Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 21 (26.5.1905)
- Date
- 1905-05-26
- Page
- Seite 293 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21. Israelitische Wochenschrift. Seite' 293. Munde war; Salomon Scharf, einer der Angeklagten im Tiffa- Esslarer Prozesse; er war beschuldigt, die fremden Schächter in seinem Hause beherbergt zu haben und mit ihnen an dem Tode Esther Solymossys schuld zu sein. In seinen letzten Tagen erlebte der Greis noch die Freude, seinen Sohn Moritz, der bekanntlich gegen ihn aussagte, wiederzusehen; dieser war aus Amsterdam, wo er sich niedergelassen hat, nach Ungarn gekommen, um seine Angehörigen zu besuchen. Salomon Scharf erlitt einen Schlaganfall und erlangte nicht mehr das Bewußtsein. „Allgemeiner Israelitischer Verband" benennt sich. em Verein, welcher der Alliance israslite Universelle entspracht. Das holländische Komitee hat die Rabbinen des Landes um Förderung der Alliance gebeten und den Rabbiner Dr. Frank aus Cöln zum Zwecke der Propaganda berufen Mehr als,500 Herren waren zu dem betreffenden Vortrage erschienen. Der Vorstand unseres Kerkenrads, Rechtsanwalt Ascher eröffnete die Versammlung, worauf Dr. Frank mit alt bewährter Meisterschaft die wirkungsvolle Hauptrede des Abends hielt. Sofort traten viele bei und eine weitere Vergrößerung der Mitgliederzahl ist zu erwarten. Lemberg. Wird die galizische Jugend durch staatlich anerkannte Religionslehrer gefördert werden? Es wäre ein großer Schritt, wenn an Stelle des Jargon die hochdeutsche Sprache herrschend würde; dazu wäre gerade der Religionsunterricht die geeignete Vorbereitung. Aber den Eltern fehlt das Vertrauen. „Was die Leute meinem Kinde erzählen, weiß es aus dem Chummesch und Tenoch besser." „Mein Junge" kann besser Raschi und sicher Gemore, als der Religionslehrer." „Wenn er noch die Thora hielte!" 'Weder in der Woche, noch am Sabbat ist er in Schul zu sehen!" „Das Kind versteht seine Sprache nicht und langweilt sich bei ihm!" Das sind die stehenden Urteile der Eltern, und diese werden von den berufenen Gegnern des Neuen noch in ihrer Ansicht bestärkt. Wer kann ihnen ihr Mißtrauen übel nehmen? Die Religionslehrer müßten ihre Sache besser verstehen, sie müßten zugleich die Lehrer des Hebräischen und Talmudischen sein, damit eine gediegene allgemeine Bildung verbinden, und dem Kinde das Beispiel echter Frömmigkeit bieten. Damit wären viele Schwierigkeiten verschwunden, wenn auch nicht alle. Er würde doch immerhin nicht im Jargon sprechen, und Chalat und Peies würde er auch nicht tragen; damit wäre er noch immer ein Fremder. Aber dem wahrhaft ernsten Willen würde auf die Dauer die galizische Judenschaft, mindestens ein Teil derselben nicht widerstehen. Wie schwer sind aber diese Forderungen zu erfüllen. So stehen wir noch wie zu Kaiser Josephs und Wesselys Zeiten da, und aus unseren Kindern werden später, wenn sie den Westen kennen lernen, vielfach Leugner alles Jüdischen. Möge in diesen Verhältnissen eine Besserung bald eintreten. Netv-Uork, Großes Aufsehen erregt eine Kundgebung Schechters „ Man hat von Chikago aus wieder eine allgemeine Synode angeregt, und derMise'sche Vorschlag hat für und wider viele Aeußerungen hervorgerufen. Schechter hat sich mannhaft gegen die Synode ausgesprochen. Er gedenkt der Eindrücke seiner Kindheit, da er in seiner Heimat von vielen Gelehrten umgeben war, unter denen der Ortsrabbi noch nicht die erste Stelle einnahm; die meisten Gemeindemitglieder verstanden Thom, Raschi, Mischna, und lesen konnte jeder das Hebräische. Im Westen ist die Unwissenheit dagegen das Maßgebende, der Rabbiner der Geistliche und Herr der Thora geworden, der damit schalten und walten kann wie mit seinem Eigentum. Jenen alten Rabbinen hätte man nicht raten dürfen, das zu tun. In der. Synode sieht Schechter eine Stärkung dieser