Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 23 (9.6.1905)
- Date
- 1905-06-09
- Page
- Seite 315 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Hrodna 1× ep/1044655
- Minsk 1× ep/1000754
- Pinsk 1× ep/1045440
- Slonim 1× ep/1000502
- Vilnius 1× ep/1000947
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Nr. 23 Israelitische Wochenschrift. Sette 315. Gemeinschaft unterhalten wird? Denen erwidere ich: Abge- > sehen davon, daß wir vom idealen Standpunkt verpflichtet sind, unseren unglücklichen Brüdern zu helfen, beweisen es die Zahlen. Die Ausbildung eines so unglücklichen Kindes dürfte sich in einer Anstalt bei ca 12 —13jährigem Aufenthalt ingesamt auf 10—12 000 Mark stellen, wenn er bis zum 19. Jahre in einer Anstalt verbleibt, von welchem Alter ab er imstande ist, sich seinen Unterhalt einigermaßen selbst zu verdienen. Rechnen wir jedoch für einen so Unglücklichen, falls er in Pension gegeben wird, einen Jahresbetrag von 500 Mark, so entstehen in einem Zeitraum von ca. 40 Jahren mindestens 20000 Mark an Unkosten. Dazu bildet der vagabundierende Idiot — da er nicht an Arbeit gewöhnt ist, wird er sich umhertreiben — eine ständige Gefahr. Das Fazit also ist das: Mit erheblich geringeren Mitteln kann viel Größeres erzielt werden, wenn sie in richtiger Weise angewendet werden. Ich erwähnte oben, daß schon Nachhilfeklassen Segensreiches wirken können. Das Ideal einer geeigneten Schwachsinnigenerziehung wird jedoch stets die Anstaltserziehung sein. Allerdings darf diese nicht das Elternhaus vermissen lassen. Die bei der Erziehung beschäftigten Personen müssen mit den Kindern eine Familie bilden; die Anstalt darf nicht zu groß sein, um die individuelle Behandlung der Kinder nicht zu gefährden und last not least: die Kinder dürfen nicht wahllos ausgenommen werden. Idioten, Schwachsinnige, Epilevtiker müssen streng getrennt werden. Man sieht, es ist vieles notwendig, wenn das große Werk gelingen soll. Eine große Arbeitslast ist es, die dem Bunde wirkt. Aber das Ziel ist ein würdiges. Um aber das Elend in seiner ganzen Größe kennen zu lernen, ist es notwendig, statistisch durch Anfragen bei den Lehrern bezw. Aerzten festzustellen, wieviele solcher unglücklichen Kinder unter den Juden Deutschlands sich besinden. Das wird der erste Schntt zur Erreichung des Zieles sein. Erst, wenn dann die ganze Größe des Elends gekannt sein wird, werden die nötigen Schritte zur Abhilfe gemacht werden können. Dir jiidischkll Jerusalems. (Altneuland II, 5.) Von Dr. L. Grünhut (Jerusalem). Die jüdische Gemeinde Jerusalems hat im Verlaufe der Zeiten sehr viele Wandlungen durchgemacht. Neue Institutionen sind erstanden, die alten wurden ausgebaut und der Vollendung cntgegengebracht und eine erhebliche Bereicherung erfuhr die Zahl der Kolelim. Denn gab es früher 16 Kolelim, so zählt das heutige Jerusalem deren 23 mit folgender Seelenzahl: Kolel Sephardim, Jemeniten, Perser, Bucharier und Marokkaner, die alle denselben Ritus befolgen, inbegriffen 12000; -pn 150, -cn 1673, Warschau 1000, Wolynien 1160, Kiew 3275, Bessarabien 390, Moldau 590, Walachei 2600, Karlei 1800, Schitomir 1665, Kossow 800, Galizien 1300, Bukowina 700, Ungarn 1100, Suwalk 800, Wilna und Kurland 3200, Grodno 1800, Minsk 600, Pinsk 400, Reußen 550, Slonim 70, Wisnice 70. An der Spitze dieser Kolelim stehen seitens der Sephardim der offizielle Chacham Baschi, gegenwärtig der greise Eljaschar, | und seitens der Aschkenasim R. Samuel Salant mit den ihnen untergeordneten Gerichtshöfen. Wie die Aschkenasim aber in bezug der Riten in Chassidim und Peruschim sich teilen, so I geteilt ist auch ihre Gerichtsbarkeit. So gibt es gegenwärtig ein chassidisches und ein aschkenasisches pl rP2- — Ein erfreulicheres Bild bieten die Wohltätigkeitsanstalten. Die älteste unter ihnen ist die Lämel-Schule, gegründet von Frau Elisa Herz geb. von Lämel, welche Dr. L. A. Frankel 1857 ins Leben rief. Seit 1887 mit dem deutsch-jüdischen Waisenhause vereinigt, nahm die Schule, die bis dahin nicht recht gedeihen wollte, einen ungeahnten Aufschwung. Trotz Bann der Chalukahleiter zählt sie heute gegen 180 Schüler. 