Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 23 (9.6.1905)
- Date
- 1905-06-09
- Page
- Seite 317 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23. Israelitische Wochenschrift. Seite 317. Mit Ausnahme einiger weniger werden alle diese Anstalten von Wohltätigkeitsgeldern erhalten. Man muß ohne Rücksicht gestehen, daß sich hier der gerühmte jüdische Wohltätigkeitssinn aufs glänzendste bewährt. Aber für die wirtschaftliche Lage Jerusalems, die allein eine bessere Zukunft herbeizuführen imstande ist, die die Chalukah entbehrlich machen und dennoch das Elend bannen würde, ist jüdischerseits bis heute so viel wie nichts geschehen. Es wäre zu wünschen, daß auch dieses Feld nicht länger brach liegen bliebe. Literarisches. Zur Säkularfeier Raschis. Soeben erschienen: Blicke in die Gcisteslverkstatt Raschis. Vortrag in der jüdisch-literarischen Gesellschaft in Frankfurt a. M. gehalten von Prof. A. Berliner. Von demselben Verfasser sind noch folgende Schriften über Raschi erschienen: Zur Charakteristik Raschis; ferner Beiträge zur Geschichte der Raschi-Kommentarien. Ende Juni gelangt zur Ausgabe: Raschi, Kommentar des Salomo b. Jsac über den Pentateuch. Nach Handschriften, seltenen Ausgaben und dem Talmud- Kommentar des Verfassers, mit besonderer Rücksicht auf die nachgewiesenen Quellen kritisch hergestellt. Zweite ganz umgearbeitete Auflage, über 30 Bogen stark. Baron Hirsch-Stiftung. Bericht über die Tätigkeit zur Beförderung des Volksschulunterrichts im Königreiche Galizien und Lodomerien mit dem Großherzogtume Krakau und im Herzogtume Bukowina im Schuljahre 1903/4. Dem ersten im Artikel II der Statuten bezeichneten Zwecke: den Kindern israelitischer Eltern im Königreiche Galizien und im Herzogtume Bukowina den Volksschulunterricht mit Beobachtung der gesetzlichen Vorschriften zu gewähren, war das Kuratorium durch die Erhaltung von Volksschulen und Abendschulen zu entsprechen bestrebt. A. Volksschulen. Im abgelaufenen Schuljahre wurden in den 49 Schulen der Baron Hirsch-Stiftung von 218 Lehrern in 179 Klassen 8298 Schüler unterrichtet. Die Frequenz in den Schulen war größtenteils sehr gut und die erzielten Resultate vollkommen zufriedenstellend. In einzelnen Orten mußten allerdings über behördliche Anordnung die Schulen infolge aufgetretener Epidemien und Feuersbrünste kürzere oder längere Zeit geschlossen werden. So war die Schule in Zloczow vom 17. September 1903 bis 27. Dezember 1903, die Schule in Monasterzyska vom 17. September 1903 bis 18. Oktober 1903 geschlossen und wurden die Schulen während dieser Zeit den Abbrändlern zu Wohnzwecken provisorisch überlassen. Auch in den Orten Buczacz, Czernelica und Delatyn, in denen Stiftungsschulen unterhalten werden, entstanden während des Schnljahres große Brände, von denen jedoch die Schulhäuser verschont blieben. Dagegen wurde am 26. Juli 1904 das vom Kuratorium gemietete Gebäude in Brzesko eingeäschert, so daß in Ermangelung eines anderen geeigneten Lokales die Schule im Schuljahre 1904/05 nicht rechtzeitig eröffnet werden konnte. Abgesehen von diesen Störungen war der Schulbesuch sehr regelmäßig und die Zahl der Schüler in den meisten Orten recht befriedigend, wenn auch in einzelnen Gegenden noch immer zahlreiche Knaben dem Unterrichte fernblieben. Wie bereits in früheren Berichten wiederholt hervorgehoben wurde, war seit der Gründung der Schulen die Aufmerksamkeit stets darauf gerichtet, daß die Schulen nicht blos Unterrichtsanstalten, sondern gleichzeitig Erziehungsinstitute sein müssen. Das Kuratorium hat deshalb gegenüber den sich immer wiederholenden Wünschen einzelner Faktoren auf Einführung des Halbtagsunterrichtes an der Ablehnung festgehalten, die Lehrer vielmehr angewiesen, außer den gewöhnlichen Unterrichtsgegenständen in schulfreier Zeit dem Unterrichte in Handfertigkeit (Slöjd), sowie der Pflege der Jugendspiele, dem Turnunterrichte und der Veranstaltung von Ausflügen ihre vollste Aufmerksamkeit zuzuwenden. Im ganzen erteilten 9 Lehrer an 8 Schulen in 16 Abteilungen Unterricht in Handfertigkeit, an dem insgesamt 142 Schüler teilnahmen. Am Turnunterrichte nahmen 5350 Knaben, an den Jugendspielen 5272, bei Veranstaltung von Ausflügen 5417 Knaben teil. Die Tätigkeit der Lehrer und ihre Leistungen wurden sowohl seitens der staatlichen Funktionäre (k. k Landesschulinspektor, Bezirksschulinspektor, Ortsschulrat), wie seitens der durch die Stiftung bestellten Kreisinspektoren überwacht, und lauten die Berichte in überwiegender Mehrzahl außerordentlich günstig. Auch die Zahl der Schulen, welchen seitens des hohen k k. Ministeriums für Kultus und Unterricht das Oeffentlichkeitsrecht verliehen wurde, ist im Berichtsjahre gestiegen. 