Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 21 (26.5.1905)
- Date
- 1905-05-26
- Page
- Seite 292 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seile 292. Israelitische Wochenschrift. Nr. 21, PsllUgstadt. Das im Jahre 1857 von Dr. Joel gegründete israelitische Institut ist wegen fortdauernder Kränklichkeit des Besitzers, Dr. Barnaß, eingegangen. In den früheren Jahren genoß die.> Anstalt Weltruf und war auch von Zöglingen aus fremden Ländern besucht. Nakel. (Verein jüdischer Lehrer der Ostprovinzen.) Der 117. Vereinstag findet in Nakel, Hotel du Nord am 11. Juni von nachmittag 4& Uhr ab und am 12. Juni er. statt. Tagesordnung: 1. Gesang: „Brüder reicht die Hand zum Bunde." 2. Begrüßungen. 3. Jahresbericht. 4. Rechnungslegung . und Entlastung des Kassierers. 5. Bericht über die letzte Delegierten-Versammlung. (Kadisch). 6. Vortrag: „Wie kann die Ausschaltung der jüdischen Lehrkräfte aus der öffentlichen Volksschule verhMet werden?" (Cohn-Wreschen). 7. Eine Unterrichtsstunde nachbibl. Geschichte: „Hillel." (Becker). 8. Wahlen: a) des Vorsitzenden und der beiden Beisitzer, d) der beiden Stellvertreter. 9. Anträge von Mitgliedern. 10. Bestimmung des Tages und Ortes der nächsten Versammlung. 11. Anmeldung von Vorträgen für diese Versammlung. 12. Freie Besprechungen. Minchah-Gebet. Gemeinsames Abendessen und geselliges Beisammensein. Neustadt a. H. Am Donnerstag, den 1. Juni findet in Neustadt a. Haardt, im Saale der Winzergenossenschaft (neben Hotel Weil) die Jahres-Versammlung der israel. Lehrer in der Pfalz statt. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Verbandsthema. „Wie kann die Ausschaltung jüdischer Lehrer aus der öffentlichen allgemeinen Volksschule verhindert werden?" (Lehrer D. Rosenwald-Edesheim.) 3. Bericht über den 3.. Verbandstag der jüdischen Lehrervereine in Kassel. (Lehrer Waldbott-Speyer.) 4. Mitteilungen, Wünsche und Anträge. 5. Neuwahl. Königsberg i. Pr., Die Pensionskasse für jüdische Religionslehrer und Kultusbeamte in Ostpreußen versendet soeben ihren'4. Jahresbericht. Die'Kasse zeigt eine auffallend schnelle Entwicklung. Sie hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens bereits über 33000 Mark Kapitalvermögen an gesammelt und zählt zurzeit schon 40 Gemeinden .mit 43 Beamten zu ihren ordentlichen Mitgliedern. Die Gemeinden sind bei dieser Kasse obligatorisch zur Beitragsleistuug verbunden und zahlen je nach ihrer Steuerkraft 30—130 Mark p. a. — Auch die Beamtenmitglieder werden hier ziemlich stark zu Beiträgen herangezogen. Sie zahlen je nach ihrem Einkommen 18—70 Mark. Dafür bietet die Kasse jedem Beamten von Anfang an 500 Mark Ruhegehalts- und 300 Mark Reliktenpension. Sre nimmt auch jeden Lehrer und Kultusbeamten im Dienste einer ostpreußischen Gemeinde ohne Rücksicht auf Alter und Gesundheitszustand zur Versorgung auf. Die Gemeinden sind nur verpflichtet, ihre Beamten sofort nach Anstellung bei der Kasse anzumelden und im Falle der Pensionierung ihres zeitigen Beamten den nachfolgenden als Mitglied weiter zu führen. -Auch sonst herrscht das Gemeindeprinzip bei der Einrichtung und Zielbestimmung der Kasse vor. Die der Kasse' zufließenden Wohltätigkeitsbeiträge — im vergangenen Jahre rund 5700 Mark — sollen später auch zur Aufbesserung der unzureichenden Gehälter bei den kleinen Gemeinden verwendet werden. Der Vorstand erstrebt damit die künftige Ausgestaltung der Kasse zu einem Schul- und Pensionsfonds für Ostpreußen. — Die Pensionskasse erfreut sich neben einer reichen materiellen Unterstützung aus den Kreisen der jüdischen Gemeindemitgüeder auch der wohlwollenden Förderung seitens der Königlichen Regierung von Ostpreußen Ihr verdankt sie auch die so schnelle, im vergangenen Jahre erfolgte Verleihung der Korporationsrechte. — Die praktische Wirksamkeit der Kasse beschränkt sich zurzeit auf die Verabfolgung von 3 Witwenpensionen im vorgenannten Betrage und der Unterhaltung einiger Lebensversicherungen zur Rücksicherung der Ansprüche beteiligter jüngerer Beamten. — Die Gesamteinnahmen beliefert sich im vergangenen Jahre auf 11493,(6 Mark, die Gesamtausgaben auf 2137,16 Mark, so daß ein Ueberschuß von 9356 Mark verblieb. — Der Vorstand der Kasse setzt sich statutenmäßig zusammen aus einem Vertreter des Verbandsausschusses (Ostpr. Gemeinde- Verband) 3 Vertretern der beteiligten Gemeinden und 3 Vertretern der Lehrerschaft. Nur der Schatzmeister kann frei gewählt werden Den gegenwärtigen Vorstand bilden: Rechtsanwalt Schey-Allenstein, Vorsitzender, Waisenhaus-Inspektor Peritz-Königsberg, stellv. Vorsitzender und Schriftführer, Rentier Joseph Simonsohn-Königsberg, Schatzmeister, Amtsgerichtsrat Blumenfeld- Jnsterburg, Kaufmann S. Jacoby-Osterode, Dr. med Kamnitzer- Allenstein, Kantor Karo-Allenstein und Prediger Sturmann- Osterode. — Die Generalversammlung der Kasse findet, zwischen Gemeindetag und Lehrerversammlung abwechselnd, diesmal im Anschluß an den Verbandstag der ostpreußischen Synagogen- Gemeinden am 1. Juni er. in Königsberg statt., . Hannover. Versammlung des Vereins jüdischer Lehrer. Am 12 und 13. n. Mts. tagt Hierselbst die 41. Versammlung des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz-Hannover und zwar Herschelstraße 35. Auf der Tagesordnung stehen 3 Referate: 1) Die Notwendigkeit der methodischen Umgestaltung des hebräischen Unterrichts. (Referent Meyer-Hannover). 