1904 gliederte sich ihr ein Lehrerseminar an, welches vom Hilfsverein der deutschen Juden unterhalten wird. Das Waisenhaus ist eine Schöpfung des Professors Graetz. In den siebziger Jahren bereiste er gemeinschaftlich mit dem ebenso gelehrten wie um die Förderung gemeinnütziger Zwecke verdienstvollen M. Gottschalk Lewy (gest. Berlin 1893) das heilige Land. Der Zustand der Gemeinden war erschreckend. Namentlich gebrach es vornehmlich an den nötigen Gemeindeinstitutionen, wenngleich die Chalukahgelder damals reichlicher stoffen als heutzutage Jüdische Kranke suchten in der Regel fremde Hospitäler auf, während elternlose Kinder sich einfach in den Straßen umhertrieben, bis sie schließlich von der Mission aufgelescn wurden. Während nun zugunsten der ersteren der damalige Würzburger Raw bereits einen Aufruf erlassen hatte, machten es sich die beiden genannten Herren zur heiligen Aufgabe, für die letzteren zu sorgen. Schon anfangs der achtziger Jahre konnte an die Eröffnung, allerdings mit nur erst vier Zöglingen, geschritten werden, welche Zahl unter der Leitung Dr. Herzbergs, Verfassers der „Familienpapiere", bis auf siebzehn gestiegen ist. 1884 erlangte der Verein, der sich zu diesem Zwecke unter dem Namen „Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina" gebildet hatte, die Rechte einer juristischen Person. Anfangs hatte der Verein seinen Sitz in Berlin, später siedelte er nach Frankfurt a. M. über, wo er sich noch heute unter dem Vorsitze des Rabbiners Dr. Horowitz befindet. Die meisten Mitglieder sind deutsche Glaubensgenossen. Das Lokal, erworben durch Dr. Herzberg, hat 1898, dank der Munisizenz der sel. Baronin von Hirsch, einen Ausbau erfahren. Die Anstalt hat Raum für 50 Zöglinge, ist aber aus Mangel an Mitteln bloß von 36 bewohnt. Sie hatte anfangs eine Schule im eigenen Hause, die aber seit der Vereinigung mit der Lämel-Schule aufgegeben wurde. Letztere, die in einem gemieteten Lokale untergebracht war, hat 1903 ein eigenes Haus bezogen, welches zu den schönsten Gebäuden Jerusalems zählt. Beide, Schule, wie Waisenhaus, hatten seitens der Chassidim große Kämpfe zu bestehen. Sie wurden in den Cherem getan, welcher von Zeit zu Zeit erneuert wird. Damit aber nicht genug. Um die sog. „Herzbergs Schola" entbehrlich zu machen, errichtete Rabbiner Diskin, schlechtweg der Brisker Raw genannt, auch seinerseits ein Waisenhaus. Es fanden sich dafür bald auch Gönner in so beträchtlicher Zahl, daß es heute 2OO Zöglinge beherbergt und daran schreitet, ein eigenes Haus, für eine noch größere Anzahl berechnet, zu bauen. Darin sollen auch Cheder und Melamdim untergebracht werden. Das Terrain ist bereits erworben. Vor drei Jahren eröffneten auch einige sephardische Chachamim ein Waisenhaus mit 20 Kindern, mit dem es auch allmählich vorwärts geht. Die Alliance-Schule, 1882 von Nissim Behar ins Leben | gerufen, zerfällt heute in eine Handwerker- und eine ganz gesonderte, von einem tüchtigen Pädagogen geleitete Knabenunterrichts-Schule. Erstere mit einem aus 50 Zöglingen bestehenden Internat, beschäftigt gegen 100 Schüler in folgenden Werk- ^4285463^694