traurigen Verhältnisse. Ein Geistlichentum macht sich da als eine Art Synedrium oder Kardinalskollegium geltend, um wohl oder übel dadurch den eigenen Einfluß auf die Seelen auszudehnen. Schechter hält das fün verderblich und wünscht dem Judentum im Ganzen mehr Rückgrat und Selbständigkeit. — Es ist abzuwarten, was von entgegengesetzter Seite darauf erwidert werden wird. Jedenfalls gibt man zu, daß Schechter ruhig, sachlich, ohne besonderen Parteist,rndpunkt die Sache behandelt habe, und sein Wort wird jedenfalls schwer in die Wagschale fallen. ._ Uakanm Akad. geb. Hilfslehrer oder Mittelschullehrer an der Real- und höheren Mädchenschule der israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt am Main. Meldungen bis zum 1. Juni an Herrn Direktor Dr. Lange, Tiergarten 3. Kantor und Schächter per 1. August in Fordon. Gehalt 1500 Mk, 3—400 Mk. Nebeneinnahmen und 200 Mk. Mieleentschädigung. Meldungen an den Vorsteher Herrn Jacob Wolff. Kantor, Religionslehrer, Schochet und Balkare in Scharley in Schlesien. Gehalt 1000 Mk. und ca. 300 Mk Nebeneinnahmen. Meldungen an Herrn A. Koplowitz. Sem. geb. Religionslehrer, Borbeter und Schochet per 1. September in Hof in Bayern. Anfangsgehalt 1065 Mk. und nicht unbedeutende Nebeneinkünfte Offerten an die israelitische Kultusgemeinde. Rabbiner und Religionslehrer in Tarnowitz. Anfangsgehalt 3000 Mk. und nicht unbedeutende Nebeneiunahme Bewerbungen bis zum 31. Mai an den Vorstand der L>yuagogen- Gemeinde. Kantor und Schächter in Spandau. Aufangsgehalt 2000 Mk. Offerten an den Vorstand der Synagogengemeinde in Spandau Kantor und Schächter per 1. Juli in Kurnik. Einkommen 1500 Mk. nebst freier Wohnung. Meldungen an den Korporalionsvorsteher Herrn H. Bloch. , Tempeldiener, welcher sich auch als Hilfsvorbeter für die hohen Feiertage qualifiziert, baldigst in Schroda. Gehalt 600 Mk, freie Wohnung und Nebeneinkünfte. Offerten an Herrn Baruch Baruch, $ e u t II e t o n. Die Trau des. Historische Erzählung (nach Julio Venturo). Von Mathilde Schmidt. . ,r; (Schluß.) Am folgenden Morgen, als sich kaum die Sonne über dem Horizont erhob, sah man den Henker des Hofes mit mehreren.Arbeitern, die, nach den Instrumenten zu urteilen, die sie auf den Schultern trugen, Zimmcrleute waren, in der Richtung nach Rocio gehen. Kaum angekommen, begannen sie ein Gerüst zu errichten, an dem man nach kurzer Zeit einen Strang hängen sah, der vom Wmde hin und h.erbewegt wurde. Ein düsteres Schweigen herrschte über der ganzen Stadt. Die Handwerker hatten ihre Arbeit unterbrochen und jener Lärm, der in großen Städten so alltäglich ist und nach dem die Reisenden sofort die größere oder geringere Tätigkeit beurteilen können, war verstummt. Die Kaufleute hatten ebenfalls ihre Läden geschlossen und drängten im Verein mit dem Volk nach jenem Platz, wo an diesem Tage Magister Moyses gehängt werden sollte. Alles sprach leise, und aus. manchen Reden ließ sich pernehmen, daß Magister Moyses trotz seiner Eigenschaft als Neubekehrter noch viele unter dem Volk zählte, die ihn zu verteidigen wagten. „Endlich stirbt dieser ungläubige Hund", sagte einer. „Was hat. er denn so übles getan?" erwiderte ein andrer. „Er hat zwei Räuber getötet, um sich vor ihren Plünderungen zu schützen. Das hättetihr alle auch getan. Aber hier ist , noch etwas anderes im Spiel. Es muß hier jemand nach?» geholfen haben." , „Natürlich, und zwar hat das niemand anders getan, als Diego da Silva; er will sich rächen, weil ein Mädchen den Magister ihm vorgezogen hat", versicherte ein dritter. „Das habe ich gleich gesagt", bestätigte der zweite. In so verschiedener Weise unterhielten sich nicht nur die Gruppen, die schon auf dem Marktplatz versammelt waren, sondern, noch viele andere, die sich in großer Anzahl herandrängten, begierig die Todesangst eines Unglücklichen zu sehen. 1744