2. Teilnahme der Kinder am Gottesdienst. (Referent Bachrach-Hameln). 3. Bericht über literarische Neuerscheinungen, insbesondere auf dem Gebiete der Pädagogik und der Religionswissenschaften. (Reserept Rothschild-Achim). Frankfurt a. M. Am l. Juni findet im Philanthropin zu Frankfurt a. M. die Jahres-Versammlung des Israel Lehrervereins im Großherzogtum Hessen statt. Tagesordnung: Geschäftsbericht durch den Vorsitzenden. Referat des Herrn Strauß, Gau Odernheim: „Wie erwirbt und erhält sich der jüdische Lehrer die Achtung seiner Gemeinde? Diskussion. Besprechung speziell hessischer Angelegenheiten, wie auch der Verbandsangelegenheiten. Vorstandswahl. Worms. Bei der Vorstandswahl gaben von 282 Wahlberechtigten 174 ihre Stimmen ab. Es wurden folgende Herren gewählt: Sigmund Mayer II mit 168 Stimmen, Samuel Guggenheim 167, Rudolf Scheuer 162, Alfred Walter 158, August Sinsheimer 145, Max Levy 134 und Dr. Clemens Goldschmidt mit 114 Stimmen. Meiningen. Am 11. und 12. Juni findet im „Schützenhause" zu Meiningen eiue Konferenz des Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands statt. Tages-Ordnung: 1. Tag (Beginn nachmittags 2 Uhr). 1. Geschäftspnd Kassenbericht. 2. Nochmalige Beschlußfassung über die Satzungen der Hülfskasse. 3. „Schiller und seine Beziehung zum -Judentums." (Vortrag von Herrn Rektor Saphra->Annaberg.) 4. Bericht über den Berbandstag zu Kassel. (Herr Stern-Halberstadt). 5. Anträge und Besprechungen. 2. Tag (Beginn: morgens 9 Uhr).. .6. Die Hebung des religiösen Sinnes unserer Frauen und'Mädchen. (Referent: Herr Kahn-Gehaus). 7. Referat über „das Wesen des Judentums" von Dr. Leo Bäck. (Herr Horwitz-Kassel). Wien., Renovierung des alten Friedhofes in der Seegasse. Einer der ältesten Friedhöfe Wiens, der im Garten des israelitischen Versorgungshauses in der Seegasse bestehe, wird, einem Beschlüsse der Jüdischen Kultusgemeinde zufolge, restauriert werden. Es wurde eine eigene Kommission eingesetzt, die sich mit der Entzifferung und Prüfung der Inschriften auf den alten Grabsteinen zu befassen hat. Die Kommission soll ferner Bericht erstatten, in welcher Weise man die historischinteressanten Grabdenkmäler renovieren könnte, ohne ihre altertümlichen Merkmale zu verwischen. Die Kosten der Aktion müssen von der Kultusgemeinde getragen werden, weil keine Verwandten der auf dem Friedhof Ruhenden nachweisbar sind. Man schätzt die Ausgaben aus 60,000 K. Es soll auch eine Beschreibung der Grabsteine im Druck herausgegeben werden. Das letzte Begräbnis auf dem alten Friedhofe fand zu Kaiser Josefs Zeiten statt Pest. Der Oberkantor Jakob Bachmann, über dessen Tod wir bereits berichteten, entstammt einer Familie jüdischer Gelehrter und wurde im Jahre 1844 in Kischinew geboten. Frühzeitig ward er, wie dies in Rußland allgemein Sitte, in die hebräischen Studien eingeführt, so daß er einen prächtigen Stil schrieb. Sein Talent zum Singen hatte sich bald offenbart und so ging er jung nach Petersburg, studierte dort nebst anderem Wissen auch im Konservatorium Generalbaß, verheiratete sich nach Landessitte' jung mit einer Frau aus gutem Hause und wollte sich dem Theater widmen, doch sein Schwiegervater, der sich dem Chassidismus zuneigte, beschwor ihn bei Drohung der Enterbung, daß er sein Talent der Synagoge weihe und so wurde er Chasan der Gemeinde Berditschew, dann in Lemberg, in Odessa und in Budapest. Charakteristisch ist es, daß Bachmann sich in dem gesangreichen Rußland den Namen „König der Chasanim" erwarb. Zwei Cantaten, die er zur silberyen Hochzeit des Königs Franz Josef und zur Krönungsfeier des Zar Alexander komponierte, trugen ihm von den genannten beiden Herrschern allerhöchste Dankschreiben mit den schmeichelhaftesten Ausdrücken ein. Er schrieb sein „Schirath Jakob," Kompositionen über die gesammten Gebete Israels, welche Lewandowsky und der berühmte Rubinstein schimmernde Perlen der Gesangskunst nannten. Budapest. Vor Kurzem starb im Rochusspital im hohen Alter ein Mann, dessen Name vor zwei Jahrzehnten in aller