24 Schulen sind höheren und 25 niederen Typus, 31 Schulgebäude sind Eigentum der Stiftung, an 18 Orten wurden Schulräume gemietet. Ungeachtet der sehr bescheidenen Mittel, über welche das Kuratorium, neben den zur Erfüllung vertragsmäßiger Verpflichtungen erforderlichen Beträge verfügte, ist es gelungen im abgelausenen Jahre in Bursztyn einen zwar bescheidenen, aber vollkommen entsprechenden Neubau aufzuführen; ebenso hat das Kuratorium in Rozwadöw für Schulzwecke ein Haus gekauft, das während der Ferien adaptiert und zu Beginn des Schuljahres 1904/05 zur Verwendung gelangte. Infolge der regulativmäßigen Gehaltserhöhungen, Quinquennalzulagen und Stabilisierungen stiegen die im Vorjahre für das Konto Volksschulen gemachten Auslagen, trotz des Abganges mehrerer Lehrer, die nicht ersetzt wurden. Es wurden an Lehrer, welche ihre Kinder außerhalb ihres Dienstortes zum Zwecke der Studien zu erhalten hatten, aus den Mitteln der Baronin Clara von Hirsch-Kaiser-Jubiläums- Stistung zur Unterstützung von Knaben und Mädchen in Oesterreich Stipendien im Betrage von K 4568 bewilligt. Schließlich wurden im verflossenen Schuljahre an 33 Lehrer Personalzulagen im Gesamtbeträge von K 5300 gewährt, so daß zu erwarten ist, daß die Verhältnisse eines größeren Teiles der Lehrerschaft konsolidiert werden. Neben den Auslagen für Volksschulen im Betrage von K 427 213 22 wurden für Unterstützung der Kinder durch Verteilung von 11 941 neuen Büchern, 82 731 Heften, 41 899 sonstigen Schulrequisiten K 10 446 30 verausgabt. Aus den Mitteln der Jubiläums-Stiftung gelangten an die unsere Schulen besuchenden Kinder ea. 160 000 Mittagsmahle, 1183 Mäntel, 1315 Paar Stiefel, 2500 Sommeranzüge und Kappen, 6000 Hemden und 7590 Sacktücher mit einem Kostenaufwande von K 85 189 67 zur Verteilung. An Subventionen wurden, wie im Vorjahre, für die Schulen in Brody und Zablocie im Gesamtbeträge von K 10 800 08 bewilligt. — B. Abendkurse. Die Zahl der im abgelaufenen Schuljahre abgehaltenen Abendkurse betrug 27, diese wurden von 1386 Schülern besucht und von 77 Lehrern geleitet. In diesen Abendschulen wurden einerseits Analphabeten, die das schulpflichtige Alter weit überschritten hatten, in den Volksschulgegenständen unterwiesen, andererseits wurden Knaben, die vor Erreichung des vollständigen Lehrzieles die Schule verlassen hatten und bei Handwerkern oder Geschäftsleuten untergebracht waren, weiter unterrichtet. Auch Knaben und Männer, die die Kenntnis der Volksschulgegenstände hatten, wurden speziell in Gegenständen unterrichtet, die ihnen bei Ausübung ihres Berufes besonders von Wert waren, wie z. B. Schlosser, Drechsler, Tischler im Zeichnen, Kommis im Rechnen usw. — C. Handwerk. Im Laufe des Jahres wurden auf Kosten der Stiftung 330 Lehrlinge freigesprochen, 113 bisher neu ausgenommen, so daß am Ende des Schuljahres 1903 04 im Status der Stiftung 313 Lehrlinge verzeichnet waren. Die Bekleidung der Knaben, welche unsere Abendschulen besuchten, erfolgte aus den Mitteln der Baronin Klara von Hirsch - Kaiser- Jubiläums-Stiftung. Für die Bekleidung der übrigen Handwerkslehrlinge wurde aus den Mitteln der Baron Hirsch-Stiftung ein Betrag von K 8136 62 verausgabt. Baronin Clara b. Hirsch-Kaiser-Jubiläums-Stiftuna zur Unterstützung von Knaben und Mädchen in Oesterreich Bericht für die Zeit vom 1 September 1903 bis 31. August 1904. Der erstangeführte Zweck der Stiftung: armen Kindern, welche die Schulen der „Baron Hirsch-Stiftung zur Beförderung des Volksschulunterrichtes im Königreiche Galizien und Lodomerien mit dem Großherzogtume Krakau und im Herzogtume Bukowina" besuchen. Mittagskost zu gewähren und Kleidungsstücke für diese anzuschaffen, wurde durch folgende Unterstützungen gefördert: Wie im Vorjahre wurden auch diesmal in den einzelnen Orten, unter möglichster Heranziehung der einheimischen Bevölkerung zur Beitragsleistung Knaben beköstigt und mit Kleidern (Wintermänteln, Sommeranzügen, Schuhen, Wäsche und Mützen) beteilt. Einer größeren Anzahl von Knaben wurden auf Kosten der Stiftung die im Vorjahre verabreichten Schuhe und Kleider repariert. Im ganzen wurden an 160 000 Miltagsmahle verabreicht und an 6000 Schüler mit Kleidern, Mützen und Schuhen (die allerärmsten Knaben erhielten zweimal Schuhe», sowie mit Wäsche beteilt; die Gesamtzahl der verteilten neuen Kleidungsstücke und Mützen betrug 3686, die der verteilten neuen Wintermäntel 1183, die der Sommeranzüge 2500, der neuen Schuhe 1315, der verteilten Hemden 5000,