmidt- Offenbach ernannt. Bei der Vorstandswahl wurden die Herren Wertheimer - Heldenbergen, Marx - Alsheim, Rotoschild-Worms, Salomon-Sprendlingen (Rheinh.), Weinberg-Bürgel und Stern- Echzell wieder- und Stern-Darmstadt neugewählt. Gegen 3 Uhr schloß der Vorsitzende die Versammlung, der sich ein gemeinschaftliches Mittagsmahl anschloß. Unna. Die Einweihung des hier erbauten israelitischen Altersheim für die Provinz Westfalen soll am 25. Juni stattfinden. Bis jetzt sind bereits eine Anzahl Personen, welche die Aufnahme in das Altersheim wünschen, angemeldet. Plauen i. B. Einweihung der neuen Synagoge. Am 1. Juni 1905 nachmittags 4 Uhr fand die feierliche Einweihung der neuen Synagoge der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde statt Anwesend waren als Vertreter Königl und städtischer Behörden Herr Geheimer Regierungsrat Dr. Ayrer von der Königl. Kreishauptmannschaft Zwickau, Herr Bezirksschulinspektor Schulrat Dr. Putzger und Herr Stadtrat Dr. Dietrich-Plauen. Ebenso hatten die israelitischen Gemeinden der Städte Dresden, Leipzig, Chemnitz, Zwickau und Annaberg Abordnungen zu der | Feier gesandt Zu würdigerer Ausgestaltung der Einweihung hatte der Chemnitzer Synagogen - Chor seine Kräfte gesandt. Während des Gesanges, unterbrochen durch feierliche Gebete des Rabbiners, wurden die Thorarollen in festlichem Umzuge durch die Synagoge getragen, worauf sie in die vom Vorsitzenden der Gemeinde geöffnete „heilige Lade," die einen herrlichen Schmuck des Gotteshauses bildet, gelegt wurden. Nach einem tief

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